Der TV Lobberich 1861 e.V.

   
 

Aus den Anfängen der Turngeschichte
    - keine Stadt, kaum ein Dorf ohne Turnverein-

 

 

Der Verein ist die Keimzelle der deutschen Turn- und Sportbewegung. Bestaunt und bespottet bilden die Vereine in Deutschland eine unübersehbare Landschaft. Sie leisten einen unschätzbaren Wert für das Wohlbefinden und den sozialen Zusammenhalt der Bevölkerung, um ihre Verdienste einmal auf den einfachsten Nenner zu bringen. Schließlich handelt es sich um freiwillige Zusammenschlüsse, um Gesinnungs- und Interessengemeinschaften, die sich selbst verwalten und bestimmen. Ohne den Verein geht nichts. Die gewaltige Turn- und Sportbewegung mit ihren nahezu 20 Millionen organisierten Mitgliedern ist ohne Verein nicht denkbar. Daran ändern auch kommerzielle und kommunale Angebote nichts“. (Der Deutsche Turnerbund, Schriftenreihe des Deutschen Turnerbundes, Heft, 1950)

Der Deutsche Turnerbund weiß die ältesten und zugleich die modernsten Vereine in seinen Reihen. Wie ein Netz überzieht die Vereinslandschaft die Bundesrepublik Deutschland. Keine Stadt, kaum ein Dorf ohne einen Turnverein, der oft als einziger Verein zu den wichtigen Kommunikationsmöglichkeiten zählt, der als der Motor für die geselligen und gesundheitlichen Aspekte vor Ort gilt. Kein Verband verfügt über so starke geschichtliche Wurzeln, schaut auf eine mitunter irritierende Vergangenheit zurück, weiß sich permanent von Tradition umgeben und präsentiert sich zugleich so gegenwartsbezogen, so offen für alle aktuellen Entwicklungen wie der DTB.


Traditionen können eine große Stütze sein, aber auch als Belastung empfunden werden. Die hohen pädagogischen Ziele und die schrillen nationalen Töne haben der Turnbewegung nicht nur in den Anfängen ihrer Geschichte viele Freunde, aber auch viele Feinde eingebracht.

Schon bei der Gründung der ersten Turnvereine (den Sportverein gab es damals noch nicht) wurde die gesellschaftspolitische Bedeutung dieser neuen Art von Vereinigungen erkannt. Die Obrigkeit wurde wach und beobachtete diese Bürgerbewegung sehr genau. Wäre in den Turnvereinen nur geturnt worden, hätte sich das gesellschaftspolitische Problem einfacher gestellt. Aber die Turner hatten ja auch ein politisches Ziel: mehr Bürgerfreiheit und ein einiges Deutschland!

                           

                                      Turnvater Jahn

Das jahnsche Turnen war von seinen Anfängen an politisch akzentuiert und motiviert; politisch im ursprünglichen Sinne als Erziehungsarbeit für die Bürgergemeinde und den Staat. Friedrich Ludwig Jahn (1778 – 1852) gehörte auch zu dem erweiterten Kreis der preußischen Reformer, deren Ziel nach Freiherr vom Stein (1757-1831) „die Belebung des Gemeingeistes und des Bürgersinnes“ war. Beeinflusst vom Gedanken der Französischen Revolution (1789 – 1799) propagierte er eine nationale Erziehung, um mündige Staatsbürger heranzubilden, forderte die Abschaffung von Adelsprivilegien, den Aufbau eines Volksheeres anstelle eines Söldnerheeres und die Beseitigung von Knechtschaft und Unterdrückung jeglicher Art.


Wenn Jahn mit seinen Turnern auf der Berliner Hasenheide (1811 erfolgte hier die Errichtung des ersten Turnplatzes in Deutschland) körperliche Ertüchtigung betrieb, so war sein Erziehungsziel nicht allein darauf beschränkt. Denn neben einer aus der Not der Zeit geborenen paramilitärischen Ausbildung sollte Turnen der Charakterbildung dienen, sollte es „die verloren gegangene Gleichmäßigkeit menschlicher Bildung wiederherstellen, der bloß einseitigen Vergeistigung die wahre Leibhaftigkeit zuordnen, der Überfeinerung in der wiedergewonnenen Männlichkeit das notwendige Gegengewicht geben und in jugendlichem Zusammenleben den ganzen Menschen erfassen und ergreifen“ – Erziehungsgrundsätze, wie sie ähnlich der Pädagoge Johann Friedrich Christof GutsMuths (1759 – 1831), Begründer des Schulturnens oder Gerhard Ulrich Anton Vieth (1763 – 1836), Verfasser der „Encyklopädie der Leibesübungen“, schon vor ihm formuliert hatten.

 

                              

                                     Berliner Hasenheide                                               


Kommt man auch nicht umhin, Jahns Turnen in den Anfängen als bewusste Wehrertüchtigung zu werten, so ist damit keineswegs die ganze Breite jahnschen Turnens erfasst. Da sein „vaterländisches Turnen“ die wichtigste Ausformung seiner Volkstumsidee war, gehörten Wanderungen durch deutsche Gaue, Feste und Feiern zur Erinnerung an bedeutsame Ereignisse, die von ihm geschaffene Turnsprache sowie die Pflege des deutschen Brauchtums und die Einführung der turnerischen Gleichtracht zu den Geschichtsbewusstsein und Patriotismus weckenden Kräften und Maßnahmen. Hinzu kam, dass – wie Jahn den Turnbetrieb charakterisierte – „Leibesübungen von Knaben und Jünglingen frei öffentlich und vor jedermanns Augen getrieben“ wurden.


Die Öffentlichkeit des Turnens wurde tatsächlich zu einer entscheidenden Antriebskraft für die territoriale Verbreitung der Turnbewegung, die ab 1813 begann und dann nach den Befreiungskriegen, an denen Jahn und zahlreiche Turner teilnahmen, stark zunahm.
Als nach den Befreiungskriegen die staatliche Neuordnung Europas und vor allem Deutschlands weit hinter den hohen Erwartungen der jungen Patrioten zurückblieb, wurden die von der Staatsmacht eingeschränkten Freiheitsrechte am nachdrücklichsten von der akademischen Jugend – der Burschenschaft – einer aus patriotischem Geist und auf Anregung Jahns gegründeten Studentenorganisation – verfochten.


Die Verbindung zwischen Turnen und Burschenschaft – beides von Jahn initiiert, war so eng, dass bald der Name „Burschenturner“ geprägt war. Der „Bursche“ war verpflichtet, „seinen Körper zum Dienst des Vaterlandes gehörig auszubilden“. Das Turnen erhielt durch Aktivitäten der Professoren und Studentenschaften an vielen Universitäten starken Auftrieb. Doch immer mehr kam es zu einer wachsenden Politisierung und Radikalisierung des Turnens. Angefangen mit der „Breslauer Turnfehde (1819) bis hin zur Sperrung des Breslauer Turnplatzes. Mit den „Karlsbader Beschlüssen im Jahre 1819 (Verbot der öffentlichen Meinungsfreiheit und der Burschenschaften, Überwachung der Universitäten, Zensur der Presse, Entlassung und Berufsverbot für liberale Professoren) kam es letztlich zur Turnsperre (von 1820 – 1842) bei der es aufgrund einer königlichen Kabinettsorder zur Schließung von über 100 Turnplätzen und Turnanstalten in Preußen kam. Darüber hinaus wurden hunderte von Studenten verhaftet.


Zu denen, die als „Demagogen“ verhaftet wurden, gehörte auch Friedrich Ludwig Jahn, der angeklagt und lange Jahre unter Hausarrest gestellt wurde. Das jahnsche Turnen wurde damit in Preußen und in den meisten deutschen Staaten für lange Zeit verboten.
Erst als der preußische König Friedrich Wilhelm IV. in seiner Kabinettsorder vom 6. Juni 1842 Leibesübungen als einen „notwendigen und unentbehrlichen Bestandteil der männlichen Erziehung“ förmlich anerkannte und bestimmte, sie in den Kreis der Volkserziehungsmittel aufzunehmen, da wurde die „Turnsperre“ in Preußen und bald auch in den anderen deutschen Staaten wieder aufgehoben.


Die Turnbewegung erlebte nunmehr innerhalb weniger Jahre einen bedeutsamen Aufschwung und wurde zu einer politischen Bewegung, in der sich die fortschrittlichen Kräfte, die nach Einheit und Freiheit des Vaterlandes strebten, zu Aktionsgruppen in den Turnvereinen zusammenfanden.


Zu Beginn der deutschen Revolution von 1848/49, als Bürger von 39 Teilstaaten von ihren Regierungen soziale und politische Rechte, aber auch die Einheit Deutschlands forderten, lud A. Schärttner (1817-1859), auch eine führende Persönlichkeit des deutschen Turnwesens und der Revolution von 1848/49 im März 1848 alle Turner nach Hanau zu einem Turntag ein. Unter Vorsitz des Esslinger Rechtsanwaltes Theodor Georgii (1826-1892) und in Anwesenheit Friedrich Ludwig Jahns wurde am 3. April 1848 der Deutsche Turnerbund gegründet. Wegen der politischen Zielsetzung – ob Republik oder Monarchie – über die auch die Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche leidenschaftlich diskutierte, entzweiten sich die Turner. Auf dem zweiten Turntag am 2./3. Juli 1848 ebenfalls in Hanau spalteten sich die Republikaner ab und gründeten einen zweiten nationalen Verband, den Demokratischen Turnerbund. Mit dem Scheitern der bürgerlichen Revolution und der Flucht vieler demokratisch gesinnter Turner in das Ausland verschwand der demokratische Turnerbund. Ein Einigungsversuch beider Verbände mit der Gründung des Allgemeinen Deutschen Turnerbundes in Eisenach im August 1849 hatte keinen Erfolg; denn während des teils gemeinsam, teils getrennt stattfindenden 2. Turntags in Eisenach im März/April 1850 beschlossen die Vertreter des DTB erneut, ihre Satzung und den Bund frei von Politik zu halten. Die Vertreter des ADTB forderten hingegen die Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit des deutschen Volkes – die Ideale der Französischen Revolution von 1789.


Von den drei in den Revolutionsjahren gegründeten nationalen Turnverbänden hat nur der zuerst entstandene Deutsche Turner Bund die Revolution und die danach erfolgten Verbote politischer Vereinigungen überstanden. Da aber der geschäftsführende Vorstand des DTB, der TV Leipzig, wenig Aktivität entwickelte, wurde er auf Drängen des MTV Braunschweig durch den MTV Hannover per Briefwahl am 16. Januar 1850 abgelöst.
Aufgrund der sehr regen Korrespondenz mit den Mitglieds- und anderen Turnvereinen und –Regionalverbänden hat der Vorort (wie damals der geschäftsführende Vorstand bezeichnet wurde) Hannover die Position des DTB zunächst festigen können. Aber aufgrund von weiteren polizeilichen Überwachungsmaßnahmen, die u. a. zur Auflösung des Niederrheinisch – Westfälischen Bezirksverbandes (1851) und des Niedersächsischen Bezirksverbandes (1855) führten, musste der Vorort Hannover seine Tätigkeiten einschränken. Er konnte z. B. nur alle zwei Jahre einen Turntag durchführen und schlug Ende 1855 die Auflösung des DTB (provokativ) vor. Auf dem Turntag in Hannover am 6. Januar 1856 wurde der MTV Hamburg zum Vorort gewählt.


Die erstmals 1856 in Leipzig erschienene „Deutsche Turnzeitung“ wurde das neue
Presseorgan, vorher waren dies „der Turner“ aus Dresden und das „Turnblatt aus Schwaben“.


Der DTB war aber wegen der polizeilichen Repressalien immer mehr zu einem norddeutschen Regionalverband eingeengt worden, dem gerade noch 16 Vereine angehörten.


Auf dem Turntag in Hamburg am 20. November 1859 wurde die Satzung überarbeitet und
der MTV Stade zum Vorort gewählt. Dessen Vorsitzender nahm an den Besprechungen
während des Deutschen Turn- und Jugendfestes ins Coburg vom 16. – 19. Juni 1860 teil. Er gliederte dann den DTB beim letzten Turntag, der einen Tag nach dem Deutschen Turnfest in Berlin 1861 abgehalten wurde, als norddeutschen Regionalverband in die de facto in Coburg gebildete Deutsche Turnerschaft ein.


Der „Ruf nach Sammlung“ der beiden Schwaben Th. Georgii und C. Kallenberg in der
Deutschen Turnzeitung im März 1860, der zum Turn- und Jugendfest in Coburg, an dem über 1.000 Turner teilnahmen, führte, war eine Wiedervereinigung aller bereits bestehenden Turnvereine und Regionalverbände unter dem Namen Deutsche Turnerschaft. Unter anderem hieß es in dem Aufruf: „daß wie auf allen anderen Gebieten unseres Volkslebens, so auch auf dem turnerischen, die Zeit reif geworden ist, zur festlichen Bestätigung des eigenen Wollens und Strebens deutscher Nation“.
Das Coburger Turnfest stellte letztlich eine entscheidende Wende dar: Von 1860 an nahmen die Turnvereinsgründungen wieder rasch zu, sodass allein in den Jahren 1860 – 1862 über 1.000 Turnvereine entstanden, in denen aufs Neue die deutsche Frage diskutiert wurde. Die deutsche Turnbewegung war nun nicht mehr aufzuhalten.

 

Der Turnverein Lobberich 1861 e.V.
Von 1861 bis 1886
- die Gründerjahre -

 

Lobberich in der Mitte des 19. Jahrhunderts – im Jahre 1860 ca. 3.400 Einwohner – hatte neben Kirche, Rathaus, Pfarrhaus, Vikariehaus, 2 Schulhäuser und Armenhaus (Eremitage) ca. 460 Privathäuser (davon in Lobberich selbst ca 170, der größere Rest verteilte sich auf die Honschaften Sittard, Bocholt, Flothend, Dyck, Rennekoven und Sassenfeld) und eine Apotheke. Johann Heinrich Michels hatte am Hinsbecker Weg (heutige Niedieckstraße) seine Blaufärberei gegründet. Auf manchem Bauernhof, wo bisher Flachs gesponnen wurde, begann man nun Baumwolle zu spinnen und zu spulen. Abnehmer waren u. a. die Gebrüder Felix und Victor de Ball, die ebenfalls am Hinsbecker Weg ihre Seiden- und Samtfabrik gründeten. Erster preußischer Bürgermeister wurde Johann Heinrich Kessels, Vater von elf Kindern, nicht eben arm und in durchaus verschiedenartigen Erwerbszweigen ebenso vertraut wie in den zahlreichen Sparten der Verwaltung. Von Beruf in dem kleinen Örtchen waren hauptsächlich Weber,  Ackerer, Knechte und Mägde sowie Tagelöhner anzutreffen. Vereinzelt gab es auch Müller, Schäfer, Fischer, Bäcker, Metzger, Schankwirte, Schneider, Schuster, Holzschuhmacher, Schreiner, Zimmerer, Maurer, Schmiede und Kleinhändler.

Um 1850 erfuhr Lobberichs Wirtschaft eine erhebliche Wandlung. Man kann heute kaum mehr mit Sicherheit klären, ob es einem glücklichen Zufall, guten Verbindungen der Verwaltungsspitze oder günstig erworbenen Industriegrundstücken zu danken ist, daß um diese Zeit unvorhersehbar und plötzlich die örtliche industrielle Revolution ausbrach, die das Dorf aufweckte und im Laufe der folgenden Jahrzehnte zu großer Entwicklung führte.


Zunächst gelang es dem betriebsamen Bürgermeister Kessels, die Gebrüder Felix und Victor de Ball, deren Vater Johann Ludwig in Geldern eine Samtfabrik unterhielt, nach Lobberich zu holen. Schon Ende 1845 etablierte sich am Hinsbecker Weg (spätere Bahnstraße) die Fa. J. L. de Ball & Cie., Stücksamt und Samtband, mit 400 Stühlen, wobei die Arbeitskräfte vor allem aus dem Reservoir der Heimweber kamen. Das Unternehmen ließ sich sehr erfolgreich an, auch die 1848 auftretenden Differenzen bei der Entlohnung für Stücksamt konnten im allseitigen Einvernehmen beigelegt werden. Um diese Zeit zahlte die Firma an Gewerbesteuer jährlich 19 Taler 15 Silbergroschen; die Betriebsinhaber Felix und Victor de Ball wurden mit je 12 Talern zur Klassensteuer veranlagt. Um 1849 wurde der Kaufmann Hermann Reifenstuhl in die Firma aufgenommen, der mit Felix de Ball einen Zweigbetrieb in Leipzig aufbaute.


Als die Gebrüder Niedieck unweit der Seen am Weg nach Breyell ihre große Fabrik bauten, begann die Bebauung der Breyeller Straße und des ausgesprochenen Arbeiterwohngebietes zwischen der heutigen Düsseldorfer und Flothender Straße. Vor 1850 war am letzten Haus der unteren Hochstraße Ende der Bebauung. Eine Brücke führte über den Ludbach. Durch Heide und über einen Feldweg kam man zur Eremitage. Der Weg nach Dyck führte durch hohen Buchenwald. Der im Ort gelegene Teil der Süchtelner Straße endete um 1850 noch beim früheren Möbelhaus Josten (heute: Sanitätshaus Janßen). Die nach 1860 begonnene Verlängerung der Süchtelner Straße, die durch das zweite Werk von Niedieck an der rechten Straßenseite vorangetrieben wurde, hieß ursprünglich „Sittarder Leichenweg“. Im Ortsbereich der Süchtelner Straße lagen die Postwagenstelle und der Pferdestall des Postwagenfahrers. In unmittelbarer Nachbarschaft wurde das frühere Amtsgericht gebaut.


Das dem Ortskern zugehörige Stück der alten Kempener Straße hieß „Alt-Kevelaer“. Hier lagen an der linken Seite Gaststätte und Bauernhof Doerkes (später Doerkesstift, wonach heute der dahinter liegende Platz benannt ist). Bis1865/70 trafen außerhalb des bebauten Ortskerns am Stern vor den neuen katholischen Kirche Feldwege zusammen, die heute ausgebaute Straße sind: An St. Sebastian, Wevelinghover Straße, Niedieckstraße, Steegerstraße, Hochstraße. Alle diese Straßen mündeten als Hohlwege in den Platz. Die Wevelinghover Straße (früher Venloer Straße) war vor 1870 Hauptverbindung nach Hinsbeck. Die heutige Niedieckstraße war ein Weg, der zum Oirlich führte, aber hinter dem Werk von de Ball (früher Niedieck) einen Abzweiger nach Hinsbeck hatte. Die nach 1870 ausgebaute Steegerstraße verband seit alters her Bocholt und Sassenfeld.

Im Oktober 1861 kam es aus wirtschaftlichen Gründen zum Verkauf der Firma de Ball an den Schwager und bisherigen Mitarbeiter Hermann van der Upwich aus Nunspeet/Holland (1835-1922), der 1851 als Lehrling in die Firma eingetreten war und nun zusammen mit Hermann Reifenstuhl den Betrieb zu weltweiter Bedeutung führte unter der Firmung: J. L. de Ball & Cie. Nachfolger, Seide- und Samtbandfabrik. Felix und Victor de Ball wurden als Partner beteiligt.

Der „Ruf zur Sammlung“ von Georgii und Kallenberg von März 1860 wird wohl, wie überall in den deutschen Landen, der Anstoß zur Gründung unseres Vereines gewesen sein. Jedenfalls trafen sich die Gründungsmitglieder Arnold von den Driesch, Wilhelm Deutges, Wilhelm Schuren, Julius Brües, Mathias Weyer, Heinrich Brahseler, Julius Hamm, Peter Heinrich Rollbrocker, Wilhelm Hohnroth, Philibert Istas, Martin Hamacher, Conrad Klumpen, Clemens Tillenberg, Lambert Antwerpen, Heinrich Jelihsen, Peter Paul Schmitz und Johann Hoeren am 2. September 1861 abends um 8 Uhr beim Wirten Peter Heinrich Rollbrocker (früheres Doerkesstift, Kempener Straße) um Nachstehendes zu beschließen:


„Heute, den 2. September 1861 sind die Unterzeichneten zusammengetreten, um nach dem Vorbilde anderer Städte Deutschlands einen Turnverein zu gründen.
Lobberich, den 2. September 1861“

                                              Gründungsprotokoll                                

                              

In der 1. Generalversammlung wurde zunächst das Haus von Peter Heinrich Rollbrocker als Vereinslokal bestimmt. Hierauf schritten die Anwesenden zu Wahl eines provisorischen Turnrates (Vorstand). 1. Präsident wurde Clemens Tillenberg, Geldwart Philibert Istas, Turnwart Julius Hamm, Zeugwart Wilhelm Deutges, Schriftwart Wilhelm Hohnroth und Beisitzer Martin Hamacher.

Den monatlichen Beitrag setzte man acht Tage später in einer der häufigen Mitgliederversammlungen auf 3 Silbergroschen (Silbergroschen (Abk. Sgr) hieß der in Preußen zwischen 1821 und 1873 geprägte Groschen, von dem 30 Stück à 12 Pfenni(n)g auf einen Taler im 14-Talerfuß gesetzlich festgelegt wurden. Vorher war der preußische Reichstaler in 24 gute Groschen à 12 Pfennig unterteilt.), für damalige Verhältnisse sehr hoch, fest. Bis zu der am 1. Oktober 1861 stattfindenden erneuten Generalversammlung wurden dann weitere 10 neue Mitglieder aufgenommen, sodass der Verein bereits 27 Mitglieder zählte.


In dieser Versammlung wurde auch der endgültige Turnrat gewählt. Präsident blieb Clemens Tillenberg, Turnwart blieb Julius Hamm, Philibert Istas blieb Geldwart, Julius Kehsels wurde Schriftwart, Wilhelm Deutges blieb Zeugwart und Beisitzer wurde Johann Mommers. In der gleichen Versammlung wurden dann nachstehende Statuten beschlossen:

                                  Statuten

 

Statuten des
Lobbericher Turn-Vereins.
„Frisch! Fromm! Frei! Fröhlich!


§ 1 Zweck des Vereins. Geistige und körperliche Kräftigung, durch Streben nach möglichst vollständiger Erreichung unseres Wahlspruchs. - Der Verein enthält sich aller politischen Parteinahme als dem Zwecke der Gesellschaft durchaus nicht entsprechend.


§ 2 Der Verein besteht aus activen und passiven Turnern, auch können Ehrenmitglieder ernannt werden. Letztere haben in allen vorkommenden Fällen freien Zutritt, sind jedoch nicht stimmberechtigt.

§ 3 Als Mitglied werden nur solche aufgenommen, welche das achtzehnte Lebensjahr zurückgelegt haben. Auf Veranlassung des Turnrathes sind Ausnahmen zulässig.


§ 4 Wer dem Verein als Mitglied beitreten will, hat sich durch einen Turner bei `m Turnrath anzumelden, worauf der Vorsitzende ihn am nächsten Übungstage zur Kugelung vorschlägt, die acht Tage später erfolgt.


§ 5 Bei der Kugelung spricht Stimmengleichheit gegen die Aufnahme. Derjenige, dessen Aufnahme verweigert worden ist, kann erst nach einem halben Jahr wieder in Vorschlag gebracht werden.


§ 6 Wenn zwei Drittel der Mitglieder des Vereins in einer schriftlichen Anzeige an den Turnrath Jemanden zum  Ehrenmitglied vorschlägt, so ist derselbe angenommen und hat der Turnrath dieses in der nächsten Versammlung dem Verein mitzuteilen.


§ 7 Jeder Turner hat monatlich in der ersten Sitzung einen Beitrag von drei Groschen zu entrichten; außerdem hat jedes neu aufzunehmende Mitglied ein Eintrittsgeld von einem halben Thaler zu zahlen.


§ 8 Jedes Mitglied bleibt für das Eintrittsgeld und den Betrag für den ersten Monat des auf seinen Vorschlag Aufgenommenen verantwortlich.


§ 9 Ein Jeder ist zur Zahlung des Beitrages bis incl. des Monats, in welchem er den Verein verlässt, verpflichtet. Neu eintretende Mitglieder zahlen den Beitrag von dem Monate an, in welchem Sie aufgenommen werden.


§ 10 Wird von zwölf Turnern bei dem  Turnrathe auf Ausschließung eines Mitgliedes schriftlich, unter Angabe der Gründe, sofern dieselben nicht persönlich sind, angetragen, so hat der Turnrath dieses dem Betroffenen anzuzeigen. Falls derselbe nicht binnen drei Tagen seinen Austritt aus dem Verein anzeigt, so hat der Turnrath den Antrag auf Ausschließung desselben vor die Hauptversammlung zu bringen, worin dem Angeklagten das Recht der Verteidigung zusteht. Es müssen bei der dann stattfindenden Kugelung zwei Drittel der Anwesenden gegen den Angeklagten entscheiden, wenn dessen Ausschließung erfolgen soll. Die Namen der Antragsteller muss der Turnrath verschweigen und die betreffende Eingabe vernichten.


§ 11 Sowohl der freiwillige als bedingte Austritt ruft den Verlust allen Anrechtes auf das Eigentum des Vereins nach sich. Verlässt jedoch ein Mitglied nur zeitweise unser Dorf, resp. verlässt es sein Domizil, so verbleiben demselben seine Rechte und hat es seinen Beitrag erst vom Anfange des Monats wieder zu entrichten, so es sich neu anmeldet, ohne einer Ballotage unterworfen zu werden.


§ 12 Der Verein wählt aus seiner Mitte einen Turnrath, welchem die Verwaltung der Vereinsangelegenheiten obliegt. Derselbe besteht aus einem Vorsitzenden, einem Turnwart, einem Zeugwart, einem Schriftwart, einem Geldwart und einem Beisitzenden.


§ 13 Der Vorsitzende führt den Vorsitz in den Hauptversammlungen


a) und Turnraths-Sitzungen, in seiner Abwesenheit übernimmt ein anderes Mitglied des Turnrathes den Vorsitz, worüber derselbe sich zu einigen hat.


b) Der Turnwart leitet die Turnübungen, entwirft die Turnordnung, teilt die Riege ein und ernennt ebenso die Vorturner und Anmänner; seinen Anordnungen auf dem Turnplatze hat sich jeder zu fügen.

c) Der Zeugwart sorgt stets für den guten Zustand der Turngeräte.


d) Der Schriftwart hat alle schriftlichen Ausfertigungen des Vereins zu besorgen und führt das Protokoll in den Hauptversammlungen und Turnraths-Sitzungen.


§ 14 Der Turnrath wird durch Stimmzettel gewählt. Nach Ablauf eines jeden Vereinsjahres legt derselbe sein Amt nieder, ist jedoch wieder wählbar.


§ 15 Der Turnrath als Vereinsvertreter besorgt alle laufenden Geschäfte desselben und ist für seine Handlungen dem Vereine gegenüber verantwortlich.


§ 16 Der Turnrath hält monatlich eine Sitzung zur Erörterung von Vereinssachen. In einer Turnratssitzung gibt die Anwesenheit von fünf Mitgliedern bei einfacher Stimmenmehrheit den Beschlüssen Gültigkeit.


§ 17 Der Turnrath kann über die gewöhnlichen kleinen Ausgaben verfügen, darf jedoch die Summe von drei Thaler in einem viertel Jahr nicht überschreiten; bei außerordentlichen Auslagen ist jedoch eine Hauptversammlung zu berufen.
 
§ 18 Auswärtige Turner haben freien Zutritt.


§ 19 Die Turnübungen finden statt, Montag und Donnerstag abends zwischen acht und elf Uhr.


§ 20 Die Benutzung der Turngeräte ist auch außer den Turnstunden jedem Turner gestattet, jedoch ist derselbe, sofern dieselben durch eingeführte Nichtmitglieder beschädigt werden, dem Verein dafür verantwortlich.


§ 21 Jede Hauptversammlung muss acht Tage vorher bekannt gegeben werden.


§ 22 Der Vorsitzende muss vierteljährlich eine regelmäßige wiederkehrende Hauptversammlung anberaumen und sind demselben alle Anträge, welche alsdann zur Sprache gebracht werden sollen, schriftlich einzureichen. Dieselben werden dann der Reihe nach behandelt. Anträge und Mittheilungen des Turnrathes gehen allen anderen vor. Wird aber inzwischen ein von acht Turnern unterzeichneter Antrag eingereicht, so muss der Turnrat innerhalb von zwölf Tagen eine Hauptversammlung zusammenrufen.


§ 23 Kein Mitglied darf sprechen, ehe ihm vom Vorsitzenden das Wort ertheilt wird, was nach der Reihenfolge der Anmeldungen geschieht. Bei einem etwaigen Verstoße des Redners gegen die Ordnung, ist der Vorsitzende ermächtigt, nach zweimaligem Ordnungsrufe ihm das Wort zu entziehen, und wird die Ordnung überaus gestört, nach dreimaligem Ordnungsrufe die Versammlung zu vertagen.


§ 24 Bei den Abstimmungen in der Hauptversammlung entscheidet unbedingte         Stimmenmehrheit. Bei Stimmengleichheit entscheidet der Vorsitzende.


§ 25 Jede ordnungsmäßig zusammenberufene Hauptversammlung ist ohne Rücksicht auf die Zahl der Anwesenden beschlussfähig und hat sich diesen Beschlüssen jedes Mitglied unbedingt zu unterwerfen.


§ 26 Zur Auflösung des Vereins ist die Zustimmung von sieben Achtel der Mitglieder erforderlich.


§ 27 Jedes Mitglied hat vorstehende Satzung zu unterschreiben und verpflichtet sich dadurch, denselben Folge zu leisten.


§ 28 Falls es später Notwendigkeit erfordert, können Abänderungen und Zusätze zu diesen Satzungen durch Beschluss einer Hauptversammlung gemacht werden.


Zu § 15 das Überschreiben des Wörtchens „ist“ und das Durchstreichen der beiden Worte vom Verein ist genehmigt.


Lobberich, den 1. October 1861

                     

 

Diese Statuten wurden am 16. Oktober 1861 vom damaligen Bürgermeister Kessels genehmigt und mitunterzeichnet.


Verfügung des Landrates Foerster von Kempen vom 16. Juli 1862
Höherer Bestimmung zufolge sind die Turnvereine nach Zweck und Wirksamkeit zu den unter das Gesetz vom 11. März 1850, das Versammlungs- und Vereinigungsrecht betreffend, fallenden Vereine zu zählen. Demgemäß sollen von denselben die Statuten und ein Nachweis der Mitglieder, sowie eine Anzeige der abzuhaltenden Versammlungen erfordert und diese Letzteren durch Polizeibeamte beschickt, alle Übertretungen der Verordnungen vom 11. März 1850 zur gerichtlichen Bestrafung angezeigt, auch geeignetenfalls dergleichen Vereine vorläufig geschlossen werden.
Wo Privatpersonen die Errichtung einer Turnanstalt beabsichtigen, ist dazu nach § 40 und 50 der Allgemeinen Gewerbeordnung vom 17. Januar 1845 eine besondere Konzession erforderlich. Sofern diese Einrichtung von Turnvereinen beabsichtigt wird, ist hiernach zu verfahren und sofern dergleichen Vereine bereits bestehen, sind die Statuten sowie ein Verzeichnis der Mitglieder resp. des Vorstandes baldigst einzusenden, auch ist anzuzeigen, ob der Verein regelmäßige Versammlungen und an welchem Orte hält, beziehungsweise wann die erforderliche Konzession erteilt ist.


Sollten bei der polizeilichen Überwachung der Vereine übrigens irgendwelche Wahrnehmungen gemacht werden, so sehe ich hierüber in jedem einzelnen Falle Ihren Anzeigen entgegen.
Bürgermeister Kessels kam dieser Verordnung nach und antwortete dem Landrat:
Euer Hochwohlgeboren beehre ich mich anliegend in Erledigung vorstehender Verfügung eine beglaubigte Abschrift der Statuten des hiesigen Turnvereines sowie ein Verzeichnis der Mitglieder desselben mit dem Bemerken gehorsamst einzusenden, daß der Verein sich jeden Montag und Donnerstag der Woche zu den Turnübungen - § 19 der Statuten – bei dem Schankwirten Rollbrocker hierselbst versammelt. Der Verein wird von mir polizeilich überwacht und sollten, was übrigens nicht zu erwarten steht, Übertretungen der Verordnungen vom 11. 3. 1850 vorkommen, so werde ich die nötigen Schritte zur Bestrafung einleiten.
Der Bürgermeister

Turnabende fanden im Winter einmal und im Sommer zweimal wöchentlich statt. Mit dem Besuch muss man es sehr ernst genommen haben; recht bald setzte man nämlich ein Strafgeld von 1 Silbergroschen für nicht erscheinende Mitglieder fest. Bereits am 28. November 1861 nahm der Turnverein mit 10 Mitgliedern an einem Schauturnen in Viersen teil.

Wie es scheint, hat zumindest im ersten Jahr der Gründung ein sehr reges Vereinsleben geherrscht, um die Ziele und Zwecke des Vereins weiter auszubauen und zu fördern.
Am 5. Dezember 1861 wählte die Generalversammlung Jacob Reiners zum neuen Präsidenten
In der Generalversammlung vom 27. März 1862 wurde der Beschluss gefasst, auch Turnschüler aufzunehmen, die einen monatlichen Beitrag für den Turnunterricht von 1 ½ Sgr zu leisten hatten, während der Mitgliederbeitrag von 3 auf 2 Sgr. herabgesetzt wurde. Ob der Beschluss Erfolg gehabt hat, lässt sich nicht feststellen. Das Protokollbuch macht darüber keine Aussagen. Ein reger Verkehr entfaltete sich auch zwischen den benachbarten Turnvereinen Kempen, St. Tönis und Dülken, wohin Turnfahrten unternommen wurden.
Dem Turnen auf volkstümlicher Grundlage folgte dann auch bald das Geräteturnen. Die talentierten Turner wurden nach Krefeld und Mönchengladbach zu Lehrgängen geschickt. Dank der guten Vorturnerausbildung wurden das Gauturnfest in Mönchengladbach und verschiedene Stiftungsfeste benachbarter Vereine besucht.


In der Generalversammlung vom 11. September 1862 wurden die Gebrüder Julius und Carl Niedieck als Mitglieder aufgenommen.


Leider fehlen uns über den Verlauf des am 30. 8. 1863 gefeierten 2. Stiftungsfestes jegliche Aufzeichnungen.


Mit der Zahlung der Beiträge waren die Mitglieder wohl sehr nachlässig; denn die Generalversammlung vom 17. August 1863 beschloss, die säumigen Zahler, die nach vorhergehender Aufforderung innerhalb von vier Wochen nicht zahlten, auszuschließen. Ein weiterer Beweis dafür, dass verschiedene Mitglieder es mit der Zahlung der Beiträge nicht so genau nahmen, lieferte die Anschaffung des Bildes „Vater Jahn“. Dasselbe sollte unter der Bedingung gekauft werden, dass der Verkäufer Schuren den rückständigen Beitrag von 1 Taler 26 Sgr zahlte. Ob aus diesem Handelsgeschäft etwas geworden ist, verschweigt leider das Protokollbuch.


Die Generalversammlung vom 21. 9. 1863 wählte Julius Hamm zum neuen Präsidenten.
Anscheinend haben sich die Mitglieder nach ihren ersten „patriotischen Taten“ auf ihren Lorbeeren ausgeruht. Der Präsident, zu welchem mittlerweile der Turnwart Julius Hamm avanciert war (er hatte den Kunstmaler Jakob Reiners abgelöst), empfahl in der Januargeneralversammlung von 1864 „angelegentlichst ein häufiges Zusammentreffen der Mitglieder an den festgesetzten Turntagen“. Die Klagen über die schlechte Zahlungsmoral der Mitglieder wurden auch wieder laut und der Turnrat beschloss, vom § 28 der Statuten betr. Ausschluss der Mitglieder wegen Nichtzahlung rückständiger Beiträge sofort Gebrauch zu machen. „Im allgemeinen“,  heißt es in dem Versammlungsprotokoll, „berührt es unangenehm, dass trotz des gediegenen und umfassenden Vortrages des Präsidenten die Beiträge so ganz unregelmäßig eingingen.“


Am 17. 1. 1865 wurde Johann Hoeren Präsident des Turnvereins, während Julius Hamm wieder als Turnwart fungierte. Nochmals wurde im April 1865 der Beschluss gefasst, die rückständigen Beiträge aus den Jahren 1863 und 1864 einzuziehen und nach Ablauf von 4 Wochen Frist gegen die „Remittenten“ nach § 28 der Statuten zu verfahren. Im Juli 1865 machte die Generalversammlung hiervon Gebrauch und schloss 7 Mitglieder aus. Dieser Ausschluss hatte anscheinend nicht viel Eindruck auf andere Säumige gemacht, denn im Oktober wurden wieder Klagen über rückständige Beiträge laut. Es wurde dann beschlossen, den Jahresbeitrag auf 10 Sgr zu ermäßigen.

Einen recht befremdlichen Beschluss fasste die Generalversammlung vom 3. Mai 1866. In dem Protokoll heißt es: „Es wurde einstimmig beschlossen, die in der Vereinskasse sich befindende Summe von zehn Talern zu Dombaulotterielosen zu verwenden. Der Überschuss, zu drei Talern festgestellt, wird am Mittwoch, den 16. Mai 1866 durch Ankerbier vertilgt.“  Der Verein hat wohl damals vermutlich vor der Auflösung gestanden, sonst hätte ein derartiger Beschluss wohl nicht gefasst werden können. Die Pflege des Vereinszieles - schließlich in den Statuten festgelegt - hatten die Mitglieder wohl größtenteils aus den Augen verloren: Die Turngeräte waren in großer Unordnung - über ein Jahr schweigt das Protokollbuch über jede Vereinstätigkeit.

In der Generalversammlung vom 31. Juli 1867 wurde mit Stimmenmehrheit beschlossen, die rückständigen Beiträge nur bis zum November 1865 zu erheben, von da ab sollte jeder monatliche Beitrag fortfallen. Damit hatte der Verein also keinerlei Einnahmen mehr. Der Beschluss vom 3. Mai 1866 über die „Vertilgung“ der drei Taler durch Biere war noch nicht ausgeführt worden, weshalb beschlossen wurde, die „bestimmten Taler in fünf Wochen zu verzehren“. Lakonisch heißt es weiter in dem Bericht über die Versammlung: „Das Turnen wurde in die Hände des Turnwartes, die Herstellung der Geräte in die Hände des Zeugwartes gelegt.“

Dennoch sind die Mitglieder nur selten zu den angesetzten Turnzeiten erschienen; Lust und Eifer der Gründungszeit für die Turnsache war wohl etwas abgeklungen, so dass der Turnrat am 12.6.1866 beantragte, den Verein aufzulösen. Im Falle der Nichtauflösung erklärten sich jedoch 16 junge Leute bereit, Mitglied im Verein zu werden. Zu der Generalversammlung hatten sich indes nicht die gemäß Statut vorgesehenen 7/8 der Mitglieder eingefunden, welche über die Auflösung hätten beschließen können, woraufhin die 16 neuen Mitglieder aufgenommen wurden und die geplante Auflösung noch einmal zurückgestellt wurde.

Nun zog wieder neues Leben in den Turnverein ein. Die Geräte werden gründlich repariert, der Vorstand unter dem alten Präsidenten wurde vollständig erneuert und zum dritten Male beschloss die Versammlung, dass die ausgeworfenen drei Taler nunmehr aber „redlich“ vertrunken werden sollen. Ob´s gelungen ist? Jetzt wurden auch wieder Beiträge gezahlt und nochmals 16 neue Mitglieder aufgenommen, unter denen die Brüder Bernhard und Clemens Niedieck waren.

Am 12. September 1866 beging der Turnverein das 4. Stiftungsfest durch Schauturnen, Konzert und Ball. Die Verbindung mit der Organisation der Deutschen Turnerschaft wurde angeknüpft. W. Von Bergh ging als Delegierter zum rheinisch-westfälischen Turnertag nach Barmen. Die Mitglieder zahlten seinerzeit wohl nur sehr ungern Beiträge, denn nur mit einer Stimme Mehrheit wurde am 17. November 1868 beschlossen, den § 7 des Statuts - Erhebung von Beiträgen - wieder in Kraft zu setzen.

Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass seit dem 1. Januar 1868 Lobberich durch die Fertigstellung der Eisenbahnlinie Kempen - Venlo verkehrsgünstig angebunden wurde.

Am 13. Januar 1869 erhielt der Turnverein einen neuen Vorstand. Präsident wurde Wilhelm de Vos. Nach einem halben Jahr schied der neue Präsident jedoch wieder aus seinem Amte und Johann Mommers wurde als solcher gewählt. Unter seiner Leitung schloss sich der Verein dem rheinisch-westfälischen Turnverband an.


Einem Verzeichnis von 1869 nach hatte der Verein folgende Mitglieder: Johann Mommers (Vorsitzender), Theodor Trüpel (Schriftwart), Peuten (Turnwart), W. von Bergh (Zeugwart), C. Hasencox (Geldwart), Th. Forth (Beisitzer) und die Mitglieder Julius Niedieck, Carl Niedieck, Bernhard Niedieck, Maeters, Hubert Mommers, Richard Mommers, Eduard Istas, Phil. Istas, J. Jansen, M. Franken, Julius Kehsels, L. Reiners, Jac. Huenges, P.H. Rollbrocker, M. Schönkes, F. Schmalohr, A. Uerschels, G. Dömges, Schumacher, J. Abels, H. Inderbieten, H. Heythausen, W. Schmitter, G. Schelkes, Norb. Smets, Anton Terstappen, Joh. Backes, Giebmanns, J. van der Heyden, E. Corty, A. Syllwasschy und W. Lamberts.


Als Zeichen der Anerkennung und des Vertrauens muss es angesehen werden, dass dem Turnverein Lobberich das Turnfest des Gladbacher Gauverbandes übertragen wurde. Dieser wichtige Vorgang wird im Protokollbuch jedoch nur recht stiefmütterlich behandelt. Es meldet nur, dass das Fest am 25. Juli 1869 auf der Gemeindewiese abgehalten werden soll, der Bürgermeister Winkelmann den Vorsitz im Festkomitee haben soll und, die Anordnungen dem Letzteren überlassen bleiben. Das Schauturnen fand, wie sich aus einem späteren Bericht ergibt, auf der Gemeindewiese an der Vogelstange statt.

Die Protokollbuchführung war seinerzeit recht mangelhaft. Ein gravierendes Zeichen dafür, wie selbst wichtigste Vereinsangelegenheiten „unter den Tisch fielen“, könnte man darin sehen, dass von dem vorgenannten Gaufest lediglich zwei Sätze im Protokoll erwähnt wurden. Außerdem verschweigt das Protokollbuch auch den Besitz bzw. die Anschaffung einer vereinseigenen Fahne. Diese wird erstmals nebenher im Protokoll der Generalversammlung vom 2. Juli 1869 erwähnt, in dem das Mitglied Friedrich Wustmann sich erbot, beim Gaufest die Fahne zu tragen.

Am 23. Februar 1869 initiierte der Lobbericher Pfarrer Ludwig Hegger den Bau eines Krankenhauses. Zur Gründung kam es jedoch nicht, weil man sich über die Trägerschaft nicht einigen konnte. Dies wurde erst im Jahre 1886 verwirklicht.

In der Generalversammlung vom 5. Januar 1870 wurde Notar Döhmer neuer Präsident des Vereins. In der gleichen Versammlung wurde im Allgemeinen darüber Klage geführt, dass seit einigen Monaten die Beteiligung an den Turnabenden eine beklagenswerte sei. Erneut trat im Vereinsleben eine Flaute ein. Weil darüber hinaus viele Mitglieder am Feldzuge gegen Frankreich 1870/71 teilnehmen mussten, wurde am 18. 1. 1871 beschlossen, das Turnen und die Versammlungen zunächst bis zum Frühjahr 1871 zu vertagen.


Dass jedoch außer dem Turnen auch der Humor (vielleicht seinerzeit sogar mehr) im Turnverein gepflegt wurde, geht daraus hervor, dass am 19. Januar 1871 eine „Karnevalistische Sitzung“ abgehalten wurde, worüber das Protokoll wie folgt berichtet:

„ERSTE KARNEVALISTISCHE SITZUNG
Lobberich, den 19. Januar 1871
Morgens 12 Uhr 5 Minuten


„In Anbetracht, dass unter dem 18. Januar 1871 beschlossen wurde, die Sitzungen des Turnvereins bis zum Frühjahr zu vertagen, wurde unter dem heutigen Datum beschlossen, die Reihe der karnevalistischen Sitzungen zu eröffnen. Den Reigen der diesjährigen Vorträge eröffnete eine Debatte zwischen den Genossen Moubis, Köster und Schulz contra Genossen in spe Ed. Voß. Dieselbe wurde in sehr humoristischer Weise mit Benutzung des „Fritzels vor den Henese Fleck“, erschienen im Verlage von Fritz Jansen in Dülken, in Krämerlatein geführt und brachte die ganze Gesellschaft in sehr fidele Stimmung. Genosse Emil von und zu Imhoff in spe äußerte den Wunsch, künftig dem Verein anzugehören und versprach, durch fleißiges Studium des Fritzels, sich den Henese Fleck so anzueignen, dass er von sich sagen könne: Minotes holt den Henese Fleck. Ferner wurde beschlossen dass diejenigen Mitglieder, welche bisher noch keine „Schmelen an den Schmerf“ hatten, in Zukunft sich solche anzuschaffen und gehalten sein zu sollen zu denken nicht gedacht werden kann.

So geschehen in Lobberich im Jahre des Unheils
1871 am 19. Januar morgens 1 Uhr.


Vorgelesen, genehmigt und unterschrieben


Seit dem 2. August 1871, wo eine Mitgliederversammlung mit unwichtiger Tagesordnung stattfand, bis zum 14. Mai 1873 besitzen wir keine besonderen Nachrichten aus dem Verein. Es besteht die Vermutung, dass wieder einmal - vielleicht auch bedingt durch die Nachkriegswirren - für kurze Zeit ein Stillstand im Vereinsleben bestand. Einem früheren Zeitungsartikel nach ist die Erklärung darin zu suchen, dass zur damaligen Zeit der Zweck des Turnens noch nicht so tief in alle Volksschichten eingedrungen war. Vielmehr betrachtete man auf dem Lande die Turnvereine mehr als gesellige Vereine, die „nebenbei noch etwas turnten“.


Doch nicht lange dauerte es, bis es wieder zu einem leichten Aufschwung im Vereinsleben kam. In einer am 22. Mai 1874 bei Rollbrocker durchgeführten Versammlung wurde angeregt, aus den Reihen der Mitglieder eine Feuerwehr zu gründen.


Ende Mai 1874 wählte man einen neuen Vorstand. Vorsitzender wurde Notar Döhmer, der damit sein Amt behielt. Turnwart Lehrer Heymer, Geldwart Kaspar Hasenkox. Als Turnlokal wurde das Hotel Kessels gewählt. Neue Statuten wurden ausgearbeitet und in Kraft gesetzt. Die Krise schien endgültig vorüber. Am 27. 9. 1874 wurde bereits wieder ein Schauturnen mit anschließendem Ball abgehalten. Die bereits seit längerer Zeit in treuer Obhut des Mitglieds Karl Schöny gewesene Vereinsfahne wurde dem Verein wieder zurückgegeben. Ein Turnfest in Venlo bei dem damaligen Verein „Oranje Venlo“ wurde besucht, wobei Kontakte geknüpft wurden, die lange angehalten haben.


In der Jahreshauptversammlung vom 22. Mai 1874 wurden die Statuten in einigen Paragrafen geändert und dann insgesamt neu festgesetzt:


Statuten
des
Turn Vereins zu Lobberich
Wahlspruch
Frisch, Fromm, Frei, Fröhlich
§ 1
Zweck des Vereins: geistige und körperliche Kräftigung durch Streben nach möglichst vollständiger Erreichung unseres Wahlspruchs. Der Verein enthält sich aller politischen Teilnahme als dem Zwecke desselben nicht entsprechend.
§ 2
Der Verein besteht aus aktiven und inaktiven Mitgliedern. Letztere haben bei allen vorkommenden Fällen freien Zutritt, sind jedoch nur bei einer etwaigen Abänderung der Statuten stimmberechtigt.
§ 3
Als Mitglieder werden nur solche aufgenommen, welche das achtzehnte Lebensjahr zurückgelegt haben; jüngeren Leuten kann der Vorstand als „Turnschüler“ aufnehmen.
§ 4
Wer dem Verein beitreten will, hat sich beim Vorstand schriftlich anzumelden, worauf dieser über die Aufnahme innerhalb acht Tagen entscheidet.
§ 5
Derjenige, dessen Aufnahme abgelehnt wird, kann sich erst nach Ablauf eines halben Jahres wieder zur Aufnahme melden.
§ 6
Jedes Mitglied hat monatlich in der ersten Sitzung einen Beitrag von drei Silbergroschen zu entrichten; außerdem hat jedes neu aufgenommene aktive Mitglied ein Eintrittsgeld von einem halben Thaler zu zahlen, wogegen inaktive Mitglieder von der Zahlung eines Eintrittsgeldes befreit sind. Die Turnschüler entrichten einen monatlichen Beitrag von einem Groschen.
§ 7
Ein Jahr ist zur Zahlung des Beitrages bis incl. des Monats, in welchem er den Verein verlässt, verpflichtet. Neu eintretende Mitglieder zahlen den Beitrag von dem Monat an, in welchem sie aufgenommen werden.
§ 8
Soll ein Mitglied des Turnvereins aus Letztem ausgeschlossen werden, so muß ein derartiger Antrag mindestens von zwölf Mitgliedern des Vereins beim Turnrat schriftlich unter Angabe der Gründe eingebracht werden. Der Turnrat hat alsdann die Rechtfertigung des Auszuschließenden anzuhören und den Antrag auf Ausschließung vor die nächste Hauptversammlung zu bringen. Zur Ausschließung des Betreffenden müssen drei Viertel der stimmberechtigten Anwesenden gegen denselben entscheiden.
§ 9
Sowohl der freiwillige als bedingte Austritt ruft den Verlust allen Anrechts auf das Eigentum des Vereins nach sich.
§ 10
Die aktiven Mitglieder wählen einen Turnrat, welchem die Verwaltung der Vereinsangelegenheiten obliegt. Derselbe besteht aus einem Vorsitzenden, einem Turnwart, einem Zeugwart, einem Schriftwart, einem Geldwart und einem Beisitzenden. Der Turnwart und Zeugwart können nur aus aktiven, die übrigen Turnratsmitglieder dagegen auch aus den inaktiven Mitgliedern gewählt werden und werden als solche durch diese Wahl in allen Vereinsangelegenheiten stimmberechtigt.
§ 11 a
Der Vorsitzende führt den Vorsitz in allen Hauptversammlungen und Turnratssitzungen und wird in Abwesenheit durch den Beisitzenden vertreten.
§ 11 b
Der Turnwart leitet die Turnübungen, entwirft die Turnordnung, teilt die Riegen ein und ernennt ebenso die Vorturner und Anmänner, seinen Anordnungen auf dem Turnplatze hat sich jeder zu fügen. Der Turnwart hat, ohne selbst an einen Vorturnposten gebunden zu sein, sämtliche Riegen zu beaufsichtigen und jeder derselben ihren Platz anzuweisen.
§ 11 c
Der Zeugwart sorgt stets für den guten Zustand der Turngeräte.
§ 11 d
Der Schriftwart hat alle schriftlichen Arbeiten des Vereins zu besorgen
§ 11 e
Der Geldwart besorgt die Einnahmen und Ausgaben des Vereins und hat hierüber dem Turnrate vierteljährlich Rechnung abzulegen, der dieselbe prüft, und in der Hauptversammlung dem Verein das Resultat mitteilt.
§ 12
Der Turnrat wird durch Stimmzettel gewählt. Im April eines jeden Jahres legt derselbe sein Amt nieder und findet alsdann in einer, 14 Tage vorher anzukündigenden Hauptversammlung die Neuwahl statt, bei, welche die Ausscheidenden wieder wählbar sind.
§ 13
Der Turnrat als Vereinsvertreter besorgt alle laufenden Geschäfte und ist für seine Handlungen dem Verein gegenüber verantwortlich.
§ 14
Der Turnrat hält monatlich eine regelmäßige Sitzung zur Erörterung von Vereinssachen. In den Turnratssitzungen gibt die Anwesenheit von fünf Mitgliedern bei einfacher Stimmenmehrheit den Beschlüssen Gültigkeit; bei Stimmungsgleichheit entscheidet der Vorsitzende.
§ 15
Der Turnrat kann über die gewöhnlichen Ausgaben verfügen, darf jedoch die Summe von zwanzig Mark in einem Vierteljahr nicht überschreiten, bei größeren Ausgaben ist eine Hauptversammlung zu berufen.
§ 16
Auswärtige Turner haben freien Zutritt zu den Turnstunden und Versammlungen.
§ 17
Die Turnübungen finden statt Mittwoch und Freitag abends von Punkt 9 bis 10 Uhr.
§ 18
Wenn ein aktives Mitglied an einem Turnabend ohne Entschuldigung fehlt, so zahlt derselbe 1 Sgr. Strafe an die Vereinskasse. Die Entschuldigungen müssen schriftlich einem Vorstandsmitglied eingereicht werden. Jeder aktive Turner, der nicht Punkt um neun Uhr auf dem Turnplatze erscheint, zahlt ½ SGr. Strafe. Diese Strafgelder werden mit den monatlichen Beiträgen entrichtet.
§ 19
Die Benutzung der Turngeräte ist auch außer den Turnstunden jedem Turner gestattet, jedoch ist dieser, sofern dieselben sich durch eingeführte Nichtmitglieder beschädigt werden, dem Verein dafür verantwortlich.
§ 20
Jede Hauptversammlung ist acht Tage vorher (Ausnahmen: § 12) unter Angabe der Tagesordnung bekannt zu machen und müssen hierzu auch die inaktiven Mitglieder eingeladen werden.
§ 21
Der Vorsitzende muß vierteljährlich eine regelmäßig wiederkehrende Hauptversammlung anberaumen und sind derselben alle Anträge, welche alsdann zur Sprache gebracht worden dann der Reihe nach verhandelt. Anträge und Mitteilungen des Turnrates gehen allen anderen vor. Wird während der Zwischenzeit ein von acht aktiven Mitgliedern unterzeichneter Antrag eingereicht, so muß der Turnrat innerhalb zwölf Tagen eine außergewöhnliche Hauptversammlung zusammenberufen.
§ 22
Kein Mitglied darf sprechen, ohne dass ihm vom Vorsitzenden das Wort erteilt, ist, was nach der Reihenfolge der Anmeldungen geschieht; bei einem etwaigen Verstoß des Redners gegen die Ordnung ist der Vorsitzende berechtigt, nach zweimaligem Ordnungsrufe das Wort zu entziehen und falls überhaupt die Ordnung gestört wird, nach dreimaligem Ordnungsrufe die Versammlung zu vertagen.
§ 23
Bei den Abstimmungen in den Hauptversammlungen entscheidet absolute Stimmenmehrheit. Bei Stimmengleichheit entscheidet der Vorsitzende.
§ 24
Jede ordnungsmäßig zusammenberufende Hauptversammlung ist ohne Rücksicht auf die Zahl der Anwesenden (Ausnahme: § 25) beschlussfähig und hat sich diesen Beschlüssen jedes Mitglied unbedingt zu fügen.
§ 25
Zur Auflösung des Vereins ist die Zustimmung von sieben Achteln der Mitglieder erforderlich.
§ 26
Jedes Mitglied hat vorstehende Satzungen zu unterschreiben und verpflichtet sich dadurch, denselben Folge zu leisten.
§ 27
Falls es später die Notwendigkeit erfordert, können Abänderungen und Zusätze dieses Statuts durch Beschluss einer Hauptversammlung gemacht werden.


Also festgestellt am 22. Mai 1874 In der gleichen Versammlung kam es erneut zu einer Aussprache über die Gründung einer freiwilligen Turnerfeuerwehr, zumal die Bevölkerung Lobberichs sehr stark wuchs, und „der Bedarf an einer solchen Wehr immer größer wurde“. Bürgermeister Stankeit war der Ansicht, wenn sich auch inaktive Mitglieder sowie Nichtmitglieder aus dem handwerklichen Bereich beteiligen würden, müsste eine solche Feuerwehr wohl zustande zu bringen sein. Nach längerer Debatte wurde eine Kommission gewählt, die sich mit der Errichtung einer Feuerwehr befassen sollte, deren Mitglieder der Turnrat sowie Hugo Schöny, August Schulz und Hermann Lücker waren.

In der gleichen Versammlung kam es erneut zu einer Aussprache über die Gründung einer freiwilligen Turnerfeuerwehr, zumal die Bevölkerung Lobberichs sehr stark wuchs, und „. Bürgermeister war der Ansicht, wenn sich auch inaktive Mitglieder sowie Nichtmitglieder aus dem handwerklichen Bereich beteiligen würden, müsste eine solche Feuerwehr wohl zustande zu bringen sein. Nach längerer Debatte wurde eine Kommission gewählt, die sich mit der Errichtung einer Feuerwehr befassen sollte, deren Mitglieder der Turnrat sowie und waren.

In der gleichen Versammlung kam es erneut zu einer Aussprache über die Gründung einer freiwilligen Turnerfeuerwehr, zumal die Bevölkerung Lobberichs sehr stark wuchs, und „. Bürgermeister war der Ansicht, wenn sich auch inaktive Mitglieder sowie Nichtmitglieder aus dem handwerklichen Bereich beteiligen würden, müsste eine solche Feuerwehr wohl zustande zu bringen sein. Nach längerer Debatte wurde eine Kommission gewählt, die sich mit der Errichtung einer Feuerwehr befassen sollte, deren Mitglieder der Turnrat sowie und waren.

In der gleichen Versammlung kam es erneut zu einer Aussprache über die Gründung einer freiwilligen Turnerfeuerwehr, zumal die Bevölkerung Lobberichs sehr stark wuchs, und „. Bürgermeister war der Ansicht, wenn sich auch inaktive Mitglieder sowie Nichtmitglieder aus dem handwerklichen Bereich beteiligen würden, müsste eine solche Feuerwehr wohl zustande zu bringen sein. Nach längerer Debatte wurde eine Kommission gewählt, die sich mit der Errichtung einer Feuerwehr befassen sollte, deren Mitglieder der Turnrat sowie und waren.

In der gleichen Versammlung kam es erneut zu einer Aussprache über die Gründung einer freiwilligen Turnerfeuerwehr, zumal die Bevölkerung Lobberichs sehr stark wuchs, und „. Bürgermeister war der Ansicht, wenn sich auch inaktive Mitglieder sowie Nichtmitglieder aus dem handwerklichen Bereich beteiligen würden, müsste eine solche Feuerwehr wohl zustande zu bringen sein. Nach längerer Debatte wurde eine Kommission gewählt, die sich mit der Errichtung einer Feuerwehr befassen sollte, deren Mitglieder der Turnrat sowie und waren.

Die freiwillige Feuerwehr Lobberich konstituierte sich schließlich am 8. 8. 1874. Der damalige Vorstand bestand aus dem Präses Bürgermeister Th. Stankeit, dem Chef Hugo Schöny, dem stellvertretenden Chef Paul Mertz, dem Schriftführer August Schulz, dem Rendanten Notar Döhmer und dem Geräte- und Zeugwart Theodor Buntenbroich.


Am 24 Mai 1876 wurde ein neuer Vorstand gewählt: Präsident Julius Kessels, 1. Turnwart Gustav Tohang, 2. Turnwart J. Girmes, Zeugwart H. Peuthen, Schriftwart G. Kuijper, Geldwart C. Hasenkox, Beisitzer Notar Döhmer. Bis August 1876 verzeichnet das Protokollbuch keine weiteren Eintragungen. Dann kam es am 11. August 1876 zu einer denkwürdigen Generalversammlung. Unter Punk 2 der Tagaesordnung „Besprechung verschiedener Vereinsangelegenheiten“ sagt das Protokollbuch:
 

Der § 25 der Statuten wird aufgehoben und an dessen Stelle wird Folgendes festgestellt:
Zur Auflösung des Vereins ist die Stimmenmehrheit der durch eine regelgerechte neu berufene Generalversammlung anwesenden Mitglieder erforderlich. Demzufolge beschießt die heutige Generalversammlung, den Turnverein aufzulösen und zwar aus dem Grunde, weil die Beteiligung seit sehr langer Zeit eine schwache oder weil eher gar keine gewesen ist, weder bei den Turnstunden noch bei den Generalversammlungen. Ferner wurde beschlossen, die sämtlichen Gerätschaften des Turnvereins an den Meistbietenden zu verkaufen und aus dem Erlös die vorhandenen Schulden, so sie sich tunlichst decken.“


Am 12. Januar 1877 kam es zu einer Vorstandssitzung des aufgelösten Vereins. Auf dieser Vorstandssitzung schlug der eingeladene Bürgermeister Stankeit vor, die Geräte des Turnvereins zum Preis von 100 Mark für die Gemeinde anzukaufen, was einstimmig genehmigt wurde.

Am 20. Juni 1877 kam es zu einer weiteren Generalversammlung des  am 11. August 1876 aufgelösten Turnvereins im Lokal Mathias Kessels, zu der die nachstehenden aktiven und inaktiven Mitglieder erschienen:

Notar Döhmer, Vorsitzender, Gustav Tohang, Turnwart, Heinrich Peuten, Zeugwart, Caspar Hasenkox, Geldwart, Kuiper, Gerichtsschreiber, Schriftwart und die Mitglieder Louis Kessels, Constantin Tohang, Johann Leven, Johann Lenhsen, Mathias Kessels, Heinrich Heythausen, Andreas Peuten, Philibert Istas und Franz Moubis

Am 12. Januar 1877 kam es zu einer Vorstandssitzung des aufgelösten Vereins. Auf dieser Vorstandssitzung schlug der eingeladene Bürgermeister Stankeit vor, die Geräte des Turnvereins zum Preis von 100 Mark für die Gemeinde anzukaufen, was einstimmig genehmigt wurde.Am 20. Juni 1877 kam es zu einer weiteren Generalversammlung des  am 11. August 1876 aufgelösten Turnvereins im Lokal Mathias Kessels, zu der die nachstehenden aktiven und inaktiven Mitglieder erschienen:Notar Döhmer, Vorsitzender, Gustav Tohang, Turnwart, Heinrich Peuten, Zeugwart, Caspar Hasenkox, Geldwart, Kuiper, Gerichtsschreiber, Schriftwart und die Mitglieder Louis Kessels, Constantin Tohang, Johann Leven, Johann Lenhsen, Mathias Kessels, Heinrich Heythausen, Andreas Peuten, Philibert Istas und Franz Moubis

Am 12. Januar 1877 kam es zu einer Vorstandssitzung des aufgelösten Vereins. Auf dieser Vorstandssitzung schlug der eingeladene Bürgermeister Stankeit vor, die Geräte des Turnvereins zum Preis von 100 Mark für die Gemeinde anzukaufen, was einstimmig genehmigt wurde.Am 20. Juni 1877 kam es zu einer weiteren Generalversammlung des  am 11. August 1876 aufgelösten Turnvereins im Lokal Mathias Kessels, zu der die nachstehenden aktiven und inaktiven Mitglieder erschienen:Notar Döhmer, Vorsitzender, Gustav Tohang, Turnwart, Heinrich Peuten, Zeugwart, Caspar Hasenkox, Geldwart, Kuiper, Gerichtsschreiber, Schriftwart und die Mitglieder Louis Kessels, Constantin Tohang, Johann Leven, Johann Lenhsen, Mathias Kessels, Heinrich Heythausen, Andreas Peuten, Philibert Istas und Franz Moubis

 

Am 12. Januar 1877 kam es zu einer Vorstandssitzung des aufgelösten Vereins. Auf dieser Vorstandssitzung schlug der eingeladene Bürgermeister Stankeit vor, die Geräte des Turnvereins zum Preis von 100 Mark für die Gemeinde anzukaufen, was einstimmig genehmigt wurde.Am 20. Juni 1877 kam es zu einer weiteren Generalversammlung des  am 11. August 1876 aufgelösten Turnvereins im Lokal Mathias Kessels, zu der die nachstehenden aktiven und inaktiven Mitglieder erschienen:Notar Döhmer, Vorsitzender, Gustav Tohang, Turnwart, Heinrich Peuten, Zeugwart, Caspar Hasenkox, Geldwart, Kuiper, Gerichtsschreiber, Schriftwart und die Mitglieder Louis Kessels, Constantin Tohang, Johann Leven, Johann Lenhsen, Mathias Kessels, Heinrich Heythausen, Andreas Peuten, Philibert Istas und Franz Moubis

Am 12. Januar 1877 kam es zu einer Vorstandssitzung des aufgelösten Vereins. Auf dieser Vorstandssitzung schlug der eingeladene Bürgermeister Stankeit vor, die Geräte des Turnvereins zum Preis von 100 Mark für die Gemeinde anzukaufen, was einstimmig genehmigt wurde.Am 20. Juni 1877 kam es zu einer weiteren Generalversammlung des  am 11. August 1876 aufgelösten Turnvereins im Lokal Mathias Kessels, zu der die nachstehenden aktiven und inaktiven Mitglieder erschienen:Notar Döhmer, Vorsitzender, Gustav Tohang, Turnwart, Heinrich Peuten, Zeugwart, Caspar Hasenkox, Geldwart, Kuiper, Gerichtsschreiber, Schriftwart und die Mitglieder Louis Kessels, Constantin Tohang, Johann Leven, Johann Lenhsen, Mathias Kessels, Heinrich Heythausen, Andreas Peuten, Philibert Istas und Franz Moubis

 

Am 12. Januar 1877 kam es zu einer Vorstandssitzung des aufgelösten Vereins. Auf dieser Vorstandssitzung schlug der eingeladene Bürgermeister Stankeit vor, die Geräte des Turnvereins zum Preis von 100 Mark für die Gemeinde anzukaufen, was einstimmig genehmigt wurde.Am 20. Juni 1877 kam es zu einer weiteren Generalversammlung des  am 11. August 1876 aufgelösten Turnvereins im Lokal Mathias Kessels, zu der die nachstehenden aktiven und inaktiven Mitglieder erschienen:Notar Döhmer, Vorsitzender, Gustav Tohang, Turnwart, Heinrich Peuten, Zeugwart, Caspar Hasenkox, Geldwart, Kuiper, Gerichtsschreiber, Schriftwart und die Mitglieder Louis Kessels, Constantin Tohang, Johann Leven, Johann Lenhsen, Mathias Kessels, Heinrich Heythausen, Andreas Peuten, Philibert Istas und Franz Moubis

Am 12. Januar 1877 kam es zu einer Vorstandssitzung des aufgelösten Vereins. Auf dieser Vorstandssitzung schlug der eingeladene Bürgermeister Stankeit vor, die Geräte des Turnvereins zum Preis von 100 Mark für die Gemeinde anzukaufen, was einstimmig genehmigt wurde.Am 20. Juni 1877 kam es zu einer weiteren Generalversammlung des  am 11. August 1876 aufgelösten Turnvereins im Lokal Mathias Kessels, zu der die nachstehenden aktiven und inaktiven Mitglieder erschienen:Notar Döhmer, Vorsitzender, Gustav Tohang, Turnwart, Heinrich Peuten, Zeugwart, Caspar Hasenkox, Geldwart, Kuiper, Gerichtsschreiber, Schriftwart und die Mitglieder Louis Kessels, Constantin Tohang, Johann Leven, Johann Lenhsen, Mathias Kessels, Heinrich Heythausen, Andreas Peuten, Philibert Istas und Franz Moubis


Einziger Tagesordnungspunkt war die „Beschlussfassung über die Verwendung des noch vorhandenen Barvermögens“. Die erschienenen Mitglieder beschlossen wie folgt:
Die nicht erschienenen aktiven und inaktiven Mitglieder haben an dem Barvermögen des aufgelösten Turnvereins keinen Anspruch mehr und dieses den erschienenen Mitgliedern zur Verfügung stehe. Abzüglich der vorhandenen Schulden war ein Überschuss von 49,50 Mark vorhanden. Die Versammlung beschließt, diesen Überschuss in folgender Weise zu verwenden: an die beiden im Heere stehenden Turner Quirin Jansen und Wilhelm Frohn zwei Kisten mit je 100 Stück Zigarren portofrei zuzusenden. Den dann verbleibenden Rest von 43,50 Mark soll am Mittwoch, den 27.. Juni 1877, abends 9 Uhr im hiesigen Lokale von den heute anwesenden Mitgliedern consumiert werden“.

Karl Schöny übernahm wieder einmal die Vereinsfahne in seine Obhut.

Auch die Freiwillige Feuerwehr kam „in die Krise“. So ist in der Festschrift der Freiwilligen Feuerwehr Lobberich aus Anlass des 125jährigen Bestehens zu lesen: „Leider schienen die damaligen Wehrmänner aber noch nicht vom Geiste und Wesen ihrer Zweckbestimmung durchdrungen gewesen zu sein, denn all zu schnell bröckelte der Mitgliederbestand von ursprünglich 72 auf 32 Wehrmänner“. Das letzte Versammlungsprotokoll datiert vom 28. Juli 1877. Meinungsverschiedenheiten waren dann letztlich die Ursache dafür, dass sich die erste „Freiwillige Feuerwehr in Lobberich“ in „Wohlgefallen“ auflöste.
 

                         


Die 1877 von Karl Schöny in Verwahrung genommene Fahne wurde von der früheren Handwerksfastnachtsgesellschaft „Spekulation“, genannt „Spekulantenverein“, deren urwüchsige Fastnachtsveranstaltungen in der Chronik der früheren Fastnachten für alle Zeiten verzeichnet sind, in Besitz genommen. Die von dem Lobbericher Kunstmaler Jakob Reiners, 1863 selbst Vorsitzender des Turnvereins, für den Turnverein gemalte Fahne ist etwa 2 qm groß und zeigt im großen grünen Eichenkranze die Symbole der Deutschen Turnerei. Der genannte Spekulantenverein hat dann diese Fahne 1877 kunstgerecht für sich umgeändert. Das Mittelbild (Turnvater Jahn) wurde herausgeschnitten und durch das Bildnis einer Witzfigur, dem „Spekulanten“ ersetzt. Die Worte Turnverein übermalte man mit Spekulation.

                      de Spöklont

Wie man sieht, zeigt das Auf und Ab im Vereinsleben des Turnvereins, dass zu jener Zeit - den Verhältnissen entsprechend - die „Hauptleibesübungen“ vorübergehend im „Verkonsumieren“ und Abhalten von „Ankerfesten“ bestanden. Diese Zeitkrankheit - wie wiederum aus manchen Zeitungsberichten hervorgeht - machte auch vor den Turnern nicht  halt und ließ diese kapitulieren vor der Majestät des „Gambrinus“.


Jedoch wurde immer noch weiter geturnt und vor allen Dingen wurde der Turngedanke von den ehemaligen Mitgliedern aufrecht erhalten, wenn auch die reine vereinsmäßige Betätigung praktisch stillstand. In den darauf folgenden Jahren kamen die Mitglieder jedoch immer wieder auf „ihren Turnverein“ zurück. Letzlich kamen nach einem Zeitraum von nahezu neu Jahren am 6. August 1886 28 alte Mitglieder in der Gaststätte von August Krummeich zusammen, um „dem Vorbild anderer Städte Deutschlands“ den langentbehrten Turnverein neu zu gründen.

Carl Hahnen, Emil Wagemans, Anton Schmeleisen, Leonhard Feikes, Joe Rollbrocker, Albert Michels, Christian Niessen, A. Hohenroth, van Oehlen, Küppers, Ferdinand Neyen, Brüggemann, Conrad Gartz, Josef Hoffmanns, Hegholz, George Hase, Zillekens, Gerardtz, Johann van Stappen, Heinrich van Berkel, Friedrich Schmalz, Lambert Janssen, Gaunt, Anton ter Stappen, Schmitz, Heinz Schelthoff, Johann Linnartz nannten sich fortan „Gründer des Lobbericher Turnvereins“. In der Generalversammlung vom 9. Juni 1886 wurde dann Carl Hahnen zum Präsidenten (Sprechwart), Leonhard Feikes zum Geldwart, Anton Schmeleisen zum Turnrat, Jac Rollbrocker zum Zeugwart und Emil Wagemans zum Schriftwart gewählt. Das Eintrittsgeld wurde auf 1 Mark und der monatliche Beitrag auf 30 Pfennig festgesetzt. Bürgermeister Stankeit übergab dem Turnverein die seinerzeit an die Gemeinde verkauften Turngeräte (u.a. auch ein Pferd) sowie das Protokollbuch. Vom Turnverein Mönchengladbach wurde ein Reck „kostenlos und im guten Zustand „ zur Verfügung gestellt. Die Turnabende sollten künftig mittwochs abends ab 9 Uhr im Lokale Krummeich abgehalten werden. Ende 1886 wurde ein Barren zum Preis von 65 Mark von der Firma Meyer in Hagen angeschafft.
Der Betrag sollte in zwei Raten bezahlt werden.


Bereits im Oktober des Jahres 1886 wurde ein Schauturnen im Vereinslokal Krummeich durchgeführt, das in der Öffentlichkeit sehr gut ankam. Die „Rhein und Maas“ schrieb: „… daß die Leistungen sämtlicher Turner alle unsere Erwartungen übertroffen haben. Von den einfachsten Sachen bei den Freiübungen un den stufenmäßig schwerer werdenden Übungen während des Riegenturnens an, bis zu den schwierigsten Ausführungen beim Kürturnen wurde an allen Geräthen mit großer Sicherheit und Ruhe, ja , wir dürfen wohl sagen „Eleganz“ geturnt, so daß der noch sehr junge Verein sich würdig an die Seite der älteren und größeren Vereine stellen darf. Es herrschte während des ganzen Abends eine lobenswerthe musterhafte Ordnung bei allen Abtheilungen des Schauturnens und eine Einigkeit machte sich bemerkbar, wie solche einen Verein nur groß und stark machen kann. Man sah es allen Mitgliedern an, daß sie sich mit Lust und Liebe und mit großem Eifer der guten Sache hingeben und das zahlreich erschienene Publikum geizte auch gar nicht mit tüchtigem Applaus, sondern gab dadurch fortwährend dem Turn-Verein zu verstehen, daß er ihm einen recht genußreichen Abend verschaffen. Möge der junge Verein immer mehr erstarken und zur schönsten Blüthe gelangen! – Mit dem Spruch: „Frisch, fromm, fröhlich frei, Hoch lebe die Turnerei!“ rufen wir ihm ein kräftiges „Gut Heil!“zu.

 

Der Turnverein Lobberich 1861 e. V.
von 1887 bis 1911
- ein Neubeginn mit anderen Vorzeichen –

Wachsende Bevölkerung, zunehmender Fuhrverkehr, aber auch das Bemühen, in einem möglichst schmucken und vorzeigbaren Ort zu leben, erklären das „rege Bestreben, durch Verbesserung der Straßen, Anlage von Trottoirs und Rinnen zur stetigen Verschönerung beizutragen. Es verdienen diese Bestrebungen um so mehr Anerkennung, als die Ausführung für die Betheiligten mit nicht unerheblichen Opfern verbunden ist. Es sind in dieser Richtung namentlich die Bewohner des Marktes mit gutem Beispiele vorangegangen; es werden aber auch seitens der Gemeindevertretung keine Opfer gescheut. So sind zum Beispiel jetzt die Arbeiten zur Erbreiterung der Mühlenstraße in der Ausführung begriffen und zwar soll diese Straße in ziemlicher Breite von der Bleichstraße ab der Bleiche entlang durchgeführt und mit der vom Krankenhause kommenden Allee in Verbindung gebracht werden. Die Bürgerschaft muß dieses Projekt mit Freude begrüßen und wird sich demnach an der neuen Ringstraße erfreuen können“. (Rhein und Maas).

Zu den Errungenschaften der 80er Jahre gehört sicherlich auch die Verlegung von Gasleitungen im Ort, deren Nutzung für Haushalte sowie – zur Verschönerung der Gemeinde – die Gasbeleuchtung in den Straßen. Die Anlegung des Gasnetzes wird der Kölner Firma F. Wiegand übertragen. Die „Rhein und Maas“ schrieb am 10. September 1887 dass „die schon in Anwendung gekommene Beleuchtung der Straßen den allgemeinsten Beifall finde“. In kürzester Zeit wurde wieder eine große Anzahl von Mitgliedern für den Turnverein gewonnen. Die in Lobberich und Umgebung erscheinende Zeitung „Rhein und Maas“ berichtete immer wieder über den „echt turnerischen Geist, welcher dem Verein innewohn tund die wirklich tüchtigen Leistungen dieser Söhne Jahns“. Der Verein schloss sich Mitte des Jahres 1887 dem Gladbacher Gau an.

Neu angeschaffte Geräte taten ihr übriges, um Versäumnisse der Gründerjahre vergessen zu lassen. Einen besonderen Aufschwung nahmen der Turnverein und darüber hinaus auch die Turnbewegung in den Nachbarorten durch den im Jahre 1891 erfolgten Beitritt von Wilhelm Riether und Lambert Birker. Diese beiden – und nicht zu vergessen – Robert Schöny – später dann auch Konstantin Terstappen und Josef Wirtz – stellten sich als Turnlehrer, Riegenführer und Vorturner sowie durch ihre immer geschätzte Mitarbeit im Turnrat immer wieder in den Dienst des Vereins und darüber hinaus auch der Deutschen Turnbewegung.


Am 18. Januar 1891 wurde im Vereinslokal Krummeich ein Winterfest gefeiert, wobei der Verein durch Ausübung seiner gymnastischen Fertigkeiten den Besuchern den hohen Werth des Turnens für Erhaltung der Gesundheit, für Entwicklung und Stärkung des Körpers darlegte. Die Nothwendigkeit dieser Leibesübungen ist an höchster Stelle anerkannt durch allgemeine Einführung im Heere und in allen Unterrichtsanstalten. Väter und Meister sollten sich von der großen Nützlichkeit der Turnkunst überzeugen, um ihre heranwachsenden Söhne, ihre Lehrlinge, zu deren körperlichen Entwicklung dem Turnverein zuzuführen (Rhein und Maas)

Auch das Stiftungsfest am 16. August 1891 fand reges Interesse:

Am verflossenen Sonntag hielt der Turngauverband Gladbach aus Anlass des V. Stiftungsfestes des hiesigen Turnvereins seine wechselnde Gauvorturnerstunde unter Leitung des Gauturnwartes. In schneidender Folge wechselten die als Tagesordnung vorgeschriebenen Übungen wie Eisenstab-, Barren-, Pferd- und Reckübungen und überraschten durch die große Präzision in den einzelnen Ausführungen, welche in kaum 1 ½ Stunden vollzogen, der Gesamtkritik der Referenten als Schluß unterlagen. Obschon dies wohl nicht allgemein bekannt geworden, so war doch die Zahl der Zuschauer außergewöhnlich groß, und gibt uns dies die Hoffnung, daß das Interesse dieselben auch wiederkommen lässt, wenn unser strebsamer, der Unterstützung bedürftige Turnverein bei seinem nächsten Stiftungsfest seine Leistungen zur Schau gibt, dann mag es demselben auch möglich werden, seine nöthigen Geräte so herstellen resp. ausbessern zu lassen, wie selbige von den heutigen Turnern gefordert werden. (Rhein- und Maas).

Die Beziehungen zu den Nachbarvereinen wurden vertieft, die Zusammenkünfte der Vereine und ihre Riegen gefördert und der Wettkampf der Mannschaften innerhalb der Gaue und Kreise auf eine dem Turnertum entsprechende, freundschaftliche und kameradschaftliche Ebene gestellt.

Mit der Geschichte des Turnvereins eng verknüpft ist diejenige des „NIEDERRHEINISCHEN GRENZTURNGAUES“. Er wurde 1896 von den Turnern Lehrer Dahmen, Karl Kaftan, Rudolf Steinwegs, Wilhelm Jansen, Robert Schöny, Karl Hahnen und Lambert Birker gegründet. Gauvorsitzende waren bis zur Auflösung im Jahre 1933 Lehrer Dahmen (Kaldenkirchen), Lehrer Schaaf (Lobberich) und Kaufmann Pelters (Kaldenkirchen). In den Jahren des Bestehens des Niederrheinischen Grenzturngaues war Wilhelm Jansen 1896 – 1898 und dann andauernd Wilhelm Riether Gauturnwart.

Die Verschlechterung der ökonomischen Gesamtlage, wie sie von 1890 bis Anfang 1905 vielerorts, zum Teil wechselnd, zu diagnostizieren ist, traf Lobberich besonders 1891 und auch noch 1892.


Die geschäftliche Lage in den Weberkreisen am Niederrhein“, so notierte die örtliche Presse am 22. August 1891, „ist bereits eine sehr traurige und sieht man mit Bangen der Zukunft entgegen. In Dülken, Viersen, Crefeld u.s.w. hat man Lohnherabsetzungen vorgenommen, die Arbeitszeit verkürzt und Arbeiter entlassen. Dabei steigen die Preise der Lebensmittel rapid. Die furchtbaren Wetterschäden, schlechte Ernteaussichten usw. tragen zu dem flauen Geschäftsgang erheblich bei“.

Während einer Zeit der konjunkturellen Abschwächung führen Hagelschlag und Unwetter im Sommer 1891 zu erheblichen Einbußen bei der Ernte, die sich in den hohen Brotpreisen widerspiegelt. Im September 1891 sieht sich die Zeitung „Rhein und Maas“ veranlasst, die ärmeren Bevölkerungskreise auf die Nahrhaftigkeit der Hafergrütze zu verweisen und diese als Brotersatz zu empfehlen.


Der ruhmreiche Männergesangverein, der im November sein 50jähriges Bestehen hätte feiern können, entschloss sich, bessere Zeiten abzuwarten und holte das Versäumte im August 1892 stilvoll und gründlich nach.

Im Oktober 1893 fand die feierliche Einweihung der neuen katholische Pfarrkirche in Lobberich durch Bischof Hermann Dingelstadt statt. Das erste Hochamt wurde von Pfarrer Hegger zelebriert.


Die Mitgliederzahl im Turnverein Lobberich verzeichnete in diesen Jahren eine sinkende Tendenz. Die Besuche bei den wöchentlichen Turnabenden „lassen zu wünschen übrig“ hieß es bei den Mitgliederversammlungen.  

Am 21. Juli 1897 wurde von Wilhelm Riether eine Altersriege gegründet, welche aus 18 Mitgliedern bestand. Am vorletzten Tage des Jahres 1899 wandte sich der Arzt Dr. Kömmstedt, aktives Mitglied der Altersabteilung, im Namen der Gemeindeverwaltung an die Mitglieder des Turnvereines, um eine Sanitätskolonne zu gründen. 20 Turner stellten sich sofort zu Verfügung. Aus zahlreichen Protokollen dieser Zeit ist zu sehen, dass die Gemeindeverwaltung immer wieder den Turnern für „ihr uneigennütziges und segensreiches Wirken Dank und Anerkennung ausgesprochen hat“.Die Vielseitigkeit des wieder aufstrebenden Vereins nahm ständig zu. Zu den bestehenden Abteilungen kamen immer neue hinzu. Die Kraftriege (1902), die Faustball-Abteilung (1903), die Militär- und Rekrutenriege (1903), die Schwimmabteilung (1905), die Gesangsabteilung (1906) – unter der Leitung von Lehrer Schaaf bei vielen festlichen Anlässen gerne gesehen – und die Schülerabteilung (1907) sind hier besonders erwähnenswert.

1898 stellten die Gebrüder van der Upwich, Förderer des Vereins, einen Platz hinter ihrem Werk und im Jahre 1900 die Reitbahn in der Schulzenburg zur Durchführung der Übungsstunden zur Verfügung, die in der Vergangenheit auf einem Schulhof, später dann in einer Sandgrube an der Breyeller Straße durchgeführt wurden.

Am 22. und 23. Juli 1899 wurde das 8. Stiftungsfest verbunden mit dem 3. Verbandsfest des Niederrheinischen Grenzgauverbandes in Lobberich statt. Die ganze Bevölkerung nahm Anteil. Festfeier, Wettturnen und ein großer Festzug waren die Höhepunkte des Festes. Im Saale von Bispels an der Breyeller Straße wurde ein Festbankett abgehalten. Der Saal war festlich geschmückt und eine übergroße Büste Turnvater Jahns zierte die Bühne. Das Kreisturnen auf dem eigens für diese Veranstaltung hergerichteten Turnplatz an der Sassenfelder Schule statt. Die Gemeinde hatte den Platz bereitwillig zur Verfügung gestellt und hergerichtet.
Damals kam auch der Gedanke einer eigenen Turnhalle auf. Es wurde ein Baufonds gegründet, der im Jahre 1914 einen Bestand von 2.914 Reichsmark und Ende des 1. Weltkrieges einen Bestand von 4.000 Reichsmark aufwies. Im Jahre 1900 erhielten die Jugend- und Schülerabteilungen eine besondere Standarte. Eine Vorturnriege wurde ins Leben gerufen, die an einem besonderen Abend übte.

 


Im Jahre 1902 mietete der Turnverein von A. Huenges, 2. Vorsitzender des Vereins ein Waldgelände an der Verbindungsstraße Ecke Friedenstraße. Es heißt in dem Vertrag: Der Turnverein pachtet heute von dem Brauereibesitzer Alex Huenges die Parzelle Nr. 120 auf 10 Jahre zum Preis von 1,-- DM je Jahr. Der Verein verpflichtet sich, in den von A. Huenges angegebenen Grenzen den Busch vorschriftsmäßig auszuroden und den Platz zu ebnen. Als Entschädigung für diese Arbeit erhält der Verein die Hälfte der Versteigerungssumme des Holzes. Sollte der Platz innerhalb der 10 Jahre verkauft werden, ist die Hälfte der Verkaufssumme an den Turnverein zu zahlen“. In ihrer Freizeit haben die Mitglieder den vorhandenen Busch gerodet, den Platz im Lauf eines Jahres entsprechend hergerichtet, mit einem Zaun versehen und zu guter Letzt noch für die Aufbewahrung der Turngeräte eine Blechbude errichtet.


In der Jahreshauptversammlung des Jahres am 7. Februar 1903 wurde eine neue Satzung beschlossen. Diese Satzung beinhaltete das „Grundgesetz des Turnvereins zu Lobberich“
(Zweck, Name und Sitz des Vereins, Einteilung in aktive, passive und Ehrenmitglieder sowie Turnschüler, Aufnahmemodalitäten, Eintrittsgelder und Beiträge, Austrittsmodalitäten, Pflichten der Mitglieder und Strafen, Wahl- und Stimmrecht, Verwaltung des Vereins, Hauptversammlungsmodalitäten, Zusammensetzung des Turnrates). Darüber hinaus gab es eine Turnordnung, eine Vorturnerschaftsordnung, eine Turnfahrtsordnung, eine Büchereiordnung, eine Ordnung für das Jugendturnen sowie die Bestimmungen über eine Unfallkasse.

                                        

                                                 Turnhalle mit Platz um 1905


Am 21. Juni 1906 entstand eine Gesangabteilung unter Lehrer Schaaf. Die Vielseitigkeit des turnerischen Wirkens offenbarte sich seinerzeit in Eltern- und Jugendabenden, in Vorträgen, Volkstanz und Singabenden, Nikolaus- und Weihnachtsfeiern und Theateraufführungen. Im Jahre 1907 brach eine Typhusepidemie in Lobberich aus.

Gesellschaftliche Höhepunkte waren in dieser Zeit immer wieder die alljährlichen Stiftungs- und Winterfeste des Vereins. Während die Stiftungsfeste bis zum Jahre 1908 auf dem Schulhof der Sassenfelder Schule abgehalten wurden (übrigens ist das erste öffentliche Turnen an diesem Platz dem Mitglied Lambert Birker zu verdanken), fanden die Winterfeste – meist im Zusammenhang stehend mit überörtlichen Feierlichkeiten (z. B. Kaiser-Geburtstags-Feier) in den verschiedenen

 

Vereinslokalen (Krummeich – Breyeller Straße, jetzt Hölter, ab 1904 Hotel Klüttermann – früher Ewige Lampe – ab 1909 Hotel Heythausen am Markt, (Besitzer Ehel. Willy Straeten, der mit dem Haus verbundene große Saal diente bis zum Ende des 1. Weltkrieges gesellschaftlichen Veranstaltungen und wurde dann zu einem Lichtspieltheater „Capitol“ umgestaltet, nach Schließung der Gaststätte im Jahr 1956 wurden die Räumlichkeiten an den Schreinermeister Rudolf Hegholz verpachtet, der die gesamten Räumlichkeiten für eine Möbelausstellung umgestaltete) statt. Schauturnen, bestehend aus Freiübungen, Riegenturnen mit einmaligem Gerätewechsel, Pyramidenaufstellungen und Kürturnen veranschaulichten den Besuchern den hohen Wert des Turnens für die Erhaltung der Gesundheit und für die Entwicklung und Stärkung des Körpers und des Geistes. Im Jahre 1908 kam es übrigens zur Gründung des Rauchervereins „Tuttelje“.

Im sportlichen Bereich lag die Betonung auf den wöchentlichen Turnstunden – immer wieder Anlass für Turnwarte, bei den Monats- und Jahresversammlungen der Mitglieder, auf mangelndes Interesse hinzuweisen – der Beteiligung an den Turn- und Gauturnfesten in den Nachbarorten bis hin nach Venlo und Köln, dem Besuch der Bergfeste in Hinsbeck, Süchteln und Hüls, von denen viele Turner „kranzgeschmückt“ nach Hause kamen. Ein wertvolles Siegerbuch wurde angelegt, in das alle Sieger – leider nur bis zum Jahre 1922 – eingetragen wurden.

Von ganz besonderer Bedeutung für den Verein und dessen Mitglieder war die Teilnahme an den Deutschen Turnfesten in Nürnberg (1903) und Frankfurt (1908). Im Jahre 1905 erhielten die Turner eine einheitliche Turnkleidung einschließlich Kopfbedeckung (schwarzer Schlapphut).

Das Jahr 1911 brachte dem Turnverein erneut besonderen Aufschwung und Anerkennung. Erstmalig feierte der Verein Karneval. Ein Kostümfest, verbunden mit einem Varietéprogramm, unter dem Motto „Apollo-Theater“ wurde im Vereinslokal Hotel Küppers (früher Niedieckstraße) abgehalten.

                            

Der Turnbetrieb nahm nun immer mehr zu. Die Übungsstunden für die Jugendabteilung (14 – 17 Jahre), die Turnabteilung, Männerabteilung und Altersriege waren sehr gut besucht. Für die Unterhaltung nach dem Turnen wurde aus der Vereinskasse ein Billard angeschafft. Die Verlierer einer Partie zahlten dann 5 Pfg. in eine besondere Kasse, die Ende eines jeden Jahres in den Baufonds einfloss. Auf den regelmäßigen Generalversammlungen wurden immer wieder die Statuten vorgelesen, um die Mitglieder auf den „Geist des Turnens“ einzuschwören.

Herausragendes Ereignis war jedoch das am 22. und 23.7.1911 abgehaltene „25jährige Jubelfest(s. a. 1936), das unter Beteiligung fast aller Nachbarvereine, der ortsansässigen Vereine, dem Musikverein Lobberich und des MGV Hoffnung zu einem der schönsten Feste des Vereins wurde. Die Gemeinde trug natürlich auch zum Gelingen bei. Der Gemeinderat beschloss in seiner April-Sitzung unter Punkt 14: „Dem Turnverein werden aus Anlaß seinen 25jährigen Stiftungsfestes die zu zahlenden Lustbarkeitssteuern auf 30 RM ermäßigt.“


In der „Rhein und Maas“ war später zu  lesen:

Einen wohlgelungenen Verlauf hat das 25jährige Stiftungsfest unseres Turnvereins genommen. Noch zittern die Klänge froher Turnerlieder, welche gestern die Straßen Lobberichs erfüllten, durch unser Gemüte und Jubeltöne, die manche liebe Erinnerung auslösen. Es ist etwas eigenartiges ein Turnfest, ein Fest der Jugend und gereifter Männer, ein Fest der Fröhlichkeit und froher Begeisterung. Der gereifte Mann wird wieder jung, sieht er die geschmeidigen Gestalten in strammem Schritt und Tritt dahinmarschieren und unbewußt reckt und dehnt sich der Körper, es weitet sich die Brust und jede Muskel spannt sich: er möchte wieder mittun. Aber das Vorrecht der schönen Jugendzeit ist vorbei, wenn das Herz auch noch einmal alle Pfasen miterlebt. Dessen versicherten uns am Samstag Abend beim Festbankett verschiedene ältere Herren, die in ihren jüngeren Jahren mit dabei waren und eine Lanze für die edle Turnerei brachen. Mögen sie zeitlebens dem deutschen Turnen ihre Sympathie bewahren.


Eingeleitet wurde das Jubelfest durch ein Bankett im Saale des Vereinslokales Hotel Küppers. Gegen 8 Uhr versammelten sich daselbst die Mitglieder des Turnvereins und zogen zuvor zur Wohnung des 2. Vorsitzenden, Herrn Alex Huenges, wo die Fahne in Empfang genommen wurde. Nach einem kurzen Umzuge begann um 9 Uhr das Festbankett. Eröffnet wurde dasselbe durch einige Vorträge des Lobbericher Musikvereins. Hierauf trug der Gesangverein „Hoffnung“ mit bekannter Meisterschaft „Das deutsche Lied“ von Faßbender vor. Nachdem das Lied verklungen war, hielt der 2. Vorsitzende Herr Alex Huenges die Begrüßungsansprache. Der Redner dankte namens des Turnvereins für die zahlreiche Teilnahme am heutigen Abend – es sei das ein Beweis für das rege Interesse welches dem Jubelverein entgegengebracht werde. Dieser werde in der Förderung des turnerischen Geistes nicht erlahmen. Wie es immer bei Festen des Turnvereins Sitte gewesen sei, so lenkte er auch heute Abend die Blicke zuerst auf den hohen Protektor des deutschen Turnwesens, unsern Kaiser Wilhelm II. Begeistert stimmte die Festversammlung in das dreimalige „Gut Heil“ ein. Nach dem Sang der Nationalhymne wartete der Kern des Vereins, die Vorturnerschaft, unter Leitung des Turnwartes Herrn Wilhelm Riether mit seinen zusammengestellten, recht komplizierten Freiübungen auf, für deren gutes Gelingen der Vorturnerschaft bei ihrem Abmarsch durch kräftigen Applaus gedankt wurde.


Der 1. Gauvertreter Herr Lehrer Schaaf übermittelte dem Lobbericher Tunrverein zu seinem 25jährigen Dienste im deutschen Turnwesen die Glückwünsche des Niederrheinischen Grenzgaues, dessen Wertschätzung und Hochachtung er sich in hohem Maße erfreue. Der Redner geht dann in großen Gedankenreichtum bekundenden Ausführung auf das deutsche Turnen ein, das er einen Tempel des Volkstums, einen Jungbrunnen des Vaterlandes nennt, aus welchem demselben unvergängliche Kraft zufließe. Steht fest und treu zur Turnerei und zum Verein, ruft er begeistert den Mitgliedern zu. In den 25 Jahren seines Bestehens hat er sich emporgeschwungen zu einer respektablen Edelreife der deutschen Turnerschaft, das er größtenteils seinen Führern und Leitern zu verdanken hat. Die Namen Wilhelm Holthausen, Robert Schöny, Hohnroth, Michels, Goswin Becker, Norbert Gipkens, Wilhelm Riether und Lambert Birker sind unlösbar mit der Geschichte des Lobbericher Turnvereins verbunden. Dann gedenkt Herr Schaaf der Gründer des Turnvereins, die unter schwierigen Verhältnissen so treu zum Verein gestanden haben: der Herren Karl Hahnen und Aloys Michels, denen beiden ein Silbersträußchen überreicht wurde. Zum Schlusse seiner von manchem Bravo unerbrochenen Ausführungen brachte der Redner ein dreimaliges Gut Heil auf den Lobbericher Turnverein aus, welches ein vielhundertstimmiges Echo fand. – Die „Hoffnung“ wartete jetzt wieder mit einem stürmisch applaudierten Chorliedchen auf, welches der Dirigent Herr Eduard Schmalohr in liebenswürdiger Weise eigens für das Jubelfest komponiert hatte. Der 2. Vorsitzende verlas hierauf die eingegangenen Glückwunschtelegramme, von welchem u.a. namentlich dasjenige des 1. Vorsitzenden Herrn Olfenius sehr beifällig aufgenommen wurde. Herr Olfenius bedauert krankheitshalber dem Feste nicht beiwohnen zu können, übermittelte seine Glückwünsche und teilt mit, daß hiesige hochherzige Gönner dem Jubelverein eine Jubelgabe von 800 Mark gemacht haben. Ebenso lebhaft wurde der telegraphische Glückwunsch des Ehren-Gauverteters Herrn Dahmen aus Kaldenkirchen begrüßt.


Nach einem Musikvortrage folgte nun die Überreichung des von den Damen des Turnrates gestifteten Silberkranzes durch Fräulein Irma Horstmann unter ausdrucksvollem Vortrag eines der Feier angepaßten Prologs. Nochmals trat der Lobbericher Turnverein mit einer Musterrige am Pferd und mit „Keulenschwingen“ auf. Beide Vorführungen erzielten donnernden Beifall, namentlich die schwierigen Übungen am Pferd verdienen besonders hervorgehoben zu werden.


Gegen Ende des Festbanketts stellte der Verein herrliche Marmorgruppen, deren Plastik durch den schwarzen Hintergrund von großartiger Wirkung war. Herr Konrad Steeger hielt die Schlußrede. Er dankte zunächst namens des Jubelvereins allen Mitwirkenden am heutigen Abend, die zu dem schönen Verlauf beigetragen, dem Gauvorstand, der Behörde, den Spendern, den Damen für den Silberkranz, dem Gesangverein „Hoffnung“ und dem Lobbericher Musikverein. Zum Schlusse seiner Ausführungen richtete er die Bitte an die Anwesenden auch für die Zukunft dem Turnverein die Sympathie zu bewahren. Herr Prof. Winkels aus Viersen dankte hierauf namens der Gäste und widmete dem Jubelverein ein dreimaliges „Gut Heil!“. Gegen 12 Uhr war das Festbankett beendigt. Es erübrigt uns noch kurz der beiden mitwirkenden Vereine zu gedenken, des Gesangvereins „Hoffnung“ un des „Lobbericher Musikvereins“, die beide zum schönen Verlauf des Abends so viel beitrugen.


Zum Festtage prangte Lobberich in prächtigem Schmuck, die Straßen waren mit grünen Maien abgesteckt, die Häuser hatten Flaggenschmuck angeleg, sodaß sich ein farbenschönes Bild dem Auge darbot. Morgens um ½ 9 Uhr begann auf dem Turnplatze ein Wettkampf unter den Mitgliedern des Turnvereins, das viele Zuschauer angelockt hatte. Die Namen der Sieger sind folgende: 1. Abteilung Geräteturnen: 1. Preis Josef Wirtz, 2. Willy Schopp 3. Heinrich Schopp; 2. Abteilung Geräteturnen: 1. Preis Lorenz Lindackers, 2. Heinrich Thomas, 3. Jacob Michels, 4. Johannes Brüggemann, 5. Johannes Jennen, 6. Jakob Kaisers; Vierkampf: 1. Preis Karl Schroers, 2. Josef Schäfer, 3. Karl Pollen, 4. Wilhelm Riether, 5. Josef Grachten.

Im November 1911 gründete Wilhelm Riether eine Turnerinnenabteilung (26 Mädchen und 12 Frauen), aus der bereits am 1. 12. 1912 zwei Damenriegen hervorgingen. Damit zählte der Verein 215 Mitglieder.

 

Der TV Lobberich 1861 e.V.
von 1912 – 1932
- Der Turnverein vom 1. Weltkrieg bis zur Machtübernahme Hitlers

Bald nach Gründung der Turnerinnenabteilung wurde eine Spielabteilung ins Leben gerufen, in die die bereits bestehende Faustballabteilung „aufgenommen“ wurde. Faustball, Schlagball und „wenn nötig“ sollte auch Fußball gespielt werden, wobei jedoch die volkstümlichen Übungen nicht vernachlässigt werden sollten. 25 neue Mitglieder meldeten sich sofort für die neu gegründete Abteilung an.


Die Jahresversammlung im Januar 1913 verzeichnete 235 aktive Mitglieder, die an 89 Turnabenden turnten.

Zum 12. Deutschen Turnfest 1913 in Leipzig, an dem 65.000 Turner teilnahmen, fuhren auch wieder vier Turner des Vereins mit einer „Barrenmusterriege“. Unter der Leitung von Wilhelm Riether gewann die Riege dann den 5. Preis – für den kleinen Turnverein Lobberich ein herausragendes Ergebnis. Mitturner waren damals die Mitglieder Josef Wirtz, Rudolf Hegger und Willy Schopp.

                                                  

Das Jahr 1913 sah die Deutsche Turnerschaft auf der Höhe ihrer Zeit. Mit 1.315.000 Mitgliedern überragten die Turner geradezu turmhoch die anderen Verbände. Die großen nationalen Töne vor dem Ersten Weltkrieg waren jedoch nicht zu überhören. Erstmalig wurden bei öffentlichen Veranstaltungen das Kugelstoßen und Speerwerfen vorgeführt, wodurch heftige turnfachliche Diskussionen ausgelöst wurden.

Das vielseitige Vereinsleben kam dann auch bei uns durch den im Juli des Jahres 1914 beginnenden Ersten Weltkrieg praktisch zum Stillstand. Die letzte Mitgliederversammlung war am 2. September 1914. Zwar betrug die Gesamtmitgliederzahl im Februar 1915 noch 230, davon befanden sich jedoch 79 Turner im Kriege. 5 Turner fielen bereits im ersten Kriegsjahr. Insgesamt ließen 22 Turner in diesem Krieg ihr Leben.


Im März 1916 veranstaltete der Turnverein unter seinen Mitgliedern eine Sammlung zur Unterstützung der Frauen ihrer sich im Krieg befindenden Mitglieder. 178 Mark waren gespendet worden. In den vergangenen zwei Jahren wurden bereits über 1000 Mark aus der Kasse des Turnvereins gespendet.


Im Jahre 1918 hielten nur noch 6 Altersturner den Turnbetrieb aufrecht. Für die im Kriege gefallenen Mitglieder wurde eine Gedenktafel angeschafft. Durch die Betreuung der Mitglieder im Krieg und durch Zeichnung von Kriegsanleihen (hiervon gab es insgesamt 9 Stück) ging das gesamte Vereinsvermögen einschließlich des Baufonds verloren. In Lobberich wurden im übrigen ca. 4,7 Mio. Mark an Kriegsanleihen gezeichnet, die mit 5 % verzinst wurden und bis zum 1. Oktober 1924 unkündbar waren.
Nach dem Ende des Krieges, in dem 345

 Bürger Lobberichs ihr Leben ließen,  brachte die politische Umwälzung auch in Lobberich einige Erleichterungen. So wurde unter anderem die sehr lästige Bahnhofssperre (Auch der Lobbericher Bahnhof war von der im Juli 1915 verfügten Bahnsteigsperre betroffen, die für diejenigen Personen galt, die keinen amtlichen Ausweis mit sich führten, und damit das Betreten des Bahnhofs untersagt war) aufgehoben. Was die Gerichtsbarkeit anbetraf, so blieben alle Gesetze und Strafbestimmungen bestehen. Allerdings unterlagen alle Vergehen gegen Ordnung und Sicherheit, insbesondere auch gegen den Schutz des Privateigentums der sofortigen Bestrafung durch den neu zu bildenden „Arbeiter- und Soldatenrat“. Zur Wahl dieses Rates wurde am 13. November 1918 im Saal des Gastwirts Kessels eine Versammlung einberufen, die zahlreichen Besuch, insbesondere von Soldaten aufwies, und in der über die Tätigkeit und Befugnisse dieses Rate nähere Aufklärung gegeben wurde. Der im Anschluss daran gewählte vorläufige Arbeiter- und Soldatenrat, bestehend aus den Herren August Schroers, Fritz Steinwegs, Hubert von Krüchten und Wilhelm Riether wurde am 17. November in einer öffentlichen Versammlung bestätigt.

Mit Genehmigung der belgischen Besatzungsbehörde, die den damaligen Vorsitzenden Dietrich Olfenius dreimal vors Kriegsgericht wegen Verbreitung von Revanchegedanken bei Mitgliederversammlungen zitierte, ehe er endgültig freigesprochen wurde, fand dann am 11. 2. 1919 die erste Jahresversammlung des Turnvereins nach dem Kriege statt.


Aber sofort nach dem Weltkrieg traten die Turner trotz der fremden Besatzung wieder auf den Plan. Am 11. Februar 1919 wurde mit Genehmigung der Besatzungsbehörde eine Versammlung abgehalten. Samstags durfte mit gleicher Genehmigung bis 21:30 Uhr geturnt werden, was den Berichten zufolge auch ab 21. 5. 1919 regelmäßig geschah.


Einen Monat später wurde auch die Damenabteilung wieder aktiv. Im Jahre 1919 wurde die Schülerabteilung gegründet.

Das Vereinsleben – immer wieder geprägt durch gesellige Feste, die auch von der Jugend- und Schülerabteilung abgehalten wurden – nahm kräftig zu. Die Schülerabteilung wurde zur stärksten Abteilung des Vereins. Mit 178 Mitgliedern zählte sie damals zur größten Abteilung des gesamten Turngaues.

Am 23. 6. 1920 fand eine Besprechung über eine Verschmelzung des „Sassenfelder Spielvereins“ (Fußball) mit dem Turnverein statt. Obwohl dies auch von einer außerordentlichen Mitgliederversammlung gebilligt wurde, kam es nie zu einer Verschmelzung (erst im Jahre 1934 schloss sich der Spielverein – damals aufgegangen in die DJK – dem Lobbericher Sportclub an).


Im Mai 1921 beging der Turnverein Lobberich das „Fest der Einweihung der Schüler Standarte“. Die Zeitung „Rhein und Maas“ berichtet: Am letzten Sonntag im Wonnemonat Mai begeht der Lobbericher Turnverein das Fest der Einweihung der Schüler Standarte. Edle Spender ließen das Werk vollbringen. Der Verein mit seinen idealen Interessen hat bekanntlich eine Schülerabteilung, d. h. für solche Jungens, welche noch schulpflichtig sind, neben der immer bestehenden Jugendabteilung seit einigen Jahren errichtet. Wie wir hören, zählt die Schülerabteilung ungefähr 60 bis 70 Jungens. Dass diese gesunde Einrichtung von den Bürgern freudig begrüßt wird, hat die Zeit, wie auch die rege Teilnahme bewiesen. Um die Schüler den idealen Bestrebungen zu erhalten, hat der Verein auch den kleinsten Jüngern Jahns eine Fahne gestellt, damit solche sie treu an die edle Turnerei, dem Banner: „Frisch, Fromm, Froh, Frei“ halten. Wie uns der Verein mitteilt, sollen die kleinen Turner an dem Fest ihr Können zeigen. Turnerische Darbietungen, dann Reigen und turnerische Akte kommen zur Vorführung. Wer ein solches Jugendfest einmal mitgemacht hat, ist sich klar, daß ein solches jeden befriedigt. Immer dringender und lauter ergeht der Ruf an alle Eltern der heranwachsenden Jugend: Schickt Eure Söhne turnen!

Im Frühjahr 1922 kam es zu vorbereitenden Arbeiten der Gemeindeverwaltung zur Schaffung eines allgemeinen Turn- und Sportplatzes an der oberen Wevelinghover Straße. Laut Protokollbuch berichtete am 18. 8. 1922 der Vorsitzende Eiselt: „Die Gemeinde Lobberich mietet von der kath. Kirchengemeinde Lobberich das Waldgelände an der Wevelinghover Straße zwecks Herstellung einer Platzanlage“ (die frühere Turnerkampfbahn). Der Regierungspräsident erklärte sich bereit, hierzu 50.000 Mark zur Verfügung zu stellen. Wenig später musste Eiselt jedoch verkünden, dass aus der geplanten Anlage nichts würde, da die Kirchengemeinde kein Land abgeben wolle. Vorläufig turnten die Turner im Spritzenhaus der Feuerwehr. Der vom 2. Vorsitzenden A. Huenges seinerzeit zur Verfügung gestellte Turnplatz wurde vorläufig noch behalten.

Im gleichen Jahr erfolgte die Wiederbelebung der Schwimmriege, deren Wahlspruch lautete: „Gut Heil und Gut Nass – niemand trenne das!“ Unter der Leitung von Karl Pollen und Karl Grundmann schlossen sich 42 Turner und sechs Turnerinnen der neuen Riege an. Den von der Gemeinde im August 1922 zur Verfügung gestellte Strand am Breyeller See (im Garten von Kühnen) bauten die Mitglieder zu einer Badeanstalt um, und den Platz der Gemeinde zu einem Spielfeld.

Das wohl größte sportliche Ereignis des Jahres 1922 war zweifellos das zum zweiten Male in Lobberich vom Turnverein ausgetragene Gauturnfest. Die Zeitung „Rhein und Maas“ schrieb: „Im schönsten Festschmuck prangten die Häuser und Straßen Lobberichs. Herrliche Empfangs- und Ehrenbögen waren an den verschiedenen Straßeneingängen errichtet.“ Das Fest - in Verbindung mit den Wettkämpfen, turnerischen Übungen und Schauturnen – wurde zu einem unvergessenen Ereignis, das sich auch der damalige Regierungspräsident Dr. Grützner in Begleitung von Landrat von Hartmann-Krey und Assessor Dr. Glehn nicht entgehen ließen. Der Erfolg des Festes übertraf alle Erwartungen. Das Fest erbrachte einen Überschuss von 40.000 Reichsmark. Der hoch anmutende Betrag ist nur verständlich durch das stetige Schwinden des Geldwertes. Es sollte jedoch noch schlimmer kommen.

Das Jahr 1923 – das Jahr der „galoppierenden Inflation“ – brachte vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht für den Verein sehr große Schwierigkeiten. Im April konnte unter anderem ein neuer Barren nicht gekauft werden, weil dieser 1.000.000 Mark kosten sollte. Am deutlichsten wird die „unbeschreibliche Inflationsrate“ erläutert, wenn man sich die Mitgliedsbeiträge in diesem Jahr vor Augen hält. Aufgrund der schlechten Kassenlage wurde der Monatsbeitrag am 1. Mai 1923 auf den Betrag festgesetzt, den ein Krug Bier kosten sollte. Am 25. Juni waren dann bereits 1.000 Mark zu zahlen. Im August betrug der Beitrag 5.000 Mark, im September 150.000 Mark, im Oktober 6.000.000 Mark und im November letztlich 5 Milliarden Mark. Die bereits beschlossene Beitragserhöhung für den Monat Dezember 1923 auf 300 Milliarden Mark kam dann nicht mehr zustande. Am 15.11.2923 war der „Spuk“ zu Ende. Der Kassenbestand belief sich auf 50 Milliarden Mark.

                                                   

                                              
Zur Freude der Mitglieder wurde dem Turnverein seitens der Gemeindeverwaltung Ende 1923 dann endlich der längst versprochene Turnplatz an der oberen Wevelinghover Straße zur Verfügung gestellt, der dann im Laufe der nächsten Zeit hergerichtet wurde. Zeitweise wurden die Mitglieder sogar verpflichtet, an 7 – 8 Arbeitstagen im Monat am Platz zu arbeiten, andernfalls eine Strafe von 5 Mark zu zahlen war.

Zum 13. Deutschen Turnfest in München vom 14. - 18. 7. 1923 wurden 22 Teilnehmer gemeldet. Von der belgischen Besatzungsbehörde wurde 21 Mitgliedern jedoch die Ausreise verweigert. An dem Turnfest, bei dem zum ersten Male auch die Frauen mitturnen durften, nahmen 300.000 Turner teil, davon allein 4.000 Zwölfkämpfer.

Die während des Ersten Weltkrieges geschlossene Spielabteilung wurde im Jahre 1923 wieder für den Spielbetrieb geöffnet. Erstmals wird das Handballspiel erwähnt. Im Januar 1924 existieren bereits zwei Handballmannschaften.

Das den Turnern für Übungszwecke zur Verfügung gestellte Spritzenhaus der Feuerwehr war zwischenzeitlich völlig untauglich geworden. Die Gemeindeverwaltung wurde gebeten, Miet- und Brandversicherungskosten zu übernehmen, die der Verein tragen musste, wenn die Übungsstunden zukünftig in ein Lokal verlegt werden sollten.

Bei der Jahrtausendfeier des Rheinlandes in Lobberich (6. – 13. 9. 1925) beteiligte sich auch der Turnverein mit seinen Aktiven. Erstmals trat hierbei auch eine Jugend-Handball-Mannschaft in Erscheinung.

Im Jahre 1926 beantragte der Turnverein bei der Gemeindeverwaltung den Bau einer Turnhalle. Von der Gemeinde wurde eine Großbaracke der Besatzungsbehörde zur Verfügung gestellt, die zweierlei Verwendung fand: Zwischen dem Sportplatz des Lobbericher Sportklubs (jetzt Standort der Dreifach-Turnhalle Wevelinghover Straße / An den Sportplätzen) und dem des Turnvereins (jetzt Neubaugebiet zwischen Wevelinghover Straße und Schulzenburg) wurde eine Holzbaracke errichtet und die Badeanstalt am Breyeller See bekam eine Holzbaracke für Umkleidemöglichkeiten.

Die Spielabteilung hatte immer mehr Zulauf. Mittlerweile waren fünf Handball- und vier Faustball-Mannschaften vorhanden, die das Vereinsleben sehr anregten. Erstmals wurden im Faustball die Alters- und die Jugendmannschaft Gaumeister.


Ab Februar 1927 konnte in der „neuen Turnhalle“ an der Wevelinghover Straße geturnt werden. Der Verein hatte nun 200 Mitglieder (ohne Jugendliche).


Das 15. Deutsche Turnfest 1928 in Köln besuchten auch 18 Mitglieder aus den Reihen des Turnvereins. Auch in Köln sorgte die brisante politische Situation für Spannung und kampfbetonte Haltung der Akteure. Das Rheinland war von den Franzosen, den Engländern und Belgiern besetzt. Bei den leichtathletischen Wettbewerben lief der spätere Vorsitzende des Deutschen Leichtathletikverbandes, Dr. Max Danz, die 400 Meter in 50,7 Sekunden.

Steigende Arbeitslosigkeit brachte den Mitgliedern des Vereines erhebliche finanzielle Einbußen. So wurden der Mitgliedsbeitrag beim 3. Mitglied um 25 % und der beim 4. Mitglied pro Familie um 50 % gesenkt.

Im November 1929 trat der 1. Vorsitzende Franz Eiselt nach siebenjähriger Tätigkeit aus persönlichen Gründen zurück. Nachfolger wurde Anfang 1930 Max Steeger.

Im März 1930 verstarb der langjährige Ehrenvorsitzende Dietrich Olfenius, der 13 Jahre die Geschicke des Vereins mit großer Umsicht und ungeheurer Schaffensfreude geleitet hatte. Die finanzielle Lage des Vereins verschlechtert sich zunehmend. Immer wieder wurde von den Mitgliedern versucht, die Mitgliedsbeiträge zu verringern. Für erwerbslose Mitglieder wurde schließlich der Beitrag auf 40 Pfg – Schüler 20 Pfg – gesenkt, später dann ganz gestrichen. Die Spielabteilung erhielt darüber hinaus für die Beteiligung an Auswärtsspielen einen Fahrtkostenzuschuss.

Aus der Bücher- und Urkundensammlung des verstorbenen Ehrenvorsitzenden Olfenius wurde eine Bibliothek eingerichtet, die sonntags von 14 – 15 Uhr geöffnet war und von Walter Lachmund verwaltet wurde.

Um Abwanderungen zu anderen innerörtlichen, ebenfalls Sport treibenden Vereinen zu verhindern, die speziell im Schüler- und Jugendbereich vorhanden waren, wurde erstmals eine Abteilung „Schüler-Handball“ gegründet. Erstmals wird auch erwähnt, dass neben dem Faust- und Handballspiel von Turnerinnen auch das Trommelballspiel („Tamborin“) fleißig geübt wurde.

Bereits das Jahr 1932 ließ den politischen Umsturz – auch in der Deutschen Turnerschaft – erkennen: Der Führer der Deutschen Turnerschaft – Neuendorff – forderte damals eine „nationale und soziale Erneuerung der deutschen Turnbewegung auf völkischer Grundlage“. Die Leibesübungen sollten “kein Selbstzweck sein“, sondern dazu dienen „völkisch-sittliche Ziele zu verwirklichen“. Der Bekundung des Wehrwillens folgten dann schnell praktische Maßnahmen, die zur Hebung der Wehrkraft führen sollten. Geländeübungen, Übungsmärsche, Kampf Mann gegen Mann, Ordnungsübungen, Ziel- und Weitwerfen und auch Kleinkaliberschießen wurden seitens der Führung der Deutschen Turnerschaft den Mitgliedsvereinen vorgeschlagen. In der Deutschen Turnzeitung beschäftigte sich Neuendorff bereits mit dem Plan einer vormilitärischen Ausbildung. Mehr und mehr identifizierte er sich mit den Zielen Adolf Hitlers und der NSDAP.

 

 

 


 

Der TV Lobberich 1861 e.V.
von 1933 – 1945
- Politisierung des Sports – die freie Entfaltung der Vereine wird stark eingeschränkt

 

Ein öffentliches Bekenntnis zum Nationalsozialismus und seinen Führern legte die Deutsche Turnerschaft dann auf dem 15. Deutschen Turnfest in Stuttgart ab. Hitler bekannte sich in seiner Ansprache auf diesem Fest, an dem auch fünf Vertreter des Lobbericher Turnvereines teilnahmen, zu Jahn und bezeichnete das Fest als ein „Fest deutscher Kraft“.

 

                                              


Der folgende Text von Karl Behrend wurde der Festzeitung 15. Deutsches Turnfest Stuttgart 1933, Nummer 13, August 1933, Seite 403 entnommen.


Kurz vor dem Deutschen Turnfest nahmen die Texte der Festzeitung einen ganz anderen Ton an: „Die Deutsche Turnerschaft hat den Marsch ins Dritte Reich und in die Selbstauflösung angetreten und die Worte „der deutsche Turner kann erst untergehen, wenn Deutschland untergeht“ sollte schon wenige Jahre später schreckliche Wirklichkeit werden.“

Das Lied vom Deutschen Turnfest!
Von Karl Behrend, Berlin

„Zehn Tage lang marschierte ununterbrochen ein großes Heer durch Stuttgarts Straßen. Zehn Tage lang wehten dort Tausende und aber Tausende Fahnen und verkündeten flatternd von der Not, der Treue und von dem Glauben der deutschen Turner an Deutschland. Erschütternd das Bild! – Fahnen aus entrissenen deutschen Gebieten, stumme Mahner in ihrem schwarzen Trauerflor, Fahnen der Deutschen aus Afrika, Brasilien, Chile, Fahnen aus aller Welt wehten zusammen und legten Zeugnis für das Band ab, das die Deutsche Turnerschaft in vielen Jahren harter Arbeit von einem deutschen Bruder zum anderen über die ganze Erde geflochten hat. Der weite Raum in den Straßen wurde eng, sehr eng. 400 000 Einwohner hat Stuttgart, in den Festtagen waren es gegen 800 000. Zehn Tage lang klang ein gewaltiges Lied durch die Straßen. Es war ein einfacher Text. Die Heere Friedrichs des Großen haben ihn bei Leuthen gesungen, die deutsche Jugend auf dem Todesfeld von Langemarck. Links! Rechts – Links! Rechts!

Das war der Text. Und alles hat mitgesungen, der Körper, die Seele und der Geist. Es ist der Gleichschritt der Deutschen Turnerschaft und des deutschen Volkes. Es ist der Gleichklang, der entsagende Einordnung in die Gesamtheit bedeutet, der den Willen ausdrückt, sich unterzuordnen, um dem Ganzen zu dienen. Das ist der Schlüssel zu dem Geheimnis, warum beim Deutschen Turnfest alles wie aus einem Guss war. Niemand ist Kanone, niemand Star; alle sind gleiche Glieder einer großen Kette. Links! Rechts! So erklang es 1860 beim ersten Deutschen Turnfest in Coburg. Links! Rechts! So erklang es 1913 beim Turnfest in Leipzig. Damals war Deutschland ein reiches, glückliches Land. Als die Turner so gerade und straff daherschritten, da war es das Wissen: Wir sind ein mächtiges Volk. Wir sind Hunderttausende von starken, gesunden Turnern. Wir sind Hunderttausende von starken, gesunden Soldaten.

Dann kamen der Krieg und nach ihm die Jahre der Zerrissenheit. Jetzt ist das 15. Deutsche Turnfest verrauscht. Wieder erklang das kerndeutsche: Links! Rechts! Aber es klang anders als in Leipzig. Es war kein stolzes Rufen mehr: Wir sind! Aber doch ein Zukunftfrohes: Wir werden! Die Zeit hat uns gedemütigt, aber wir haben uns durchgekämpft und wir werden uns weiter durchkämpfen, wieder hin zum Licht, und die Zwietracht mit der überzeugenden Tat bekämpfen.
Wie ein Symbol war das Kommen des Volkskanzlers Adolf Hitler, des Kämpfers für Deutschlands Freiheit und Einheit. Froh bekannte er beim Anblick der Hunderttausende: „Als Kanzler des deutschen Volkes bewegt mich Freude und Stolz, in dieser wunderschönen Hauptstadt des Schwabenlandes deutsche Männer und Frauen begrüßen zu können, die als beste Repräsentanten der Lebenskraft unseres Volkes anzusprechen sind. Sie kommen von überall her, wo es Deutsche gibt. Sie verkünden als Anhänger all unserer Stämme uns die Einheit der deutschen Nation!“
Auf dem Festplatz nahm der Kanzler die Parade der Deutschen Turnerschaft ab. Die Turner und Turnerinnen jubelten ihm zu und huldigten ihm als dem Führer des Dritten Reiches. Ganz klar kam zum Ausdruck: die Deutsche Turnerschaft marschiert geschlossen unter der Führung des Kanzlers für Deutschland. Die deutschen Turner sind Soldaten des neuen Deutschlands, sind Soldaten, auf die er sich verlassen kann. Sie marschieren mit ihren festen Schritten unter seiner Fahne vorwärts zum neuen Deutschen Reich.

Das Lied vom 15. Deutschen Turnfest in Stuttgart ist verklungen. Doch das Lied vom deutschen Turner, der für sein deutsches Volk lebt und wenn es sein muß auch stirbt, darf nimmer verklingen. Es soll und wird durch die Zeiten brausen und in der Not dem deutschen Volk zur Seite stehen, und kann erst untergehen, wenn Deutschland untergeht.
Links! Rechts! – Links! Rechts! Schritt gefasst! Deutschlands Turner marschieren für ihres Vaterlandes Glück und Ruhm.

Tambour, die Wirbel geschlagen! Links! Rechts! – Links! Rechts! –

Nach der Machtergreifung Hitlers wurden im Mai 1933 für alle Turnvereine Einheitssatzungen erlassen, die seitens der neuen Machthaber vorgeschrieben wurden. Jedes Vereinsmitglied musste dem neuen Staate „gesinnt“ sein und dies auch schriftlich erklären.

Von den nationalsozialistischen Ideen blieb zwangsläufig auch der Turnverein Lobberich nicht verschont. Vorträge über die „Jugenderziehung im nationalsozialistischen Staat“ und „Die deutsche Turnerschaft im Dritten Reich“ u. Ä. taten ihr übriges, den Mitgliedern und vor allem den Vereinsführern die neue Richtung, die die Turnsache einzuschlagen habe, klarzumachen.

Der ständig sinkende Mitgliederbestand – vor allem in der Turnabteilung – wurde damit verharmlost, dass man einfach erklärte: „Der erhebliche Rückgang in der Mitgliederzahl ist wenig von Bedeutung, da die austretenden Mitglieder dem Turnbetrieb und dem inneren Wesen eines deutschen Turnens nicht geziemen, ausscheiden mussten“ (Protokoll der Jahreshauptversammlung vom 17.3.1934).

Die Mitgliederzahl sank in kürzester Zeit auf 190. Zweimal monatlich musste jeder Verein „Wehrsport-Übungsstunden“ abhalten. Bei jeder Mitgliederversammlung war nun ein Pressevertreter der „öffentlichen Propagandastelle“ anwesend. Max Steeger trat vom Amt des 1. Vorsitzenden zurück, ebenso Kinderturnwart G. Teggers und Spielwart R. Mackenstein. Durch die Einführung eines Pflichtturnjahres musste jedes Mitglied von 17 – 25 Jahren jede Woche an einem Turnabend teilnehmen. Eine neue Einheitsturntracht wurde eingeführt: stahlblaues Hemd, kurze oder Stiefelhose, Koppel, Marschschuhe oder Stiefel. Den SA- und HJ-Angehörigen wurde es erlaubt, ihre eigenen Uniformen zu tragen. Dies ging sogar soweit, dass die Teilnahme an den Handballspielen von dem Besitz dieser neuen Tracht abhängig gemacht wurde.

Am Vorabend der ersten, nur noch von den Nationalsozialisten bestimmten Reichstagswahl vom 12. 11. 1933, wurde in einer Mitgliederversammlung alle Mitglieder aufgefordert, gemäß dem Gelöbnis der Turner auf dem Deutschen Turnfest in Stuttgart „dem Führer Adolf Hitler zur Seite zu stehen und mit „JA“ zu stimmen.“

Der „Langemark-Gedächtnis-Marsch“, ein Gepäckmarsch – als Schweigemarsch veranstaltet, wurde erstmals durchgeführt. Er ging damals über 15 km zum Ehrenmal auf den Süchtelner Höhen. Mit mehr als 20 Turnern beteiligte sich der Turnverein Lobberich daran.

Vom „Reichsbund für Leibesübungen“, in dem 16 verschiedene Sportarten zusammengeschlossen waren, wurden einheitliche Richtlinien und Vorschriften erlassen. Unter anderem sollte Handball künftig als „Deutsches Spiel“ besonders gepflegt werden.

Der Mitgliedsbeitrag wurde auf 20 Pfg. für Erwachsene und 10 Pfg für Jugendliche und Erwerbslose und auf 6 Pfg. für Schüler festgesetzt. Finanziell kam der Verein „so gerade über die Runden“.

Anfang 1934 kam es zur Wiederaufnahme der Wandertätigkeit der Vereinsmitglieder – jedoch nicht innerhalb einer besonderen Abteilung des Vereins, sondern „zur Vertiefung des Heimatgefühls und zur Herstellung der Volksgemeinschaft im Gesamtverein“. Der Nachfolger von Steeger, Anton Kunnen, verstand es immer wieder bei den monatlichen Mitgliederversammlungen die Mitglieder zu größeren sportlichen Anstrengungen zu bewegen.

Verschiedene Turnfeste in den Nachbargemeinden, das Landesturnfest in Aachen, das Kreisturnfest in Krefeld, die Stiftungsfeste in Oedt und Kempen wurden besucht. Ebenso die Teilnahme am Süchtelner Bergfest und am Bökelbergfest in Mönchengladbach zeigten immer wieder Mitglieder des Vereins als Sieger. Die Durchführung der Kreisschwimmwoche übernahm der Turnverein Lobberich. Sie wurde am Breyeller See (früher Strandlokal Ludwigs) abgehalten und sah auch so manchen Sieger oder Platzierten aus den Reihen der Mitglieder des Turnvereins. Bei der Einweihung des „Adolf-Hitler-Parkes“ am Seestrand trug der Verein zur Verschönerung des Festes durch Leuchtkeulenschwingen und Pyramidenaufstellungen bei. Für das von Hitler ins Leben gerufene „Winterhilfswerk“ kam es am 1. 12. 1934 zwischen dem Lobbericher Sportclub und dem Turnverein zu einem Handballspiel (!), dessen Erlös dieser Institution zu Verfügung gestellt wurde.

Den wenigsten wird bekannt sein, dass die Handballabteilung des Lobbericher Sportklubs in den Jahren 1934 – 1936 unter der Führung des erfahrenen und sehr rührigen Heinrich Houben sehr erfolgreich war und mit zu den stärksten Mannschaften im Kreis zählte. Die großen Hoffnungen auf ein erfolgreiches Abschneiden in den kommenden Jahren wurden jedoch auch hier durch die Einberufung zum Arbeits- und Wehrdienst zunichte gemacht.

Insbesondere das Frauenturnen und die Spielabteilung hatten dann im Jahre 1935 erheblichen Anteil daran, dass der bis auf 162 gesunkene Mitgliederbestand wieder auf 200 anstieg. Eine Frauenturnriege wurde vom Vereinsführer Anton Kunnen aus der Taufe gehoben. Die Anzahl der Schüler und Jugendlichen ließ jedoch immer weiter nach. Der Grund hierfür lag in dem Bestreben der „politischen Machthaber“, „Jungvolk“ und „Hitlerjugend“ auszubauen. Die Schwimmabteilung wurde geschlossen, obschon nach wie vor die Mitglieder zu den bekannten Übungsstunden zum Breyeller See gingen.

Einer allgemeinen Verordnung entsprechend wurde der Verein ins Vereinsregister eingetragen. Notar Dr. Joseph Veith wurde am 23. 2. 1935 zum neuen ersten Vorsitzenden des Turnvereins gewählt. Nach den Einheitssatzungen wurden neu gebildet: der Vereinsführerstab, der Vereinsführerring, der Turnausschuss und der Ältestenrat.

Der Vereinsführerstab bestand aus: dem Vereinsführer, dem Stellvertreter des Vereinsführers, dem Oberturnwart, dem Amtmann, dem Kassenwart, der Führerin der Frauen und Mädchen, dem Pressewart und dem Dietwart. („Diet“ kommt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet Volk, im übertragenen Sinn deutsch. Der Dietwart ist also in des Wortes ursprünglichster Bedeutung der Volkswart, der Deutschwart, also Pfleger alles dessen, was dem Volke gehörig und eigen ist. Der Dietwart sollte in der NS-Zeit im Auftrag des Reichssportführers alle Turn- und Sportvereine im nationalsozialistischen Sinne schulen und deren Ideologie und „Erziehungsziele“, also Rassebewusstsein, Gemeinschaftssinn, völkische Haltung und antijüdische Ressentiments, an die Mitglieder herantragen. Dazu hatte er dafür Sorge zu tragen, dass die Mitglieder von Vereinen nationalsozialistische Lieder singen, die Reden des Führers hören. In Dietprüfungen wurde die völkische Haltung der Sportler kontrolliert.)


Dem Vereinsführerring gehörten an: die Mitglieder des Vereinsführerstabes, der Beitragswart, der Männerturnwart, der Frauenturnwart, der Jugendturnwart, der Pflichtturnwart, der Volksturnwart, der Spielwart, der Schwimmwart, der Fechtwart, der Werbewart, der Leiter der Vereinszeitung, der Wanderwart, der Festwart, die Zeugwarte (soweit notwendig).


Dem Turnausschuss gehörten an: der Oberturnwart, der Männerturnwart, der Frauenturnwart, der Jugendturnwart, der Kinderturnwart, der Volksturnwart, der Spielwart, der Schwimmwart, der Fechtwart, der Schneelaufwart, der Wasserfahrwart, der Pflichtturnwart, der Spielmannszugführer, die Gerätewarte sowie die fachlichen Leiter der einzelnen Abteilungen, die vom Vereinsführer im Einvernehmen mit dem Oberturnwart zu bestimmen waren (soweit notwendig).


Dem Ältestenrat gehörten an: der Vereinsführer, der Oberturnwart, der Dietwart, die Führerin der Frauen und Mädchen, bis zu 6 weitere Mitglieder, die der Vereinsführer möglichst aus der Zahl der tätigen Ehrenmitglieder zu berufen hatte.

Die Einheitssatzung wurde in der Generalversammlung vom 23. 2. bzw. 27. 4. 1935 einstimmig angenommen.

Der Verein wurde Mitglied des Reichsbundes für Leibesübungen, in der auch die Deutsche Turnerschaft im Jahre 1936 aufging. Aus der Deutschen Turnerschaft wurde das „Fachamt für Geräteturnen, Gymnastik und Sommerspiele“. Ein „Begräbnis 1. Ordnung“ wie es viele namhafte Turner bezeichneten. Die Verbandsstruktur wandelte sich von einer demokratischen  in eine autoritäre.

Noch eine Besonderheit brachte die neue Vereinssatzung mit sich: Die „Völkische Sprache“ wurde in die Turnerei eingeführt. Um dies und das gesamte Gedankengut der politischen Machthaber zu fördern, wurden sog. „Dietwarte“ bestellt, die an wöchentlichen „Dietabenden“ Vorträge hielten, die von den Mitgliedern „rege besucht werden sollten“. So ist zum Beispiel in § 4 der neuen Satzung bestimmt, „dass Mitglieder des Vereins nur unbescholtene Deutsche werden können. Als Deutsche gelten nur Volksgenossen, deren Eltern und Großeltern Arier sind“.
Für das Frauenturnen wurde auf Vorschlag des damaligen Kreisvorsitzenden ein Klavier angeschafft, um das rhythmische Turnen zu fördern. Das „eingeschlafene“ Schlagballspiel wurde zum neuen Leben erweckt. Angesiedelt wurde es in der Spielabteilung des Vereins.

Im Oktober 1935 kam es zur Auflösung des Lobbericher Boxklubs. Die ehemaligen Mitglieder wurden insgesamt Mitglieder des Turnvereins (Franz Hespers, Heinz Boss, Theo Boss, Josef Jackels, Hermann Kleppen, August Tillmanns, Josef Lenhsen, Josef Tack, E. Wirtz, Heinz Vaassen, E. Wienhoven, Paul Küppers, Leo Schotten, Josef Mooren). Damit hatte der Verein Ende 1935 wieder 300 Mitgliedern.

Auch das Jahr 1936 war für den Turnverein Lobberich von großer Bedeutung. Als Erstes muss hier das „50jährige Jubelfest“, welches aus den nachstehenden Erläuterungen heraus zum „75jährigen Jubelfest“ wurde:

Bei den Vorbesprechungen zum 50. Stiftungsfest kamen vielen Mitgliedern, insbesondere den Älteren, Bedenken hinsichtlich der Gründung des Turnvereins. Die am 6. 1. 1886 erfolgte Neugründung bedürfe einer eingehenden Untersuchung. Gespräche mit den „Alten“ zu den Gründern gehörenden Mitgliedern des Vereins und vor allem die Eintragungen im seinerzeit weitergeführten Protokollbuch ergaben dann, dass die Zweifel der Mitglieder berechtigt waren. Am 12. 3. 1936 stellte der Verein dann den Antrag an den Gau – nicht ohne vorher eine positive Stellungnahme des Kreises erreicht zu haben – das Gründungsjahr 1861 anführen zu dürfen. In dem Antrag heißt es u. a.:


„Am 2. September 1861 wurde von 17 Personen ein Turnverein in Lobberich gegründet. Das noch vorhandene Protokollbuch berichtet ausführlich über die Gründung und über die späteren Vorgänge innerhalb des Vereins. Auch die Beweggründe für die Auflösung des Vereins im Jahre 1877 sind niedergelegt. Die Beteiligung sei lange eine sehr schwache gewesen. Das Vermögen des Vereins, bestehend aus den Turngeräten, wurde der Gemeinde Lobberich übereignet. Im Jahre 1866 schlossen sich wiederum mehrere Personen zu einem Turnverein zusammen. Sie benutzten das Protokollbuch des alten Vereines und machten am 6. Juni 1886 folgende Eintragung:


„Nach einem Zeitraum von neun Jahren sind heute, den 6. Juni 1886 die Unterzeichneten zusammengetreten, um wieder nach dem Vorbild anderer Städte Deutschlands einen lang entbehrten Turnverein zu gründen“.


Vorstehende sind daher als Gründer des Lobbericher Turnvereins zu betrachten.
Die Beteiligten haben offenbar die Ehre, Gründer eines Turnvereins in Lobberich zu sein, für sich in Anspruch nehmen wollen. In der Protokollniederschrift weisen sie jedoch selbst auf den alten Verein hin und auf die Tatsache, dass das Vereinsleben in Wirklichkeit nur geruht habe: Mehrere der Beteiligten waren Mitglieder des alten Vereines, die Turngeräte des alten Vereins wurden wieder zur Verfügung gestellt, das alte Protokollbuch weitergeführt und in ihm wurde zum Ausdruck gebracht, dass man den engeren Zusammenschluss lange entbehrt habe.


Die Auffassung, eine Neugründung liege vor, wurde im Verlauf der Jahre mehrmals erheblich angezweifelt, aber die Gründer von 1886 bestanden auf ihrem Ehrenvorrecht. Unter Anerkennung ihrer lobenswerten Tat beließ man es einstweilen bei ihrer Auffassung. Die Mitglieder des heutigen Turnvereins Lobberich (die Gründer von 1886 leben nicht mehr) sind übereinstimmend der Ansicht, dass der Turnverein und die turnerische Idee seit 1861 in Lobberich besteht und dass der Verein in den Jahre 1877 bis 1886 nur geruht hat, dass also in Wirklichkeit das Gründungsjahr des Vereins das Jahr 1861 ist.“  Dieser Antrag wurde am 25. 3. 1936 durch den Gauführer Karl Paye wie folgt genehmigt:

„Auf Ihren Antrag vom 12.3.1936 genehmige ich hiermit unter Berücksichtigung der Stellungnahme des Kreisführers, dass der Turnverein Lobberich als Gründungsjahr das Jahr 1861 bezeichnet. Die im Jahre 1886 erfolgte Wiederbelebung des Vereins ist nicht als Neugründung zu werten.“

Die Freude unter den Mitgliedern war verständlicherweise groß. Mit Recht konnte man dann in diesem Jahre das 75jährige Bestehen des Vereins feiern. Die Festlichkeiten wurden im September abgehalten. Dabei wurden die Volksturnmeisterschaften des Kreises durchgeführt, die als Pflichtveranstaltung für alle kreisangehörigen Vereine seitens des Kreisvorstandes deklariert wurden. Lobberich erlebte wieder einmal ein wahres Volksfest, an dem sich alle ortsansässigen und viele Nachbarvereine, aber auch die gesamte Bevölkerung Lobberichs beteiligte.

Auf Beschluss des „Reichsbundes für Leibesübungen“ wurde der komplette Übungs- und Wettkampfbetrieb für Jugendliche von 10 – 14 Jahren am 1.12.1936 eingestellt. Die Jugendlichen sollten insgesamt dem „Jungvolk“ bzw. dem „BDM“ (Bund Deutscher Mädel) zugeführt werden. Überwacht wurde die ganze Angelegenheit durch die zwischenzeitlich, wie es hieß „zur besseren Kontaktpflege“ eingerichteten „Ortsgruppe des Reichsbundes für Leibesübungen“. Zu Ostern 1937 trat der Jahrgang 1926 als Erster pflichtgemäß in das „Jungvolk“ ein.

Insbesondere die Jugendarbeit des Vereins litt zwangsläufig unter dieser Entscheidung. Wenn es auch in späterer Zeit immer mehr Verbindungen zwischen den „staatlichen Jugend-Sammel-Stellen“ und dem Verein gab, war eine optimale Jugendarbeit nicht mehr möglich.
Im März 1937 fanden diverse Verhandlungen auf Veranlassung des Ortsführers des Reichsbundes für Leibesübungen statt, die zur Folge haben sollten, den Turnverein Lobberich und den Lobbericher Sportclub aufzulösen und einen neuen Verein unter dem Namen „Verein für Leibesübungen Lobberich 1937“ zu gründen. Der damalige Vorstand beschloss mit der Zustimmung der Mitglieder:

„Vorstand und Ältestenrat des Turnvereins Lobberich sind nach eingehender Aussprache der Ansicht, dass zur Zeit die Neugründung des einheitlichen Vereins verfrüht ist, halten aber die Idee für sehr begrüßens- und erstrebenswert. Wir schlagen deshalb vor, dass zu diesem Zweck ein engeres Zusammenarbeiten zwischen den einzelnen Vereinen versucht werden soll, damit auf diese Weise ein allmähliches, organisatorisches Zusammenwachsen der einzelnen Vereine, insbesondere im Interesse der Jugend, erreicht wird“ (Protokoll der Mitgliederversammlung vom 13.3.1937).

Erstmals im Jahre 1937 wurde das „Prellballspiel“ erwähnt, das ebenfalls in der „Sport- und Spielabteilung“ angesiedelt und gerne gespielt wurde. In leichtathletischer Hinsicht trat Hermann Steinwegs (später auch ein guter Handball-Schiedsrichter) mit sehr guten Leistungen im Speerwerfen, Hochsprung und 100-Meter-Lauf (12,0 Sek.) hervor. Bei den Turnern waren dies Heinz van Overbrüggen, Josef Zanders  und Josef Schäfer, die nicht nur bei den vereinsinternen Meisterschaften, sondern auch bei örtlichen und überörtlichen Veranstaltungen siegreich waren.

Immer eindringlicher versuchten die Dietwarte, bei den wöchentlichen Dietabenden die Mitglieder auf die nationalsozialistischen Ideen einzuschwören. So sprach beispielsweise der damalige Dietwart Rechtanwalt Cornel Schmitz an einem Abend über das „Gesetz zur Verhütung von Erbkrankheiten“ und dessen positive Auswirkungen auf die Turnbewegung der Zukunft.

Zum Winterfest 1938 wurde das Mitglied der Deutschlandriege, gleichzeitig auch Gau-Turnlehrer, Heinz Sandrock, mit einer Riege verpflichtet. Erstmals in diesem Jahr stellte der Turnverein für den stattfindenden Karnevalszug einen Wagen und eine Fußgruppe.

Sportliches Hauptereignis war im Jahre 1938 das vom 27. - 31. Juli durchgeführte Deutsche Turnfest in Breslau, an dem 28 Vereinsmitglieder teilnehmen konnten. Fünf Turner wurden seinerzeit als Wettkämpfer gemeldet, von denen Josef Schäfer, Josef Wirtz und Karl Koerfers als Sieger heimkehrten.

 Da seit dem Jahre 1935 für die Vereinsmitglieder keine Unfallversicherung mehr bestand, wurde, um größere Schäden wenigstens teilweise ausgleichen zu können, eine „besondere Unfallkasse“ eingerichtet, die aus freiwilligen Spenden bei Vereinssammlungen und ähnlichen Anlässen gespeist wurde.

Im September 1938 verstarb Robert Schöny, ein Mann, der sich fast 50 Jahre lang ständig in führenden Vereinsämtern (Vorsitzender, Schriftwart, Turnwart und Kassierer) um die Belange des Vereins mit großem Erfolg eingesetzt hat. Auch über den Verein hinaus hat er im „Niederrheinischen Grenzgau“ als Turnwart lange Jahre das turnerische Leben mitgestaltet. Nicht nur bei den Turnern, auch in der ganzen Bürgerschaft war Schöny beliebt und geschätzt. Er gehörte darüber hinaus fast 47 Jahre der Lobbericher Feuerwehr an. Der Turnverein verdankt ihm jedoch noch mehr: Hat er doch die Traditionsfahne des Vereins aus dem Jahre 1861 „gerettet“, als er diese von seinem Vater Karl übernahm und aufbewahrte, ehe er sie dem Verein zum 75jährigen Jubelfest zurückgab. Das Turnen hielt ihn bis zuletzt geistig und körperlich jung. Insbesondere bei den Turnabenden der Altersabteilung war er gerne gesehen.

                           Karl Schöny

                                                      Karl Schöny

Am 21. Dezember 1938 erfolgte die Umbenennung des bisherigen Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen in die Bezeichnung „Nationalsozialistischer Reichsbund für Leibesübungen“. Dadurch wurde der Sport eindeutig „politisiert“. Rudolf Hess Stellvertreter Adolf Hitlers bekannte: „Die vom Reichssportführer geschaffene Einheitsorganisation der deutschen Leibesübungen, der Deutsche Reichsbund für Leibesübungen hat die Aufgabe, das deutsche Volk zu einem „Volk in Leibesübungen“ zum machen. Diese wichtige politische Zielsetzung, die besonders bei dem Deutschen Turn- und Sportfest in Breslau 1938 in Erscheinung trat, lässt es geboten erscheinen, dem Reichsbund Führung und Schutz der NSDAP zuteil werden zu lassen. Damit ist zum Ausdruck gebracht, daß der Einsatz der Millionen deutscher Turner und Sportler im NSRL (Nationalsozialistischer Reichsbund für Leibesübungen) und die Arbeit der Organe dieses Bundes politisches Wirken im Sinne und im Namen der NSDAP ist.“

Bei der Jahreshauptversammlung am 31. 12. 1938 wurde beschlossen, aufgrund eines Verbotes des „Reichssportführers“, jegliche Verbindung zu ausländischen Vereinen zu beenden, den Turnverein „Oranje Venlo“, mit dem man seit vielen Jahren in angenehmer Beziehung stand, nicht zum Winterfest 1939 einzuladen.

Lobberich wird im Laufe des Jahres 1939 zum „Stützpunkt der Turnerei“ im Kreis. Lehrgänge des bereits erwähnten Gauturnlehrers Sandrock wurden in Lobberich abgehalten und die Mitglieder der Nachbarortsvereine verpflichtet, an diesen Lehrgängen teilzunehmen.

Die letzte Mitgliederversammlung vor dem Ausbruch des 2. Weltkrieges am 1. 9. 1939 fand am 2. Juli 1939 statt. Da zu Kriegsbeginn der Vereinsführer Dr. Veith ebenfalls eingezogen wurde, viele Turner auch zum Arbeitsdienst gerufen waren, ruhte zunächst die Verwaltungsarbeit im Verein.

Dr. Veith, der im März 1940 wieder in seinen Zivilberuf zurückbeordert wurde, rief dann am 9. 3. 1940 zu einer Jahreshauptversammlung die noch verbliebenen Mitglieder zusammen, in der er die geänderten Vereinsverhältnisse und die Aufgaben und Ziele des Vereins in der Kriegszeit erläuterte. Dr. Veith führte weiter aus, „dass die Aufrechterhaltung des Vereinslebens, die Pflege der Kameradschaft und die ständige Hilfsbereitschaft für die Zukunft Grundlage und Richtschnur für die Kriegsarbeit im Verein sein sollten“. Dementsprechend wurden den im Wehrdienst stehenden Mitgliedern zu verschiedensten Anlässen kleine Päckchen übersandt. In der gleichen Versammlung wurde von Josef Wilms erwähnt, dass der gesamte Turn- und Spielbetrieb wegen der besonderen Lage „äußerst schlapp“ geworden sei.


Im Jahre 1940 wurden neue Einheitssatzungen des „ Nationalsozialistischen Reichsbundes für Leibesübungen“ beschlossen, die zum Inhalt hatten: „Anwendung des Führerprinzips, Anerkennung der Gemeinnützigkeit und die grundsätzliche Einheitlichkeit der Satzungen bei allen im Reichsbund für Leibesübungen zusammengeschlossenen Turn- und Sportvereinen“.

Die Vereine wurden immer wieder zu „Metallspenden“ aufgerufen, die wegen der allgemeinen Knappheit an Rohstoffen notwendig wurden. Der Verein opferte aus diesem Grunde viele Pokale, Wanderpreise und Fahnenspitzen.

Durch die Ausweitung der Kriegshandlungen am 10. 5. 1940 (Einmarsch in Holland) und die damit verbundenen erneuten zahlreichen Einberufungen fanden zunächst bis zum Oktober 1945 keine Mitgliederversammlungen mehr statt. Trotzdem war die Arbeit im Verein immer noch sehr rege. Auf Kameradschaftsabenden wurden Probleme erörtert und erledigt. Erstes gefallenes Mitglied war Josef Schotten.

Das Anwachsen der Kriegswirren führte zwangsläufig zu einem Rückgang des Turn- und Spielbetriebes. 1941 verbleiben noch 122 Mitglieder. Allein 41 junge Turner befanden sich bei der Wehrmacht oder im Arbeitsdienst.

Trotz allem wurde am 10. 11. 1941 das 80jährige Bestehen des Turnvereins gefeiert. Das Fest machte dem Turnverein auch weit über die Grenzen Lobberichs hinaus alle Ehre. In Riesenartikeln würdigten die erscheinenden Zeitungen das Fest, auf dem die Ehrenmitglieder Lambert Birker und Wilhelm Riether für ihre 50jährige Vereinsmitgliedschaft geehrt wurden. Der fortschreitende Krieg forderte immer mehr Opfer. Mittlerweile war fast die Hälfte aller Mitglieder eingezogen. Die Fahrverbindungen zu auswärtigen Veranstaltungen wurden immer schlechter.

Speziell für die Jugendabteilung des Vereins wurde die Gründung einer Rollschuh- und Schlittschuhabteilung beschlossen. Eine Kinderabteilung wurde ins Leben gerufen, womit im November 1942 der Verein wieder 180 Mitglieder zählt. Die Rollschuhabteilung hielt Übungsabende zunächst in der Kulturhalle an der Breyeller Straße, nach deren Verkauf dann im Spritzenhaus der Feuerwehr ab.

Die letzte Eintragung vor Kriegsende im Protokollbuch trägt als Datum den 18. 11. 1942. Ab diesem Zeitpunkt ruhte der gesamte Turn- und Spielbetrieb, wie auch das übrige Vereinsleben.

 

 

 

Der TV Lobberich 1861 e.V.
Von 1945 – 1961
- die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg – ein Wiederaufbau

 

Die Zeit des Zusammenbruchs von 1944 – 1945 versetzte auch dem Turnverein harte Schläge. Die im Jahre 1926 unter Bürgermeister Eger entstandene Turnhalle war ausgeplündert und schwer beschädigt. Der Sportplatz glich einem von Panzer- und Schützengräben durchzogenem Trümmerfeld, die Geräte waren alle verloren.

Die erste Mitgliederversammlung nach dem Zweiten Weltkrieg fand am 26. 10. 1945 im Vereinsheim Dammer statt und war von 46 Turnerinnen und Turnern besucht. Turnsenior Lambert Birker eröffnete sie und betonte dabei, „dass es nun an der Zeit sei, die durch den Krieg unterbrochene Arbeit wieder aufzunehmen, um die alte Stellung des Vereins in der Jugenderziehung und Körperertüchtigung wieder zu erringen.“


Zum Zwecke der Wiederaufnahme des Turn- und Spielbetriebes wurde überörtlich der Spiel- und Sportverband Grenzland gebildet, dessen Leiter Jakob Pegels in Kempen wurde. Der Turnverein schloss sich diesem Verbande, der in etwa dem früheren Niederrheinischen Grenzgau entsprach, anund betätigte sich in den Facharten Turnen (einschließlich Leichtathletik) und Handball.


Der neue Mitgliedsbeitrag wurde auf 1 RM und für Jugendliche unter 18 Jahren auf 50 Pfg. festgesetzt. Die Übungsabende, von dem immer eifrigen Oberturnwart Josef Wilms initiiert, fanden im Saale des alten Vereinsheimes Kessels-Dammer (der Saal wurde beim ersten Neubau der Sparkasse Lobberich an der von-Bocholtz-Straße abgerissen; die Gaststätte blieb bestehen und ist heute das Hotel „Stadt Lobberich“) statt, da die Turnhalle wegen schlimmer Verwüstungen nicht mehr benutzt werden konnte. Auch die Platzanlage des Vereins war von Gräben und Granattrichtern durchzogen und von Panzern aufgewühlt. Turngeräte waren bis auf ein Reck, einen großen und einen kleinen Barren, die außerdem noch stark reparaturbedürftig waren, nicht mehr vorhanden.


Von der Hoffnung auf den gesellschaftlichen und turnerischen Neubeginn beseelt, wurde auch die Vereinsarbeit fortgesetzt. Die beliebte „Götzwanderung“ am Christie-Himmelfahrts-Tag wurde erstmals im Jahre 1946 wieder durchgeführt.


Auch Zusammenschlussbestrebungen mit dem Lobbericher Sportclub kamen im April 1946 wieder ins Rollen. Noch einmal wurde betont, dass bei gutem Willen einer gemeinsamen Arbeit im Dienste der Jugendertüchtigung nichts im Wege stehe, dass aber auch in einem Orte wie Lobberich sowohl der eine als auch der andere Verein lebensfähig sei.


Die vom Kreisverband vorgelegten neuen Satzungen wurden vorerst nicht anerkannt, da man es nicht für guthieß, eine Trennung von Turnen und Spielen vorzunehmen. (Die Vereinigung von Turn- und Spielvereinen wurde seitens des Verbandes nicht für gut befunden.)


Anfang Januar 1948 stellte der Turnverein den Antrag an die Gemeinde Lobberich, ihm die frühere Jugendherberge, insbesondere aber den an die eigentliche Turnhalle angrenzenden großen Raum der Jugendherberge auf die Dauer des bestehenden Pachtvertrages über den Sportplatz zu einer angemessenen Miete zu vermieten. Dr. Veith begründete dies damit, dass der Verein mittlerweile 350 Mitglieder habee und darauf angewiesen sei, „getrennt zu turnen“, hierzu jedoch die bisherige Turnhalle nicht ausreiche. Außerdem wäre es zweckmäßig, so Dr. Veith, wenn auch die beiden Räume, also praktisch die gesamte Jugendherberge dem Verein vermietet werden könne, die man dann an jemanden vermieten könnte, der als Platzwart des Turnvereins aber auch als Hallenwärter fungieren könne. Am 15. April 1948 kam dann der entsprechende Mietvertrag zustande. Nachdem der Turnverein die vertragliche Verpflichtung eingelöst hatte, die sich im schlechten Zustand befindlichen Räumlichkeiten instand zu setzen, konnte mit den Eheleuten Wilhelm und Luise Jennen geb. Leßmann am 21. Mai 1948 ein Dienstvertrag (Anstellung als Turnhallen- und Sportplatzwart) geschlossen werden.

Zum 87. Stiftungsfest des Vereins, am 27. Mai 1948, das im Saale Dammer abgehalten wurde, trat wiederum die Rheinlandriege auf, in der auch zwei junge Lobbericher Turner mitturnen durften: Heinz Fegers und Hans Hegger. Einem Zeitungsbericht nach waren die Leistungen der beiden Lobbericher im Vergleich zu den Turnkünsten der Turner der Rheinlandriege zwar „noch nicht so ausgereift“, dennoch zeigten sie „recht ansprechende Übungen“.


Das 19. Deutsche Turnfest vom 19. – 23. August 1948 in Frankfurt, zu dem nur Teilnehmer aus den amerikanischen und britischen Besatzungszonen offiziell reisen durften (die Turner aus dem französisch besetzten Bereich kamen „heimlich“), besuchten trotz der ungewöhnlich schweren Zeiten mehr als 30.000 Festteilnehmer; unter ihnen auch ein Lobbericher Turner: Heinz Fegers. Er erreichte damals den 8. Platz in seiner Klasse. Ein Erfolg nicht nur für den jungen Turner, auch für den Verein und dessen immerwährendes Bemühen, gute Turner und Sportler aus eigenen Reihen hervorzubringen.


Am 28. 8. 1946 wird ein Pachtvertrag zwischen der Gemeinde Lobberich und dem Turnverein unterzeichnet, der dem Turnverein für 13 Jahre – beginnend am 1. 9. 1946 endigend am 1. 11. 1959 – den bisherigen Gemeindesportplatz zur Nutzung ermöglicht. Der Pachtzins betrug 80 DM pro Jahr. Der Turnverein wurde darin verpflichtet, den Platz in den Sommermonaten an zwei Abenden der Gemeinde für den von ihr gewünschten Zweck und der Katholischen Kirchengemeinde für die katholische Pfarrjugend unentgeltlich zur Verfügung zu stellen.

Der erste Bauabschnitt sah die Herrichtung des Spielfeldes und die Errichtung der bereits erwähnten 100-Meter-Bahn vor. Als 2. Bauabschnitt für 1948 wurde die Fertigstellung der Rundbahn und für 1949 der Tennisplatz (!) vorgesehen. Ja sogar eine Rollschuhbahn und ein Schwimmbad waren geplant.

Bausteine in Form von Karten wurden ausgegeben, die jedes Mitglied und jeder Gönner des Vereins käuflich erwerben konnten, damit die hohen Kosten nicht voll zulasten des Vereins gingen.


Anfang 1948 wurde zur Belebung der Turnstunden ein Turnlehrer (Funke) eingestellt, dessen Aufbauarbeit gute Früchte trug.

Von den Vereinsmitgliedern wurde, unter der Leitung von Josef Schäfer, die Instandsetzung in Angriff genommen. In mehr als 5.000 Arbeitsstunden wurde das ganze Spielfeld verlegt, mit Sprung- und Kugelstoßgruben versehen und mit einer fünf Meter breiten Aschenbahn sowie mit erhöhten Zuschauerplätzen umsäumt.

Von dem Gedanken ausgehend, dass „der Bestand des Vereins nur durch eine nach Idealen strebende Jugend gesichert sei“, wurde die Jugendarbeit besonders gefördert. Dank der unermüdlichen Arbeit des Jugendwartes Bernhard Ostermann und des Oberturnwartes Josef Wilms wurde die Jugend- und Schülerabteilung bis Ende 1950 zur stärksten Abteilung des Vereins und des Kreises mit einer eigenen Sing- und Spielschar.


Im September 1948 wurde auch die Frauenturnabteilung wieder aktiv.


Das Bedürfnis der vielen aktiv Tätigen, sich an einem Wettkampf beteiligen zu können, der Aussicht auf Anerkennung ihrer Leistungen brächte, war verständlich; hatten doch die Turnvereine durch ihre erhebliche Breitenarbeit sehr viele – vor allem junge Menschen – zur aktiven körperlichen Betätigung gebracht, Aktive, von denen naturgemäß nur wenige zu Spitzenleistungen kamen. Diese Überlegungen führender Funktionäre in der deutschen Turnbewegung führten auf Antrag des Turnvereins Lobberich zu dem Beschluss des Gauturntages, einmal im Jahr eine Mehrkampfveranstaltung auf breitester Grundlage zu bieten. Dabei sollten Einzelkämpfe als Rahmenwettbewerbe mit einbezogen werden. So entstand im September 1949 das „Turner-Grenzland-Treffen“, mit dessen Durchführung der Verein zehn Jahre lang beauftragt wurde. Der Erfolg dieser Veranstaltung war über Erwarten groß. Im Durchschnitt wurde das Treffen von 14 Vereinen des Turngaus beschickt. Allein der Turnverein stellte durchschnittlich 135 (!) Wettkämpfer, von denen nahezu 100 Sieger wurden.


Das 1. Turner-Grenzland-Treffen wurde auf der im 1. Bauabschnitt fertiggestellten Turnerkampfbahn durchgeführt und zählte zu den wohl größten sportlichen Ereignissen dieses Jahres im Grenzland. Durch die unermüdliche Arbeit der Mitglieder Kunnen, Körfers und Wilms war dieses Treffen ein so großer Erfolg, dass es zu einer Dauereinrichtung des Kreises wurde. Beim ersten Treffen fanden sich 728 Wettkämpfer ein. Der Turnverein selbst stellte hiervon allein 72, wovon 58 als Sieger aus den Wettkämpfen hervorgingen.


Die Handballabteilung nahm immer größeren Aufschwung. Ertrag der hervorragenden Arbeit besonders von Josef Winkelmolen, Heinrich Lohmann, Josef Schäfer, Ernst Ott, Willi Hochbruck und nicht zuletzt von Bernhard Ostermann, der sich besonders für die Handballjugend einsetzte.
 
Bernhard Ostermann war es auch, der eine Tischtennisabteilung gründete, um den Schülern und Jugendlichen auch im Winter eine Beschäftigung auf sportlicher Ebene zu geben.


Auf Anregung von Josef Wilms, seinerzeit Oberturnwart, wurde die Sing- und Tanzgruppe im Verein zu neuem Leben erweckt. Speziell für 14jährige wurde eine Volkstanzgruppe eingerichtet.


Erstmals in der Geschichte der beiden größten Lobbericher Sportvereine LSC und TV kam es Anfang 1950 zu erheblichen Meinungsverschiedenheiten untereinander, die hervorgerufen wurden durch gegenseitiges Abwerben von Mitgliedern insbesondere aus den beiden Leichtathletikabteilungen. Immer wieder war dies Anlass zu teilweise sehr emotional geführten Diskussionen zwischen den Vorständen beider Vereine.


Zu den verheißungsvollsten Zeichen eines Neubeginns nach 1945 gehörte zweifellos, dass am 10. Dezember 1950 der Deutsche Sportbund (DSB) in Hannover gegründet wurde. Ein freiwilliger Zusammenschluss aller Turn- und Sportverbände der Bundesrepublik Deutschland und Westberlins. Damit war, nach den zurückliegenden Jahren erbitterter Agitation und Polemik, Einheit und Frieden im Turnerlager wiederhergestellt. Der DTB (Deutscher Turnerbund) wurde Dachverband der Turner, hervorgegangen aus der ehemaligen Deutschen Turnerschaft und dem Arbeiter-Turn-Bund.


Herausragendes gesellschaftliches – aber auch sportliches – Ereignis war im Jahre 1951 zweifellos das 90jährige Stiftungsfest des Turnvereins. An dem Festzug nahmen mehr als 2.000 Turnerinnen und Tunern teil. Die ganze Gemeinde nahm Anteil an dem großen Fest. Die Turnhalle, zwischenzeitlich völlig renoviert und erneuert, erstrahlte im neuen Glanz. Von der Gemeindeverwaltung wurden für 5.000 Mark neue Turngeräte angeschafft, die den Turnerinnen und Turnern zugute kamen.

Der Vorstand im Jahr 1951:

1. Vorsitzender                         Dr. jur. Joseph Veith
1. Stellv. Vorsitzender                Rechtsanwalt Cornel Schmitz
2. Stellv. Vorsitzender                Karl Körfers
Geschäftsführer                         Anton Kunnen
stellv. Geschäftsführer               Egidius Birker
Schriftführer                              Hermann Steinwegs
Pressewart                               Theo Peters
Oberturnwart                             Josef Wilms

Jugendwart                               Bernhard Ostermann
Spiel- und Volksturnwart            Ernst Ott
Turnspielwart                            Josef Schäfer
Altersturnwart                           Karl Grundmann
Turnwart                                   Heinz Fegers
stellv. Jugendwart                      Willy Hochbruck
stellv. Spiel- und Volksturnwart   Ernst Zitzen
stellv. Altersturnwart                  Jakob Sieben
Volkstanz und Singen               Heinz Fritz
Gerätewart                               Hans Meinel
Ehrenvorstandsmitglied              Wilhelm Riether

 

Im Jahre 1951 verstarben die Mitglieder Lambert Birker und Alex Huenges.

Lambert Birker war einer der Turner der ersten Stunde, Mitbegründer des Grenzgaues und immerwährendes Vorbild für die Jugend des Vereines. Er hatte an der Breyeller Straße eine kleine Werkstatt, in der Kartonagen- und Buchbinderarbeiten hergestellt wurden. Schwer verwundet kam Lambert Birker im letzten Kriegsjahr des Ersten Weltkrieges 1918 in englische Gefangenschaft, aus der er erst 1919, gesundheitlich noch nicht hergestellt, nach Lobberich zurückkehrte. Mit 16 Jahren packte ihn das Turnen. Obwohl die Geräte damals noch primitiv waren, war ein gutes Turnen gewährleistet. Mit besonderem Nachdruck stellte Birker die schon dort vorherrschende Disziplin in der kleinen Turnerschar heraus. Sie allein schweißte das Häuflein zu einer schönen Kameradschaft zusammen, die Grundlage wurde zum fortschreitenden Aufstieg des TV Lobberich. Mit Zähigkeit und turnerischer Begabung stieg Birker 1895 zum ersten Turnwart auf.

 

                 
           
                                   Lambert Birker

 

Er nutzte in dieser Eigenschaft das fachliche und propagandistische Moment geschickt zu verbinden. „Man soll nie das Licht der Öffentlichkeit scheuen, wenn es sich um eine Sache zum Nutzen des Volkes handelt, auch dann nicht, wenn gewisse Kreise in der Turnerei eine ihnen nicht genehme Sache sahen“ – war sein Lebensmotto. Als seinerzeit an der Sassenfelder Straße das erste öffentliche Schauturnen im Freien startete, zu dem einige auswärtige Vereine herangezogen wurden, sagte Birker: „Ja, es muss doch etwas geboten werden!“ Das Schauturnen brachte den gewünschten Vereinszuwachs. Obwohl ihm in frühesten Jahren schon durch das Ableben seines Vaters die Sorge um die Familie übertragen war, wurde die Turnsache sein A und O. Ein Fehlen im Turnbetrieb gab es für ihn nicht. Er lebte seinen Turnkameraden die Treue vor. Die Gründung des Niederrheinischen Grenzturngaus 1896 in Lobberich basiert auf seiner Einflussnahme. Er gründete auch die Altersriege im Turnverein Lobberich. Seine turnerische Leistung wurde über Lobberichs Grenzen hin bekannt. Man holte ihn als Kampfrichter beim Kreisfest in Köln und in gleicher Eigenschaft bei den Gauturnfesten. „Mein Leib- und Magenfach war das Geräteturnen“ – so Originalton Lambert Birker.


Alex Huenges war jahrelang zweiter Vorsitzender des Vereins, der insbesondere durch seine bemerkenswerte selbstlose Vereinsarbeit immer wieder hervortrat.


Das Jahr 1952 war für den Turnverein von besonderer Bedeutung. Im Juli dieses Jahres wurde unter der Führung von Dr. Veith und weiteren sechs Vereinsmitgliedern der Verein „Turnerkampfbahn Lobberich e. V.“ gegründet, der nach langen und äußerst schwierigen Verhandlungen mit der Gemeinde und der kath. Kirchengemeinde den Sportplatz von der kath. Kirchengemeinde erwerben konnte.

Erhebliche Zuschüsse von der Gemeinde, der Regierung, dem Kreis, dem Landessportbund, aber auch nicht unerhebliche Eigengelder des Vereins sowie Spenden und viele Tausende von freiwilligen Arbeitsstunden der Vereinsmitglieder ließen in den kommenden Jahren eine vorbildliche Platzanlage entstehen.


Auch für die Handballjugend wurde das Jahr 1952 zu einem besonders erfolgreichen Jahr. Die mühevolle, uneigennützige Arbeit der Männer um Bernhard OstermannHeinz Nopper, Josef Hauertz und Hermann-Josef („Sepp“) Gerhards – begann erste Früchte zu tragen. Beachtenswerte Erfolge wurden erzielt. Erstmals wurde die A-Jugend ungeschlagen (!) Kreismeister.


Zum 20. Deutschen Turnfest nach Hamburg, an dem erstmals auch wieder die Turnerjugend teilnehmen konnte, fuhren auch drei Aktive des Turnvereins: Josef Wilm, Hermann Steinwegs und Heinz Fegers. Dieses Fest, besonders jedoch die Ansprache von Bundespräsident Heuss bei der Schlussveranstaltung setzte für die Turn- und Sportbewegung neue Akzente.


Im Zuge einer verbandsseitig dem Lobberich Sportclub (LSC) auferlegten Sportplatzvergrößerung, bei der die Umlaufbahn weichen musste, wurde diesem im Jahre 1952 gestattet, die Anlage des Turnvereins zu Trainingszwecken zu nutzen.


Im November 1953 übernahmen die Eheleute Ernst und Henny Zitzen den Hallenwartposten für die Turnhalle.


Die Leichtathletikjugend bringt es im Jahre 1954 zu beachtenswerten Erfolgen. Toni Pollen, Gerd van Sandten, Willi Wolters und Sepp Gerhards machten erstmals auf sich aufmerksam; jedoch sollte hier die gesamte Abteilung mit Franz Holterbosch an der Spitze wegen ihres unermüdlichen Einsatzes bei vielen Sportveranstaltungen nicht unerwähnt bleiben. So nahmen Sepp Gerhards und Willi Wolters als erste Sportler des Vereins an den Deutschen Jugendmeisterschaften teil.


Im Dezember 1954 wurde die noch aus der Vorkriegszeit stammende Satzung des Turnvereins den neuen Gegebenheiten angepasst – insbesondere auch wegen der neuen Gemeinnützigkeitsverordnung, die dem Verein ermöglichte, Spendengelder anzunehmen.


Nachdem das Tennisplatz- und Kleinspielfeld im Rohbau fertiggestellt waren, wurde der Ausbau der Tennisanlage vom weiteren Plan gestrichen, da man der Meinung war „Tennis sei zurzeit kein Volkssport“.  (wie sehr sich die Zeiten ändern werden!)


Auf Initiative von Ernst Ott wurde der „Vereins-Besten-Pokal“ angeschafft:


Bestimmungen über die Zuerkennung des Wanderpreises an das jahresbeste Mitglied:


1.     Der Verein hat einen Wanderpreis gestiftet zur alljährlichen Zuerkennung an das
jahresbeste Vereinsmitglied.


2.     Jahresbester ist, wer sich sowohl mit seiner turnerischen Leistung wie auch in seiner
ideologischen Einstellung zum deutschen Turnen und in seiner gesamten persönlichen
charakterlichen Haltung zum Verein und seinen Mitgliedern am meisten hervorgetan hat.
Maßgebend ist also die Gesamtleistung und Gesamthaltung für den Verein und seine turnerische Arbeit und nicht allein die messbare sportliche Leistung.


3.     Die alljährliche Auswahl des Jahresbesten erfolgt durch Beschluss des Vorstandes, die Verleihung erfolgt auf der ordentlichen Jahresversammlung der Mitglieder für das betreffende Jahr.


Erste Preisträger im Jahre 1955 sind Sepp Gerhards für seine besonderen leichtathletischen Leistungen und Willi Wolters, der in diesem Jahr Niederrhein-Meister im Zehnkampf wird.


Der besonders den alten Handballern heute noch bekannte Karl-Heinz Gädtke stößt mit 46,92 Meter im Diskuswurf in die Westdeutsche Spitzenklasse vor. Er starb leider schon in jungen Jahren an einer heimtückischen Krankheit.


Neues Vereinsheim wurde im Jahre 1956 das Kolpinghaus (heute Seerosensaal), da der alte Saal vom Dammer dem Sparkassenneubau weichen musste.


Im Februar 1957 übernahm Heinz Nopper für lange Jahre das Amt des Jugendspielwartes. Seinen hervorragenden Leistungen, die weit über das „Normale“ hinausgingen, ist es zu verdanken, dass eine ganze Reihe von guten Handballspielern aus den Reihen der Jugendlichen hervorging.


Anfang 1958 wurde die Schwimmabteilung mangels Beteiligung aufgelöst. Ernst Brandt, jahrelanger Leiter dieser Abteilung, gründete den Versehrtensportverein (heute: Behindertensportverein) Lobberich.


Hans Schatten wurde neuer Handball-Spielwart und löste Ernst Ott ab. Ein neuer Aufschwung der Handballabteilung begann. Dank des guten Nachwuchses aus der A-Jugend konnte im Jahre 1959 nach kurzer Zugehörigkeit zur Bezirksliga der Aufstieg in die Landesliga geschafft werden.


Die Olympischen Sommerspiele in Rom im Jahre 1960 sahen auch eine Teilnehmerin aus den Reihen des TV Lobberich: Anneliese Gerhards, die als Speerwerferin an erster Stelle in der deutschen Bestenliste 1960 stand, hatte als einzige deutsche Teilnehmerin im Speerwerfen das Finale erreicht. Am Fernsehen konnten viele den Kampf mit Freude beobachten. Vereinsinterne, örtliche und überörtliche Ehrungen wurden Frau Gerhards für ihre erbrachten Leistungen zuteil.


Karl Loos übernahm im Jahre 1960 das Training der Handball-Stamm-Abteilung. Unter seinem „eisenharten“ Training und mehr als vorbildlicher Leistung und nicht zuletzt durch eine hervorragende Kameradschaft errang die 1. Mannschaft 1960 bereits die Gruppenmeisterschaft in der Landesliga. Fast wurde auch der Aufstieg in die Oberliga geschafft, der damaligen höchsten deutschen Spielklasse im Feldhandball. Auch in der Halle erreichte wurden nennenswerte Erfolge erzielt: So wurde die 1. Mannschaft erstmals Hallenhandballmeister des Kreises Grenzland.


 

Im Zuge einer Generalbereinigung von Grundstücksangelegenheiten erhielt der Turnverein von der Gemeinde Lobberich das an die Turnerkampfbahn angrenzende Doppelwohnhaus Wevelinghover Straße 151/153 zugesprochen. Damit war ein Grundstein gelegt, in späteren Jahren das heute bestehende Vereinsheim zu errichten.

 

Das Jahr 1961 wurde zu einem der erfolgreichsten Jahre des Turnvereins in sportlicher wie auch in gesellschaftlicher Hinsicht. Nicht nur das 100jährige Jubelfest wurde zu einem Ereignis besonderer Art, auch die Leichtathletik- und Handballabteilung erzielten beachtenswerte Erfolge.

Die 100-Jahr-Feier in der Zeit vom 8. bis 16. Juli 1961 wurde dank der vorbildlichen, unermüdlichen Arbeit der speziell für dieses Fest ins Leben gerufenen verschiedenen Arbeitsausschüsse zu einer werbewirksamen, auch von Außenstehenden viel beachteten Veranstaltung. Ausscheidungsspiele um den Aufstieg zur Handball-Oberliga, ein Festzug, eine leichtathletische Großveranstaltung auf der Turnerkampfbahn, ein wunderschöner Festabend unter der Beteiligung von Turnern der Deutschland- und Rheinlandriege, die Rheinischen Turnmeisterschaften in 31 Wettbewerben, der Deutsche Turnvereins-Gruppenwettstreit (Landesklasse), die Deutsche Turnvereins-Meisterschaft (Landesklasse) und besondere Einzelkämpfe und Staffeln sorgen für einen sportlichen und gesellschaftlichen Rahmen, der sich sehen lassen konnte. Im Rahmen der Veranstaltung überreichte Bürgermeister Hein Nicus dem Turnverein eine neue Fahne.

 

                                                                          


Die erste Handballmannschaft erreichte dank hervorragender Leistungen über die Ausscheidungsspiele gegen Sterkrade, Mülheim und Hilden den Aufstieg in die Oberliga und wurde bereits im ersten Jahr ihrer Zugehörigkeit Tabellenvierter.

                                        


Die guten Leistungen der Handballer fanden auch überörtlichen Zuspruch; so wurden Sepp Gerhards in die Westdeutsche Auswahl und Roland Geratz, Lambert Birker und Hans Tüffers in die Niederrhein-Auswahl berufen.


In fast allen Männer- und Jugenddisziplinen wurden im leichtathletischen Bereich neue Vereinsrekorde aufgestellt. Die Deutschen Meisterschaften in der Leichtathletik brachten dem Turnverein erstmals einen Deutschen-Meister-Titel: Anneliese Gerhards kehrte als Deutsche Meisterin im Speerwerfen der Frauen nach Hause zurück. Zuvor hatte sie auch die Westdeutsche- und die Niederrhein-Meisterschaft erringen können. Mit 52,77 Metern belegte Frau Gerhards im Jahr 1961 den 2. Platz in der Deutschen Bestenliste und den 9. Platz in der Weltrangliste. Hans Straver, ebenfalls ein vorbildlicher Leichtathlet wurde an 40. Stelle über 400-Meter-Hürden in der deutschen Bestenliste geführt.

                                        
                                                                   Turnerriege 1961

Mit dem Jahr 1961 ging eine Epoche im Turnverein Lobberich zu Ende, die in der Hauptsache durch den Neuaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg geprägt war.

 

                                            

                                                                                Vorstand TV Lobberich
                                                                                               1961

 

 

 

 

Der TV Lobberich 1861 e.V.
Von 1962 – 1987
- der Turnverein auf dem Weg zum Breitensport -

Dieses Kapitel der Chronik des Vereinslebens beginnt mit einem Jahr, in dem die Gemeinde Lobberich in sportlicher Hinsicht – auch dank des Turnvereins Lobberich – wieder einmal sehr gut dasteht:


Die 1. Handballmannschaft spielt im zweiten Jahr in der höchsten deutschen Spielklasse; der Handball-Oberliga Bezirk Niederrhein.

 

                                    
                                           Sepp Gerhards im Spiel gegen den
                                                            Tus Lintfort


Anneliese Gerhards holt sich zum zweiten Male den Titel einer Deutschen Meisterin im Speerwerfen der Damen.


Willi Moonen – Mitglied der Billardfreunde 1937 – gelingt es, den Titel eines Deutschen Billardmeisters in der Disziplin „Einband“ zu erobern.


Ein junger Reiter namens Karl-Heinz Giebmanns reitet von Erfolg zu Erfolg.


Auf Initiative des Leichtathletikwartes des Turnvereins, Kurt Krummeich, wurde dem Vorstand des Vereins ein Probeexemplar einer Vereinszeitung – zunächst als „Nachrichtenblatt der Leichtathleten“ mit dem Titel „Sporttelegramm“ – vorgestellt. Nach mehreren Anläufen wurde die Herstellung jedoch zunächst „ad acta“ gelegt, da die Produktionskosten nach Meinung der Mehrheit der Vorstandsmitglieder nicht in einem rechten Verhältnis zum Nutzen dieser Zeitung stehen würden.


Im September 1962 kam es zu ersten Differenzen im Vorstand des Turngaus Kempen, die durch die im Jahre 1960 erfolgte Neugründung des Kempener Turnvereins hervorgerufen wurden. Die Arbeit auf Gauebene ist dadurch erheblich behindert. Dem persönlichen Einsatz des 1. Vorsitzenden des Turnverein Lobberich, Dr. Josef Veith, ist es zu verdanken, dass die Meinungsverschiedenheiten beigelegt werden konnten. Im neu gewählten Vorstand des Turngaus Kempen waren auch folgende Mitglieder des Turnvereins Lobberich vertreten: Dr. Josef Veith, Wilhelm Riether, Hans Straver, Josef Wilms, Heinz Fegers, Günter Isenberg und Helmut Gütz.


Aufgrund eines Gutachtens, das den Zustand des über einhundertjährigen – im Jahre 1960 von der Gemeinde dem Turnverein Lobberich zugesprochen – Doppelwohnhauses Wevelinghover Straße 151/153 beschreibt, wurde erstmals erwogen, wegen der äußerst hohen Instandsetzungs- und Reparaturkosten, die bestehenden Gebäulichkeiten abzureißen und ein neues Vereinsheim mit Platzwartwohnung zu errichten.


Ende des Jahres 1962 übersteigt die Mitgliederzahl des Turnvereins die 500er-Marke.


Auch das Jahr 1963 brachte dem Turnverein einen erneuten Erfolgsboom, an dem vor allem die 1. Handballmannschaft großen Anteil hatte. Erstmals nahm sie an der westdeutschen Meisterschaft teil. Die damaligen Spiele gegen so bekannte Mannschaften wie TuS Lintfort (früherer Deutscher Feldhandball-Meister), VfL Gummersbach, TG Witten, Bayer Leverkusen und Grün-Weiß Dankersen sind vielen Vereinsmitgliedern und Handballfreunden noch in angenehmster Erinnerung. Stetig steigende Zuschauerzahlen (teilweise bis zu 3.000!) verdeutlichen das seinerzeit große Interesse, das man der jungen Mannschaft entgegenbrachte; selbst der Rundfunk war teilweise bei den Spielen vertreten.


Ende November 1963 wurde zur Verbesserung der Trainingsmöglichkeiten für die Handballer eine Flutlichtanlage auf der Turnerkampfbahn fertiggestellt – allerdings nur für einen Torraum.


Wenn auch das Jahr 1963 für die Leichtathletikabteilung nicht ganz so erfolgreich war  wie die Jahre zuvor, so wurden trotzdem schöne und vor allem auch beachtenswerte Leistungen erzielt. Anneliese Gerhards, Hildegard Jalas, Herbert und Ingrid Halberkamp, Erhard Hahs, Hans Straver, Jürgen und Heinz Nielebock und Manfred Sommerfeld hatten daran entscheidenden Anteil. Die Männermannschaft Hans Straver, Jürgen Nielebock und Manfred Sommerfeld errang im Fünfkampf bei den Niederrhein-Meisterschaften einen hervorragenden fünften Platz.


Ein sportliches überregionales Ereignis darf auch in der Vereinschronik eines Turnvereins nicht fehlen: Im August 1963 begann die Profi-Fußball-Bundesliga mit ihren ersten Meisterschaftsserie.

Das Jahr 1964 dürfte insbesondere für die Gemeinde Lobberich von größter Bedeutung sein: Innenminister Weyer von Nordrhein-Westfalen überreichte Bürgermeister Hein Nicus und Stadtdirektor Heinz-Willi Güßgen am 7. August 1964 die Urkunde zur Verleihung der Stadtrecht. Bereits im Sommer des Jahres 1881 hat es erste Anstrengungen in Lobberich gegeben, Stadtrechte zu erhalten. Die von Bürgermeister Stankeit initiierten Bemühungen wurden jedoch von den Bauern der Umgebung, die eine Bevorzugung der „Städter“ fürchteten, zu Fall gebracht. Auch Bürgermeister Marx scheiterte 1901 an diesem Bestreben.

Mit Ernst Ott verlor der Turnverein im Jahre 1964 seinen langjährigen 2. Vorsitzenden und damit einen Mann, dessen Verdienste gar nicht alle aufgezählt werden können. Die Ehrennadeln des DTB, des Turngaus Kempen und des Westdeutschen Handballverbandes sind nur einige der vielen Auszeichnungen von Ernst Ott. Klaus Nielebock und Hans Straver übten den vakanten Posten als Leichtathletikwart vorübergehend aus.

Vor allem den „Hausfrauen Lobberichs“ eröffnete das Jahr 1964 ein neues Betätigungsfeld im Turnverein. Eine „Hausfrauenabteilung“, in der vor allem Gymnastik betrieben werden sollte, wurde von Edeltraud Krug gegründet. Die Abteilung, die später dann liebevoll „Muttiriege“ genannt wurde, ging dann in die „Senioren-Gymnastik-Gruppe“ über, in der zeitweise bis zu 60 ältere Damen in zwei Gruppen sportliche Betätigung suchten.


Bei den 18. Olympischen Spielen in Tokio, an denen letztmalig – bis zur Wiedervereinigung – eine gesamtdeutsche Mannschaft aus Sportlern der Bundesrepublik und der DDR vertreten war, belegte Anneliese Gerhards einen beachtlichen 8. Rang beim Speerwerfen der Frauen. Ein Jahr nach ihrem schönen Erfolg in Tokio wurde Anneliese Gerhards erneut Deutsche Meisterin, während Herbert Halberkamp bei den Rheinischen Turnmeisterschaften Sieger im Sechskampf wurde und bei den Westdeutschen Meisterschaften über 200m-Hürden den dritten Platz belegen konnte.

 

                                          A-Jugend Schalksmühle 

                                                 Handball A-Jugend 1964 beim Besuch des
                                                                    TV Schalksmühle


Im Oktober 1965 wurde für die Handballabteilung erstmals ein „Spielausschuss“ gebildet, dem die Mitglieder Lothar Niederländer, Rolf Finster und Helmuth Müller angehören. Dieser Ausschuss sollte dem Trainer bei der Mannschaftsaufstellung beratend zur Seite stehen.


Allerdings machten sich erste Anzeichen einer handballerischen Krise bemerkbar. Man trennte sich von Erfolgstrainer Karl Loos, womit – für viele vorhersehbar – unausweichlich ein Abwärtstrend der Handball-Stammabteilung verbunden war. Nach einer Übergangsphase, in der Hermann-Josef (Sepp) Gerhards als Spielertrainer fungierte, wurde der Dülkener Sportlehrer Heythausen als neuer Trainer verpflichtet.


Auf Anregung von Klaus Nielebock beteiligte sich der Turnverein erstmals an dem vom Landessportbund durchgeführte „Sportabzeichenwettbewerb“; leider machten nur wenige Vereinsmitglieder von dieser Möglichkeit, ihre Fitness zu beweisen, Gebrauch.
In der Jahreshauptversammlung 1966 trug Günter Isenberg als „Skiwart“ vor, dass eine große Anzahl der Vereinsmitglieder dem Skifahren „fröhnt“. Junge und auch ältere Menschen würden den Versuch unternehmen, im Winter Urlaub zu machen und sich zum ersten Mal auf Skier stellen. Günter Isenberg vermutete „auch in den Reihen des Turnvereins eine relativ starke Gruppe von Turnbrüdern und Turnschwestern, die entweder bereits auf den Brettern gestanden haben oder aber die, die sich gerne damit vertraut machen möchten“. Als Gau-Skiwart äußerte er den Wunsch, dass der Turnverein im nächsten Jahr um eine Abteilung, nämlich die Skiabteilung, „reicher“ würde. Leider ist in den folgenden Protokollbüchern hiervon nie mehr die Rede.


Die negativen Vorzeichen im Handball hatten ihre Konsequenzen: Einer großen Erfolgsphase, die auch in den späteren Jahren in diesem Sinne nie mehr vorkam, folgte ein Niedergang, der sich zunächst darin widerspiegelte, dass die 1. Herren-Mannschaft aus dem Handball-Oberligahaus in die Verbandsliga abstieg. Die 2. Herrenmannschaft bewegte sich dem allgemeinen Trend entsprechend auch nur noch im unteren Tabellendrittel. Nun wurde hektisch der Grund für diesen Einbruch gesucht. Viele sahen ihn darin, dass nicht genügend Nachwuchs aus der Jugendabteilung – speziell aus der A-Jugend – herauskam, der den hohen Ansprüchen gerecht werden konnte.


Dennoch gab es in dieser schwierigen Phase der Handballabteilung des Vereins einen Lichtblick: Leni Tophoven, Ehefrau von Otto Tophoven, Torwart der 1. Handballmannschaft, und ehemalige niederländische Nationalspielerin, gründet im Juni 1967 eine Damen-Handball-Abteilung, an deren Aufbau und Erfolgen sie in der nächsten Zeit erheblichen Anteil hatte.


Die Faustball-Abteilung, zwischenzeitlich in der Altersabteilung angesiedelt, wurde nach Jahren der Mittelmäßigkeit erstmals wieder Kreismeister.


Aus Dankbarkeit und in Erinnerung an die großartigen Verdienste des 1. Vorsitzenden des Vereins wurde der von ihm gegründete Verein „Turnerkampfbahn Lobberich e. V.“ in „Dr. Joseph-Veith-Turnerkampfbahn Lobberich e. V.“ umbenannt.


In Sachen Vereinsheim-Neubau wurde im September 1967 ein weiterer Schritt nach vorne getan: Das bereits erwähnte Doppelhaus an den Wevelinghover Straße wurde von den Mietern geräumt. Im April 1968 wurden dann endgültig der Abriss und ein Neubau beschlossene Sache. Der zunächst vorgelegte Finanzierungsplan, der mit einer Gesamtbaukosten-Summe von 175.000 DM abschloss, ließ jedoch einige verhaltene Stimmen laut werden, die aus Kostengründen das Projekt infrage stellten.


Zur besseren Arbeitsteilung und Entlastung des geschäftsführenden Vorstandes wurde nun ein Bauausschuss ins Leben gerufen, dem die Mitglieder Hans Schatten, Heinz Grundmann, Ernst Ditges, Josef Wilms, Karl Blasius, Walter Schmitz, Willi Schmitz, Johannes Schmitz und Hans Christians angehörten.


Speziell auf die Mitgliederentwicklung der Leichtathletikabteilung des Turnvereins hatten im Jahre 1968 die 19. Olympischen Spiele in Mexiko des Jahres 1968 positive Auswirkungen. Allein 21 neue Mitglieder traten dieser Abteilung bei. Bei den jugendlichen Leichtathleten traten Sieglinde Klinkertz und Martina Gerhards im Speerwerfen besonders hervor. Karl-Heinz Schmitz wurde Kreismeister im Zehnkampf.
Übrigens wurde bei den Spielen in Mexico für die Hochspringer eine neue Ära eingeläutet: Der Amerikaner Fosbury kreierte einen neuen Hochsprungstil. Mittlerweile haben alle Hochspringer ihre Technik darauf umgestellt.


Das vom 28. Mai – 2. Juni 1968 in Berlin abgehaltene Deutsche Turnfest wurde auch von sechs Aktiven des Turnvereins besucht.


Auch für die Handballabteilung brachte das Jahr 1968 einen leichten Aufwärtstrend. Die erste Mannschaft schaffte wieder den Aufstieg in die Oberliga, die zweite Mannschaft stieg in die Bezirksklasse auf. Die bereits erwähnte gute Aufbauarbeit von Leni Tophoven trug erste Früchte: Die erste Damenmannschaft wurde bereits Bezirksmeister. Im Hallenhandball waren die Aktiven dann nicht so erfolgreich. Zwar schaffte die 1. Herrenmannschaft noch die Qualifikationsrunde zur neu gegründeten Hallenlandesliga, doch der erhoffte Aufstieg wurde knapp verpasst.


Das Jahr 1969 – das Jahr, in dem der erste Mensch den Mond betrat – war für den Turnverein besonders in einer Hinsicht bedeutungsvoll: durch den Neubau des Vereinsheims. Nachdem es Anfang April 1968 zu einem Brand in dem abbruchreifen Doppelhaus kam, wurde am 19. 4. 1969 in Zusammenarbeit mit dem Technischen Hilfswerk (THW) und unter tatkräftiger Mithilfe vieler Vereinsmitglieder der Abbruch vorgenommen. Bereits Mitte Dezember 1969 stand der Rohbau dank unermüdlicher ehrenamtlicher Arbeit – das Protokollbuch erwähnt hier besonders die Mitglieder Heinz Grundmann, Hans Schatten, Gebr. Schmitz und Johannes Schatten, den Vater von Hans Schatten, der mit 78 Jahren immer so rüstig und fähig war, die gesamten Arbeiten in seiner ihm eigenen Art mit größter Umsicht und Sachkenntnis zu leiten. In mehr als 3.000 Arbeitsstunden wurde der Rohbau fertiggestellt, so dass ein zünftiges Richtfest gefeiert werden konnte.


Der Tod eines besonders verdienten Mitgliedes darf natürlich in einer Chronik nicht unerwähnt bleiben: Ehrenvorstandsmitglied Wilhelm Riether, * 12. 9. 1872, verstarb Karnevalsmontag im Februar 1969 mit 97 Jahren. Damit verlor der Turnverein Lobberich einen Mann, der die Geschicke des Vereins jahrzehntelang mitgeprägt hatte. Er verkörperte einen Teil der Geschichte des Turnvereins Lobberich. Folgende Ämter hatte er im Verein inne: Kassierer, Turnwart, Oberturnwart, Frauenturnwart und 2. Vorsitzender. Wilhelm Riether führte an der Breyeller Straße zusammen mit seinem Bruder eine Bürstenmacherwerkstatt, die sich schon seit 1796 vom Vater auf die Söhne vererbte. 1891 fing es mit der „Turnerei“ an – wie Wilhelm Riether sich ausdrückte. Der Lobbericher Turnverein hatte damals wohl 7 oder 8 aktive Mitglieder. Ein Jahr später wurde der junge Handwerker Schriftführer und Chronist des Vereins. Gegen Ende des Jahres 1894 nahm er für seinen Verein am Wettkampf in Viersen teil. Bei diesem Gauturnfest holte er sich den zweiten Preis. Dann kam die Zeit, in der es auf die „Wanderschaft“ ging. Nach Oedt, Krefeld und Viersen wanderte der junge Handwerker und Turner auch nach Bocholt (Westfalen). Hier und später in Unna zählte Riether zu den besten Turnern und wurde beim Turnverein auch zweiter Turnwart. Die Turnerei ließ ihn nun nicht mehr los. Er trat in Hannover in den hannoverschen Turnerbund ein. Hier lernte er das Kunstturnen kennen, das er mit großer Begeisterung betreibt. Schon am zweiten Abend steht er in der ersten Kunstturnriege. Dann trieb es ihn wieder in seine Heimat. Sein erster Weg führte ihn wieder zu seinen Lobbericher Turnkameraden.

                           

                                           Wilhelm Riether

 

Aber nicht nur im Vereinsleben, das er von den ersten Anfängen an begleitete und förderte, sondern auch darüber hinaus war Wilhelm Riether stets ein Turner, der sich mit Leib und Seele der Turnerei verschrieben hatte. Von 1898 bis 1935 (37 Jahre lang!) sahen wir Wilhelm Riether als Gauturnwart des Niederrheinischen Grenzturngaues, dessen Mitbegründer er war. Als Mitgründer der Turnvereine Eintracht Dülken (1895), TV Amern (1906), TV Schaag (1906), TV Bracht (1902), TV Hinsbeck (1902), TV Boisheim (1905), von denen heute schon einige nicht mehr bestehen, hat er auch in den Nachbarorten die Turnerei gehegt und gepflegt. Die Vorläufer des Süchtelner Bergfestes waren die von Wilhelm Riether in Szene gesetzten volkstümlichen Turnfeste in Hinsbeck (1906 – 1908). Die damaligen Übungen setzten sich noch aus Laufen (um den Pfahl), Springen, Stabhochsprung und Weithochsprung zusammen. Im Jahre 1911 lehnten es die Hinsbecker ab, die Veranstaltung durchzuführen. Daraufhin bewarben sich die Süchtelner Turner um die Ausrichtung, woraus schließlich das Süchtelner Bergfest, das traditionsreichste Sportfest unserer näheren Umgebung, entstand.
Zahlreiche Ehrungen wurden Wilhelm Riether zuteil: Die zahllosen Ehrenbriefe und Urkunden, Diplome und Dankschreiben, die er erhalten hat, geben ein Zeugnis von seinem unermüdlichen Einsatz für die Turnerei. Einige wenige seien hier erwähnt: Preußische Staatsplakette (1932), Ehrenbrief des Niederrheinischen Grenzgaues (1936), Ehrenbrief des Kreises VIII b – Rheinland (1919), Urkunde der Gemeinde Lobberich in Anerkennung seiner Verdienste um die Ertüchtigung der Jugend (1951) und so weiter und so weiter. Die Ehrenmitgliedschaften in den Turnvereinen „Oranje Venlo“, „TV Breyell“, „TV Wachtendonk“ und „TV Oedt“, die Ehrenmitgliedschaft im Turngau Kempen und die Ernennung zum Ehren-Oberturnwart im Jahre 1950 machen deutlich, wie sehr Wilhelm Riether mit der Turnerei verbunden war. Ihn und seine hervorragenden Leistungen zu würdigen ist dem Chronisten ein besonderes Bedürfnis, ohne die Leistung anderer – ebenfalls verdienter Mitglieder – schmälern zu wollen.


Mit der Eröffnung der neuen städtischen Sporthalle an der Süchtelner Straße nahm besonders der Hallenhandball im Verein einen neuen Aufschwung. Die umständlichen Fahrten zur kleinen Kaldenkirchener Sporthalle hatten endlich ein Ende. Im Oktober 1969 übernahm der frühere Erfolgstrainer Karl Loos wieder das Training der 1. und 2. Männermannschaft. Die 1. Damenmannschaft setzt ihren Erfolgskurs fort und stieg in die Landesliga auf. Nach schwachen Leistungen steigt die 1. Herrenmannschaft im Feldhandball aus der Oberliga ab.


Im Oktober 1969 wird auf Anregung von Lothar Niederländer eine „Volley-Ball-Abteilung“ gegründet, womit in sportlicher Hinsicht im Verein an „Vakuum“ geschlossen wird.


In der Leichtathletikabteilung machten wiederum die Jugendlichen von sich reden. Systematisches Leistungstraining und ein gesunder Ehrgeiz brachten viele beachtlich Erfolge, die zwei LVN-Meistertitel von Hans-Josef Caelers im Hochsprung (mit 1,96 m steht er an 18. Stelle der gesamtdeutschen Bestenliste) und Martina Gerhards im Speerwurf seien stellvertretend erwähnt.



Zu Beginn des Jahres 1970 wurde in der neuen Stadt Nettetal, die sich im Zuge der kommunalen Neugliederung ab 1. 1. 1970 aus den früheren Orten Lobberich, Kaldenkirchen, Breyell, Hinsbeck und Leuth ergab, unter der Leitung von Lothar Niederländer eine „Turn-Spiel-Abteilung“ gegründet, die die Leistungsgruppen „Faustball“ und „Volleyball“ aufnahm. Hier kam es hin und wieder zu Problemen mit der „Altersabteilung“, in der ja, wie bereits beschrieben, auch die Faustballgruppe untergebracht war. Dank der verständnisvollen und lieben Art eines Willi Tack, der u. a. auch die sehr beliebte „Wanderabteilung“ – ebenfalls in der Altersabteilung angesiedelt – betreute, wurden auch diese Probleme zur Zufriedenheit aller gelöst.


Am 29. 6. 1970 fand die erste eigenständige Jugendversammlung im Turnverein Lobberich statt, die darauf abzielte, die Jugendlichen im Verein stärker zusammenwachsen zu lassen, um später eine echte Mitbestimmung und Mitgestaltung im Verein durch die Jugendlichen zu erreichen.


Im Feldhandball verpasste die 1. Männermannschaft nur knapp den Wiederaufstieg in die Oberliga. Im Hallenhandball dagegen wurde sie – infolge eines deutlich verbesserten Trainings in der neuen Sporthalle – Kreismeister und schaffte den Aufstieg in die Landesliga. Die 1. Damenmannschaft erreichte in der Halle bereits die Oberliga.

Am 18. 12. 1970 wurde das neue Vereinsjugendheim im Rahmen einer schlichten Feier seiner Bestimmung übergeben. Dr. Veith hob in seiner Festrede dabei hervor, dass der Neubau an sich, aber auch der dabei zutage getretene große Idealismus und Eifer vieler Vereinsmitglieder seitens der Stadt, vor allem aber auch von der Bevölkerung sehr lobend anerkannt wurde. Schon wenige Zahlen bezeugen, wie groß der Anteil der Mitglieder am Gelingen des Vorhabens war:

 

Gesamtbaukosten:        ca.  214.000 DM
Eigenkapital:                  ca.   30.000 DM
Eigenleistung (!)             ca.   79.000 DM
Die Gesamtarbeitsstunden der Mitglieder: 5.500 (!)


Im April 1972 legte Dr. Veith aus Altersgründen das am 23. 2. 1935 (nach 37 Jahren!) übernommene Amt des 1. Vorsitzenden nieder. In der Jahreshauptversammlung wurde er auf Vorschlag des Ältestenrates einstimmig zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Die Mitglieder wählten den Zahnarzt Walter Böken zum neuen 1. Vorsitzenden des Vereins.

                                                
                                                                  Walter Böken


Das Olympiajahr 1972 brachte dem Verein in sportlicher Hinsicht keine nennenswerten Erfolge. Auch  der erhoffte Mitgliederzuwachs blieb aus. Letztlich zählte der Verein Ende des Jahres 749 Mitglieder. In der Turnspielabteilung wurde auf Initiative von Lothar Niederländer eine „Er und Sie“-Gruppe, in der von Ehepaaren hauptsächlich Gymnastik und Ballspiele betrieben werden konnten, gegründet.  Im Hinblick auf die Leistungen von Spitzensportlern, die ausschließlich durch die Deutsche Sporthilfe unterstützt wurden, wurden auch im Turnverein kritische Stimmen zum Leistungssport laut, zumal der Breitensport, von allen Gruppen und Institutionen anerkannt, weitestgehend von den Sportvereinen getragen wird.


Die 1. Damen-Handball-Mannschaft stieg nach einer überzeugenden Serie in die höchste deutsche Spielklasse, die Regionalliga auf, musste diese jedoch nach einem Jahr der Zugehörigkeit wieder verlassen. Das dort anzutreffende Leistungsniveau war wohl doch zu hoch, um hier bestehen zu können.


Da im Turngau außer dem Turnverein Lobberich kein anderer Verein Faustball wettkampfmäßig betrieb, schloss man sich 1972 – um Wettspiele austragen zu können – mit dieser Abteilung dem Turngau Mönchengladbach an. Auch mit der Volleyballabteilung, die seit den Olympischen Spielen in München einen wahren Boom erlebte, schloss man sich einem übergeordneten Verband, nämlich dem Westdeutschen Volleyballverband, an. Den Bestrebungen, den Jugendlichen im Verein mehr Mitbestimmung und Selbstverwaltung zu ermöglichen, wurde am 17. 3. 1972 mit dem Erlass einer Jugendordnung Rechnung getragen.

Das Jahr 1973 brachte für den Handballsport, aber auch bei vielen Handballfreunden ein leicht wehmütiges Ereignis: Mangels Interesse der Spieler und nicht zuletzt auch der Zuschauer, die vor allem dem wesentlich schnelleren und abwechslungsreicheren Hallenhandballspiel ihre Gunst erwiesen, sagte man auch verbandsseitig dem Feldhandball ade.


Mitte des Jahres 1973 kam es von verschiedenen Seiten aus zu Gründungen von Schülersportgemeinschaften in Lobberich. Träger dieser SSG waren die Lobbericher Schulen und die beiden Großvereine LSC (Lobbericher Sportclub) und TV Lobberich. Insgesamt wurden 23 Sportgemeinschaften in Nettetal in sechs Sportarten gegründet. In den Schulübungsgruppen waren 8 TV-Übungsleiter im Einsatz (Volleyball 2, Leichtathletik 4, Handball 1, Turnen 1).
 
Auch für die Handballjugend gab es im Jahr 1973 erhebliche Neuerungen. Wurde bisher mit der A- und B-Jugend auf dem Großfeld gespielt, einigten sich nunmehr die Jugendbetreuer des Handballkreises Grenzland darauf, nur noch Kleinfeldspiele durchzuführen. Man wollte hierdurch einen kontinuierlicheren Aufbau und eine bessere Vorbereitung der Mannschaften auf die Hallenserie erreichen. Allein sieben Jugendmannschaften wurden seitens des TV Lobberich für die Serie 1973/74 gemeldet, eine bis dahin noch nie erreichte Zahl. Wieder einmal zeigte sich auch in diesem Jahr die unermüdliche Jugendarbeit von Heinz Nopper, der sich in selbstloser Weise dieser Tätigkeit verschrieben hatte, ohne dabei die anderen Übungsleiter aus der Stammabteilung zu vergessen. Allein zwei Kreismeistertitel (A- und E-Jugend), ein zweiter Platz und ein vierter Platz zeugten von der guten Leistungsdichte in der Handballjugend im Jahre 1973.

Im Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft am 20. Februar 1974 verstarb der langjährige 1. Vorsitzende des Turnvereins, Notar D. Joseph Veith. Mit ihm verlor der Turnverein Lobberich einen Mann, der jahrzehntelang die Geschicke des Vereins an verantwortlicher Stelle geführt hatte. Der Ankauf der Turnerkampfbahn, die Gründung des Vereines „Turnerkampfbahn Lobberich e. V.“ und der Bau des Vereinsheimes, sind einige wichtigen der überaus vielzähligen, hervorragenden Leistungen dieses Mannes für den Verein. Der Turnverein Lobberich ist mit der Person Dr. Joseph Veith sehr stark identifiziert. Ohne seine Kenntnisse und sein Ansehen im öffentlichen Bereich wäre für den Verein sicherlich vieles unmöglich geblieben und manche Türe hätte sich nicht geöffnet.

 

                                             

                                                         Notar Dr. Joseph Veith

Im Juli 1974 wurde auf Antrag von Klaus Nielebock beschlossen, eine Bastketball-Abteilung zu gründen, die zunächst nur versuchsweise laufen sollte. Der Gymnasiallehrer M. Foudeh übernahm die Betreuung der Abteilung. Bald darauf wurde diese Abteilung Mitglied beim Bastketballverband. Nach nur drei Jahren seiner Amtstätigkeit verstirbt der 1. Vorsitzende Walter Böken im Jahr 1975.

Am 23. Mai 1975 wählen die Mitglieder auf der Jahreshauptversammlung Günter Isenberg zum neuen 1. Vorsitzenden des Turnvereins.

                

                       Günter Isenberg

                                               
In der Leichtathletikabteilung machte ein junger Hammerwerfer auf sich aufmerksam: Jürgen Steffen, der sich in der Schülerklasse zur deutschen Meisterschaft in Bielefeld qualifizieren und dort einen hervorragenden 2. Platz belegen konnte.


Neben dem „Mutter- und Kindturnen“ innerhalb der Gymnastikabteilung für ältere Frauen wurde im Januar 1976 eine Gymnastikabteilung für Frauen von 18 – 30 gebildet, die von Helga Heydhausen ins Leben gerufen und aufgebaut wurde. Im März 1976 wurde eine Ballettgruppe eingerichtet, die durch Werner Heks, Claudia Bergmann und Klaus Nielebock gegründet wurde unter Ballettmeister Willi Heks.


Am 7. 5. 1976 wurde das 900. Mitglied in den Verein aufgenommen.

Viele Abteilungsleiter des Turnvereins hatten gehofft, durch die Olympischen Sommerspiele in Montreal (17. Juli – 1. August 1976) käme es zu einem Aufschwung in den einzelnen Bereichen. Es herrschte zwar nach wie vor reges Treiben im Verein, besondere Leistungen wurden jedoch nicht erwähnt.

Da hatte es das Jahr 1977 – wenn auch nicht in sportlicher Hinsicht – schon etwas mehr in sich: Erstmals wurde im August dieses Jahres über die Nutzung der Turnerkampfbahn für Tennisplätze gesprochen, sieht man einmal von dem geplanten Tennisplatz Ende 1949 ab. Dieses Vorhaben sollte in den nächsten Wochen und Monaten Gegenstand vieler Diskussionen, Gespräche und Presseartikel sein. Im Dezember 1977 erteilte der Eigentümer der Platzanlage, der Verein „Dr.-Joseph-Veith-Turnerkampfbahn e. V.“ dann endlich grünes Licht, auf der Anlage zunächst drei Tennisplätze zu errichten. Als dann seitens der Stadt neue Pläne aufgeworfen wurden (Verlagerung dieser neuen Plätze zwischen Sportplatz und Stadion (Schulzenburg-Wäldchen)), kamen neue Diskussionen auf. Fast noch ein ganzes Jahr verging, ehe man im November 1978 mit dem Bau der Tennisplätze begann. Unter der Leitung von Heinz Hoelter zählte die neu gegründete Tennisabteilung – obwohl man noch nicht spielen konnte – am 31. 12. 1978 bereits 170 Mitglieder. Ein Beweis dafür, dass die Entscheidung über den Bau der Tennisplätze – zumindest unter Berücksichtigung der Sportangebotserweiterung – richtig sein sollte. Tennis – in früheren Zeiten einmal der Sport des „Gehobenen Mittelstandes“ – wurde immer mehr zum Volkssport. Allein 40 Neuanmeldungen verzeichnete der Gesamtverein aufgrund der Gründung der Tennisabteilung. Die Gründung der Abteilung solle jedoch zunächst nicht als Konkurrenz zu den benachbarten Tennisvereinen gesehen werden. Ohne dass zunächst Medenspiele (Meisterschaftsspiele) ausgetragen wurden, sollte für die Förderung und Entwicklung der Breitensportarbeit im Verein ein neues Zeichen gesetzt werden.


Im Jahr 1978 kam es erstmals zu Gesprächen über eine Selbstverwaltung der einzelnen Abteilungen innerhalb des Gesamtvereins. Diese Gespräche verliefen jedoch aus den unterschiedlichsten Gründen „im Sande“; vor allem aus finanzieller Hinsicht und aus organisatorischen Gründen war die Zeit wohl „noch nicht reif dazu“.

Für die weitere Entwicklung der Tennisabteilung war das Jahr 1979 von großer Bedeutung. Auf der Warteliste für die Aufnahme in diese Abteilung standen mittlerweile 90 Personen. Durch den regen Spielbetrieb erfuhr auch das Vereinsjugendheim einen erheblichen Aufschwung. Der Verein Turnerkampfbahn e. V. erwägte den Bau zweier weiterer Tennisplätze, stellte jedoch die endgültige Entscheidung zunächst zurück, um innerhalb des Turnvereins Diskussionen möglich zu machen.


Da viele Tennisspieler ihre Kinder mit auf den Platz brachten, beschloss der Vorstand des Turnvereins, hinter dem Vereinsjugendheim einen Spielplatz anzulegen und mit Spielgeräten zu bestücken, welches die Kinder dankend annahmen.


Im leichtathletischen Bereich machte Hans-Theo Gotzes dadurch auf sich aufmerksam, dass er die verlangte Qualifikationsnorm zur Teilnahme an den Deutschen Marathonmeisterschaften erreichte.


In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Januar 1981, an der 158 Mitglieder (hauptsächlich aus der Leichtathletik- und der Tennisabteilung) teilnahmen, wurde der Neubau der beiden weiteren Tennisplätze teilweise sehr emotionsgeladen diskutiert. Die sich anschließende Abstimmung sah knapp eine Mehrheit für den Bau der Tennisplätze. Der später erzielte Kompromiss, bei dem es dann um die Lage der neuen Tennisplätze ging, sah dann auch die Inaussichtstellung eines Kunststoff-Kleinspielfeldes mit Hoch- und Weitsprunganlage vor.


Den Leichtathleten lag jedoch dieser Kompromiss „schwer im Magen“. Mancher spielte mit dem Gedanken, dem Verein den Rücken zu kehren; Klaus Nielebock äußerste sich u.a.: „Letztlich dürfe man nicht verkennen, dass gerade aus dem leichtathletischen Bereich heraus sehr viel für den Verein, darüber hinaus jedoch auch für die Bevölkerung getan würde“ und verwies dabei auf den Lobbericher Lauftreff, von den Eheleuten Joachim Schmeja ins Leben gerufen, Trimm-dich-Aktionen und auf verschiedene Lauf- und Sportabzeichenaktionen, um nur einige wenige zu nennen; „darüber hinaus“ so Klaus Nielebock „müssten die Leichtathleten auf die dringend benötigte Umlaufbahn verzichten“.

Im Jahre 1980 zeigen sich bei den Leichtathleten beachtliche Erfolge: Angelika Bruckes ersprang sich im Hochsprung die Kreismeisterschaft, Vizemeister im Zehnkampf wurde Klaus Wolters. An Landes-, Westdeutschen- und Deutschen Meisterschaften beteiligten sich aufgrund der Qualifikationsergebnisse Angelika Bruckes, Hans Straver, Christoph Hühnerbein und Heinz-Theo Gotzes. Die Langläufer, um die sich besonders die Gebrüder Manfred und Helmut Sommerfeld kümmerten, errangen bei vielen Cross- und Straßenläufen Siege und Platzierungen. Besonders der Altersklassenläufer Walter Jansen machte hierbei von sich reden.


Die Volleyballabteilung, mittlerweile bestehend aus einer Herren-, einer Damen- und fünf Jugendmannschaften, hatte kein gutes Jahr. Die 1. Herrenmannschaft stieg aus der Landesliga ab (in erster Linie dadurch bedingt, dass sich die Mannschaft überwiegend aus A-Jugend-Spielern zusammensetzte). Die Er- und Sie-Gruppe war auch im Jahre 1980 ein beliebter Treffpunkt. Hier stand nicht der Wettkampf, sondern das gesellige Turnen im Vordergrund.


In der Tennisabteilung werden erstmals Klubmeisterschaften ausgetragen, um ein „Kräftemessen“ untereinander zu ermöglichen. Zusammen mit dem Hinsbecker Tennisklub wurden dann auch die Stadtmeisterschaften im Tennis ausgetragen.


Die Basketballabteilung hatte 1980 ihre bisher größten Erfolge: Die 1. Herren-Mannschaft schaffte den Aufstieg in die Bezirksliga. Im WBV-Pokal erreichte man die Runde der letzten Acht. Die Damenmannschaft belegte einen beachtlichen Mittelplatz, obwohl sich diese Mannschaft fast ausschließlich aus B-Jugendlichen zusammensetzte.


In der Jahreshauptversammlung vom 3. 4. 1981 wurde Heinz Grundmann besonders geehrt. Heinz Grundmann, seit 1931 Vereinsmitglied, seit 1951 ununterbrochen Vorstandsmitglied als Jugendwart, Sozialwart und Geschäftsführer, erhielt aus der Hand des 1. Vorsitzenden die goldene Vereinsnadel „in Gold“, eine Auszeichnung, die der Verein bisher nur ein einziges Mal vergeben hatte, nämlich an den früheren 1. Vorsitzenden Dr. Joseph Veith.

Im September 1981 waren endlich die beiden neuen Tennisplätze fertiggestellt und bespielbar.
Das Jahr 1981 war für die Leichtathleten wieder ein sehr erfolgreiches Jahr. Im Zehnkampf errang Klaus Wolters den Kreismeistertitel. Über 10.000 Meter machte ihm dies Christoph Hühnerbein nach. Hühnerbein verbesserte darüber hinaus die Vereinsbestenleistungen über 1.500, 3.000, 5.000 und 10.000 Meter. Insgesamt stellten die TVer im Jahre 1981 17 Vereinsbestenleistungen auf.


Ein Renner war nach wie vor der „Lobbericher Lauftreff“. 1.573 Sportlerinnen und Sportler nahmen im Jahre 1981 an ihm teil.


Erstmals wurde auch Sport für „Arbeitnehmer im Schichtdienst“ angeboten, der jedoch nur schwach genutzt wurde.


Im November 1982 trat der Turnverein in der vom Radiosender RTL ausgestrahlten Sendung „RTL-Unterwegs“ gegen den TSV Kaldenkirchen an. Der mündliche Vergleichskampf, an dem auf Lobbericher Seite die Mitglieder Detlev Hintzen, Michael Liedtke, Anja Sommerfeld, Nora und Manfred Albersmann teilnahmen, sah die Lobbericher als Sieger. Der von Radio Luxemburg gestiftete Preis wurde der Jugendabteilung des TV zur Verfügung gestellt.


Das Jahr 1982 war insgesamt für alle Abteilungen des Vereins ein bewegtes und erfolgreiches Jahr. Angefangen mit dem „Frauenturnen“, bei dem unter Leitung von Helga Heydhausen die „Aerobicgymnastik“ sehr gut ankam, über das Kleinkinder- und Kinderturnen, bei dem sich Margret Tüffers und Elke Heider besonders einsetzten. Ungezählte Stunden opferten sie Freizeit für die Kinder opferten, Tennis, Leichtathletik, Basketball, Faustball, Handball, Volleyball, Altersturnen bis hin zu den erholsamen und lehrreichen Wanderungen der Wanderabteilung. Diese war lange Jahre von Willi Tack geführt und geprägt und zwischenzeitlich von Herbert Tüffers übernommen.


In allen Bereichen zeigte sich, dass die Mitglieder das „Programm“ des Vereins wohlwollend annahmen und Trainings- und Übungsstunden fleißig besuchten. Dabei war auch der gesellige Teil innerhalb der einzelnen Abteilungen nicht mehr wegzudenken. Sommerfeste, Spielfeste, Kaffeekränzchen, Weihnachts- und Nikolausfeiern wurden immer wieder von fleißigen Helfern organisiert und mit viel Liebe vorbereitet.


Beim Volleyball hatten die 1. Frauen- und 1. Herrenmannschaft einen mittleren Tabellenplatz inne. Aufgrund dessen, dass nicht immer alle Stammspieler den Mannschaften zur Verfügung standen (Aufnahme Studium, Ableistung von Wehrdienst, berufliche Gründe o. ä.), konnte man dennoch mit den gezeigten Leistungen zufrieden sein. Bei der Jugend hatten sich die erstaunlich guten Leistungen der letzten beiden Jahre fortgesetzt. Insbesondere dank der guten Aufbau- und Trainingsarbeit von Theo Tillmanns verfügte die Volleyballabteilung insgesamt über eine gute Leistungsdichte.


Die Tennisspieler trugen erstmals Freundschaftsspiele gegen die benachbarten Tennisvereine TC Hinsbeck, TSV Kaldenkirchen, TV Breyell aus, was prompt zu Gegeneinladungen führte.


Im Jahre 1982 war man auch bei den Leichtathleten sehr aktiv. Insgesamt 17 Veranstaltungen wurden ausgerichtet, wobei diese auf der Turnerkampfbahn, der Straße und in den Sporthallen ausgetragen wurden. Straßenlaufveranstaltungen und Wettkämpfe in der näheren und weiteren Umgebung wurden besucht. Der unter Breitensport angesiedelte Lauftreff erfreute sich immer größerer Beliebtheit. 2.421 Laufinteressierte nahmen an 104 Lauftreffs teil. Das angesprochene Sportangebot für Arbeitnehmer im Schichtdienst wurde wegen „zu geringer Beteiligung“ wieder eingestellt. Die freigewordenen Übungsstunden in der Sporthalle wurden von der Frauenriege unter Leitung von Margret Tüffers ausgefüllt, die nun „Frühsport“ betrieb. Auch die DLV-Mehrkampfabzeichen-Aktion war wiederum ein Erfolg: 17 x Gold, 17 x Silber und 3 x Bronze waren das stolze Ergebnis. Stellvertretend für viele soll hier Klaus Wolters genannt werden, der beste und vielseitigste Mehrkämpfer des Turnvereins, Er erhielt in diesem Jahr die goldene „DLV-Nadel 10“ für mehr als zehn Verleihungen in ununterbrochener Reihenfolge.


Die Handballer freuten sich über den Wiederaufstieg der 1. Herrenmannschaft in die Verbandsliga. Die 1. Frauenmannschaft belegte – ebenfalls in der Verbandsliga spielend – einen guten Mittelplatz. Erstmals in der Geschichte des Frauenhandballs im Turnverein Lobberich wurde zur Saisonvorbereitung ein Trainingslager abgehalten, wobei das Spielverständnis und die Kameradschaft gefördert werden sollten.


Die 1. Basketballherrenmannschaft belegte in der laufenden Serie einen hervorragenden 2. Platz, während die im Wesentlichen aus Jugendlichen bestehenden 1. Damenmannschaft den Aufstieg in die Bezirksklasse schaffte.


Im April 1983 wurde das 1.200. Mitglied in den Verein aufgenommen. Bei der Jahreshauptversammlung kam noch einmal die Diskussion über die Auflage einer Vereinszeitung – initiiert durch Klaus Nielebock – auf. Eine Kommission wurde gebildet, die Einzelfragen klären sollte. Ein erstes Muster wurde im August 1983 vorgelegt. Weitere Einzelheiten wurden nicht bekannt.


Im Jahr 1983 wird erstmals der Vereinsbestenpokal nicht verliehen.


Im ersten Halbjahr konnte die Herstellung eines Kunststoff-Kleinspielfeldes abgeschlossen werden. Damit stand der Leichtathletikabteilung, aber auch allen anderen Abteilungen ein Spielfeld zur Verfügung, das unabhängig von der Witterung genutzt werden konnte. Die Terrasse vor dem Vereinsheim erhielt dank des Einsatzes vor allem der Mitglieder der Tennisabteilung eine neue Gestaltung.


Erstmals weilten in den Reihen des Turnvereins auch zwei Triathlonkämpfer: Manfred Sommerfeld und Udo Benthaus.


Bei den Stadtmeisterschaften im Tennis kann Sepp Gerhards den Stadtmeistertitel in der Seniorenklasse erringen.


Am 20. 2. 1984 wurde von Manfred Sommerfeld eine „Radsportabteilung“ ins Leben gerufen, in die sofort 14 Mitglieder aufgenommen werden konnten. Erwartungsgemäß blieben im ersten Jahr des Bestehens spektakuläre Erfolge aus. Letztlich wollten einige Leichtathleten, insbesondere die Langläufer, ihr Ausdauertraining erweitern und das Radtraining zur Vorbereitung auf ihre Triathlonwettbewerbe nutzen. Einige Radsportler nahmen dennoch an einzelnen oder mehreren Radtouristikfahrten teil, die nicht selten über 100 oder mehr Kilometern führten. Bei den Triathleten ist besonders der aus Dülken zum TV Lobberich gestoßene Rolf Donners zu erwähnen, der 1984 an 10 Triathlonveranstaltungen teilnahm und in der erstmals durchgeführten Wertung um den Triathloncup der DTV-Serie in seiner Altersklasse (M 40) bundesweit den ersten Platz belegen konnte.


Am 27. September 1984 erfolgte der Eintritt in den Tennisverband Niederrhein, um den Tennisspielern die Gelegenheit zu geben, erstmals für die Saison 1985 Medenspiele (Meisterschaftsspiele) durchführen zu können. Eine Damen-, zwei Herren- und eine „Bambini-Mannschaft“ wurden gemeldet.


Die 1. Herrenmannschaft konnte dann ungeschlagen in die Bezirksklasse „F“ aufsteigen. Die Bambini-Mädchenmannschaft belegte einen sehr guten zweiten Platz und verpasste nur knapp den Aufstieg.


Für die Volleyballabteilung war die Saison 1985/86 eine besonders Erfolgreiche: Endlich wurde der Aufstieg in die Oberliga (nach dreimaligem Aufstieg in nur zwei Spieljahren) von der Bezirksklasse über die Landes- und Verbandsliga geschafft. Dies war insbesondere das Verdienst von Theo Tillmanns.

 

Auch die Leichtathleten waren im Jahre 1985 wieder sehr rege. In vielen Einzel- und Mannschaftswettbewerben konnten 16 Kreistitel erkämpft werden. In den DLV-Bestenlisten werden die Schülerinnen A im Mannschaftswettbewerb an 2. Stelle aufgeführt, Frank Boukes steht über 3.000 Meter an 16. Stelle. Die außersportlichen Leistungen der Leichtathletikabteilung sollten ebenfalls nicht unerwähnt bleiben: Tagesausflüge der Schülerabteilung, Saisonabschlussfeier und die Berlinfahrt (seit 1964 mit jeweils 50 – 60 Mitgliedern aus allen Abteilungen des TV) waren einmal mehr Höhepunkte eines intakten Abteilungslebens.


Auch die anderen Abteilungen des Vereins waren im Jahre 1985 immer bestrebt, das sportliche und außersportliche Angebot an die Mitglieder attraktiv zu gestalten, angefangen beim Kinder- und Erwachsenenturnen bis hin zur Wanderabteilung. Die Wanderabteilung unter Leitung des sehr aktiven Herbert Tüffers  führte Wanderungen, Radtouren und eine Eifelfahrt durch, an denen fast 700 Personen teilnahmen. Auch der von Klaus Schriefers organisierte „Staffellauf rund um Nettetal“ fand im Jahre 1985 mit 94 teilnehmenden Mannschaften aus der näheren und weiteren Umgebung regen Zuspruch.


Das 125jährige Jubiläum des Turnvereins wurde im Juli des Jahres 1986 gebührend gefeiert. Mit einem Empfang in der Werner-Jaeger-Halle erlebten die Mitglieder des Turnvereins einen ersten gesellschaftlichen Höhepunkt der Jubiläumswoche, die vom 5. bis 13. Juli 1986 stattfand. Der 1. Vorsitzende, Günter Isenberg, war erfreut, eine große Schar Ehrengäste begrüßen zu können. „125 Jahre Turnverein Lobberich 1861 – das ist ein Jubiläum, das sich schon allein der hohen Zahl wegen zu feiern lohnte. Es wäre sicherlich nicht uninteressant, einmal zu untersuchen, was allein in den vergangenen Jahren in Lobberich alles geplant, versucht und gegründet wurde – und von dem heute keiner mehr spricht. So ist das Jubiläum als solches schon ein Markenzeichen“ – sagte Bürgermeister Karl Reulen als Festredner. Grußworte übermittelte auch Dagmar Schröder als Frauenwartin des Rheinischen Turnerbundes und des Deutschen Turnerbundes. Sie überreichte das Walter-Kolb-Schild für 125jährige Treue zum deutschen Turnen. Landrat Backes überreichte die Sportplakette des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker.

                                 


 

Dazu gab es die Hans-Momm-Plakette. Leithathletik-Kreisvorsitzender Gerd Schmitz machte in seiner Glückwunschrede deutlich, dass das Turnen ohne Leichtathletik nie ausgekommen sei. Er schenkte dem Turnverein die Verbandsplakette des Leichtathletikverbandes Nordrhein. Handballnostalgie war angebracht, und manchem Zuschauer sollen Tränen in den Augen gehabt haben, als es am Sonntagmorgen um 11:00 Uhr zum Feldhandballspiel-Klassiker TV Lobberich gegen TUS Lintfort im Stadion in der Schulzenburg kam. „Sepp warf Tore wie in alten Tagen, nur Janikulla hielt nicht mehr ganz so gut“ so war die Schlagzeile in den „Grenzland-Nachrichten“. Fast 600 Zuschauer ließen sich das Spektakel nicht entgehen, das letztlich die Lobberich mit 9:6 gewinnen konnten. Dass die „Alten“ (Otto Tophoven, Roland Geratz, Walter Schmitz, August Winkelmolen, Josef Hauertz, Johannes Schmitz, Hans Tüffers, Erich Wolters, Lambert Birker, Herbert Houben, Willi Schmitz und „Sepp“ Gerhards dabei von den „jungen HüpfernBernd Swyen, Hans Hubert Glock, Dieter Nagel, Dieter Hoffmann, Hans Moers und Manfred Albersmannverstärkt wurden“, war sicherlich nicht ausschlaggebend für den verdienten Sieg über den ehemaligen Deutschen Feldhandball-Meister.


Den Pokal des Vereinsbesten für das Jahr 1986 erhielt Manfred Albersmann für die Erstellung der Festschrift zum 125jährigen Bestehen des Turnvereins.


Keine Strecke war zu lang für die Ultra-Langläufer Manfred Bermges und Matthias Zimmermann. Im Sommer nahmen sie an einem Deutschlandlauf von Flensburg nach Garmisch-Partenkirchen teil.

                                        

                                                    Tennisplatzanlage 1986

 

                                        

                                                             Vereinsheim 1986


Die Tennisabteilung war im Jubiläumsjahr sehr erfolgreich. So stieg die 1. Herrenmannschaft in die Bezirksklasse E und die Jungseniorenmannschaft in die Bezirksklasse C auf. 266 Mitglieder zählte die noch junge Tennisabteilung Ende 1986. Der Tennisboom begann.

 

                               

 

 



   




 

Von 1962 – 1987
Der Turnverein auf dem Weg zum
Breitensport


Dieses Kapitel der Chronik des Vereinslebens beginnt mit einem Jahr, in dem die Gemeinde Lobberich in sportlicher Hinsicht – auch dank des Turnvereins Lobberich – wieder einmal sehr gut dasteht:
 - Die 1. Handball-Mannschaft spielt im zweiten Jahr in der höchsten deutschen klasse; der Handball-Oberliga Bezirk Niederrhein
 - Anneliese Gerhards holt sich zum zweiten Male den Titel einer Deutschen
Meisterin im Speerwerfen der Damen
- Willi Moonen – Mitglied der Billardfreunde 1937 – gelingt es, den Titel eines DeutschenBillard-Meisters in der Disziplin „Einband“ zu erobern
- Ein junger Reiter namens Karl-Heinz Giebmanns reitet von Erfolg zu Erfolg

Auf Initiative des Leichtathletikwartes des Turnvereins, Kurt Krummeich, wird dem Vorstand des Vereins ein Probeexemplar einer Vereinszeitung – zunächst als „Nachrichtenblatt der Leichtathleten“ mit dem Titel „Sporttelegramm“ – vorgestellt. Nach mehreren Anläufen wird die Herstellung jedoch zunächst „ad acta“ gelegt, da die Produktionskosten nach Meinung der Mehrheit der Vorstandsmitglieder nicht in einem rechten Verhältnis zum Nutzen dieser Zeitung stehen.

Im September 1962 kommt es zu ersten Differenzen im Vorstand des Turngaus Kempen, die durch die im Jahre 1960 erfolgte Neugründung des Kempener Turnvereins hervorgerufen werden. Die Arbeit auf Gauebene ist dadurch erheblich behindert. Dem persönlichen Einsatz des 1. Vorsitzenden des Turnverein Lobberich, Dr. Josef Veith, ist es zu verdanken, dass die Meinungsverschiedenheiten beigelegt werden konnten. Im neu gewählten Vorstand des Turngaus Kempen sind auch folgende Mitglieder des Turnvereins Lobberich vertreten: Dr. Josef Veith, Wilhelm Riether, Hans Straver, Josef Wilms, Heinz Fegers, Günter Isenberg und Helmut Gütz.

Aufgrund eines Gutachtens, das den Zustand des über einhundertjährigen – im Jahre 1960 von der Gemeinde dem TV Lobberich zugesprochen – Doppelwohnhauses Wevelinghover Straße 151/153 beschreibt, wird erstmals erwogen, wegen der äußerst hohen Instandsetzungs- und Reparaturkosten, eventuell die bestehenden Gebäulichkeiten abzureißen und ein neues Vereinsheim mit Platzwartwohnung zu errichten.

Ende des Jahres 1962 übersteigt die Mitgliederzahl des Turnvereins die 500er-Marke.
Auch das Jahr 1963 bringt dem Turnverein einen erneuten Erfolgsboom, an dem vor allem die 1. Handball-Mannschaft großen Anteil hat. Erstmals nimmt sie an der Westdeutschen Meisterschaft teil. Die damaligen Spiele gegen so bekannte Mannschaften swie TuS Lintfort (früherer Deutscher Feldhandball-Meister) VfL Gummersbach, TG Witten, Bayer Leverkusen und Grün-Weiß Dankersen sind vielen Vereinsmitgliedern und Handballfreunden noch in angenehmster Erinnerung. Stetig steigende Zuschauerzahlen (teilweise bis zu 3.000!) verdeutlichen das seinerzeit große Interesse, das man der jungen Mannschaft entgegenbrachte; selbst der Rundfunk war teilweise bei den Spielen vertreten.


Ende November 1963 wird zur Verbesserung der Trainingsmöglichkeiten für die Handballer eine Flutlichtanlage auf der Turnerkampfbahn fertiggestellt – allerdings nur für einen Torraum.

Wenn auch das Jahr 1963 für die Leichtathletikabteilung nicht ganz so erfolgreich war, wie die Jahre zuvor, so wurden trotzdem schöne und vor allem auch beachtenswerte Leistungen erzielt. Anneliese Gerhards, Hildegard Jalas, Herbert und Ingrid Halberkamp, Erhard Hahs, Hans Straver, Jürgen und Heinz Nielebock und Manfred Sommerfeld hatten daran entscheidenden Anteil. Die Männermannschaft Hans Straver, Jürgen Nielebock und Manfred Sommerfeld errangen im Fünfkampf bei den Niederrhein-Meisterschaften einen hervorragenden fünften Platz.

Ein sportliches überregionales Ereignis darf auch in der Vereins-Chronik eines Turnvereins nicht fehlen: Im August 1963 begann die Profi-Fußball-Bundesliga mit ihren ersten Meisterschafts-Serie.

Das Jahr 1964 dürfte insbesondere für die Gemeinde Lobberich von größter Bedeutung sein: Innenminister Weyer von Nordrhein-Westfalen überreichte Bürgermeister Hein Nicus und Stadtdirektor Heinz-Willi Güßgen am 7. August 1964 die Urkunde mit den Stadtrechten. Bereits im Sommer des Jahres 1881 gab es erste Anstrengungen in Lobberich, Stadtrechte zu erhalten. Die von Bürgermeister Stankeit initiierten Bemühungen wurden jedoch von den Bauern der Umgebung, die eine Bevorzugung der „Städter“ fürchteten zu Fall gebracht. Auch Bürgermeister Marx scheiterte 20 Jahre später an diesem Bestreben.

Mit Ernst Ott verlor der Turnverein im Jahre 1964 seinen langjährigen 2. Vorsitzenden und damit einen Mann, dessen Verdienste gar nicht alle aufgezählt werden können. Die Ehrennadeln des DTB, des Turngaus Kempen und des Westdeutschen Handballverbandes sind nur einige der vielen Auszeichnungen von Ernst Ott. Klaus Nielebock und Hans Straver üben den vakanten Posten als Leichtathletikwart vorübergehend aus.

Vor allem den „Hausfrauen Lobberichs“ eröffnete das Jahr 1964 ein neues Betätigungsfeld im Turnverein. Eine Hausfrauen-Abteilung“, in der vor allem Gymnastik betrieben werden sollte, wurde von Edeltraud Krug gegründet. Die Abteilung, die später dann liebevoll „Muttiriege“ genannt wurde, ging dann in die „Senioren-Gymnastik-Gruppe“ über, in der zeitweise bis zu 60 ältere Damen in zwei Gruppen sportliche Betätigung suchten.

Bei den 18. Olympischen Spielen in Tokio, an denen letztmalig – bis zur Wiedervereinigung – eine gesamtdeutsche Mannschaft aus Sportlern der Bundesrepublik und der DDR vertreten war, belegt Anneliese Gerhards einen beachtlichen 8. Rang beim Speerwerfen der Frauen. Ein Jahr nach ihrem schönen Erfolg in Tokio wurde Anneliese Gerhards erneut Deutsche Meisterin, während Herbert Halberkamp bei den Rheinischen Turnmeisterschaften Sieger im Sechskampf wurde und bei den Westdeutschen Meisterschaften über 200m-Hürden den dritten Platz belegen konnte.

Im Oktober 1965 wird für die Handballabteilung erstmals ein „Spielausschuß“ gebildet, dem die Mitglieder Lothar Niederländer, Rolf Finster und Helmut Müller angehören. Dieser Ausschuß soll dem Trainer bei der Mannschaftsaufstellung beratend zur Seite stehen.

Allerdings machten sich erste Anzeichen einer handballerischen Krise bemerkbar. Man trennt sich von Erfolgstrainer Karl Loos, womit – für viele vorhersehbar – unausweichlich ein Abwärtstrend der Handball-Stammabteilung verbunden war. Nach einer Übergangsphase, in der Hermann-Josef (Sepp) Gerhards als Spielertrainer fungierte, wurde der Dülkener Sportlehrer Heythausen als neuer Trainer verpflichtet.

Angeregt von Klaus Nielebock wird erstmals der vom Landessportbund durchgeführte „Sportabzeichen-Wettbewerb“ mitgemacht; leider machten nur wenige Vereinsmitglieder von dieser Möglichkeit, seine Fitness unter Beweis zu stellen, keinen Gebrauch.

Die negativen Vorzeichen im Handball hatten ihre Konsequenzen: Einer großen Erfolgsphase, die auch in den späteren Jahren in diesem Sinne nie mehr vorkam, folgte ein Niedergang, der sich zunächst darin widerspiegelte, dass die 1. Herren-Mannschaft aus dem Handball-Oberligahaus in die Verbandsliga abstieg. Die 2. Herren-Mannschaft bewegte sich dem allgemeinen Trend entsprechend auch nur noch im unteren Tabellendrittel. Nun wurde hektisch der Grund für diesen Einbruch gesucht. Viele sahen ihn darin, dass nicht genügend Nachwuchs aus der Jugendabteilung – speziell aus der A-Jugend – herauskam, der den hohen Ansprüchen gerecht werden konnte.

Dennoch gibt es in dieser schwierigen Phase der Handball-Abteilung des Vereins einen Lichtblick: Leni Tophoven und Ehefrau von Otto Tophoven, Torwart der 1. Handball-Mannschaft, ehemalige niederländische Nationalspielerin, gründet im Juni 1967 eine Damen-Handball-Abteilung, an deren Aufbau und Erfolgen sie in der nächsten Zeit erheblichen Anteil hatte.

Die Faustball-Abteilung, zwischenzeitlich in der Altersabteilung angesiedelt wurde nach Jahren der Mittelmäßigkeit erstmals wieder Kreismeister.

Aus Dankbarkeit und in Erinnerung an die großartigen Verdienste des 1. Vorsitzenden des Vereins, wird der von ihm gegründete Verein „Turnerkampfbahn Lobberich e.V.“ in „Dr. Joseph-Veith-Turnerkampfbahn Lobberich e.V.“ umbenannt.

In Sachen Vereinsheim-Neubau wurde im September 1967 ein weiterer Schritt nach vorne getan: Das bereits erwähnte Doppelhaus an den Wevelinghover Straße wurde von den Mietern geräumt. Im April 1968 wurden dann endgültig der Abriss und ein Neubau beschlossene Sache. Der zunächst vorgelegte Finanzierungsplan, der mit einer Gesamtbaukosten-Summe von 175.000 DM abschloss, ließ jedoch einige verhaltene Stimmen laut werden, die aus Kostengründen das Projekt in Frage stellten.

Zur besseren Arbeitsteilung und Entlastung des geschäftsführenden Vorstandes wird nun ein Bau-Ausschuss ins Leben gerufen, dem die Mitglieder Hans Schatten, Heinz Grundmann, Ernst Ditges, Josef Wilms, Karl Blasius, Walter Schmitz, Willi Schmitz, Johannes Schmitz und Hans Christians angehörten.

Speziell auf die Mitglieder-Entwicklung der Leichtahtletik-Abteilung des Turnvereins am die 19. Olympischen Spiele in Mexiko des Jahres 1968 positive Auswirkungen. Allein 21 neue Mitglieder traten dieser Abteilung bei. Bei den jugendlichen Leichtathleten traten Sieglinde Klinkertz und Martina Gerhards im Speerwerfen besonders hervor. Karl-Heinz Schmitz wird Kreismeister im Zehnkampf.

Übrigens wurde bei den Spielen in Mexico bei den Hochspringern eine neue Ära eingeläutet: Der Amerikaner Fosbury kreierte neuen neuen Hochsprungsstil. Mittlerweile haben alle Hochspringer ihre Technik darauf umgestellt.

Das vom 28. Mai – 2. Juni 1968 in Berlin abgehaltende Deutsche Turnfest wird auch von sechs Aktiven des Turnvereins besucht.

Auch für die Handballer brachte das Jahr 1968 einen leichten Aufwärtstrend. Die erste Mannschaft schafft wieder den Aufstieg in die Oberliga, Die zweite Mannschaft steigt in die Bezirksklasse auf. Die bereits erwähnte gute Aufbauarbeit von Leni Tophoven bringt erste Früchte: die erste Damen-Mannschaft wird bereits Bezirksmeister. Im Hallenhandball waren die Aktiven dann nicht so erfolgreich. Zwar schafften die 1. Herrn-Mannschaft noch die Qualifikationsrunde zur neu gegründeten Hallen-Landesliga, doch der erhoffte Aufstieg wurde knapp verpasst.

Das Jahr 1969 – das Jahr, in dem der erste Mensch den Mond betrat – war für den Turnverein besonders in einer Hinsicht bedeutungsvoll: Der Vereinsheim-Neubau. Nachdem es Anfang April 1968 zu einem Brand in dem abbruchreifen Doppelhaus kam, wurde am 19.4.1969 in Zusammenarbeit mit dem Technischen Hilfswerk (THW) und unter tatkräftiger Mithilfe vieler Vereinsmitglieder der Abbruch vorgenommen. Bereits Mitte Dezember 1969 ist der Rohbau dank unermüdlicher Arbeit – das Protokollbuch erwähnt hier besonders die Mitglieder Heinz Grundmann, Hans Schatten, Gebr. Schmitz und Johannes Schatten, dem Vater von Hans Schatten, der mit 78 Jahren immer so rüstig und fähig war, die gesamten Arbeiten in seiner ihm eigenen Art mit größter Umsicht und Sachkenntnis zu leiten. In mehr als 3.000 Arbeitsstunden wurde der Rohbau fertiggestellt, so dass ein zünftiges Richtfest gefeiert werden konnte.

Der Tod eines besonders verdienten Mitgliedes darf natürlich in einer Chronik nicht unerwähnt bleiben: Ehrenvorstandsmitglied Wilhelm Riether, * 12.9.1872, verstarb Karnevalsmontag im Februar 1969 mit 97 Jahren. Damit verlor der Turnverein Lobberich einen Mann, der die Geschicke des Vereins jahrzehntelang mitgeprägt hatte. Er verkörperte einen Teil der Geschichte des Turnvereins Lobberich. Folgende Ämter hatte er im Verein inne: Kassierer, Turnwart, Oberturnwart, Frauenturnwart und 2. Vorsitzender. Aber nicht nur im Vereinsleben, das er von den ersten Anfängen an begleitete und förderte, sondern auch darüber hinaus war Wilhelm Riether stets ein Turner, der sich mit Leib und Seele der Turnerei verschrieben hatte. Von 1898 bis 1935 (37 Jahre lang!) sahen wir Wilhelm Riether als Gauturnwart des Niederrheinischen Grenzturngaues, dessen Mitbegründer er war. Als Mitgründer der Turnvereine Eintracht Dülken (1895), TV Amern (1906), TV Schaag (1906), TV Bracht (1902), TV Hinsbeck (1902), TV Boisheim (1905), von denen heute schon einige nicht mehr bestehen, hat er auch in den Nachbarorten die Turnerei gehegt und gepflegt. Die Vorläufer des Süchtelner Bergfestes waren die von Wilhelm Riether in Szene gesetzten volkstümlichen Turnfeste in Hinsbeck (1906 – 1908). Die damaligen Übungen setzten sich noch aus Laufen (um den Pfahl), Springen, Stabhochsprung und Weit-Hochsprung zusammen. Im Jahre 1911 lehnten es die Hinsbecker ab, die Veranstaltung durchzuführen. Daraufhin bewarben sich die Süchtelner Turner um die Ausrichtung, woraus schließlich das Süchtelner Bergfest, das tradionsreichste Sportfest unserer näheren Umgebung.

Zahlreiche Ehrungen wurden Wilhelm Riether zuteil: Die zahllosen Ehrenbriefe und Urkunden, Diplome und Dankschreiben, die er erhalten hat, geben ein Zeugnis von seinem unermüdlich Einsatz für die Turnerei. Einige wenige seien hier erwähnt: Preußische Staatsplakette (1932), Ehrenbrief des Niederrheinischen Grenzgaues (1936), Ehrenbrief des Kreises VIII b – Rheinland (1919), Urkunde der Gemeinde Lobberich in Anerkennung seiner Verdienste um die Ertüchtigung der Jugend (1951) und so weiter und so weiter. Die Ehrenmitgliedschaften in den Turnvereinen „Oranje Venlo“, „TV Breyell“, „TV Wachtendonk“ und „TV Oedt“, die Ehrenmitgliedschaft im Turngau Kempen und die Ernennung zum Ehren-Oberturnwart im Jahre 1950 machen deutlich, wie sehr Wilhelm Riether mit der Turnerei verbunden war.

Im und seine hervorragenden Leistungen zu würdigen ist dem Chronisten ein besonderes Bedürfnis, ohne die Leistung anderer – ebenfalls verdienter Mitglieder – schmälern zu wollen.

Mit der Eröffnung der neuen Städtischen Sporthalle an der Süchtelner Straße nimmt besonders der Hallenhandball im Verein neuen Aufschwung. Die umständlichen Fahrten zur kleinen Kaldenkirchener Sporthalle hatten endlich ein Ende. Im Oktober 1969 übernahm der frühere Erfolgstrainer Karl Loos wieder das Training der 1. und 2. Männermannschaft. Die 1. Damen-Mannschaft setzt ihren Erfolgskurs fort und stieg in die Landesliga auf. Nach schwachen Leistungen steigt die 1. Herren-Mannschaft im Feldhandball aus der Oberliga ab.

Im Oktober 1969 wird auf Anregung von Lothar Niederländer eine „Volley-Ball-Abteilung gegründet, womit in sportlicher Hinsicht im Verein an „Vakuum“ geschlossen wird.

In der Leichtathletik-Abteilung machen wiederum die Jugendlichen von sich reden: 
Systematisches Leistungstraining und ein gesunder Ehrgeiz bringen viele beachtlich Erfolge, die zwei LVN-Meistertitel von Hans-Josef Caelers im Hochsprung und Marina Gerhards im Speerwurf seien stellvertretend erwähnt.

Zu Beginn des Jahres 1970 wird in der neuen Stadt Nettetal, die sich im Zuge der kommunalen Neugliederung ab 1.1.1970 aus den früheren Orten Lobberich, Kaldenkirchen, Breyell, Hinsbeck und Leuth ergab, unter der Leitung von Lothar Niederländer eine Turn-Spiel-Abteilung“ gegründet, die die Leistungsgruppen „Faustball“ und „Volleyball“ aufnahm. Hier kam es hin und wieder zu Problemen mit der „Altersabteilung“, in der ja, wie bereits beschrieben, auch die Faustballgruppe untergebracht war. Dank der verständnisvollen und lieben Art eines Willi Tack, der u.a. auch die sehr beliebte „Wanderabteilung“ – ebenfalls in der Altersabteilung angesiedelt – betreute, wurden auch diese Probleme zur Zufriedenheit aller gelöst.

Am 29.6.1970 findet die erste eigenständige Jugendversammlung im Turnverein Lobberich statt, die darauf abzielte, die Jugendlichen im Verein stärker zusammenwachsen zu lassen, um später eine echte Mitbestimmung und Mitgestaltung im Verein durch die Jugendlichen zu erreichen.

Im Feldhandball verpasst die 1. Männermannschaft nur knapp den Wiederaufstieg in die Oberliga. Im Hallenhandball dagegen wird sie – infolge eines deutlich verbesserten Trainings in der neuen Sporthalle – Kreismeister und schafft den Aufstieg in die Landesliga. Die 1. Damen-Mannschaft erreicht in der Halle bereits die Oberliga.

Am 18.12.1970 wird das neue Vereins-Jugendheim im Rahmen einer schlichten Feier seiner Bestimmung übergeben. Dr. Veith hebt dabei hervor, dass der Bau und seine Ausführungen einerseits, andererseits aber auch der dabei zutage getretene große Idealismus und Eifer vieler Mitglieder von den zuständigen Behörden und Institutionen, vor allem aber auch von der Bevölkerung sehr lobend anerkannt wurde.

Gesamtbaukosten:        ca. 214.000 DM
Eigenkapital:                  ca.   30.000 DM
Eigenleistung (!)            ca.   79.000 DM
Die Gesamtarbeitstunden der Mitglieder: 5.500 (!)

Im Juni 1971 legte Dr. Veith aus Altersgründen das am 23.2.1935 (nach 36 Jahren!) übernommene Amt des 1. Vorsitzenden nieder. Ein Grund dafür, dass die im Herbst dieses Jahres geplante 110-Jahr-Feier nicht stattfand.

Am 22. April 1972 wählten die Mitglieder den Zahnarzt Walter Böken zum neuen 1. Vorsitzenden des Vereins.

Das Olympiajahr 1972 brachten dem Verein in sportlicher Hinsicht keine nennenswerten Erfolge. Selbst der erhoffte Mitgliederzuwachs blieb aus. Ende 1972 zählte man 749 Mitglieder, davon hatte die Turnspielabteilung, in der mittlerweile ebenfalls auf Initiative von Lothar Niederländer auch eine „Er und Sie“-Gruppe, in der von Ehepaaren hauptsächlich Gymnastik und Ballspiele betrieben werden konnten, gegründet werden. Im Hinblick auf die Leistungen von Spitzensportlern, die ausschließlich durch die Deutsche Sporthilfe unterstützt wurden, wurden auch im Turnverein kritische Stimmen zum Leistungssport laut, zumal der Breitensport, von allen Gruppen und Institutionen anerkannt, weitgehend von den Sportvereinen getragen wird.

Die 1. Damen-Handball-Mannschaft stieg nach einer überzeugenden Serie in die höchste deutsche Spielklasse, die Regional-Liga auf, muss diese jedoch nach einem Jahr der Zugehörigkeit wieder verlassen. Das dort anzutreffende Leistungsniveau war wohl doch zu hoch, um hier bestehen zu können.

Da im Turngau außer dem TV Lobberich kein anderer Verein Faustball wettkampfmäßig betreibt, schloss man sich – um Wettspiele austragen zu könnnen – mit dieser Abteilung dem Turngau Mönchengladbach an.

Auch mit der Volleyball-Abteilung, die seit den olympischen Spielen in München einen wahren Boom erlebte, schloss man sich einem übergeordneten Verband, nämlich dem Westdeutschen Volleyball-Verband, an.

Den Bestrebungen, den Jugendlichen im Verein mehr Mitbestimmung und Selbstverwaltung zu ermöglichen, wird am 17.3.1972 mit dem Erlass einer Jugendordnung Rechnung getragen.

Das Jahr 1973 bringt für den Handballsport aber auch bei vielen Handballfreunden ein leicht wehmütiges Ereignis: Mangels Interesse der Spieler und nicht zuletzt auch der Zuschauer, die vor allem dem wesentlich schnelleren und abwechslungsreicheren Hallenhandballspiel ihre Gunst erwiesen, sagte man auch verbandsseitig dem Feldhandball ade.

Mitte des Jahres 1973 kam es von verschiedenen Seiten aus zu Gründungen von Schüler-Sportgemeinschaften in Lobberich. Träger dieser SSG sind die Lobbericher Schulen und die beiden Großvereine LSC (Lobbericher Sportclub) und TV Lobberich. Ingesamt wurden 23 Sportgemeinschaften in Nettetal in sechs Sportarten gegründet. In den Schulübungsgruppen waren 8 TV-Übungsleiter im Einsatz (Volleyball 2, Leichtathletik 4, Handball 1, Turnen 1).

Auch für die Handballjugend gibt es im Jahr 1973 erhebliche Neuerungen. Wurde bisher mit der A- und B-Jugend auf dem Großfeld gespielt, einigten sich die Jugendbetreuer des Handballkreises Grenzland darauf, nur noch Kleinfeldspiele durchzuführen. Man wollte hierdurch einen kontinuierlicheren Aufbau und eine bessere Vorbereitung der Mannschaften auf die Hallenserie erreichen. Allein sieben Jugendmannschaften wurden seitens des TV Lobberich für die Serie 1973/74 gemeldet, eine bis dahin noch nie erreichte Zahl. Wieder einmal zeigte sich auch in diesem Jahr die unermüdliche Arbeit von Heinz Nopper, der sich in selbstloser Weise dieser Tätigkeit verschrieben hatte, ohne die anderen Übungsleiter aus der Stammabteilung zu vergessen. Allein zwei Kreismeistertitel (A- und E-Jugend), ein zweiter Platz und ein vierter Platz zeugten von einer guten Leistungsdichte in der Handballjugend des Jahres 1973.

Im Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 verstirbt der langjährige 1. Vorsitzende des Turnvereins, Notar D. Joseph Veith (am 20. Februar). Auch mit ihm verlor der Turnverein Lobberich einen Mann, der jahrzehntelang die Geschicke des Vereins an verantwortlicher Stelle geführt hat. Der Ankauf der Turnerkampfbahn, die Gründung des Vereines „Turnerkampfbahn Lobberich e.V.“ und der Bau des Vereinsheimes sind einige wichtigen der überaus vielzähligen hervorragenden Leistungen dieses Mannes für den Verein.

Im Juli 1974 wurde auf Antrag von Klaus Nielebock beschlossen, eine Bastketball-Abteilung zu gründen, die zunächst nur versuchsweise laufen sollte. Der Gymnasial-Lehrer M. Foudeh übernahm die Betreuung der Abteilung. Bald darauf wurde diese Abteilung Mitglied beim Bastketballverband.

Am 23. Mai 1975 wählen die Mitglieder auf der Jahreshauptversammlung Günter Isenberg zum 1. Vorsitzenden des Vereins.

In der Leichtathletikabteilung macht ein junger Hammerwerfer auf sich aufmerksam: Jürgen Steffen, der sich in der Schülerklasse zur Deutschen Meisterschaft in Bielefeld qualifizieren und dort einen hervorragenden 2. Platz belegen konnte.

Neben dem Mutter und Kind-Turnen“ innerhalb der "Gymnastikabteilung" für ältere Frauen wird im Januar 1976 eine "Gymnastikabteilung für Frauen von 18 – 30" gebildet, die von Helga Heydhausen ins Leben gerufen und aufgebaut wurde.

Im März 1976 wurde eine Ballettgruppe eingerichtet, die durch Werner Heks, Claudia Bergmann und Klaus Nielebock gegründet wurde unter Ballettmeister Willi Heks.

Am 7.5.1976 wurde das 900. Mitglied in den Verein aufgenommen.

Vom 17. Juli bis zum 1. August 1976 finden in Montreal / Canada die 21. Olympischen Sommerspiele statt. Trotz diesem Ereignis, in früheren Zeiten immer ein willkommener Anlass im Turnverein für einen Aufschwung zu sorgen, ist in den Abteilungen zwar nach wie vor reges Treiben zu verzeichnen, besondere Leistungen sind jedoch nicht zu erwähnen.

Da hatte es das Jahr 1977 – wenn auch nicht in sportlicher Hinsicht – schon etwas mehr in sich. Erstmals wurde im August dieses Jahres über die Nutzung der Turnerkampfbahn für Tennisplätze gesprochen, sieht man einmal von dem geplanten Tennisplatz Ende 1949 ab. Dieses Vorhaben sollte in den nächsten Wochen und Monaten Gegenstand vieler Diskussionen, Gespräche und Presseartikel sein. Im Dezember 1077 erteilte der Eigentümer der Platzanlage, der Verein „Dr.-Joseph-Veith-Turnerkampfbahn e.V.“ dann endlich grünes Licht, auf der Anlage zunächst drei Tennisplätze zu errichten. Als dann von Seiten der Stadt neue Pläne aufgeworfen wurden (Verlagerung dieser neuen Plätze zwischen Sportplatz und Stadion (Schulzenburg-Wäldchen), kommen neue Diskussionen auf. Fast noch ein ganzes Jahr verging, ehe man im November 1978 mit dem Bau der Tennisplätze begann. Unter der Leitung von Heinz Hoelter zählte die neu gegründete Tennisabteilung – obwohl man noch nicht spielen kann – am 31.12.1978 bereits 170 Mitglieder. Ein Beweis dafür, dass die Entscheidung über den Bau der Tennisplätze – zumindest unter Berücksichtigung der Sportangebotserweiterung – richtig war. Tennis – in früheren Zeiten einmal der Sport des „Gehobenen Mittelstandes“ – wurde immer mehr zum Volkssport. Allein 40 Neuanmeldungen verzeichnete der Gesamtverein aufgrund der Gründung des Tennisabteilung. Die Gründung der Abteilung solle jedoch zunächst nicht als Konkurrenz zu den benachbarten Tennisvereinen gesehen werden. Ohne dass zunächst Medenspiele (Meisterschaftsspiele) ausgetragen wurden, sollte für die Förderung und Entwicklung der Breitensportarbeit im Verein ein neues Zeichen gesetzt werden.

Im Jahr 1978 kam es erstmals zu Gesprächen über eine Selbstverwaltung der einzelnen Abteilungen innerhalb des Gesamtvereins. Diese Gespräche verliefen jedoch aus den unterschiedlichsten Gründen „im Sande“; vor allem aus finanzieller Hinsicht und aus organisatorischen Gründen war die Zeit wohl noch nicht reif dazu.

Für die weitere Entwicklung der Tennisabteilung ist das Jahr 1979 von großer Bedeutung. Auf der Wartliste für die Aufnahme in diese Abteilung standen mittlerweile 90 Personen. Durch den regen Spielbetrieb erfährt auch das Vereins-Jugendheim einen erheblichen Aufschwung. Der Verein Turnerkampfbahn e.V. erwägt den Bau zweier weiterer Tennisplätze, stellte jedoch die endgültige Entscheidung zunächst zurück, um innerhalb des Turnvereins Diskussionen möglich zu machen.

Da viele Tennisspieler ihre Kinder mit dem Platz bringen beschloss der Vorstand des Turnvereins, hinter dem Vereinsjugendheim einen Spielplatz anzulegen und mit Spielgeräten zu bestücken, welches die Kinder dankend annahmen.

Im leichtathletischen Bereich machte Hans-Theo Gotzes dadurch auf sich aufmerksam, dass er die verlangte Qualifikationsnorm zur Teilnahme an den Deutschen Marathon-Meisterschaften erreichte.

In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Januar 1981, an der 158 Mitglieder (hauptsächlich aus der Leichtathletik- und der Tennisabteilung) teilnahmen, wurde der Neubau der beiden weiteren Tennisplätze teilweise sehr emotionsgeladen diskutiert. Die sich anschließende Abstimmung sah dann knapp die Mehrheit für den Bau der Tennisplätze. Der später dann erzielte Kompromiss, bei dem es dann um die Lage der neuen Tennisplätze ging, sah dann auch die Inaussichtstellung eines Kunststoff-Kleinspielfeldes mit Hoch- und Weitsprunganlage vor.

Den Leichtathleten lag jedoch dieser Kompromiss „schwer im Magen“. Man spielte schließlich mit dem Gedanken, dem Verein den Rücken zu kehren; letztlich durfte man nicht verkennen, dass gerade aus dem leichtathletischen Bereich heraus sehr viel für den Verein, darüber hinaus jedoch auch für die Bevölkerung getan wird: der Lobbericher Lauftreff, von den Eheleuten Joachim Schmeja ins Leben gerufen, Trimm-Dich-Aktionen, Lauf- und Sportabzeichenaktionen, um nur einige wenige zu nennen. Mussten doch die Leichtathleten auf die Nutzung des Platzes – bis auf die Umlaufbahn – verzichten.

Im Jahre 1980 zeigen sich bei den Leichtathleten beachtliche Erfolge: Angelika Bruckes ersprang sich im Hochsprung die Kreismeisterschaft, Vizemeister im Zehnkampf wurde Klaus Wolters. An Landes-, Westdeutschen- und Deutschen Meisterschaften beteiligten sich aufgrund der Qualifikationsergebnisse Angelika Bruckes, Hans Straver, Christoph Hühnerbein und Heinz-Theo Gotzes. Die Langläufer, um die sich besonders die Gebrüder Manfred und Helmut Sommerfeld kümmerten, errangen bei vielen Cross- und Straßenläufen Siege und Platzierungen. Besonders der Altersklassenläufer Walter Jansen machte hierbei von sich reden.

Die Volleyball-Abteilung, mittlerweile bestehend aus einer Herren-, einer Damen- und fünf Jugendmannschaften hat kein gutes Jahr. Die 1. Herren-Mannschaft stieg aus der Landesliga ab (in erster Linie dadurch bedingt, dass sich die Mannschaft überwiegend aus A-Jugend-Spielern besteht).

Die Er- und Sie-Gruppe ist im Jahre 1980 ein beliebter Treffpunkt. Hier steht nicht der Wettkampf, sondern das gesellige Turnen im Vordergrund.

In der Tennisabteilung werden erstmals Clubmeisterschaften ausgetragen, um ein „Kräftemessen“ untereinander zu ermöglichen. Zusammen mit dem Hinsbecker Tennisclub wurden dann auch die Stadtmeisterschaften im Tennis ausgetragen.

Die Basketball-Abteilung hatte 1980 ihre bisher größten Erfolge: Die 1. Herren-Mannschaft schaffte den Aufstieg in die Bezirksliga. Im WBV-Pokal erreichte man die Runde der letzten Acht. Die Damen-Mannschaft belegte einen beachtlichen Mittelplatz, obwohl sich diese Mannschaft fast ausschließlich aus B-Jugendlichen zusammensetzt.

In der Jahreshauptversammlung vom 3.4.1981 wird Heinz Grundmann besonders geehrt. Heinz Grundmann, seit 1931 Vereinsmitglied, seit 1951 ununterbrochen Vorstandsmitglied als Jugendwart, Sozialwart und Geschäftsführer, erhält aus der Hand des 1. Vorsitzenden die Goldene Vereinsnadel „in Gold“, eine Auszeichnung, die der Verein bisher nur ein einziges Mal vergeben hatte, nämlich an den früheren 1. Vorsitzenden Dr. Joseph Veith.

Im September 1981 waren endlich die beiden neuen Tennisplätze fertiggestellt und bespielbar.
Das Jahr 1981 war für die Leichtathleten wieder ein sehr erfolgreiches Jahr. Im Zehnkampf errang Klaus Wolters den Kreismeistertitel. Über 10.000 Meter machte ihm dies Christoph Hühnerbein nach. Hühnerbein verbesserte darüber hinaus die Vereinsbestenleistungen über 1.500, 3.000, 5.000 und 10.000 Meter. Insgesamt stellten die TVer im jahr 1981 17 Vereinsbestenleistungen auf.

Ein Renner war nach wie vor der „Lobbericher Lauftreff“. 1.573 TeilnehmerInnen nahmen im Jahre 1981 an ihm teil.

Erstmals wird auch Sport für „Arbeitnehmer im Schichtdienst“ angeboten, der jedoch nur schwach genutzt wird.

Im November 1982 trat der TV Lobberich in der vom Radio-Sender RTL ausgestrahlten Sendung „RTL-Unterwegs“ gegen den TSV Kaldenkirchen an. Der mündliche Vergleichskampf, an dem auf Lobbericher Seite die Mitglieder Detlev Hintzen, Michael Liedtke, Anja Sommerfeld, Nora und Manfred Albersmann teilnahmen, sah die Lobbericher als Sieger. Der von Radio Luxemburg gestiftete Preis wurde der Jugend-Abteilung des TV zur Verfügung gestellt.

Das Jahr 1982 war insgesamt für alle Abteilungen des Vereins ein bewegtes und erfolgreiches Jahr. Angefangen mit dem „Frauen-Turnen“, bei dem unter Leitung von Frau Heydhausen die „Aerobic-Gymnastik“ sehr gut ankam, über das Kleinkinder- und Kinderturnen, bei dem sich Margret Tüffers und Elke Heider besonders hervorheben indem sie viele Stunden Freizeit für die Kinder opfern, Tennis, Leichtathletik, Basketball, Faustball, Handball, Volleyball, Altersturnen bis hin zu den erholsamen und lehrreichen Wanderungen der Wanderabteilung, die lange Jahre von Willi Tack geführt und geprägt wurde, zwischenzeitlich von Herbert Tüffers übernommen wurde.

In allen Bereichen zeigt sich, dass die Mitglieder das „Programm“ des Vereins wohlwollend annehmen und Trainings- und Übungsstunden fleißig besuchten, wobei aber auch der gesellige Teil innerhalb der einzelnen Abteilungen nicht mehr wegzudenken war. Sommerfeste, Spielfeste, Kaffekränzchen, Weihnachts- und Nikolausfeiern wurden immer wieder von fleißigen Helfern organisiert und mit viel Liebe vorbereitet.

Beim Volleyball haben die 1. Frauen- und 1. Herren-Mannschaft einen mittleren Tabellenplatz inne. Aufgrund dessen, dass nicht immer alle Stammspieler den Mannschaften zur Verfügung standen (Aufnahme Studium, Ableistung von Wehrdienst, berufliche Gründe o.ä.) konnte man dennoch mit den gezeigten Leistungen zufrieden sein. Bei der Jugend hatten sich die erstaunlich guten Leistungen der letzten beiden Jahre fortgesetzt. Insbesondere dank der guten Aufbau- und Trainingsarbeit von Theo Tillmanns verfügte die Volleyballabteilung insgesamt über eine gute Leistungsdichte.

Die Tennisspieler trugen erstmals Freundschaftsspiele gegen die benachbarten Tennisvereine TC Hinsbeck, TSV Kaldenkirchen, TV Breyell aus, was prompt zu Gegeneinladungen führte.

Im Jahre 1982 war man auch bei den Leichtathleten sehr aktiv. Insgesamt 17 Veranstaltungen wurden ausgerichtet, wobei diese auf der Turnerkampfbahn, der Straße und in den Sporthallen ausgetragen wurden. Straßenlaufveranstaltungen und Wettkämpfe in der näheren und weiteren Umgebung wurden besucht. Der unter Breitensport angesiedelte Lauftreff erfreute sich immer größerer Beliebtheit. 2.421 Laufinteressierte nahmen an 104 Lauftreffs teil. Das angesprochene Sportangebot für Arbeitnehmer im Schichtdienst wird wegen zu geringer Beteiligung wieder eingestellt. Die freigewordenen Übungsstunden in der Sporthalle wurden von der Frauen-Riege unter Leitung von Margret Tüffers ausgefüllt, die nun „Frühsport“ betrieb. Auch die DLV-Mehrkampfabzeichen-Aktion war wiederum ein Erfolg: 17 x Gold, 17 x Silber und 3 x Bronze waren das stolze Ergebnis. Stellvertretend für viele soll hier Klaus Wolters genannt werden, dem besten und vielseitigsten Mehrkämpfer des Turnvereins, der in diesem Jahr die goldene „DLV-Nadel 10“ für mehr als zehn Verleihungen in ununterbrochener Reihenfolge erhielt.

Die Handballer erfreuten sich über den Wiederaufstieg der 1. Herren-Mannschaft in die Verbandsliga. Die 1. Frauenmannschaft belegte – ebenfalls in der Verbandsliga spielend – einen guten Mittelplatz. Erstmals in der Geschichte des Frauenhandballs im Turnverein Lobberich wird zur Saisonvorbereitung ein Trainingslager abgehalten, wobei das Spielverständnis und die Kameradschaft gefördert werden sollten.

Die 1. Basketball-Herrenmannschaft belegte in der laufenden Serie einen hervorragenden 2. Platz, während die im Wesentlichen aus Jugendlichen bestehenden 1. Damen-Mannschaft den Aufstieg in die Bezirksklasse schaffte.

Im April 1983 wurde das 1.200e Mitglied in den Verein aufgenommen. Bei der Jahreshauptversammlung kommt noch einmal die Diskussion über die Auflage einer Vereinszeitung – initiiert durch Klaus Nielebock – auf. Eine Kommission wird gebildet, die Einzelfragen klären soll. Ein erstes Muster wird im August 1983 vorgelegt. Weitere Einzelheiten wurden nicht bekannt.

Im Jahr 1983 wird erstmals der Vereinsbesten-Pokal nicht verliehen.

Im ersten Halbjahr konnte die Herstellung eines Kunststoff-Kleinspiel-Feldes abgeschlossen werden. Damit stand der Leichtathletikabteilung, aber auch allen anderen Abteilungen, ein Spielfeld zur Verfügung, das unabhängig von der Witterung genutzt werden konnte. Die Terrasse vor dem Vereinsheim erhält, dank dem Einsatz vor allem der Mitglieder der Tennisabteilung, eine neu Gestaltung.

Erstmals weilen in den Reihen des Turnvereins auch zwei Triathlonkämpfer: Manfred Sommerfeld und Udo Benthaus.

Bei der Stadtmeisterschaften im Tennis kann Hermann-Josef Gerhards (Sepp) den Stadtmeister-Titel in der Seniorenklasse erringen.

Am 20.2.1984 wird von Manfred Sommerfeld eine „Radsportabteilung“ ins Leben gerufen, in die sofort 14 Mitglieder aufgenommen werden konnten. Erwartungsgemäß blieben im ersten Jahr des Bestehens spektakuläre Erfolge aus. Letztlich wollten einige Leichtathleten (insbesondere die Langläufer), ihr Ausdauertraining erweitern und das Rad-Training zur Vorbereitung auf ihre Triathlon-Wettbewerbe nutzen. Einige Radsportler nahmen dennoch an einzelnen oder mehreren Rad-Touristikfahrten teil, die nicht selten über 100 oder mehr Kilometern führten. Bei den Triathleten ist besonders der aus Dülken zum TV Lobberich gestoßene Rolf Donners zu erwähnen, der 1984 an 10 Triathlon-Veranstaltungen teilnahm und in der erstmals durchgeführten Wertung um den Triathlon-Cup der DTV-Serie in seiner Altersklasse (M 40) bundesweit den ersten Platz belegen konnte.

Am 27. September 1984 erfolgte der Eintritt in den Tennisverband Niederrhein, um den Tennisspielern die Gelegenheit zu geben, erstmals für die Saison 1985 Medenspiele (Meisterschaftsspiele) durchführen zu können. Eine Damen-, zwei Herren- und eine „Bambini-Mannschaft“ wurden gemeldet. Die 1. Herrenmannschaft konnte dann ungeschlagen in die Bezirksklasse „F“ aufsteigen. Die Bambini-Mädchen-Mannschaft belegte einen sehr guten zweiten Platz und verpasste nur knapp den Aufstieg.

Für die Volleyball-Abteilung war die Saison 1985/86 eine besonders erfolgreiche: Endlich wurde der Aufstieg in die Oberliga (nach dreimaligem Aufstieg in nur zwei Spieljahren) von der Bezirklasse über die Landes- und Verbandsliga geschafft. Dies war insbesondere das Verdienst von Theo Tillmanns.

Auch die Leichtathleten waren im Jahre 1985 wieder sehr rege. In vielen Einzel- und Mannschafts-Wettbewerben konnten 16 Kreistitel erkämpft werden. In den DLV-Bestenlisten werden die Schülerinnen A im Mannschafts-Wettbewerb an 2. Stelle aufgeführt, Frank Boukes steht über 3.000 Meter an 16. Stelle. Die außersportlichen Leistungen der Leichtathletik-Abteilung sollten ebenfalls nicht unerwähnt bleiben: Tagesausflüge der Schülerabteilung, Saisonabschlussfeier und die Berlin-Fahrt (seit 1964 mit jeweils 50 – 60 Mitgliedern aus allen Abteilungen des TV) waren einmal mehr Höhepunkte eines intakten Abteilungslebens.
Auch die anderen Abteilungen des Vereins waren im Jahre 1985 immer bestrebt, das sportliche und außersportliche Angebot an die Mitglieder attraktiv zu gestalten, angefangen beim Kinder- und Erwachsenen-Turnen bis hin zur Wanderabteilung. Allein die Wanderabteilung unter Leitung des sehr aktiven Herbert Tüffers, führte Wanderungen, Radtouren und eine Eifelfahrt durch, an denen fast 700 Personen teilnahmen. Auch der von Klaus Schriefers organisierte „Staffellauf rund um Nettetal fand im Jahre 1985 mit 94 teilnehmenden Mannschaften aus der näheren und weiteren Umgebung regen Zuspruch.

  


Die Vorsitzenden des Turnvereins Lobberich


1861 Clemens Tillenberg
1863 Jakob Reiners
1864 Julius Hamm
1865 Johann Hoeren
1869 Wilhelm de Vos (bis 21.5.1869)
1869 Wilhelm Riether (ab 21.5.1869)
1870 Notar Doehmer
1876 Karl Hahnen (bis 21.4.1877)
1877 – 1886 nicht besetzt
1886 Karl Hahnen (ab 9.6.1886)
1887 Emil Heimendahl
1891 Wilhelm Schmelzeisen
1892 Arthur Hohnrot
1894 Wilhelm Schöny
1897 Hermann Wilhelm (bis 5.4.1897)
1897 Aloys Michels (ab 6.4.1897)
1902 Goswin Becker
1905 Norbert Gipkes
1909 Dietrich Olfenius
1922 Franz Eiselt
1930 Max Steeger
1933 Anton Kunnen
1935 Dr. jur. Joseph Veith
1972 Walter Boeken
1975 Günter Isenberg
1997 Hubert Glock