Der TV Lobberich 1861 e.V.
|
|
Aus den Anfängen der Turngeschichte
|
Der Turnverein Lobberich 1861 e.V.
Von 1861 bis 1886
- die Gründerjahre -
Lobberich in der Mitte des 19. Jahrhunderts – im Jahre 1860 ca. 3.400
Einwohner – hatte neben Kirche, Rathaus, Pfarrhaus, Vikariehaus, 2
Schulhäuser und Armenhaus (Eremitage) ca. 460 Privathäuser (davon in
Lobberich selbst ca 170, der größere Rest verteilte sich auf die
Honschaften Sittard, Bocholt, Flothend, Dyck, Rennekoven und Sassenfeld) und eine
Apotheke. Johann Heinrich Michels hatte am Hinsbecker Weg (heutige
Niedieckstraße) seine Blaufärberei gegründet. Auf manchem
Bauernhof, wo bisher Flachs gesponnen wurde, begann man nun Baumwolle zu spinnen
und zu spulen. Abnehmer waren u. a. die Gebrüder Felix und Victor de
Ball, die ebenfalls am Hinsbecker Weg ihre Seiden- und Samtfabrik gründeten.
Erster preußischer Bürgermeister wurde Johann Heinrich Kessels, Vater
von elf Kindern, nicht eben arm und in durchaus verschiedenartigen Erwerbszweigen
ebenso vertraut wie in den zahlreichen Sparten der Verwaltung. Von Beruf in dem
kleinen Örtchen waren hauptsächlich Weber, Ackerer, Knechte und
Mägde sowie Tagelöhner anzutreffen. Vereinzelt gab es auch Müller,
Schäfer, Fischer, Bäcker, Metzger, Schankwirte, Schneider, Schuster,
Holzschuhmacher, Schreiner, Zimmerer, Maurer, Schmiede und
Kleinhändler.
Um 1850 erfuhr Lobberichs Wirtschaft eine erhebliche Wandlung. Man kann heute
kaum mehr mit Sicherheit klären, ob es einem glücklichen Zufall, guten
Verbindungen der Verwaltungsspitze oder günstig erworbenen
Industriegrundstücken zu danken ist, daß um diese Zeit unvorhersehbar
und plötzlich die örtliche industrielle Revolution ausbrach, die das
Dorf aufweckte und im Laufe der folgenden Jahrzehnte zu großer Entwicklung
führte.
Zunächst gelang es dem betriebsamen Bürgermeister Kessels, die
Gebrüder Felix und Victor de Ball, deren Vater Johann Ludwig in Geldern eine
Samtfabrik unterhielt, nach Lobberich zu holen. Schon Ende 1845 etablierte sich
am Hinsbecker Weg (spätere Bahnstraße) die Fa. J. L. de Ball
& Cie., Stücksamt und Samtband, mit 400 Stühlen, wobei die
Arbeitskräfte vor allem aus dem Reservoir der Heimweber kamen. Das
Unternehmen ließ sich sehr erfolgreich an, auch die 1848 auftretenden
Differenzen bei der Entlohnung für Stücksamt konnten im allseitigen
Einvernehmen beigelegt werden. Um diese Zeit zahlte die Firma an Gewerbesteuer
jährlich 19 Taler 15 Silbergroschen; die Betriebsinhaber Felix und Victor de
Ball wurden mit je 12 Talern zur Klassensteuer veranlagt. Um 1849 wurde der
Kaufmann Hermann Reifenstuhl in die Firma aufgenommen, der mit Felix de Ball
einen Zweigbetrieb in Leipzig aufbaute.
Als die Gebrüder Niedieck unweit der Seen am Weg nach Breyell ihre
große Fabrik bauten, begann die Bebauung der Breyeller Straße und des
ausgesprochenen Arbeiterwohngebietes zwischen der heutigen Düsseldorfer und
Flothender Straße. Vor 1850 war am letzten Haus der unteren
Hochstraße Ende der Bebauung. Eine Brücke führte über den
Ludbach. Durch Heide und über einen Feldweg kam man zur Eremitage. Der Weg
nach Dyck führte durch hohen Buchenwald. Der im Ort gelegene Teil der
Süchtelner Straße endete um 1850 noch beim früheren
Möbelhaus Josten (heute: Sanitätshaus Janßen). Die nach
1860 begonnene Verlängerung der Süchtelner Straße, die durch das
zweite Werk von Niedieck an der rechten Straßenseite vorangetrieben wurde,
hieß ursprünglich „Sittarder Leichenweg“. Im
Ortsbereich der Süchtelner Straße lagen die Postwagenstelle und der
Pferdestall des Postwagenfahrers. In unmittelbarer Nachbarschaft wurde das
frühere Amtsgericht gebaut.
Das dem Ortskern zugehörige Stück der alten Kempener Straße
hieß „Alt-Kevelaer“. Hier lagen an der linken Seite
Gaststätte und Bauernhof Doerkes (später Doerkesstift, wonach heute der
dahinter liegende Platz benannt ist). Bis1865/70 trafen außerhalb des
bebauten Ortskerns am Stern vor den neuen katholischen Kirche Feldwege zusammen,
die heute ausgebaute Straße sind: An St. Sebastian, Wevelinghover
Straße, Niedieckstraße, Steegerstraße, Hochstraße. Alle
diese Straßen mündeten als Hohlwege in den Platz. Die Wevelinghover
Straße (früher Venloer Straße) war vor 1870 Hauptverbindung nach
Hinsbeck. Die heutige Niedieckstraße war ein Weg, der zum Oirlich
führte, aber hinter dem Werk von de Ball (früher Niedieck) einen
Abzweiger nach Hinsbeck hatte. Die nach 1870 ausgebaute Steegerstraße
verband seit alters her Bocholt und Sassenfeld.
Im Oktober 1861 kam es aus wirtschaftlichen Gründen zum Verkauf der Firma de Ball an den Schwager und bisherigen Mitarbeiter Hermann van der Upwich aus Nunspeet/Holland (1835-1922), der 1851 als Lehrling in die Firma eingetreten war und nun zusammen mit Hermann Reifenstuhl den Betrieb zu weltweiter Bedeutung führte unter der Firmung: J. L. de Ball & Cie. Nachfolger, Seide- und Samtbandfabrik. Felix und Victor de Ball wurden als Partner beteiligt.
Der „Ruf zur Sammlung“ von Georgii und Kallenberg von März 1860 wird wohl, wie überall in den deutschen Landen, der Anstoß zur Gründung unseres Vereines gewesen sein. Jedenfalls trafen sich die Gründungsmitglieder Arnold von den Driesch, Wilhelm Deutges, Wilhelm Schuren, Julius Brües, Mathias Weyer, Heinrich Brahseler, Julius Hamm, Peter Heinrich Rollbrocker, Wilhelm Hohnroth, Philibert Istas, Martin Hamacher, Conrad Klumpen, Clemens Tillenberg, Lambert Antwerpen, Heinrich Jelihsen, Peter Paul Schmitz und Johann Hoeren am 2. September 1861 abends um 8 Uhr beim Wirten Peter Heinrich Rollbrocker (früheres Doerkesstift, Kempener Straße) um Nachstehendes zu beschließen:
„Heute, den 2. September 1861 sind die Unterzeichneten
zusammengetreten, um nach dem Vorbilde anderer Städte Deutschlands einen
Turnverein zu gründen.
Lobberich, den 2. September
1861“
In der 1. Generalversammlung wurde zunächst das Haus von Peter Heinrich
Rollbrocker als Vereinslokal bestimmt. Hierauf schritten die Anwesenden zu
Wahl eines provisorischen Turnrates (Vorstand). 1. Präsident wurde
Clemens Tillenberg, Geldwart Philibert Istas, Turnwart
Julius Hamm, Zeugwart Wilhelm Deutges, Schriftwart Wilhelm
Hohnroth und Beisitzer Martin Hamacher.
Den monatlichen Beitrag setzte man acht Tage später in einer der
häufigen Mitgliederversammlungen auf 3 Silbergroschen (Silbergroschen (Abk.
Sgr) hieß der in Preußen zwischen 1821 und 1873 geprägte Groschen, von dem 30
Stück à 12 Pfenni(n)g auf einen Taler im 14-Talerfuß gesetzlich
festgelegt wurden. Vorher war der preußische Reichstaler in 24 gute
Groschen à 12 Pfennig unterteilt.), für damalige Verhältnisse
sehr hoch, fest. Bis zu der am 1. Oktober 1861 stattfindenden erneuten
Generalversammlung wurden dann weitere 10 neue Mitglieder aufgenommen, sodass der
Verein bereits 27 Mitglieder zählte.
In dieser Versammlung wurde auch der endgültige Turnrat
gewählt. Präsident blieb Clemens Tillenberg, Turnwart blieb
Julius Hamm, Philibert Istas blieb Geldwart, Julius
Kehsels wurde Schriftwart, Wilhelm Deutges blieb Zeugwart und
Beisitzer wurde Johann Mommers. In der gleichen Versammlung wurden dann
nachstehende Statuten beschlossen:
Statuten des
Lobbericher
Turn-Vereins.
„Frisch! Fromm! Frei! Fröhlich!
§ 1 Zweck des Vereins. Geistige und körperliche
Kräftigung, durch Streben nach möglichst vollständiger Erreichung
unseres Wahlspruchs. - Der Verein enthält sich aller politischen Parteinahme
als dem Zwecke der Gesellschaft durchaus nicht entsprechend.
§ 2 Der Verein besteht aus activen und passiven Turnern, auch
können Ehrenmitglieder ernannt werden. Letztere haben in allen vorkommenden
Fällen freien Zutritt, sind jedoch nicht stimmberechtigt.
§ 3 Als Mitglied werden nur solche aufgenommen, welche das
achtzehnte Lebensjahr zurückgelegt haben. Auf Veranlassung des Turnrathes
sind Ausnahmen zulässig.
§ 4 Wer dem Verein als Mitglied beitreten will, hat sich durch
einen Turner bei `m Turnrath anzumelden, worauf der Vorsitzende ihn am
nächsten Übungstage zur Kugelung vorschlägt, die acht Tage
später erfolgt.
§ 5 Bei der Kugelung spricht Stimmengleichheit gegen die Aufnahme.
Derjenige, dessen Aufnahme verweigert worden ist, kann erst nach einem halben
Jahr wieder in Vorschlag gebracht werden.
§ 6 Wenn zwei Drittel der Mitglieder des Vereins in einer
schriftlichen Anzeige an den Turnrath Jemanden zum Ehrenmitglied
vorschlägt, so ist derselbe angenommen und hat der Turnrath dieses in der
nächsten Versammlung dem Verein mitzuteilen.
§ 7 Jeder Turner hat monatlich in der ersten Sitzung einen Beitrag
von drei Groschen zu entrichten; außerdem hat jedes neu aufzunehmende
Mitglied ein Eintrittsgeld von einem halben Thaler zu zahlen.
§ 8 Jedes Mitglied bleibt für das Eintrittsgeld und den Betrag
für den ersten Monat des auf seinen Vorschlag Aufgenommenen
verantwortlich.
§ 9 Ein Jeder ist zur Zahlung des Beitrages bis incl. des Monats,
in welchem er den Verein verlässt, verpflichtet. Neu eintretende Mitglieder
zahlen den Beitrag von dem Monate an, in welchem Sie aufgenommen werden.
§ 10 Wird von zwölf Turnern bei dem Turnrathe auf
Ausschließung eines Mitgliedes schriftlich, unter Angabe der Gründe,
sofern dieselben nicht persönlich sind, angetragen, so hat der Turnrath
dieses dem Betroffenen anzuzeigen. Falls derselbe nicht binnen drei Tagen seinen
Austritt aus dem Verein anzeigt, so hat der Turnrath den Antrag auf
Ausschließung desselben vor die Hauptversammlung zu bringen, worin dem
Angeklagten das Recht der Verteidigung zusteht. Es müssen bei der dann
stattfindenden Kugelung zwei Drittel der Anwesenden gegen den Angeklagten
entscheiden, wenn dessen Ausschließung erfolgen soll. Die Namen der
Antragsteller muss der Turnrath verschweigen und die betreffende Eingabe
vernichten.
§ 11 Sowohl der freiwillige als bedingte Austritt ruft den Verlust
allen Anrechtes auf das Eigentum des Vereins nach sich. Verlässt jedoch ein
Mitglied nur zeitweise unser Dorf, resp. verlässt es sein Domizil, so
verbleiben demselben seine Rechte und hat es seinen Beitrag erst vom Anfange des
Monats wieder zu entrichten, so es sich neu anmeldet, ohne einer Ballotage
unterworfen zu werden.
§ 12 Der Verein wählt aus seiner Mitte einen Turnrath, welchem
die Verwaltung der Vereinsangelegenheiten obliegt. Derselbe besteht aus einem
Vorsitzenden, einem Turnwart, einem Zeugwart, einem Schriftwart, einem Geldwart
und einem Beisitzenden.
§ 13 Der Vorsitzende führt den Vorsitz in den
Hauptversammlungen
a) und Turnraths-Sitzungen, in seiner Abwesenheit übernimmt
ein anderes Mitglied des Turnrathes den Vorsitz, worüber derselbe sich zu
einigen hat.
b) Der Turnwart leitet die Turnübungen, entwirft die Turnordnung, teilt
die Riege ein und ernennt ebenso die Vorturner und Anmänner; seinen
Anordnungen auf dem Turnplatze hat sich jeder zu fügen.
c) Der Zeugwart sorgt stets für den guten Zustand der
Turngeräte.
d) Der Schriftwart hat alle schriftlichen Ausfertigungen des Vereins zu
besorgen und führt das Protokoll in den Hauptversammlungen und
Turnraths-Sitzungen.
§ 14 Der Turnrath wird durch Stimmzettel gewählt. Nach Ablauf
eines jeden Vereinsjahres legt derselbe sein Amt nieder, ist jedoch wieder
wählbar.
§ 15 Der Turnrath als Vereinsvertreter besorgt alle laufenden
Geschäfte desselben und ist für seine Handlungen dem Vereine
gegenüber verantwortlich.
§ 16 Der Turnrath hält monatlich eine Sitzung zur
Erörterung von Vereinssachen. In einer Turnratssitzung gibt die Anwesenheit
von fünf Mitgliedern bei einfacher Stimmenmehrheit den Beschlüssen
Gültigkeit.
§ 17 Der Turnrath kann über die gewöhnlichen kleinen
Ausgaben verfügen, darf jedoch die Summe von drei Thaler in einem viertel
Jahr nicht überschreiten; bei außerordentlichen Auslagen ist jedoch
eine Hauptversammlung zu berufen.
§ 18 Auswärtige Turner haben freien Zutritt.
§ 19 Die Turnübungen finden statt, Montag und Donnerstag abends
zwischen acht und elf Uhr.
§ 20 Die Benutzung der Turngeräte ist auch außer den
Turnstunden jedem Turner gestattet, jedoch ist derselbe, sofern dieselben durch
eingeführte Nichtmitglieder beschädigt werden, dem Verein dafür
verantwortlich.
§ 21 Jede Hauptversammlung muss acht Tage vorher bekannt gegeben
werden.
§ 22 Der Vorsitzende muss vierteljährlich eine
regelmäßige wiederkehrende Hauptversammlung anberaumen und sind
demselben alle Anträge, welche alsdann zur Sprache gebracht werden sollen,
schriftlich einzureichen. Dieselben werden dann der Reihe nach behandelt.
Anträge und Mittheilungen des Turnrathes gehen allen anderen vor. Wird aber
inzwischen ein von acht Turnern unterzeichneter Antrag eingereicht, so muss der
Turnrat innerhalb von zwölf Tagen eine Hauptversammlung zusammenrufen.
§ 23 Kein Mitglied darf sprechen, ehe ihm vom Vorsitzenden das Wort
ertheilt wird, was nach der Reihenfolge der Anmeldungen geschieht. Bei einem
etwaigen Verstoße des Redners gegen die Ordnung, ist der Vorsitzende
ermächtigt, nach zweimaligem Ordnungsrufe ihm das Wort zu entziehen, und
wird die Ordnung überaus gestört, nach dreimaligem Ordnungsrufe die
Versammlung zu vertagen.
§ 24 Bei den Abstimmungen in der Hauptversammlung entscheidet
unbedingte Stimmenmehrheit. Bei
Stimmengleichheit entscheidet der Vorsitzende.
§ 25 Jede ordnungsmäßig zusammenberufene
Hauptversammlung ist ohne Rücksicht auf die Zahl der Anwesenden
beschlussfähig und hat sich diesen Beschlüssen jedes Mitglied unbedingt
zu unterwerfen.
§ 26 Zur Auflösung des Vereins ist die Zustimmung von sieben
Achtel der Mitglieder erforderlich.
§ 27 Jedes Mitglied hat vorstehende Satzung zu unterschreiben und
verpflichtet sich dadurch, denselben Folge zu leisten.
§ 28 Falls es später Notwendigkeit erfordert, können
Abänderungen und Zusätze zu diesen Satzungen durch Beschluss einer
Hauptversammlung gemacht werden.
Zu § 15 das Überschreiben des Wörtchens „ist“
und das Durchstreichen der beiden Worte vom Verein ist genehmigt.
Lobberich, den 1. October 1861
Diese Statuten wurden am 16. Oktober 1861 vom damaligen Bürgermeister Kessels genehmigt und mitunterzeichnet.
Verfügung des Landrates Foerster von Kempen vom 16. Juli
1862
Höherer Bestimmung zufolge sind die Turnvereine nach
Zweck und Wirksamkeit zu den unter das Gesetz vom 11. März 1850, das
Versammlungs- und Vereinigungsrecht betreffend, fallenden Vereine zu zählen.
Demgemäß sollen von denselben die Statuten und ein Nachweis der
Mitglieder, sowie eine Anzeige der abzuhaltenden Versammlungen erfordert und
diese Letzteren durch Polizeibeamte beschickt, alle Übertretungen der
Verordnungen vom 11. März 1850 zur gerichtlichen Bestrafung angezeigt,
auch geeignetenfalls dergleichen Vereine vorläufig geschlossen
werden.
Wo Privatpersonen die Errichtung einer Turnanstalt
beabsichtigen, ist dazu nach § 40 und 50 der Allgemeinen Gewerbeordnung
vom 17. Januar 1845 eine besondere Konzession erforderlich. Sofern diese
Einrichtung von Turnvereinen beabsichtigt wird, ist hiernach zu verfahren und
sofern dergleichen Vereine bereits bestehen, sind die Statuten sowie ein
Verzeichnis der Mitglieder resp. des Vorstandes baldigst einzusenden, auch ist
anzuzeigen, ob der Verein regelmäßige Versammlungen und an welchem
Orte hält, beziehungsweise wann die erforderliche Konzession erteilt
ist.
Sollten bei der polizeilichen Überwachung der Vereine
übrigens irgendwelche Wahrnehmungen gemacht werden, so sehe ich
hierüber in jedem einzelnen Falle Ihren Anzeigen
entgegen.
Bürgermeister Kessels kam dieser Verordnung
nach und antwortete dem Landrat:
Euer Hochwohlgeboren beehre ich mich anliegend in Erledigung vorstehender
Verfügung eine beglaubigte Abschrift der Statuten des hiesigen Turnvereines
sowie ein Verzeichnis der Mitglieder desselben mit dem Bemerken gehorsamst
einzusenden, daß der Verein sich jeden Montag und Donnerstag der Woche zu
den Turnübungen - § 19 der Statuten – bei dem Schankwirten
Rollbrocker hierselbst versammelt. Der Verein wird von mir polizeilich
überwacht und sollten, was übrigens nicht zu erwarten steht,
Übertretungen der Verordnungen vom 11. 3. 1850 vorkommen, so werde ich
die nötigen Schritte zur Bestrafung einleiten.
Der
Bürgermeister
Turnabende fanden im Winter einmal und im Sommer zweimal wöchentlich statt.
Mit dem Besuch muss man es sehr ernst genommen haben; recht bald setzte man
nämlich ein Strafgeld von 1 Silbergroschen für nicht erscheinende
Mitglieder fest. Bereits am 28. November 1861 nahm der Turnverein mit 10
Mitgliedern an einem Schauturnen in Viersen teil.
Wie es scheint, hat zumindest im ersten Jahr der Gründung ein sehr reges
Vereinsleben geherrscht, um die Ziele und Zwecke des Vereins weiter auszubauen
und zu fördern.
Am 5. Dezember 1861 wählte die Generalversammlung Jacob Reiners zum
neuen Präsidenten
In der Generalversammlung vom 27. März 1862 wurde der Beschluss
gefasst, auch Turnschüler aufzunehmen, die einen monatlichen Beitrag
für den Turnunterricht von 1 ½ Sgr zu leisten hatten, während
der Mitgliederbeitrag von 3 auf 2 Sgr. herabgesetzt wurde. Ob der Beschluss
Erfolg gehabt hat, lässt sich nicht feststellen. Das Protokollbuch macht
darüber keine Aussagen. Ein reger Verkehr entfaltete sich auch zwischen den
benachbarten Turnvereinen Kempen, St. Tönis und Dülken, wohin
Turnfahrten unternommen wurden.
Dem Turnen auf volkstümlicher Grundlage folgte dann auch bald das
Geräteturnen. Die talentierten Turner wurden nach Krefeld und
Mönchengladbach zu Lehrgängen geschickt. Dank der guten
Vorturnerausbildung wurden das Gauturnfest in Mönchengladbach und
verschiedene Stiftungsfeste benachbarter Vereine besucht.
In der Generalversammlung vom 11. September 1862 wurden die Gebrüder
Julius und Carl Niedieck als Mitglieder aufgenommen.
Leider fehlen uns über den Verlauf des am 30. 8. 1863 gefeierten 2.
Stiftungsfestes jegliche Aufzeichnungen.
Mit der Zahlung der Beiträge waren die Mitglieder wohl sehr nachlässig;
denn die Generalversammlung vom 17. August 1863 beschloss, die säumigen
Zahler, die nach vorhergehender Aufforderung innerhalb von vier Wochen nicht
zahlten, auszuschließen. Ein weiterer Beweis dafür, dass verschiedene
Mitglieder es mit der Zahlung der Beiträge nicht so genau nahmen, lieferte
die Anschaffung des Bildes „Vater Jahn“. Dasselbe sollte
unter der Bedingung gekauft werden, dass der Verkäufer Schuren den
rückständigen Beitrag von 1 Taler 26 Sgr zahlte. Ob aus diesem
Handelsgeschäft etwas geworden ist, verschweigt leider das Protokollbuch.
Die Generalversammlung vom 21. 9. 1863 wählte Julius Hamm zum neuen
Präsidenten.
Anscheinend haben sich die Mitglieder nach ihren ersten „patriotischen
Taten“ auf ihren Lorbeeren ausgeruht. Der Präsident, zu welchem
mittlerweile der Turnwart Julius Hamm avanciert war (er hatte den
Kunstmaler Jakob Reiners abgelöst), empfahl in der
Januargeneralversammlung von 1864 „angelegentlichst ein häufiges
Zusammentreffen der Mitglieder an den festgesetzten Turntagen“. Die
Klagen über die schlechte Zahlungsmoral der Mitglieder wurden auch wieder
laut und der Turnrat beschloss, vom § 28 der Statuten betr. Ausschluss
der Mitglieder wegen Nichtzahlung rückständiger Beiträge sofort
Gebrauch zu machen. „Im allgemeinen“, heißt es
in dem Versammlungsprotokoll, „berührt es unangenehm, dass trotz
des gediegenen und umfassenden Vortrages des Präsidenten die Beiträge
so ganz unregelmäßig eingingen.“
Am 17. 1. 1865 wurde Johann Hoeren Präsident des Turnvereins,
während Julius Hamm wieder als Turnwart fungierte. Nochmals wurde
im April 1865 der Beschluss gefasst, die rückständigen Beiträge
aus den Jahren 1863 und 1864 einzuziehen und nach Ablauf von 4 Wochen Frist gegen
die „Remittenten“ nach § 28 der Statuten zu verfahren.
Im Juli 1865 machte die Generalversammlung hiervon Gebrauch und schloss 7
Mitglieder aus. Dieser Ausschluss hatte anscheinend nicht viel Eindruck auf
andere Säumige gemacht, denn im Oktober wurden wieder Klagen über
rückständige Beiträge laut. Es wurde dann beschlossen, den
Jahresbeitrag auf 10 Sgr zu ermäßigen.
Einen recht befremdlichen Beschluss fasste die Generalversammlung vom 3. Mai
1866. In dem Protokoll heißt es: „Es wurde einstimmig
beschlossen, die in der Vereinskasse sich befindende Summe von zehn
Talern zu Dombaulotterielosen zu verwenden. Der Überschuss, zu drei Talern
festgestellt, wird am Mittwoch, den 16. Mai 1866 durch Ankerbier
vertilgt.“ Der Verein hat wohl damals vermutlich vor der
Auflösung gestanden, sonst hätte ein derartiger Beschluss wohl nicht
gefasst werden können. Die Pflege des Vereinszieles - schließlich in
den Statuten festgelegt - hatten die Mitglieder wohl größtenteils aus
den Augen verloren: Die Turngeräte waren in großer Unordnung
- über ein Jahr schweigt das Protokollbuch über jede
Vereinstätigkeit.
In der Generalversammlung vom 31. Juli 1867 wurde mit Stimmenmehrheit
beschlossen, die rückständigen Beiträge nur bis zum November 1865
zu erheben, von da ab sollte jeder monatliche Beitrag fortfallen. Damit hatte der
Verein also keinerlei Einnahmen mehr. Der Beschluss vom 3. Mai 1866
über die „Vertilgung“ der drei Taler durch Biere war
noch nicht ausgeführt worden, weshalb beschlossen wurde, die
„bestimmten Taler in fünf Wochen zu verzehren“.
Lakonisch heißt es weiter in dem Bericht über die Versammlung:
„Das Turnen wurde in die Hände des Turnwartes, die Herstellung der
Geräte in die Hände des Zeugwartes gelegt.“
Dennoch sind die Mitglieder nur selten zu den angesetzten Turnzeiten
erschienen; Lust und Eifer der Gründungszeit für die Turnsache war wohl
etwas abgeklungen, so dass der Turnrat am 12.6.1866 beantragte, den Verein
aufzulösen. Im Falle der Nichtauflösung erklärten sich jedoch 16
junge Leute bereit, Mitglied im Verein zu werden. Zu der Generalversammlung
hatten sich indes nicht die gemäß Statut vorgesehenen 7/8 der
Mitglieder eingefunden, welche über die Auflösung hätten
beschließen können, woraufhin die 16 neuen Mitglieder aufgenommen
wurden und die geplante Auflösung noch einmal zurückgestellt
wurde.
Nun zog wieder neues Leben in den Turnverein ein. Die Geräte werden
gründlich repariert, der Vorstand unter dem alten Präsidenten wurde
vollständig erneuert und zum dritten Male beschloss die Versammlung, dass
die ausgeworfenen drei Taler nunmehr aber „redlich“
vertrunken werden sollen. Ob´s gelungen ist? Jetzt wurden auch wieder
Beiträge gezahlt und nochmals 16 neue Mitglieder aufgenommen, unter denen
die Brüder Bernhard und Clemens Niedieck waren.
Am 12. September 1866 beging der Turnverein das 4. Stiftungsfest durch Schauturnen, Konzert und Ball. Die Verbindung mit der Organisation der Deutschen Turnerschaft wurde angeknüpft. W. Von Bergh ging als Delegierter zum rheinisch-westfälischen Turnertag nach Barmen. Die Mitglieder zahlten seinerzeit wohl nur sehr ungern Beiträge, denn nur mit einer Stimme Mehrheit wurde am 17. November 1868 beschlossen, den § 7 des Statuts - Erhebung von Beiträgen - wieder in Kraft zu setzen.
Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass seit dem 1. Januar 1868 Lobberich
durch die Fertigstellung der Eisenbahnlinie Kempen - Venlo verkehrsgünstig
angebunden wurde.
Am 13. Januar 1869 erhielt der Turnverein einen neuen Vorstand.
Präsident wurde Wilhelm de Vos. Nach einem halben Jahr schied der
neue Präsident jedoch wieder aus seinem Amte und Johann Mommers
wurde als solcher gewählt. Unter seiner Leitung schloss sich der Verein dem
rheinisch-westfälischen Turnverband an.
Einem Verzeichnis von 1869 nach hatte der Verein folgende Mitglieder: Johann
Mommers (Vorsitzender), Theodor Trüpel (Schriftwart),
Peuten (Turnwart), W. von Bergh (Zeugwart), C.
Hasencox (Geldwart), Th. Forth (Beisitzer) und die Mitglieder
Julius Niedieck, Carl Niedieck, Bernhard Niedieck, Maeters, Hubert
Mommers, Richard Mommers, Eduard Istas, Phil. Istas, J. Jansen, M. Franken,
Julius Kehsels, L. Reiners, Jac. Huenges, P.H. Rollbrocker, M. Schönkes, F.
Schmalohr, A. Uerschels, G. Dömges, Schumacher, J. Abels, H. Inderbieten, H.
Heythausen, W. Schmitter, G. Schelkes, Norb. Smets, Anton Terstappen, Joh.
Backes, Giebmanns, J. van der Heyden, E. Corty, A. Syllwasschy und W.
Lamberts.
Als Zeichen der Anerkennung und des Vertrauens muss es angesehen werden, dass dem
Turnverein Lobberich das Turnfest des Gladbacher Gauverbandes übertragen
wurde. Dieser wichtige Vorgang wird im Protokollbuch jedoch nur recht
stiefmütterlich behandelt. Es meldet nur, dass das Fest am 25. Juli
1869 auf der Gemeindewiese abgehalten werden soll, der Bürgermeister
Winkelmann den Vorsitz im Festkomitee haben soll und, die Anordnungen
dem Letzteren überlassen bleiben. Das Schauturnen fand, wie sich aus einem
späteren Bericht ergibt, auf der Gemeindewiese an der Vogelstange
statt.
Die Protokollbuchführung war seinerzeit recht mangelhaft. Ein gravierendes
Zeichen dafür, wie selbst wichtigste Vereinsangelegenheiten „unter
den Tisch fielen“, könnte man darin sehen, dass von dem
vorgenannten Gaufest lediglich zwei Sätze im Protokoll erwähnt wurden.
Außerdem verschweigt das Protokollbuch auch den Besitz bzw. die Anschaffung
einer vereinseigenen Fahne. Diese wird erstmals nebenher im Protokoll der
Generalversammlung vom 2. Juli 1869 erwähnt, in dem das Mitglied
Friedrich Wustmann sich erbot, beim Gaufest die Fahne zu tragen.
Am 23. Februar 1869 initiierte der Lobbericher Pfarrer Ludwig
Hegger den Bau eines Krankenhauses. Zur Gründung kam es jedoch nicht,
weil man sich über die Trägerschaft nicht einigen konnte. Dies wurde
erst im Jahre 1886 verwirklicht.
In der Generalversammlung vom 5. Januar 1870 wurde Notar
Döhmer neuer Präsident des Vereins. In der gleichen Versammlung
wurde im Allgemeinen darüber Klage geführt, dass seit einigen Monaten
die Beteiligung an den Turnabenden eine beklagenswerte sei. Erneut trat im
Vereinsleben eine Flaute ein. Weil darüber hinaus viele Mitglieder am
Feldzuge gegen Frankreich 1870/71 teilnehmen mussten, wurde am 18. 1. 1871
beschlossen, das Turnen und die Versammlungen zunächst bis zum Frühjahr
1871 zu vertagen.
Dass jedoch außer dem Turnen auch der Humor (vielleicht seinerzeit sogar
mehr) im Turnverein gepflegt wurde, geht daraus hervor, dass am 19. Januar
1871 eine „Karnevalistische Sitzung“ abgehalten wurde,
worüber das Protokoll wie folgt berichtet:
„ERSTE KARNEVALISTISCHE SITZUNG“
Lobberich, den 19. Januar 1871
Morgens 12 Uhr 5
Minuten
„In Anbetracht, dass unter dem 18. Januar 1871 beschlossen wurde, die
Sitzungen des Turnvereins bis zum Frühjahr zu vertagen, wurde unter dem
heutigen Datum beschlossen, die Reihe der karnevalistischen Sitzungen zu
eröffnen. Den Reigen der diesjährigen Vorträge eröffnete eine
Debatte zwischen den Genossen Moubis, Köster und Schulz contra Genossen in
spe Ed. Voß. Dieselbe wurde in sehr humoristischer Weise mit Benutzung des
„Fritzels vor den Henese Fleck“, erschienen im Verlage von Fritz
Jansen in Dülken, in Krämerlatein geführt und brachte die ganze
Gesellschaft in sehr fidele Stimmung. Genosse Emil von und zu Imhoff in spe
äußerte den Wunsch, künftig dem Verein anzugehören und
versprach, durch fleißiges Studium des Fritzels, sich den Henese Fleck so
anzueignen, dass er von sich sagen könne: Minotes holt den Henese Fleck.
Ferner wurde beschlossen dass diejenigen Mitglieder, welche bisher noch keine
„Schmelen an den Schmerf“ hatten, in Zukunft sich solche anzuschaffen
und gehalten sein zu sollen zu denken nicht gedacht werden
kann.
So geschehen in Lobberich im Jahre des Unheils
1871 am
19. Januar morgens 1 Uhr.
Vorgelesen, genehmigt und unterschrieben
Seit dem 2. August 1871, wo eine Mitgliederversammlung mit unwichtiger
Tagesordnung stattfand, bis zum 14. Mai 1873 besitzen wir keine besonderen
Nachrichten aus dem Verein. Es besteht die Vermutung, dass wieder einmal -
vielleicht auch bedingt durch die Nachkriegswirren - für kurze Zeit ein
Stillstand im Vereinsleben bestand. Einem früheren Zeitungsartikel nach ist
die Erklärung darin zu suchen, dass zur damaligen Zeit der Zweck des Turnens
noch nicht so tief in alle Volksschichten eingedrungen war. Vielmehr betrachtete
man auf dem Lande die Turnvereine mehr als gesellige Vereine, die
„nebenbei noch etwas turnten“.
Doch nicht lange dauerte es, bis es wieder zu einem leichten Aufschwung im
Vereinsleben kam. In einer am 22. Mai 1874 bei Rollbrocker
durchgeführten Versammlung wurde angeregt, aus den Reihen der Mitglieder
eine Feuerwehr zu gründen.
Ende Mai 1874 wählte man einen neuen Vorstand. Vorsitzender wurde Notar
Döhmer, der damit sein Amt behielt. Turnwart Lehrer Heymer,
Geldwart Kaspar Hasenkox. Als Turnlokal wurde das Hotel Kessels
gewählt. Neue Statuten wurden ausgearbeitet und in Kraft gesetzt. Die Krise
schien endgültig vorüber. Am 27. 9. 1874 wurde bereits wieder ein
Schauturnen mit anschließendem Ball abgehalten. Die bereits seit
längerer Zeit in treuer Obhut des Mitglieds Karl Schöny
gewesene Vereinsfahne wurde dem Verein wieder zurückgegeben. Ein Turnfest in
Venlo bei dem damaligen Verein „Oranje Venlo“ wurde besucht,
wobei Kontakte geknüpft wurden, die lange angehalten haben.
In der Jahreshauptversammlung vom 22. Mai 1874 wurden die Statuten in
einigen Paragrafen geändert und dann insgesamt neu festgesetzt:
Statuten
des
Turn Vereins zu Lobberich
Wahlspruch
Frisch, Fromm, Frei,
Fröhlich
§ 1
Zweck des Vereins: geistige und körperliche Kräftigung durch Streben
nach möglichst vollständiger Erreichung unseres Wahlspruchs. Der Verein
enthält sich aller politischen Teilnahme als dem Zwecke desselben nicht
entsprechend.
§ 2
Der Verein besteht aus aktiven und inaktiven Mitgliedern. Letztere haben bei
allen vorkommenden Fällen freien Zutritt, sind jedoch nur bei einer etwaigen
Abänderung der Statuten
stimmberechtigt.
§ 3
Als Mitglieder werden nur solche aufgenommen, welche das achtzehnte Lebensjahr
zurückgelegt haben; jüngeren Leuten kann der Vorstand als
„Turnschüler“
aufnehmen.
§ 4
Wer dem Verein beitreten will, hat sich beim Vorstand schriftlich anzumelden,
worauf dieser über die Aufnahme innerhalb acht Tagen
entscheidet.
§ 5
Derjenige,
dessen Aufnahme abgelehnt wird, kann sich erst nach Ablauf eines halben Jahres
wieder zur Aufnahme
melden.
§ 6
Jedes Mitglied hat monatlich in der ersten Sitzung einen Beitrag von drei
Silbergroschen zu entrichten; außerdem hat jedes neu aufgenommene aktive
Mitglied ein Eintrittsgeld von einem halben Thaler zu zahlen, wogegen inaktive
Mitglieder von der Zahlung eines Eintrittsgeldes befreit sind. Die
Turnschüler entrichten einen monatlichen Beitrag von einem
Groschen.
§ 7
Ein Jahr ist
zur Zahlung des Beitrages bis incl. des Monats, in welchem er den Verein
verlässt, verpflichtet. Neu eintretende Mitglieder zahlen den Beitrag von
dem Monat an, in welchem sie aufgenommen
werden.
§ 8
Soll ein Mitglied des Turnvereins aus Letztem ausgeschlossen werden, so muß
ein derartiger Antrag mindestens von zwölf Mitgliedern des Vereins beim
Turnrat schriftlich unter Angabe der Gründe eingebracht werden. Der Turnrat
hat alsdann die Rechtfertigung des Auszuschließenden anzuhören und den
Antrag auf Ausschließung vor die nächste Hauptversammlung zu bringen.
Zur Ausschließung des Betreffenden müssen drei Viertel der
stimmberechtigten Anwesenden gegen denselben
entscheiden.
§ 9
Sowohl der freiwillige als bedingte Austritt ruft den Verlust allen Anrechts auf
das Eigentum des Vereins nach sich.
§
10
Die aktiven Mitglieder wählen einen Turnrat, welchem die Verwaltung der
Vereinsangelegenheiten obliegt. Derselbe besteht aus einem Vorsitzenden, einem
Turnwart, einem Zeugwart, einem Schriftwart, einem Geldwart und einem
Beisitzenden. Der Turnwart und Zeugwart können nur aus aktiven, die
übrigen Turnratsmitglieder dagegen auch aus den inaktiven Mitgliedern
gewählt werden und werden als solche durch diese Wahl in allen
Vereinsangelegenheiten stimmberechtigt.
§ 11
a
Der Vorsitzende führt den Vorsitz in allen Hauptversammlungen und
Turnratssitzungen und wird in Abwesenheit durch den Beisitzenden
vertreten.
§ 11 b
Der
Turnwart leitet die Turnübungen, entwirft die Turnordnung, teilt die Riegen
ein und ernennt ebenso die Vorturner und Anmänner, seinen Anordnungen auf
dem Turnplatze hat sich jeder zu fügen. Der Turnwart hat, ohne selbst an
einen Vorturnposten gebunden zu sein, sämtliche Riegen zu beaufsichtigen und
jeder derselben ihren Platz anzuweisen.
§ 11
c
Der Zeugwart sorgt stets für den guten Zustand der
Turngeräte.
§ 11 d
Der Schriftwart hat alle schriftlichen Arbeiten des Vereins zu
besorgen
§ 11 e
Der
Geldwart besorgt die Einnahmen und Ausgaben des Vereins und hat hierüber dem
Turnrate vierteljährlich Rechnung abzulegen, der dieselbe prüft, und in
der Hauptversammlung dem Verein das Resultat
mitteilt.
§ 12
Der Turnrat wird durch Stimmzettel gewählt. Im April eines jeden Jahres legt
derselbe sein Amt nieder und findet alsdann in einer, 14 Tage vorher
anzukündigenden Hauptversammlung die Neuwahl statt, bei, welche die
Ausscheidenden wieder wählbar
sind.
§ 13
Der Turnrat als Vereinsvertreter besorgt alle laufenden Geschäfte und ist
für seine Handlungen dem Verein gegenüber
verantwortlich.
§ 14
Der Turnrat hält monatlich eine regelmäßige Sitzung zur
Erörterung von Vereinssachen. In den Turnratssitzungen gibt die Anwesenheit
von fünf Mitgliedern bei einfacher Stimmenmehrheit den Beschlüssen
Gültigkeit; bei Stimmungsgleichheit entscheidet der
Vorsitzende.
§ 15
Der Turnrat kann über die gewöhnlichen Ausgaben verfügen, darf
jedoch die Summe von zwanzig Mark in einem Vierteljahr nicht überschreiten,
bei größeren Ausgaben ist eine Hauptversammlung zu
berufen.
§ 16
Auswärtige Turner haben freien Zutritt zu den Turnstunden und
Versammlungen.
§ 17
Die
Turnübungen finden statt Mittwoch und Freitag abends von Punkt 9 bis 10
Uhr.
§ 18
Wenn ein aktives
Mitglied an einem Turnabend ohne Entschuldigung fehlt, so zahlt derselbe 1 Sgr.
Strafe an die Vereinskasse. Die Entschuldigungen müssen schriftlich einem
Vorstandsmitglied eingereicht werden. Jeder aktive Turner, der nicht Punkt um
neun Uhr auf dem Turnplatze erscheint, zahlt ½ SGr. Strafe. Diese
Strafgelder werden mit den monatlichen Beiträgen
entrichtet.
§ 19
Die Benutzung der Turngeräte ist auch außer den Turnstunden jedem
Turner gestattet, jedoch ist dieser, sofern dieselben sich durch eingeführte
Nichtmitglieder beschädigt werden, dem Verein dafür
verantwortlich.
§ 20
Jede Hauptversammlung ist acht Tage vorher (Ausnahmen: § 12) unter
Angabe der Tagesordnung bekannt zu machen und müssen hierzu auch die
inaktiven Mitglieder eingeladen
werden.
§ 21
Der Vorsitzende muß vierteljährlich eine regelmäßig
wiederkehrende Hauptversammlung anberaumen und sind derselben alle Anträge,
welche alsdann zur Sprache gebracht worden dann der Reihe nach verhandelt.
Anträge und Mitteilungen des Turnrates gehen allen anderen vor. Wird
während der Zwischenzeit ein von acht aktiven Mitgliedern unterzeichneter
Antrag eingereicht, so muß der Turnrat innerhalb zwölf Tagen eine
außergewöhnliche Hauptversammlung
zusammenberufen.
§ 22
Kein Mitglied darf sprechen, ohne dass ihm vom Vorsitzenden das Wort erteilt,
ist, was nach der Reihenfolge der Anmeldungen geschieht; bei einem etwaigen
Verstoß des Redners gegen die Ordnung ist der Vorsitzende berechtigt, nach
zweimaligem Ordnungsrufe das Wort zu entziehen und falls überhaupt die
Ordnung gestört wird, nach dreimaligem Ordnungsrufe die Versammlung zu
vertagen.
§ 23
Bei den Abstimmungen in den Hauptversammlungen entscheidet absolute
Stimmenmehrheit. Bei Stimmengleichheit entscheidet der
Vorsitzende.
§ 24
Jede ordnungsmäßig zusammenberufende Hauptversammlung ist ohne
Rücksicht auf die Zahl der Anwesenden (Ausnahme: § 25)
beschlussfähig und hat sich diesen Beschlüssen jedes Mitglied unbedingt
zu fügen.
§ 25
Zur
Auflösung des Vereins ist die Zustimmung von sieben Achteln der Mitglieder
erforderlich.
§ 26
Jedes
Mitglied hat vorstehende Satzungen zu unterschreiben und verpflichtet sich
dadurch, denselben Folge zu
leisten.
§ 27
Falls es später die Notwendigkeit erfordert, können Abänderungen
und Zusätze dieses Statuts durch Beschluss einer Hauptversammlung gemacht
werden.
Also festgestellt am 22. Mai 1874 In der gleichen Versammlung kam es erneut
zu einer Aussprache über die Gründung einer freiwilligen
Turnerfeuerwehr, zumal die Bevölkerung Lobberichs sehr stark wuchs, und
„der Bedarf an einer solchen Wehr immer größer
wurde“. Bürgermeister Stankeit war der Ansicht, wenn
sich auch inaktive Mitglieder sowie Nichtmitglieder aus dem handwerklichen
Bereich beteiligen würden, müsste eine solche Feuerwehr wohl zustande
zu bringen sein. Nach längerer Debatte wurde eine Kommission gewählt,
die sich mit der Errichtung einer Feuerwehr befassen sollte, deren Mitglieder der
Turnrat sowie Hugo Schöny, August Schulz und Hermann
Lücker waren.
In der gleichen Versammlung kam es erneut zu einer Aussprache über die Gründung einer freiwilligen Turnerfeuerwehr, zumal die Bevölkerung Lobberichs sehr stark wuchs, und „. Bürgermeister war der Ansicht, wenn sich auch inaktive Mitglieder sowie Nichtmitglieder aus dem handwerklichen Bereich beteiligen würden, müsste eine solche Feuerwehr wohl zustande zu bringen sein. Nach längerer Debatte wurde eine Kommission gewählt, die sich mit der Errichtung einer Feuerwehr befassen sollte, deren Mitglieder der Turnrat sowie und waren.
In der gleichen Versammlung kam es erneut zu einer Aussprache über die Gründung einer freiwilligen Turnerfeuerwehr, zumal die Bevölkerung Lobberichs sehr stark wuchs, und „. Bürgermeister war der Ansicht, wenn sich auch inaktive Mitglieder sowie Nichtmitglieder aus dem handwerklichen Bereich beteiligen würden, müsste eine solche Feuerwehr wohl zustande zu bringen sein. Nach längerer Debatte wurde eine Kommission gewählt, die sich mit der Errichtung einer Feuerwehr befassen sollte, deren Mitglieder der Turnrat sowie und waren.
In der gleichen Versammlung kam es erneut zu einer Aussprache über die Gründung einer freiwilligen Turnerfeuerwehr, zumal die Bevölkerung Lobberichs sehr stark wuchs, und „. Bürgermeister war der Ansicht, wenn sich auch inaktive Mitglieder sowie Nichtmitglieder aus dem handwerklichen Bereich beteiligen würden, müsste eine solche Feuerwehr wohl zustande zu bringen sein. Nach längerer Debatte wurde eine Kommission gewählt, die sich mit der Errichtung einer Feuerwehr befassen sollte, deren Mitglieder der Turnrat sowie und waren.
In der gleichen Versammlung kam es erneut zu einer Aussprache über die Gründung einer freiwilligen Turnerfeuerwehr, zumal die Bevölkerung Lobberichs sehr stark wuchs, und „. Bürgermeister war der Ansicht, wenn sich auch inaktive Mitglieder sowie Nichtmitglieder aus dem handwerklichen Bereich beteiligen würden, müsste eine solche Feuerwehr wohl zustande zu bringen sein. Nach längerer Debatte wurde eine Kommission gewählt, die sich mit der Errichtung einer Feuerwehr befassen sollte, deren Mitglieder der Turnrat sowie und waren.Die freiwillige Feuerwehr Lobberich konstituierte sich schließlich am 8. 8. 1874. Der damalige Vorstand bestand aus dem Präses Bürgermeister Th. Stankeit, dem Chef Hugo Schöny, dem stellvertretenden Chef Paul Mertz, dem Schriftführer August Schulz, dem Rendanten Notar Döhmer und dem Geräte- und Zeugwart Theodor Buntenbroich.
Am 24 Mai 1876 wurde ein neuer Vorstand gewählt: Präsident Julius
Kessels, 1. Turnwart Gustav Tohang, 2. Turnwart J. Girmes, Zeugwart H. Peuthen,
Schriftwart G. Kuijper, Geldwart C. Hasenkox, Beisitzer Notar Döhmer. Bis
August 1876 verzeichnet das Protokollbuch keine weiteren Eintragungen. Dann kam
es am 11. August 1876 zu einer denkwürdigen Generalversammlung. Unter Punk 2
der Tagaesordnung „Besprechung verschiedener
Vereinsangelegenheiten“ sagt das Protokollbuch:
„Der § 25 der Statuten wird aufgehoben und an dessen Stelle wird
Folgendes festgestellt:
Zur Auflösung des Vereins ist die Stimmenmehrheit der durch eine
regelgerechte neu berufene Generalversammlung anwesenden Mitglieder erforderlich.
Demzufolge beschießt die heutige Generalversammlung, den Turnverein
aufzulösen und zwar aus dem Grunde, weil die Beteiligung seit sehr langer
Zeit eine schwache oder weil eher gar keine gewesen ist, weder bei den
Turnstunden noch bei den Generalversammlungen. Ferner wurde beschlossen, die
sämtlichen Gerätschaften des Turnvereins an den Meistbietenden zu
verkaufen und aus dem Erlös die vorhandenen Schulden, so sie sich tunlichst
decken.“
Am 12. Januar 1877 kam es zu einer Vorstandssitzung des aufgelösten Vereins.
Auf dieser Vorstandssitzung schlug der eingeladene Bürgermeister Stankeit
vor, die Geräte des Turnvereins zum Preis von 100 Mark für die Gemeinde
anzukaufen, was einstimmig genehmigt wurde.
Am 20. Juni 1877 kam es zu einer weiteren Generalversammlung des am 11.
August 1876 aufgelösten Turnvereins im Lokal Mathias Kessels, zu der die
nachstehenden aktiven und inaktiven Mitglieder erschienen:
Notar Döhmer, Vorsitzender, Gustav Tohang, Turnwart, Heinrich Peuten,
Zeugwart, Caspar Hasenkox, Geldwart, Kuiper, Gerichtsschreiber, Schriftwart und
die Mitglieder Louis Kessels, Constantin Tohang, Johann Leven, Johann Lenhsen,
Mathias Kessels, Heinrich Heythausen, Andreas Peuten, Philibert Istas und Franz
Moubis
Am 12. Januar 1877 kam es zu einer Vorstandssitzung des aufgelösten Vereins. Auf dieser Vorstandssitzung schlug der eingeladene Bürgermeister Stankeit vor, die Geräte des Turnvereins zum Preis von 100 Mark für die Gemeinde anzukaufen, was einstimmig genehmigt wurde.Am 20. Juni 1877 kam es zu einer weiteren Generalversammlung des am 11. August 1876 aufgelösten Turnvereins im Lokal Mathias Kessels, zu der die nachstehenden aktiven und inaktiven Mitglieder erschienen:Notar Döhmer, Vorsitzender, Gustav Tohang, Turnwart, Heinrich Peuten, Zeugwart, Caspar Hasenkox, Geldwart, Kuiper, Gerichtsschreiber, Schriftwart und die Mitglieder Louis Kessels, Constantin Tohang, Johann Leven, Johann Lenhsen, Mathias Kessels, Heinrich Heythausen, Andreas Peuten, Philibert Istas und Franz Moubis
Am 12. Januar 1877 kam es zu einer Vorstandssitzung des aufgelösten Vereins. Auf dieser Vorstandssitzung schlug der eingeladene Bürgermeister Stankeit vor, die Geräte des Turnvereins zum Preis von 100 Mark für die Gemeinde anzukaufen, was einstimmig genehmigt wurde.Am 20. Juni 1877 kam es zu einer weiteren Generalversammlung des am 11. August 1876 aufgelösten Turnvereins im Lokal Mathias Kessels, zu der die nachstehenden aktiven und inaktiven Mitglieder erschienen:Notar Döhmer, Vorsitzender, Gustav Tohang, Turnwart, Heinrich Peuten, Zeugwart, Caspar Hasenkox, Geldwart, Kuiper, Gerichtsschreiber, Schriftwart und die Mitglieder Louis Kessels, Constantin Tohang, Johann Leven, Johann Lenhsen, Mathias Kessels, Heinrich Heythausen, Andreas Peuten, Philibert Istas und Franz Moubis
Am 12. Januar 1877 kam es zu einer Vorstandssitzung des aufgelösten Vereins. Auf dieser Vorstandssitzung schlug der eingeladene Bürgermeister Stankeit vor, die Geräte des Turnvereins zum Preis von 100 Mark für die Gemeinde anzukaufen, was einstimmig genehmigt wurde.Am 20. Juni 1877 kam es zu einer weiteren Generalversammlung des am 11. August 1876 aufgelösten Turnvereins im Lokal Mathias Kessels, zu der die nachstehenden aktiven und inaktiven Mitglieder erschienen:Notar Döhmer, Vorsitzender, Gustav Tohang, Turnwart, Heinrich Peuten, Zeugwart, Caspar Hasenkox, Geldwart, Kuiper, Gerichtsschreiber, Schriftwart und die Mitglieder Louis Kessels, Constantin Tohang, Johann Leven, Johann Lenhsen, Mathias Kessels, Heinrich Heythausen, Andreas Peuten, Philibert Istas und Franz Moubis
Am 12. Januar 1877 kam es zu einer Vorstandssitzung des aufgelösten Vereins. Auf dieser Vorstandssitzung schlug der eingeladene Bürgermeister Stankeit vor, die Geräte des Turnvereins zum Preis von 100 Mark für die Gemeinde anzukaufen, was einstimmig genehmigt wurde.Am 20. Juni 1877 kam es zu einer weiteren Generalversammlung des am 11. August 1876 aufgelösten Turnvereins im Lokal Mathias Kessels, zu der die nachstehenden aktiven und inaktiven Mitglieder erschienen:Notar Döhmer, Vorsitzender, Gustav Tohang, Turnwart, Heinrich Peuten, Zeugwart, Caspar Hasenkox, Geldwart, Kuiper, Gerichtsschreiber, Schriftwart und die Mitglieder Louis Kessels, Constantin Tohang, Johann Leven, Johann Lenhsen, Mathias Kessels, Heinrich Heythausen, Andreas Peuten, Philibert Istas und Franz Moubis
Am 12. Januar 1877 kam es zu einer Vorstandssitzung des aufgelösten Vereins. Auf dieser Vorstandssitzung schlug der eingeladene Bürgermeister Stankeit vor, die Geräte des Turnvereins zum Preis von 100 Mark für die Gemeinde anzukaufen, was einstimmig genehmigt wurde.Am 20. Juni 1877 kam es zu einer weiteren Generalversammlung des am 11. August 1876 aufgelösten Turnvereins im Lokal Mathias Kessels, zu der die nachstehenden aktiven und inaktiven Mitglieder erschienen:Notar Döhmer, Vorsitzender, Gustav Tohang, Turnwart, Heinrich Peuten, Zeugwart, Caspar Hasenkox, Geldwart, Kuiper, Gerichtsschreiber, Schriftwart und die Mitglieder Louis Kessels, Constantin Tohang, Johann Leven, Johann Lenhsen, Mathias Kessels, Heinrich Heythausen, Andreas Peuten, Philibert Istas und Franz Moubis
Am 12. Januar 1877 kam es zu einer Vorstandssitzung des aufgelösten Vereins. Auf dieser Vorstandssitzung schlug der eingeladene Bürgermeister Stankeit vor, die Geräte des Turnvereins zum Preis von 100 Mark für die Gemeinde anzukaufen, was einstimmig genehmigt wurde.Am 20. Juni 1877 kam es zu einer weiteren Generalversammlung des am 11. August 1876 aufgelösten Turnvereins im Lokal Mathias Kessels, zu der die nachstehenden aktiven und inaktiven Mitglieder erschienen:Notar Döhmer, Vorsitzender, Gustav Tohang, Turnwart, Heinrich Peuten, Zeugwart, Caspar Hasenkox, Geldwart, Kuiper, Gerichtsschreiber, Schriftwart und die Mitglieder Louis Kessels, Constantin Tohang, Johann Leven, Johann Lenhsen, Mathias Kessels, Heinrich Heythausen, Andreas Peuten, Philibert Istas und Franz Moubis
Einziger Tagesordnungspunkt war die „Beschlussfassung über die
Verwendung des noch vorhandenen Barvermögens“. Die erschienenen
Mitglieder beschlossen wie folgt:
„Die nicht erschienenen aktiven und inaktiven Mitglieder haben an dem
Barvermögen des aufgelösten Turnvereins keinen Anspruch mehr und dieses
den erschienenen Mitgliedern zur Verfügung stehe. Abzüglich der
vorhandenen Schulden war ein Überschuss von 49,50 Mark vorhanden. Die
Versammlung beschließt, diesen Überschuss in folgender Weise zu
verwenden: an die beiden im Heere stehenden Turner Quirin Jansen und Wilhelm
Frohn zwei Kisten mit je 100 Stück Zigarren portofrei zuzusenden. Den dann
verbleibenden Rest von 43,50 Mark soll am Mittwoch, den 27.. Juni 1877, abends 9
Uhr im hiesigen Lokale von den heute anwesenden Mitgliedern consumiert
werden“.
Karl Schöny übernahm wieder einmal die Vereinsfahne in seine
Obhut.
Auch die Freiwillige Feuerwehr kam „in die
Krise“. So ist in der Festschrift der Freiwilligen Feuerwehr
Lobberich aus Anlass des 125jährigen Bestehens zu lesen:
„Leider schienen die damaligen Wehrmänner aber noch nicht vom
Geiste und Wesen ihrer Zweckbestimmung durchdrungen gewesen zu sein, denn all zu
schnell bröckelte der Mitgliederbestand von ursprünglich 72 auf 32
Wehrmänner“. Das letzte Versammlungsprotokoll datiert vom
28. Juli 1877. Meinungsverschiedenheiten waren dann letztlich die Ursache
dafür, dass sich die erste „Freiwillige Feuerwehr in Lobberich“
in „Wohlgefallen“ auflöste.
Die 1877 von Karl Schöny in Verwahrung genommene Fahne wurde von der
früheren Handwerksfastnachtsgesellschaft „Spekulation“,
genannt „Spekulantenverein“, deren urwüchsige
Fastnachtsveranstaltungen in der Chronik der früheren Fastnachten für
alle Zeiten verzeichnet sind, in Besitz genommen. Die von dem Lobbericher
Kunstmaler Jakob Reiners, 1863 selbst Vorsitzender des Turnvereins,
für den Turnverein gemalte Fahne ist etwa 2 qm groß und zeigt im
großen grünen Eichenkranze die Symbole der Deutschen Turnerei. Der
genannte Spekulantenverein hat dann diese Fahne 1877 kunstgerecht für sich
umgeändert. Das Mittelbild (Turnvater Jahn) wurde herausgeschnitten und
durch das Bildnis einer Witzfigur, dem „Spekulanten“
ersetzt. Die Worte Turnverein übermalte man mit Spekulation.
Wie man sieht, zeigt das Auf und Ab im Vereinsleben des Turnvereins, dass zu jener Zeit - den Verhältnissen entsprechend - die „Hauptleibesübungen“ vorübergehend im „Verkonsumieren“ und Abhalten von „Ankerfesten“ bestanden. Diese Zeitkrankheit - wie wiederum aus manchen Zeitungsberichten hervorgeht - machte auch vor den Turnern nicht halt und ließ diese kapitulieren vor der Majestät des „Gambrinus“.
Jedoch wurde immer noch weiter geturnt und vor allen Dingen wurde der Turngedanke
von den ehemaligen Mitgliedern aufrecht erhalten, wenn auch die reine
vereinsmäßige Betätigung praktisch stillstand. In den darauf
folgenden Jahren kamen die Mitglieder jedoch immer wieder auf „ihren
Turnverein“ zurück. Letzlich kamen nach einem Zeitraum von nahezu
neu Jahren am 6. August 1886 28 alte Mitglieder in der Gaststätte von August
Krummeich zusammen, um „dem Vorbild anderer Städte
Deutschlands“ den langentbehrten Turnverein neu zu gründen.
Carl Hahnen, Emil Wagemans, Anton Schmeleisen, Leonhard Feikes, Joe Rollbrocker,
Albert Michels, Christian Niessen, A. Hohenroth, van Oehlen, Küppers,
Ferdinand Neyen, Brüggemann, Conrad Gartz, Josef Hoffmanns, Hegholz, George
Hase, Zillekens, Gerardtz, Johann van Stappen, Heinrich van Berkel, Friedrich
Schmalz, Lambert Janssen, Gaunt, Anton ter Stappen, Schmitz, Heinz Schelthoff,
Johann Linnartz nannten sich fortan „Gründer des Lobbericher
Turnvereins“. In der Generalversammlung vom 9. Juni 1886 wurde dann
Carl Hahnen zum Präsidenten (Sprechwart), Leonhard Feikes zum Geldwart,
Anton Schmeleisen zum Turnrat, Jac Rollbrocker zum Zeugwart und Emil Wagemans zum
Schriftwart gewählt. Das Eintrittsgeld wurde auf 1 Mark und der monatliche
Beitrag auf 30 Pfennig festgesetzt. Bürgermeister Stankeit übergab dem
Turnverein die seinerzeit an die Gemeinde verkauften Turngeräte (u.a. auch
ein Pferd) sowie das Protokollbuch. Vom Turnverein Mönchengladbach wurde ein
Reck „kostenlos und im guten Zustand „ zur Verfügung
gestellt. Die Turnabende sollten künftig mittwochs abends ab 9 Uhr im Lokale
Krummeich abgehalten werden. Ende 1886 wurde ein Barren zum Preis von 65 Mark von
der Firma Meyer in Hagen angeschafft.
Der Betrag sollte in zwei Raten bezahlt werden.
Bereits im Oktober des Jahres 1886 wurde ein Schauturnen im Vereinslokal
Krummeich durchgeführt, das in der Öffentlichkeit sehr gut ankam. Die
„Rhein und Maas“ schrieb: „… daß die
Leistungen sämtlicher Turner alle unsere Erwartungen übertroffen haben.
Von den einfachsten Sachen bei den Freiübungen un den stufenmäßig
schwerer werdenden Übungen während des Riegenturnens an, bis zu den
schwierigsten Ausführungen beim Kürturnen wurde an allen Geräthen
mit großer Sicherheit und Ruhe, ja , wir dürfen wohl sagen
„Eleganz“ geturnt, so daß der noch sehr junge Verein sich
würdig an die Seite der älteren und größeren Vereine stellen
darf. Es herrschte während des ganzen Abends eine lobenswerthe musterhafte
Ordnung bei allen Abtheilungen des Schauturnens und eine Einigkeit machte sich
bemerkbar, wie solche einen Verein nur groß und stark machen kann. Man sah
es allen Mitgliedern an, daß sie sich mit Lust und Liebe und mit
großem Eifer der guten Sache hingeben und das zahlreich erschienene
Publikum geizte auch gar nicht mit tüchtigem Applaus, sondern gab dadurch
fortwährend dem Turn-Verein zu verstehen, daß er ihm einen recht
genußreichen Abend verschaffen. Möge der junge Verein immer mehr
erstarken und zur schönsten Blüthe gelangen! – Mit dem Spruch:
„Frisch, fromm, fröhlich frei, Hoch lebe die Turnerei!“ rufen
wir ihm ein kräftiges „Gut Heil!“zu.
Der Turnverein Lobberich 1861 e. V.
von 1887 bis 1911
- ein Neubeginn mit anderen Vorzeichen –
Wachsende Bevölkerung, zunehmender Fuhrverkehr, aber auch das Bemühen,
in einem möglichst schmucken und vorzeigbaren Ort zu leben, erklären
das „rege Bestreben, durch Verbesserung der Straßen, Anlage von
Trottoirs und Rinnen zur stetigen Verschönerung beizutragen. Es verdienen
diese Bestrebungen um so mehr Anerkennung, als die Ausführung für die
Betheiligten mit nicht unerheblichen Opfern verbunden ist. Es sind in dieser
Richtung namentlich die Bewohner des Marktes mit gutem Beispiele vorangegangen;
es werden aber auch seitens der Gemeindevertretung keine Opfer gescheut. So sind
zum Beispiel jetzt die Arbeiten zur Erbreiterung der Mühlenstraße in
der Ausführung begriffen und zwar soll diese Straße in ziemlicher
Breite von der Bleichstraße ab der Bleiche entlang durchgeführt und
mit der vom Krankenhause kommenden Allee in Verbindung gebracht werden. Die
Bürgerschaft muß dieses Projekt mit Freude begrüßen und
wird sich demnach an der neuen Ringstraße erfreuen können“.
(Rhein und Maas).
Zu den Errungenschaften der 80er Jahre gehört sicherlich auch
die Verlegung von Gasleitungen im Ort, deren Nutzung für Haushalte sowie
– zur Verschönerung der Gemeinde – die Gasbeleuchtung in den
Straßen. Die Anlegung des Gasnetzes wird der Kölner Firma F. Wiegand
übertragen. Die „Rhein und Maas“ schrieb am 10. September 1887
dass „die schon in Anwendung gekommene Beleuchtung der Straßen
den allgemeinsten Beifall finde“. In kürzester Zeit wurde wieder
eine große Anzahl von Mitgliedern für den Turnverein gewonnen. Die in
Lobberich und Umgebung erscheinende Zeitung „Rhein und Maas“
berichtete immer wieder über den „echt turnerischen Geist, welcher
dem Verein innewohn tund die wirklich tüchtigen Leistungen dieser Söhne
Jahns“. Der Verein schloss sich Mitte des Jahres 1887 dem Gladbacher
Gau an.
Neu angeschaffte Geräte taten ihr übriges, um Versäumnisse der
Gründerjahre vergessen zu lassen. Einen besonderen Aufschwung nahmen der
Turnverein und darüber hinaus auch die Turnbewegung in den Nachbarorten
durch den im Jahre 1891 erfolgten Beitritt von Wilhelm Riether und
Lambert Birker. Diese beiden – und nicht zu vergessen –
Robert Schöny – später dann auch Konstantin
Terstappen und Josef Wirtz – stellten sich als Turnlehrer,
Riegenführer und Vorturner sowie durch ihre immer geschätzte Mitarbeit
im Turnrat immer wieder in den Dienst des Vereins und darüber hinaus auch
der Deutschen Turnbewegung.
Am 18. Januar 1891 wurde im Vereinslokal Krummeich ein Winterfest gefeiert,
wobei der Verein durch Ausübung seiner gymnastischen Fertigkeiten den
Besuchern den hohen Werth des Turnens für Erhaltung der Gesundheit, für
Entwicklung und Stärkung des Körpers darlegte. Die Nothwendigkeit
dieser Leibesübungen ist an höchster Stelle anerkannt durch allgemeine
Einführung im Heere und in allen Unterrichtsanstalten. Väter und
Meister sollten sich von der großen Nützlichkeit der Turnkunst
überzeugen, um ihre heranwachsenden Söhne, ihre Lehrlinge, zu deren
körperlichen Entwicklung dem Turnverein zuzuführen (Rhein und
Maas)
Auch das Stiftungsfest am 16. August 1891 fand reges Interesse:
Am verflossenen Sonntag hielt der Turngauverband Gladbach aus Anlass des V.
Stiftungsfestes des hiesigen Turnvereins seine wechselnde Gauvorturnerstunde
unter Leitung des Gauturnwartes. In schneidender Folge wechselten die als
Tagesordnung vorgeschriebenen Übungen wie Eisenstab-, Barren-, Pferd- und
Reckübungen und überraschten durch die große Präzision in
den einzelnen Ausführungen, welche in kaum 1 ½ Stunden vollzogen, der
Gesamtkritik der Referenten als Schluß unterlagen. Obschon dies wohl nicht
allgemein bekannt geworden, so war doch die Zahl der Zuschauer
außergewöhnlich groß, und gibt uns dies die Hoffnung, daß
das Interesse dieselben auch wiederkommen lässt, wenn unser strebsamer, der
Unterstützung bedürftige Turnverein bei seinem nächsten
Stiftungsfest seine Leistungen zur Schau gibt, dann mag es demselben auch
möglich werden, seine nöthigen Geräte so herstellen resp.
ausbessern zu lassen, wie selbige von den heutigen Turnern gefordert werden.
(Rhein- und Maas).
Die Beziehungen zu den Nachbarvereinen wurden vertieft, die Zusammenkünfte
der Vereine und ihre Riegen gefördert und der Wettkampf der Mannschaften
innerhalb der Gaue und Kreise auf eine dem Turnertum entsprechende,
freundschaftliche und kameradschaftliche Ebene gestellt.
Mit der Geschichte des Turnvereins eng verknüpft ist diejenige des
„NIEDERRHEINISCHEN GRENZTURNGAUES“. Er wurde 1896 von den Turnern
Lehrer Dahmen, Karl Kaftan, Rudolf Steinwegs, Wilhelm Jansen, Robert
Schöny, Karl Hahnen und Lambert Birker gegründet.
Gauvorsitzende waren bis zur Auflösung im Jahre 1933 Lehrer Dahmen
(Kaldenkirchen), Lehrer Schaaf (Lobberich) und Kaufmann Pelters
(Kaldenkirchen). In den Jahren des Bestehens des Niederrheinischen Grenzturngaues
war Wilhelm Jansen 1896 – 1898 und dann andauernd Wilhelm
Riether Gauturnwart.
Die Verschlechterung der ökonomischen Gesamtlage, wie sie von 1890 bis Anfang 1905 vielerorts, zum Teil wechselnd, zu diagnostizieren ist, traf Lobberich besonders 1891 und auch noch 1892.
„Die geschäftliche Lage in den Weberkreisen am
Niederrhein“, so notierte die örtliche Presse am 22. August
1891, „ist bereits eine sehr traurige und sieht man mit Bangen der
Zukunft entgegen. In Dülken, Viersen, Crefeld u.s.w. hat man
Lohnherabsetzungen vorgenommen, die Arbeitszeit verkürzt und Arbeiter
entlassen. Dabei steigen die Preise der Lebensmittel rapid. Die furchtbaren
Wetterschäden, schlechte Ernteaussichten usw. tragen zu dem flauen
Geschäftsgang erheblich bei“.
Während einer Zeit der konjunkturellen Abschwächung führen
Hagelschlag und Unwetter im Sommer 1891 zu erheblichen Einbußen bei der
Ernte, die sich in den hohen Brotpreisen widerspiegelt. Im September 1891 sieht
sich die Zeitung „Rhein und Maas“ veranlasst, die ärmeren
Bevölkerungskreise auf die Nahrhaftigkeit der Hafergrütze zu verweisen
und diese als Brotersatz zu empfehlen.
Der ruhmreiche Männergesangverein, der im November sein 50jähriges
Bestehen hätte feiern können, entschloss sich, bessere Zeiten
abzuwarten und holte das Versäumte im August 1892 stilvoll und
gründlich nach.
Im Oktober 1893 fand die feierliche Einweihung der neuen katholische Pfarrkirche
in Lobberich durch Bischof Hermann Dingelstadt statt. Das erste Hochamt wurde von
Pfarrer Hegger zelebriert.
Die Mitgliederzahl im Turnverein Lobberich verzeichnete in diesen Jahren eine
sinkende Tendenz. Die Besuche bei den wöchentlichen Turnabenden
„lassen zu wünschen übrig“ hieß es bei den
Mitgliederversammlungen.
Am 21. Juli 1897 wurde von Wilhelm Riether eine Altersriege gegründet, welche aus 18 Mitgliedern bestand. Am vorletzten Tage des Jahres 1899 wandte sich der Arzt Dr. Kömmstedt, aktives Mitglied der Altersabteilung, im Namen der Gemeindeverwaltung an die Mitglieder des Turnvereines, um eine Sanitätskolonne zu gründen. 20 Turner stellten sich sofort zu Verfügung. Aus zahlreichen Protokollen dieser Zeit ist zu sehen, dass die Gemeindeverwaltung immer wieder den Turnern für „ihr uneigennütziges und segensreiches Wirken Dank und Anerkennung ausgesprochen hat“.Die Vielseitigkeit des wieder aufstrebenden Vereins nahm ständig zu. Zu den bestehenden Abteilungen kamen immer neue hinzu. Die Kraftriege (1902), die Faustball-Abteilung (1903), die Militär- und Rekrutenriege (1903), die Schwimmabteilung (1905), die Gesangsabteilung (1906) – unter der Leitung von Lehrer Schaaf bei vielen festlichen Anlässen gerne gesehen – und die Schülerabteilung (1907) sind hier besonders erwähnenswert.
1898 stellten die Gebrüder van der Upwich, Förderer des
Vereins, einen Platz hinter ihrem Werk und im Jahre 1900 die Reitbahn in der
Schulzenburg zur Durchführung der Übungsstunden zur Verfügung, die
in der Vergangenheit auf einem Schulhof, später dann in einer Sandgrube an
der Breyeller Straße durchgeführt wurden.
Am 22. und 23. Juli 1899 wurde das 8. Stiftungsfest verbunden mit dem 3.
Verbandsfest des Niederrheinischen Grenzgauverbandes in Lobberich statt. Die
ganze Bevölkerung nahm Anteil. Festfeier, Wettturnen und ein großer
Festzug waren die Höhepunkte des Festes. Im Saale von Bispels an der
Breyeller Straße wurde ein Festbankett abgehalten. Der Saal war festlich
geschmückt und eine übergroße Büste Turnvater Jahns zierte
die Bühne. Das Kreisturnen auf dem eigens für diese Veranstaltung
hergerichteten Turnplatz an der Sassenfelder Schule statt. Die Gemeinde hatte den
Platz bereitwillig zur Verfügung gestellt und hergerichtet.
Damals kam auch der Gedanke einer eigenen Turnhalle auf. Es wurde ein Baufonds
gegründet, der im Jahre 1914 einen Bestand von 2.914 Reichsmark und Ende des
1. Weltkrieges einen Bestand von 4.000 Reichsmark aufwies. Im Jahre 1900
erhielten die Jugend- und Schülerabteilungen eine besondere Standarte. Eine
Vorturnriege wurde ins Leben gerufen, die an einem besonderen Abend übte.
Im Jahre 1902 mietete der Turnverein von A. Huenges, 2. Vorsitzender des
Vereins ein Waldgelände an der Verbindungsstraße Ecke
Friedenstraße. Es heißt in dem Vertrag: Der Turnverein pachtet
heute von dem Brauereibesitzer Alex Huenges die Parzelle Nr. 120 auf 10 Jahre zum
Preis von 1,-- DM je Jahr. Der Verein verpflichtet sich, in den von A. Huenges
angegebenen Grenzen den Busch vorschriftsmäßig auszuroden und den
Platz zu ebnen. Als Entschädigung für diese Arbeit erhält der
Verein die Hälfte der Versteigerungssumme des Holzes. Sollte der Platz
innerhalb der 10 Jahre verkauft werden, ist die Hälfte der Verkaufssumme an
den Turnverein zu zahlen“. In ihrer Freizeit haben die Mitglieder den
vorhandenen Busch gerodet, den Platz im Lauf eines Jahres entsprechend
hergerichtet, mit einem Zaun versehen und zu guter Letzt noch für die
Aufbewahrung der Turngeräte eine Blechbude errichtet.
In der Jahreshauptversammlung des Jahres am 7. Februar 1903 wurde eine neue
Satzung beschlossen. Diese Satzung beinhaltete das „Grundgesetz des
Turnvereins zu Lobberich“
(Zweck, Name und Sitz des Vereins, Einteilung in aktive, passive und
Ehrenmitglieder sowie Turnschüler, Aufnahmemodalitäten, Eintrittsgelder
und Beiträge, Austrittsmodalitäten, Pflichten der Mitglieder und
Strafen, Wahl- und Stimmrecht, Verwaltung des Vereins,
Hauptversammlungsmodalitäten, Zusammensetzung des Turnrates). Darüber
hinaus gab es eine Turnordnung, eine Vorturnerschaftsordnung, eine
Turnfahrtsordnung, eine Büchereiordnung, eine Ordnung für das
Jugendturnen sowie die Bestimmungen über eine Unfallkasse.
Turnhalle mit Platz um 1905
Am 21. Juni 1906 entstand eine Gesangabteilung unter Lehrer Schaaf. Die
Vielseitigkeit des turnerischen Wirkens offenbarte sich seinerzeit in Eltern- und
Jugendabenden, in Vorträgen, Volkstanz und Singabenden, Nikolaus- und
Weihnachtsfeiern und Theateraufführungen. Im Jahre 1907 brach eine
Typhusepidemie in Lobberich aus.
Gesellschaftliche Höhepunkte waren in dieser Zeit immer wieder die alljährlichen Stiftungs- und Winterfeste des Vereins. Während die Stiftungsfeste bis zum Jahre 1908 auf dem Schulhof der Sassenfelder Schule abgehalten wurden (übrigens ist das erste öffentliche Turnen an diesem Platz dem Mitglied Lambert Birker zu verdanken), fanden die Winterfeste – meist im Zusammenhang stehend mit überörtlichen Feierlichkeiten (z. B. Kaiser-Geburtstags-Feier) in den verschiedenen
Vereinslokalen (Krummeich – Breyeller Straße, jetzt Hölter, ab 1904 Hotel Klüttermann – früher Ewige Lampe – ab 1909 Hotel Heythausen am Markt, (Besitzer Ehel. Willy Straeten, der mit dem Haus verbundene große Saal diente bis zum Ende des 1. Weltkrieges gesellschaftlichen Veranstaltungen und wurde dann zu einem Lichtspieltheater „Capitol“ umgestaltet, nach Schließung der Gaststätte im Jahr 1956 wurden die Räumlichkeiten an den Schreinermeister Rudolf Hegholz verpachtet, der die gesamten Räumlichkeiten für eine Möbelausstellung umgestaltete) statt. Schauturnen, bestehend aus Freiübungen, Riegenturnen mit einmaligem Gerätewechsel, Pyramidenaufstellungen und Kürturnen veranschaulichten den Besuchern den hohen Wert des Turnens für die Erhaltung der Gesundheit und für die Entwicklung und Stärkung des Körpers und des Geistes. Im Jahre 1908 kam es übrigens zur Gründung des Rauchervereins „Tuttelje“.
Im sportlichen Bereich lag die Betonung auf den wöchentlichen Turnstunden – immer wieder Anlass für Turnwarte, bei den Monats- und Jahresversammlungen der Mitglieder, auf mangelndes Interesse hinzuweisen – der Beteiligung an den Turn- und Gauturnfesten in den Nachbarorten bis hin nach Venlo und Köln, dem Besuch der Bergfeste in Hinsbeck, Süchteln und Hüls, von denen viele Turner „kranzgeschmückt“ nach Hause kamen. Ein wertvolles Siegerbuch wurde angelegt, in das alle Sieger – leider nur bis zum Jahre 1922 – eingetragen wurden.
Von ganz besonderer Bedeutung für den Verein und dessen Mitglieder war die Teilnahme an den Deutschen Turnfesten in Nürnberg (1903) und Frankfurt (1908). Im Jahre 1905 erhielten die Turner eine einheitliche Turnkleidung einschließlich Kopfbedeckung (schwarzer Schlapphut).
Das Jahr 1911 brachte dem Turnverein erneut besonderen Aufschwung und Anerkennung. Erstmalig feierte der Verein Karneval. Ein Kostümfest, verbunden mit einem Varietéprogramm, unter dem Motto „Apollo-Theater“ wurde im Vereinslokal Hotel Küppers (früher Niedieckstraße) abgehalten.
Der Turnbetrieb nahm nun immer mehr zu. Die Übungsstunden für die Jugendabteilung (14 – 17 Jahre), die Turnabteilung, Männerabteilung und Altersriege waren sehr gut besucht. Für die Unterhaltung nach dem Turnen wurde aus der Vereinskasse ein Billard angeschafft. Die Verlierer einer Partie zahlten dann 5 Pfg. in eine besondere Kasse, die Ende eines jeden Jahres in den Baufonds einfloss. Auf den regelmäßigen Generalversammlungen wurden immer wieder die Statuten vorgelesen, um die Mitglieder auf den „Geist des Turnens“ einzuschwören.
Herausragendes Ereignis war jedoch das am 22. und 23.7.1911 abgehaltene
„25jährige Jubelfest“ (s. a. 1936), das
unter Beteiligung fast aller Nachbarvereine, der ortsansässigen Vereine, dem
Musikverein Lobberich und des MGV Hoffnung zu einem der schönsten Feste des
Vereins wurde. Die Gemeinde trug natürlich auch zum Gelingen bei. Der
Gemeinderat beschloss in seiner April-Sitzung unter Punkt 14: „Dem
Turnverein werden aus Anlaß seinen 25jährigen Stiftungsfestes die zu
zahlenden Lustbarkeitssteuern auf 30 RM ermäßigt.“
In der „Rhein und Maas“ war später zu
lesen:
„Einen wohlgelungenen Verlauf hat das 25jährige Stiftungsfest
unseres Turnvereins genommen. Noch zittern die Klänge froher Turnerlieder,
welche gestern die Straßen Lobberichs erfüllten, durch unser
Gemüte und Jubeltöne, die manche liebe Erinnerung auslösen. Es ist
etwas eigenartiges ein Turnfest, ein Fest der Jugend und gereifter Männer,
ein Fest der Fröhlichkeit und froher Begeisterung. Der gereifte Mann wird
wieder jung, sieht er die geschmeidigen Gestalten in strammem Schritt und Tritt
dahinmarschieren und unbewußt reckt und dehnt sich der Körper, es
weitet sich die Brust und jede Muskel spannt sich: er möchte wieder mittun.
Aber das Vorrecht der schönen Jugendzeit ist vorbei, wenn das Herz auch noch
einmal alle Pfasen miterlebt. Dessen versicherten uns am Samstag Abend beim
Festbankett verschiedene ältere Herren, die in ihren jüngeren Jahren
mit dabei waren und eine Lanze für die edle Turnerei brachen. Mögen sie
zeitlebens dem deutschen Turnen ihre Sympathie bewahren.
Eingeleitet wurde das Jubelfest durch ein Bankett im Saale des Vereinslokales
Hotel Küppers. Gegen 8 Uhr versammelten sich daselbst die Mitglieder des
Turnvereins und zogen zuvor zur Wohnung des 2. Vorsitzenden, Herrn Alex Huenges,
wo die Fahne in Empfang genommen wurde. Nach einem kurzen Umzuge begann um 9 Uhr
das Festbankett. Eröffnet wurde dasselbe durch einige Vorträge des
Lobbericher Musikvereins. Hierauf trug der Gesangverein „Hoffnung“
mit bekannter Meisterschaft „Das deutsche Lied“ von Faßbender
vor. Nachdem das Lied verklungen war, hielt der 2. Vorsitzende Herr Alex Huenges
die Begrüßungsansprache. Der Redner dankte namens des Turnvereins
für die zahlreiche Teilnahme am heutigen Abend – es sei das ein Beweis
für das rege Interesse welches dem Jubelverein entgegengebracht werde.
Dieser werde in der Förderung des turnerischen Geistes nicht erlahmen. Wie
es immer bei Festen des Turnvereins Sitte gewesen sei, so lenkte er auch heute
Abend die Blicke zuerst auf den hohen Protektor des deutschen Turnwesens, unsern
Kaiser Wilhelm II. Begeistert stimmte die Festversammlung in das dreimalige
„Gut Heil“ ein. Nach dem Sang der Nationalhymne wartete der Kern des
Vereins, die Vorturnerschaft, unter Leitung des Turnwartes Herrn Wilhelm Riether
mit seinen zusammengestellten, recht komplizierten Freiübungen auf, für
deren gutes Gelingen der Vorturnerschaft bei ihrem Abmarsch durch kräftigen
Applaus gedankt wurde.
Der 1. Gauvertreter Herr Lehrer Schaaf übermittelte dem Lobbericher
Tunrverein zu seinem 25jährigen Dienste im deutschen Turnwesen die
Glückwünsche des Niederrheinischen Grenzgaues, dessen
Wertschätzung und Hochachtung er sich in hohem Maße erfreue. Der
Redner geht dann in großen Gedankenreichtum bekundenden Ausführung auf
das deutsche Turnen ein, das er einen Tempel des Volkstums, einen Jungbrunnen des
Vaterlandes nennt, aus welchem demselben unvergängliche Kraft
zufließe. Steht fest und treu zur Turnerei und zum Verein, ruft er
begeistert den Mitgliedern zu. In den 25 Jahren seines Bestehens hat er sich
emporgeschwungen zu einer respektablen Edelreife der deutschen Turnerschaft, das
er größtenteils seinen Führern und Leitern zu verdanken hat. Die
Namen Wilhelm Holthausen, Robert Schöny, Hohnroth, Michels, Goswin Becker,
Norbert Gipkens, Wilhelm Riether und Lambert Birker sind unlösbar mit der
Geschichte des Lobbericher Turnvereins verbunden. Dann gedenkt Herr Schaaf der
Gründer des Turnvereins, die unter schwierigen Verhältnissen so treu
zum Verein gestanden haben: der Herren Karl Hahnen und Aloys Michels, denen
beiden ein Silbersträußchen überreicht wurde. Zum Schlusse seiner
von manchem Bravo unerbrochenen Ausführungen brachte der Redner ein
dreimaliges Gut Heil auf den Lobbericher Turnverein aus, welches ein
vielhundertstimmiges Echo fand. – Die „Hoffnung“ wartete jetzt
wieder mit einem stürmisch applaudierten Chorliedchen auf, welches der
Dirigent Herr Eduard Schmalohr in liebenswürdiger Weise eigens für das
Jubelfest komponiert hatte. Der 2. Vorsitzende verlas hierauf die eingegangenen
Glückwunschtelegramme, von welchem u.a. namentlich dasjenige des 1.
Vorsitzenden Herrn Olfenius sehr beifällig aufgenommen wurde. Herr Olfenius
bedauert krankheitshalber dem Feste nicht beiwohnen zu können,
übermittelte seine Glückwünsche und teilt mit, daß hiesige
hochherzige Gönner dem Jubelverein eine Jubelgabe von 800 Mark gemacht
haben. Ebenso lebhaft wurde der telegraphische Glückwunsch des
Ehren-Gauverteters Herrn Dahmen aus Kaldenkirchen begrüßt.
Nach einem Musikvortrage folgte nun die Überreichung des von den Damen
des Turnrates gestifteten Silberkranzes durch Fräulein Irma Horstmann unter
ausdrucksvollem Vortrag eines der Feier angepaßten Prologs. Nochmals trat
der Lobbericher Turnverein mit einer Musterrige am Pferd und mit
„Keulenschwingen“ auf. Beide Vorführungen erzielten donnernden
Beifall, namentlich die schwierigen Übungen am Pferd verdienen besonders
hervorgehoben zu werden.
Gegen Ende des Festbanketts stellte der Verein herrliche Marmorgruppen, deren
Plastik durch den schwarzen Hintergrund von großartiger Wirkung war. Herr
Konrad Steeger hielt die Schlußrede. Er dankte zunächst namens des
Jubelvereins allen Mitwirkenden am heutigen Abend, die zu dem schönen
Verlauf beigetragen, dem Gauvorstand, der Behörde, den Spendern, den Damen
für den Silberkranz, dem Gesangverein „Hoffnung“ und dem
Lobbericher Musikverein. Zum Schlusse seiner Ausführungen richtete er die
Bitte an die Anwesenden auch für die Zukunft dem Turnverein die Sympathie zu
bewahren. Herr Prof. Winkels aus Viersen dankte hierauf namens der Gäste und
widmete dem Jubelverein ein dreimaliges „Gut Heil!“. Gegen 12 Uhr war
das Festbankett beendigt. Es erübrigt uns noch kurz der beiden mitwirkenden
Vereine zu gedenken, des Gesangvereins „Hoffnung“ un des
„Lobbericher Musikvereins“, die beide zum schönen Verlauf des
Abends so viel beitrugen.
Zum Festtage prangte Lobberich in prächtigem Schmuck, die
Straßen waren mit grünen Maien abgesteckt, die Häuser hatten
Flaggenschmuck angeleg, sodaß sich ein farbenschönes Bild dem Auge
darbot. Morgens um ½ 9 Uhr begann auf dem Turnplatze ein Wettkampf unter
den Mitgliedern des Turnvereins, das viele Zuschauer angelockt hatte. Die Namen
der Sieger sind folgende: 1. Abteilung Geräteturnen: 1. Preis Josef Wirtz,
2. Willy Schopp 3. Heinrich Schopp; 2. Abteilung Geräteturnen: 1. Preis
Lorenz Lindackers, 2. Heinrich Thomas, 3. Jacob Michels, 4. Johannes
Brüggemann, 5. Johannes Jennen, 6. Jakob Kaisers; Vierkampf: 1. Preis Karl
Schroers, 2. Josef Schäfer, 3. Karl Pollen, 4. Wilhelm Riether, 5. Josef
Grachten.
Im November 1911 gründete Wilhelm Riether eine Turnerinnenabteilung (26 Mädchen und 12 Frauen), aus der bereits am 1. 12. 1912 zwei Damenriegen hervorgingen. Damit zählte der Verein 215 Mitglieder.
Der TV Lobberich 1861 e.V.
von 1912 – 1932
- Der Turnverein vom 1. Weltkrieg bis zur Machtübernahme Hitlers
–
Bald nach Gründung der Turnerinnenabteilung wurde eine Spielabteilung ins Leben gerufen, in die die bereits bestehende Faustballabteilung „aufgenommen“ wurde. Faustball, Schlagball und „wenn nötig“ sollte auch Fußball gespielt werden, wobei jedoch die volkstümlichen Übungen nicht vernachlässigt werden sollten. 25 neue Mitglieder meldeten sich sofort für die neu gegründete Abteilung an.
Die Jahresversammlung im Januar 1913 verzeichnete 235 aktive Mitglieder, die an
89 Turnabenden turnten.
Zum 12. Deutschen Turnfest 1913 in Leipzig, an dem 65.000 Turner teilnahmen,
fuhren auch wieder vier Turner des Vereins mit einer
„Barrenmusterriege“. Unter der Leitung von Wilhelm Riether
gewann die Riege dann den 5. Preis – für den kleinen Turnverein
Lobberich ein herausragendes Ergebnis. Mitturner waren damals die Mitglieder
Josef Wirtz, Rudolf Hegger und Willy Schopp.
Das Jahr 1913 sah die Deutsche Turnerschaft auf der Höhe ihrer Zeit. Mit
1.315.000 Mitgliedern überragten die Turner geradezu turmhoch die anderen
Verbände. Die großen nationalen Töne vor dem Ersten Weltkrieg
waren jedoch nicht zu überhören. Erstmalig wurden bei öffentlichen
Veranstaltungen das Kugelstoßen und Speerwerfen vorgeführt, wodurch
heftige turnfachliche Diskussionen ausgelöst wurden.
Das vielseitige Vereinsleben kam dann auch bei uns durch den im Juli des Jahres
1914 beginnenden Ersten Weltkrieg praktisch zum Stillstand. Die letzte
Mitgliederversammlung war am 2. September 1914. Zwar betrug die
Gesamtmitgliederzahl im Februar 1915 noch 230, davon befanden sich jedoch 79
Turner im Kriege. 5 Turner fielen bereits im ersten Kriegsjahr. Insgesamt
ließen 22 Turner in diesem Krieg ihr Leben.
Im März 1916 veranstaltete der Turnverein unter seinen Mitgliedern eine
Sammlung zur Unterstützung der Frauen ihrer sich im Krieg befindenden
Mitglieder. 178 Mark waren gespendet worden. In den vergangenen zwei Jahren
wurden bereits über 1000 Mark aus der Kasse des Turnvereins gespendet.
Im Jahre 1918 hielten nur noch 6 Altersturner den Turnbetrieb aufrecht. Für
die im Kriege gefallenen Mitglieder wurde eine Gedenktafel angeschafft. Durch die
Betreuung der Mitglieder im Krieg und durch Zeichnung von Kriegsanleihen (hiervon
gab es insgesamt 9 Stück) ging das gesamte Vereinsvermögen
einschließlich des Baufonds verloren. In Lobberich wurden im übrigen
ca. 4,7 Mio. Mark an Kriegsanleihen gezeichnet, die mit 5 % verzinst wurden und
bis zum 1. Oktober 1924 unkündbar waren.
Nach dem Ende des Krieges, in dem 345
Bürger Lobberichs ihr Leben ließen, brachte die politische
Umwälzung auch in Lobberich einige Erleichterungen. So wurde unter anderem
die sehr lästige Bahnhofssperre (Auch der Lobbericher Bahnhof war von der im
Juli 1915 verfügten Bahnsteigsperre betroffen, die für diejenigen
Personen galt, die keinen amtlichen Ausweis mit sich führten, und damit das
Betreten des Bahnhofs untersagt war) aufgehoben. Was die Gerichtsbarkeit
anbetraf, so blieben alle Gesetze und Strafbestimmungen bestehen. Allerdings
unterlagen alle Vergehen gegen Ordnung und Sicherheit, insbesondere auch gegen
den Schutz des Privateigentums der sofortigen Bestrafung durch den neu zu
bildenden „Arbeiter- und Soldatenrat“. Zur Wahl dieses Rates
wurde am 13. November 1918 im Saal des Gastwirts Kessels eine Versammlung
einberufen, die zahlreichen Besuch, insbesondere von Soldaten aufwies, und in der
über die Tätigkeit und Befugnisse dieses Rate nähere
Aufklärung gegeben wurde. Der im Anschluss daran gewählte
vorläufige Arbeiter- und Soldatenrat, bestehend aus den Herren August
Schroers, Fritz Steinwegs, Hubert von Krüchten und Wilhelm
Riether wurde am 17. November in einer öffentlichen Versammlung
bestätigt.
Mit Genehmigung der belgischen Besatzungsbehörde, die den damaligen
Vorsitzenden Dietrich Olfenius dreimal vors Kriegsgericht wegen
Verbreitung von Revanchegedanken bei Mitgliederversammlungen zitierte, ehe er
endgültig freigesprochen wurde, fand dann am 11. 2. 1919 die erste
Jahresversammlung des Turnvereins nach dem Kriege statt.
Aber sofort nach dem Weltkrieg traten die Turner trotz der fremden Besatzung
wieder auf den Plan. Am 11. Februar 1919 wurde mit Genehmigung der
Besatzungsbehörde eine Versammlung abgehalten. Samstags durfte mit gleicher
Genehmigung bis 21:30 Uhr geturnt werden, was den Berichten zufolge auch ab
21. 5. 1919 regelmäßig geschah.
Einen Monat später wurde auch die Damenabteilung wieder aktiv. Im Jahre 1919
wurde die Schülerabteilung gegründet.
Das Vereinsleben – immer wieder geprägt durch gesellige Feste, die
auch von der Jugend- und Schülerabteilung abgehalten wurden – nahm
kräftig zu. Die Schülerabteilung wurde zur stärksten Abteilung des
Vereins. Mit 178 Mitgliedern zählte sie damals zur größten
Abteilung des gesamten Turngaues.
Am 23. 6. 1920 fand eine Besprechung über eine Verschmelzung des
„Sassenfelder Spielvereins“ (Fußball) mit dem Turnverein statt.
Obwohl dies auch von einer außerordentlichen Mitgliederversammlung
gebilligt wurde, kam es nie zu einer Verschmelzung (erst im Jahre 1934 schloss
sich der Spielverein – damals aufgegangen in die DJK – dem
Lobbericher Sportclub an).
Im Mai 1921 beging der Turnverein Lobberich das „Fest der Einweihung
der Schüler Standarte“. Die Zeitung „Rhein und
Maas“ berichtet: Am letzten Sonntag im Wonnemonat Mai begeht der
Lobbericher Turnverein das Fest der Einweihung der Schüler Standarte. Edle
Spender ließen das Werk vollbringen. Der Verein mit seinen idealen
Interessen hat bekanntlich eine Schülerabteilung, d. h. für solche
Jungens, welche noch schulpflichtig sind, neben der immer bestehenden
Jugendabteilung seit einigen Jahren errichtet. Wie wir hören, zählt die
Schülerabteilung ungefähr 60 bis 70 Jungens. Dass diese gesunde
Einrichtung von den Bürgern freudig begrüßt wird, hat die Zeit,
wie auch die rege Teilnahme bewiesen. Um die Schüler den idealen
Bestrebungen zu erhalten, hat der Verein auch den kleinsten Jüngern Jahns
eine Fahne gestellt, damit solche sie treu an die edle Turnerei, dem Banner:
„Frisch, Fromm, Froh, Frei“ halten. Wie uns der Verein mitteilt,
sollen die kleinen Turner an dem Fest ihr Können zeigen. Turnerische
Darbietungen, dann Reigen und turnerische Akte kommen zur Vorführung. Wer
ein solches Jugendfest einmal mitgemacht hat, ist sich klar, daß ein
solches jeden befriedigt. Immer dringender und lauter ergeht der Ruf an alle
Eltern der heranwachsenden Jugend: Schickt Eure Söhne turnen!
Im Frühjahr 1922 kam es zu vorbereitenden Arbeiten der Gemeindeverwaltung
zur Schaffung eines allgemeinen Turn- und Sportplatzes an der oberen
Wevelinghover Straße. Laut Protokollbuch berichtete am 18. 8. 1922 der
Vorsitzende Eiselt: „Die Gemeinde Lobberich mietet von der
kath. Kirchengemeinde Lobberich das Waldgelände an der Wevelinghover
Straße zwecks Herstellung einer Platzanlage“ (die frühere
Turnerkampfbahn). Der Regierungspräsident erklärte sich bereit, hierzu
50.000 Mark zur Verfügung zu stellen. Wenig später musste
Eiselt jedoch verkünden, dass aus der geplanten Anlage nichts
würde, da die Kirchengemeinde kein Land abgeben wolle. Vorläufig
turnten die Turner im Spritzenhaus der Feuerwehr. Der vom 2. Vorsitzenden
A. Huenges seinerzeit zur Verfügung gestellte Turnplatz
wurde vorläufig noch behalten.
Im gleichen Jahr erfolgte die Wiederbelebung der Schwimmriege, deren Wahlspruch
lautete: „Gut Heil und Gut Nass – niemand trenne das!“
Unter der Leitung von Karl Pollen und Karl Grundmann schlossen
sich 42 Turner und sechs Turnerinnen der neuen Riege an. Den von der Gemeinde im
August 1922 zur Verfügung gestellte Strand am Breyeller See (im Garten von
Kühnen) bauten die Mitglieder zu einer Badeanstalt um, und den Platz der
Gemeinde zu einem Spielfeld.
Das wohl größte sportliche Ereignis des Jahres 1922 war zweifellos das
zum zweiten Male in Lobberich vom Turnverein ausgetragene Gauturnfest. Die
Zeitung „Rhein und Maas“ schrieb: „Im
schönsten Festschmuck prangten die Häuser und Straßen Lobberichs.
Herrliche Empfangs- und Ehrenbögen waren an den verschiedenen
Straßeneingängen errichtet.“ Das Fest - in Verbindung mit
den Wettkämpfen, turnerischen Übungen und Schauturnen – wurde zu
einem unvergessenen Ereignis, das sich auch der damalige Regierungspräsident
Dr. Grützner in Begleitung von Landrat von Hartmann-Krey
und Assessor Dr. Glehn nicht entgehen ließen. Der Erfolg des
Festes übertraf alle Erwartungen. Das Fest erbrachte einen Überschuss
von 40.000 Reichsmark. Der hoch anmutende Betrag ist nur verständlich durch
das stetige Schwinden des Geldwertes. Es sollte jedoch noch schlimmer
kommen.
Das Jahr 1923 – das Jahr der „galoppierenden
Inflation“ – brachte vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht
für den Verein sehr große Schwierigkeiten. Im April konnte unter
anderem ein neuer Barren nicht gekauft werden, weil dieser 1.000.000 Mark kosten
sollte. Am deutlichsten wird die „unbeschreibliche
Inflationsrate“ erläutert, wenn man sich die
Mitgliedsbeiträge in diesem Jahr vor Augen hält. Aufgrund der
schlechten Kassenlage wurde der Monatsbeitrag am 1. Mai 1923 auf den Betrag
festgesetzt, den ein Krug Bier kosten sollte. Am 25. Juni waren dann bereits
1.000 Mark zu zahlen. Im August betrug der Beitrag 5.000 Mark, im September
150.000 Mark, im Oktober 6.000.000 Mark und im November letztlich 5 Milliarden
Mark. Die bereits beschlossene Beitragserhöhung für den Monat Dezember
1923 auf 300 Milliarden Mark kam dann nicht mehr zustande. Am 15.11.2923 war der
„Spuk“ zu Ende. Der Kassenbestand belief sich auf 50
Milliarden Mark.
Zur Freude der Mitglieder wurde dem Turnverein seitens der Gemeindeverwaltung
Ende 1923 dann endlich der längst versprochene Turnplatz an der oberen
Wevelinghover Straße zur Verfügung gestellt, der dann im Laufe der
nächsten Zeit hergerichtet wurde. Zeitweise wurden die Mitglieder sogar
verpflichtet, an 7 – 8 Arbeitstagen im Monat am Platz zu arbeiten,
andernfalls eine Strafe von 5 Mark zu zahlen war.
Zum 13. Deutschen Turnfest in München vom 14. - 18. 7. 1923 wurden 22
Teilnehmer gemeldet. Von der belgischen Besatzungsbehörde wurde 21
Mitgliedern jedoch die Ausreise verweigert. An dem Turnfest, bei dem zum ersten
Male auch die Frauen mitturnen durften, nahmen 300.000 Turner teil, davon allein
4.000 Zwölfkämpfer.
Die während des Ersten Weltkrieges geschlossene Spielabteilung wurde im
Jahre 1923 wieder für den Spielbetrieb geöffnet. Erstmals wird das
Handballspiel erwähnt. Im Januar 1924 existieren bereits zwei
Handballmannschaften.
Das den Turnern für Übungszwecke zur Verfügung gestellte
Spritzenhaus der Feuerwehr war zwischenzeitlich völlig untauglich geworden.
Die Gemeindeverwaltung wurde gebeten, Miet- und Brandversicherungskosten zu
übernehmen, die der Verein tragen musste, wenn die Übungsstunden
zukünftig in ein Lokal verlegt werden sollten.
Bei der Jahrtausendfeier des Rheinlandes in Lobberich (6. – 13. 9.
1925) beteiligte sich auch der Turnverein mit seinen Aktiven. Erstmals trat
hierbei auch eine Jugend-Handball-Mannschaft in Erscheinung.
Im Jahre 1926 beantragte der Turnverein bei der Gemeindeverwaltung den Bau einer
Turnhalle. Von der Gemeinde wurde eine Großbaracke der
Besatzungsbehörde zur Verfügung gestellt, die zweierlei Verwendung
fand: Zwischen dem Sportplatz des Lobbericher Sportklubs (jetzt Standort der
Dreifach-Turnhalle Wevelinghover Straße / An den Sportplätzen) und dem
des Turnvereins (jetzt Neubaugebiet zwischen Wevelinghover Straße und
Schulzenburg) wurde eine Holzbaracke errichtet und die Badeanstalt am Breyeller
See bekam eine Holzbaracke für Umkleidemöglichkeiten.
Die Spielabteilung hatte immer mehr Zulauf. Mittlerweile waren fünf
Handball- und vier Faustball-Mannschaften vorhanden, die das Vereinsleben sehr
anregten. Erstmals wurden im Faustball die Alters- und die Jugendmannschaft
Gaumeister.
Ab Februar 1927 konnte in der „neuen Turnhalle“ an der
Wevelinghover Straße geturnt werden. Der Verein hatte nun 200 Mitglieder
(ohne Jugendliche).
Das 15. Deutsche Turnfest 1928 in Köln besuchten auch 18 Mitglieder aus den
Reihen des Turnvereins. Auch in Köln sorgte die brisante politische
Situation für Spannung und kampfbetonte Haltung der Akteure. Das Rheinland
war von den Franzosen, den Engländern und Belgiern besetzt. Bei den
leichtathletischen Wettbewerben lief der spätere Vorsitzende des Deutschen
Leichtathletikverbandes, Dr. Max Danz, die 400 Meter in 50,7
Sekunden.
Steigende Arbeitslosigkeit brachte den Mitgliedern des Vereines erhebliche
finanzielle Einbußen. So wurden der Mitgliedsbeitrag beim 3. Mitglied um
25 % und der beim 4. Mitglied pro Familie um 50 % gesenkt.
Im November 1929 trat der 1. Vorsitzende Franz Eiselt nach
siebenjähriger Tätigkeit aus persönlichen Gründen
zurück. Nachfolger wurde Anfang 1930 Max Steeger.
Im März 1930 verstarb der langjährige Ehrenvorsitzende Dietrich
Olfenius, der 13 Jahre die Geschicke des Vereins mit großer Umsicht
und ungeheurer Schaffensfreude geleitet hatte. Die finanzielle Lage des Vereins
verschlechtert sich zunehmend. Immer wieder wurde von den Mitgliedern versucht,
die Mitgliedsbeiträge zu verringern. Für erwerbslose Mitglieder wurde
schließlich der Beitrag auf 40 Pfg – Schüler 20 Pfg –
gesenkt, später dann ganz gestrichen. Die Spielabteilung erhielt
darüber hinaus für die Beteiligung an Auswärtsspielen einen
Fahrtkostenzuschuss.
Aus der Bücher- und Urkundensammlung des verstorbenen Ehrenvorsitzenden
Olfenius wurde eine Bibliothek eingerichtet, die sonntags von 14 –
15 Uhr geöffnet war und von Walter Lachmund verwaltet wurde.
Um Abwanderungen zu anderen innerörtlichen, ebenfalls Sport treibenden
Vereinen zu verhindern, die speziell im Schüler- und Jugendbereich vorhanden
waren, wurde erstmals eine Abteilung „Schüler-Handball“
gegründet. Erstmals wird auch erwähnt, dass neben dem Faust- und
Handballspiel von Turnerinnen auch das Trommelballspiel
(„Tamborin“) fleißig geübt wurde.
Bereits das Jahr 1932 ließ den politischen Umsturz – auch in der
Deutschen Turnerschaft – erkennen: Der Führer der Deutschen
Turnerschaft – Neuendorff – forderte damals eine
„nationale und soziale Erneuerung der deutschen Turnbewegung auf
völkischer Grundlage“. Die Leibesübungen sollten
“kein Selbstzweck sein“, sondern dazu dienen
„völkisch-sittliche Ziele zu verwirklichen“. Der
Bekundung des Wehrwillens folgten dann schnell praktische Maßnahmen, die
zur Hebung der Wehrkraft führen sollten. Geländeübungen,
Übungsmärsche, Kampf Mann gegen Mann, Ordnungsübungen, Ziel- und
Weitwerfen und auch Kleinkaliberschießen wurden seitens der Führung
der Deutschen Turnerschaft den Mitgliedsvereinen vorgeschlagen. In der Deutschen
Turnzeitung beschäftigte sich Neuendorff bereits mit dem Plan einer
vormilitärischen Ausbildung. Mehr und mehr identifizierte er sich mit den
Zielen Adolf Hitlers und der NSDAP.
Der TV Lobberich 1861 e.V.
von 1933 –
1945
- Politisierung des Sports – die freie Entfaltung der Vereine wird
stark eingeschränkt –
Ein öffentliches Bekenntnis zum Nationalsozialismus und seinen Führern legte die Deutsche Turnerschaft dann auf dem 15. Deutschen Turnfest in Stuttgart ab. Hitler bekannte sich in seiner Ansprache auf diesem Fest, an dem auch fünf Vertreter des Lobbericher Turnvereines teilnahmen, zu Jahn und bezeichnete das Fest als ein „Fest deutscher Kraft“.
Der folgende Text von Karl Behrend wurde der Festzeitung 15. Deutsches
Turnfest Stuttgart 1933, Nummer 13, August 1933, Seite 403 entnommen.
Kurz vor dem Deutschen Turnfest nahmen die Texte der
Festzeitung einen ganz anderen Ton an: „Die Deutsche Turnerschaft
hat den Marsch ins Dritte Reich und in die Selbstauflösung angetreten und
die Worte „der deutsche Turner kann erst untergehen, wenn Deutschland
untergeht“ sollte schon wenige Jahre später schreckliche Wirklichkeit
werden.“
Das Lied vom Deutschen Turnfest!
Von
Karl Behrend, Berlin
„Zehn Tage lang marschierte ununterbrochen ein großes Heer durch
Stuttgarts Straßen. Zehn Tage lang wehten dort Tausende und aber Tausende
Fahnen und verkündeten flatternd von der Not, der Treue und von dem Glauben
der deutschen Turner an Deutschland. Erschütternd das Bild! – Fahnen
aus entrissenen deutschen Gebieten, stumme Mahner in ihrem schwarzen Trauerflor,
Fahnen der Deutschen aus Afrika, Brasilien, Chile, Fahnen aus aller Welt wehten
zusammen und legten Zeugnis für das Band ab, das die Deutsche Turnerschaft
in vielen Jahren harter Arbeit von einem deutschen Bruder zum anderen über
die ganze Erde geflochten hat. Der weite Raum in den Straßen wurde eng,
sehr eng. 400 000 Einwohner hat Stuttgart, in den Festtagen waren es gegen 800
000. Zehn Tage lang klang ein gewaltiges Lied durch die Straßen. Es war ein
einfacher Text. Die Heere Friedrichs des Großen haben ihn bei Leuthen
gesungen, die deutsche Jugend auf dem Todesfeld von Langemarck. Links! Rechts
– Links! Rechts!
Das war der Text. Und alles hat mitgesungen, der Körper, die Seele und
der Geist. Es ist der Gleichschritt der Deutschen Turnerschaft und des deutschen
Volkes. Es ist der Gleichklang, der entsagende Einordnung in die Gesamtheit
bedeutet, der den Willen ausdrückt, sich unterzuordnen, um dem Ganzen zu
dienen. Das ist der Schlüssel zu dem Geheimnis, warum beim Deutschen
Turnfest alles wie aus einem Guss war. Niemand ist Kanone, niemand Star; alle
sind gleiche Glieder einer großen Kette. Links! Rechts! So erklang es 1860
beim ersten Deutschen Turnfest in Coburg. Links! Rechts! So erklang es 1913 beim
Turnfest in Leipzig. Damals war Deutschland ein reiches, glückliches Land.
Als die Turner so gerade und straff daherschritten, da war es das Wissen: Wir
sind ein mächtiges Volk. Wir sind Hunderttausende von starken, gesunden
Turnern. Wir sind Hunderttausende von starken, gesunden
Soldaten.
Dann kamen der Krieg und nach ihm die Jahre der Zerrissenheit. Jetzt ist das
15. Deutsche Turnfest verrauscht. Wieder erklang das kerndeutsche: Links! Rechts!
Aber es klang anders als in Leipzig. Es war kein stolzes Rufen mehr: Wir sind!
Aber doch ein Zukunftfrohes: Wir werden! Die Zeit hat uns gedemütigt, aber
wir haben uns durchgekämpft und wir werden uns weiter durchkämpfen,
wieder hin zum Licht, und die Zwietracht mit der überzeugenden Tat
bekämpfen.
Wie ein Symbol war das Kommen des Volkskanzlers Adolf Hitler, des
Kämpfers für Deutschlands Freiheit und Einheit. Froh bekannte er beim
Anblick der Hunderttausende: „Als Kanzler des deutschen Volkes bewegt mich
Freude und Stolz, in dieser wunderschönen Hauptstadt des Schwabenlandes
deutsche Männer und Frauen begrüßen zu können, die als beste
Repräsentanten der Lebenskraft unseres Volkes anzusprechen sind. Sie kommen
von überall her, wo es Deutsche gibt. Sie verkünden als Anhänger
all unserer Stämme uns die Einheit der deutschen Nation!“
Auf dem Festplatz nahm der Kanzler die Parade der Deutschen Turnerschaft ab.
Die Turner und Turnerinnen jubelten ihm zu und huldigten ihm als dem Führer
des Dritten Reiches. Ganz klar kam zum Ausdruck: die Deutsche Turnerschaft
marschiert geschlossen unter der Führung des Kanzlers für Deutschland.
Die deutschen Turner sind Soldaten des neuen Deutschlands, sind Soldaten, auf die
er sich verlassen kann. Sie marschieren mit ihren festen Schritten unter seiner
Fahne vorwärts zum neuen Deutschen Reich.
Das Lied vom 15. Deutschen Turnfest in Stuttgart ist verklungen. Doch das
Lied vom deutschen Turner, der für sein deutsches Volk lebt und wenn es sein
muß auch stirbt, darf nimmer verklingen. Es soll und wird durch die Zeiten
brausen und in der Not dem deutschen Volk zur Seite stehen, und kann erst
untergehen, wenn Deutschland untergeht.
Links! Rechts! – Links! Rechts! Schritt gefasst! Deutschlands Turner
marschieren für ihres Vaterlandes Glück und Ruhm.
Tambour, die Wirbel geschlagen! Links! Rechts! – Links! Rechts!
–„
Nach der Machtergreifung Hitlers wurden im Mai 1933 für alle Turnvereine
Einheitssatzungen erlassen, die seitens der neuen Machthaber vorgeschrieben
wurden. Jedes Vereinsmitglied musste dem neuen Staate
„gesinnt“ sein und dies auch schriftlich
erklären.
Von den nationalsozialistischen Ideen blieb zwangsläufig auch der Turnverein
Lobberich nicht verschont. Vorträge über die „Jugenderziehung
im nationalsozialistischen Staat“ und „Die deutsche
Turnerschaft im Dritten Reich“ u. Ä. taten ihr übriges,
den Mitgliedern und vor allem den Vereinsführern die neue Richtung, die die
Turnsache einzuschlagen habe, klarzumachen.
Der ständig sinkende Mitgliederbestand – vor allem in der
Turnabteilung – wurde damit verharmlost, dass man einfach erklärte:
„Der erhebliche Rückgang in der Mitgliederzahl ist wenig von
Bedeutung, da die austretenden Mitglieder dem Turnbetrieb und dem inneren Wesen
eines deutschen Turnens nicht geziemen, ausscheiden mussten“
(Protokoll der Jahreshauptversammlung vom 17.3.1934).
Die Mitgliederzahl sank in kürzester Zeit auf 190. Zweimal monatlich musste
jeder Verein „Wehrsport-Übungsstunden“ abhalten. Bei
jeder Mitgliederversammlung war nun ein Pressevertreter der
„öffentlichen Propagandastelle“ anwesend. Max
Steeger trat vom Amt des 1. Vorsitzenden zurück, ebenso Kinderturnwart
G. Teggers und Spielwart R. Mackenstein. Durch die
Einführung eines Pflichtturnjahres musste jedes Mitglied von 17 – 25
Jahren jede Woche an einem Turnabend teilnehmen. Eine neue Einheitsturntracht
wurde eingeführt: stahlblaues Hemd, kurze oder Stiefelhose, Koppel,
Marschschuhe oder Stiefel. Den SA- und HJ-Angehörigen wurde es erlaubt, ihre
eigenen Uniformen zu tragen. Dies ging sogar soweit, dass die Teilnahme an den
Handballspielen von dem Besitz dieser neuen Tracht abhängig gemacht
wurde.
Am Vorabend der ersten, nur noch von den Nationalsozialisten bestimmten
Reichstagswahl vom 12. 11. 1933, wurde in einer Mitgliederversammlung alle
Mitglieder aufgefordert, gemäß dem Gelöbnis der Turner auf dem
Deutschen Turnfest in Stuttgart „dem Führer Adolf Hitler zur Seite
zu stehen und mit „JA“ zu stimmen.“
Der „Langemark-Gedächtnis-Marsch“, ein
Gepäckmarsch – als Schweigemarsch veranstaltet, wurde erstmals
durchgeführt. Er ging damals über 15 km zum Ehrenmal auf den
Süchtelner Höhen. Mit mehr als 20 Turnern beteiligte sich der
Turnverein Lobberich daran.
Vom „Reichsbund für Leibesübungen“, in dem 16
verschiedene Sportarten zusammengeschlossen waren, wurden einheitliche
Richtlinien und Vorschriften erlassen. Unter anderem sollte Handball künftig
als „Deutsches Spiel“ besonders gepflegt werden.
Der Mitgliedsbeitrag wurde auf 20 Pfg. für Erwachsene und 10 Pfg für
Jugendliche und Erwerbslose und auf 6 Pfg. für Schüler festgesetzt.
Finanziell kam der Verein „so gerade über die
Runden“.
Anfang 1934 kam es zur Wiederaufnahme der Wandertätigkeit der
Vereinsmitglieder – jedoch nicht innerhalb einer besonderen Abteilung des
Vereins, sondern „zur Vertiefung des Heimatgefühls und zur
Herstellung der Volksgemeinschaft im Gesamtverein“. Der Nachfolger von
Steeger, Anton Kunnen, verstand es immer wieder bei den
monatlichen Mitgliederversammlungen die Mitglieder zu größeren
sportlichen Anstrengungen zu bewegen.
Verschiedene Turnfeste in den Nachbargemeinden, das Landesturnfest in Aachen, das
Kreisturnfest in Krefeld, die Stiftungsfeste in Oedt und Kempen wurden besucht.
Ebenso die Teilnahme am Süchtelner Bergfest und am Bökelbergfest in
Mönchengladbach zeigten immer wieder Mitglieder des Vereins als Sieger. Die
Durchführung der Kreisschwimmwoche übernahm der Turnverein Lobberich.
Sie wurde am Breyeller See (früher Strandlokal Ludwigs) abgehalten und sah
auch so manchen Sieger oder Platzierten aus den Reihen der Mitglieder des
Turnvereins. Bei der Einweihung des „Adolf-Hitler-Parkes“ am
Seestrand trug der Verein zur Verschönerung des Festes durch
Leuchtkeulenschwingen und Pyramidenaufstellungen bei. Für das von Hitler ins
Leben gerufene „Winterhilfswerk“ kam es am 1. 12. 1934
zwischen dem Lobbericher Sportclub und dem Turnverein zu einem Handballspiel (!),
dessen Erlös dieser Institution zu Verfügung gestellt wurde.
Den wenigsten wird bekannt sein, dass die Handballabteilung des Lobbericher
Sportklubs in den Jahren 1934 – 1936 unter der Führung des erfahrenen
und sehr rührigen Heinrich Houben sehr erfolgreich war und mit zu
den stärksten Mannschaften im Kreis zählte. Die großen Hoffnungen
auf ein erfolgreiches Abschneiden in den kommenden Jahren wurden jedoch auch hier
durch die Einberufung zum Arbeits- und Wehrdienst zunichte gemacht.
Insbesondere das Frauenturnen und die Spielabteilung hatten dann im Jahre 1935
erheblichen Anteil daran, dass der bis auf 162 gesunkene Mitgliederbestand wieder
auf 200 anstieg. Eine Frauenturnriege wurde vom Vereinsführer Anton
Kunnen aus der Taufe gehoben. Die Anzahl der Schüler und Jugendlichen
ließ jedoch immer weiter nach. Der Grund hierfür lag in dem Bestreben
der „politischen Machthaber“,
„Jungvolk“ und „Hitlerjugend“
auszubauen. Die Schwimmabteilung wurde geschlossen, obschon nach wie vor die
Mitglieder zu den bekannten Übungsstunden zum Breyeller See gingen.
Einer allgemeinen Verordnung entsprechend wurde der Verein ins Vereinsregister
eingetragen. Notar Dr. Joseph Veith wurde am 23. 2. 1935 zum neuen
ersten Vorsitzenden des Turnvereins gewählt. Nach den Einheitssatzungen
wurden neu gebildet: der Vereinsführerstab, der Vereinsführerring, der
Turnausschuss und der Ältestenrat.
Der Vereinsführerstab bestand aus: dem Vereinsführer, dem
Stellvertreter des Vereinsführers, dem Oberturnwart, dem Amtmann, dem
Kassenwart, der Führerin der Frauen und Mädchen, dem Pressewart und dem
Dietwart. („Diet“ kommt aus dem Mittelhochdeutschen und
bedeutet Volk, im übertragenen Sinn deutsch. Der Dietwart ist also in des
Wortes ursprünglichster Bedeutung der Volkswart, der Deutschwart, also
Pfleger alles dessen, was dem Volke gehörig und eigen ist. Der Dietwart
sollte in der NS-Zeit im Auftrag des Reichssportführers alle Turn- und
Sportvereine im nationalsozialistischen Sinne schulen und deren
Ideologie und „Erziehungsziele“, also Rassebewusstsein,
Gemeinschaftssinn, völkische Haltung und antijüdische Ressentiments, an
die Mitglieder herantragen. Dazu hatte er dafür Sorge zu tragen, dass
die Mitglieder von Vereinen nationalsozialistische Lieder singen, die Reden des
Führers hören. In Dietprüfungen wurde die völkische Haltung
der Sportler kontrolliert.)
Dem Vereinsführerring gehörten an: die Mitglieder des
Vereinsführerstabes, der Beitragswart, der Männerturnwart, der
Frauenturnwart, der Jugendturnwart, der Pflichtturnwart, der Volksturnwart, der
Spielwart, der Schwimmwart, der Fechtwart, der Werbewart, der Leiter der
Vereinszeitung, der Wanderwart, der Festwart, die Zeugwarte (soweit notwendig).
Dem Turnausschuss gehörten an: der Oberturnwart, der Männerturnwart,
der Frauenturnwart, der Jugendturnwart, der Kinderturnwart, der Volksturnwart,
der Spielwart, der Schwimmwart, der Fechtwart, der Schneelaufwart, der
Wasserfahrwart, der Pflichtturnwart, der Spielmannszugführer, die
Gerätewarte sowie die fachlichen Leiter der einzelnen Abteilungen, die vom
Vereinsführer im Einvernehmen mit dem Oberturnwart zu bestimmen waren
(soweit notwendig).
Dem Ältestenrat gehörten an: der Vereinsführer, der Oberturnwart,
der Dietwart, die Führerin der Frauen und Mädchen, bis zu 6 weitere
Mitglieder, die der Vereinsführer möglichst aus der Zahl der
tätigen Ehrenmitglieder zu berufen hatte.
Die Einheitssatzung wurde in der Generalversammlung vom 23. 2. bzw. 27. 4.
1935 einstimmig angenommen.
Der Verein wurde Mitglied des Reichsbundes für Leibesübungen, in der
auch die Deutsche Turnerschaft im Jahre 1936 aufging. Aus der Deutschen
Turnerschaft wurde das „Fachamt für Geräteturnen, Gymnastik
und Sommerspiele“. Ein „Begräbnis 1.
Ordnung“ wie es viele namhafte Turner bezeichneten. Die
Verbandsstruktur wandelte sich von einer demokratischen in eine
autoritäre.
Noch eine Besonderheit brachte die neue Vereinssatzung mit sich: Die
„Völkische Sprache“ wurde in die Turnerei
eingeführt. Um dies und das gesamte Gedankengut der politischen Machthaber
zu fördern, wurden sog. „Dietwarte“ bestellt, die an
wöchentlichen „Dietabenden“ Vorträge hielten, die
von den Mitgliedern „rege besucht werden sollten“. So ist
zum Beispiel in § 4 der neuen Satzung bestimmt, „dass
Mitglieder des Vereins nur unbescholtene Deutsche werden können. Als
Deutsche gelten nur Volksgenossen, deren Eltern und Großeltern Arier
sind“.
Für das Frauenturnen wurde auf Vorschlag des
damaligen Kreisvorsitzenden ein Klavier angeschafft, um das rhythmische Turnen zu
fördern. Das „eingeschlafene“ Schlagballspiel wurde zum
neuen Leben erweckt. Angesiedelt wurde es in der Spielabteilung des
Vereins.
Im Oktober 1935 kam es zur Auflösung des Lobbericher Boxklubs. Die
ehemaligen Mitglieder wurden insgesamt Mitglieder des Turnvereins (Franz
Hespers, Heinz Boss, Theo Boss, Josef Jackels, Hermann Kleppen, August Tillmanns,
Josef Lenhsen, Josef Tack, E. Wirtz, Heinz Vaassen, E. Wienhoven, Paul
Küppers, Leo Schotten, Josef Mooren). Damit hatte der Verein Ende 1935
wieder 300 Mitgliedern.
Auch das Jahr 1936 war für den Turnverein Lobberich von großer
Bedeutung. Als Erstes muss hier das „50jährige
Jubelfest“, welches aus den nachstehenden Erläuterungen heraus
zum „75jährigen Jubelfest“ wurde:
Bei den Vorbesprechungen zum 50. Stiftungsfest kamen
vielen Mitgliedern, insbesondere den Älteren, Bedenken hinsichtlich der
Gründung des Turnvereins. Die am 6. 1. 1886 erfolgte Neugründung
bedürfe einer eingehenden Untersuchung. Gespräche mit den
„Alten“ zu den Gründern gehörenden Mitgliedern des
Vereins und vor allem die Eintragungen im seinerzeit weitergeführten
Protokollbuch ergaben dann, dass die Zweifel der Mitglieder berechtigt waren. Am
12. 3. 1936 stellte der Verein dann den Antrag an den Gau – nicht ohne
vorher eine positive Stellungnahme des Kreises erreicht zu haben – das
Gründungsjahr 1861 anführen zu dürfen. In dem Antrag heißt
es u. a.:
„Am 2. September 1861 wurde von 17 Personen ein Turnverein
in Lobberich gegründet. Das noch vorhandene Protokollbuch berichtet
ausführlich über die Gründung und über die späteren
Vorgänge innerhalb des Vereins. Auch die Beweggründe für die
Auflösung des Vereins im Jahre 1877 sind niedergelegt. Die Beteiligung sei
lange eine sehr schwache gewesen. Das Vermögen des Vereins, bestehend aus
den Turngeräten, wurde der Gemeinde Lobberich übereignet. Im Jahre 1866
schlossen sich wiederum mehrere Personen zu einem Turnverein zusammen. Sie
benutzten das Protokollbuch des alten Vereines und machten am 6. Juni 1886
folgende Eintragung:
„Nach einem Zeitraum von neun Jahren sind heute, den
6. Juni 1886 die Unterzeichneten zusammengetreten, um wieder nach dem
Vorbild anderer Städte Deutschlands einen lang entbehrten Turnverein zu
gründen“.
Vorstehende sind daher als Gründer des Lobbericher Turnvereins
zu betrachten.
Die Beteiligten haben offenbar die
Ehre, Gründer eines Turnvereins in Lobberich zu sein, für sich in
Anspruch nehmen wollen. In der Protokollniederschrift weisen sie jedoch selbst
auf den alten Verein hin und auf die Tatsache, dass das Vereinsleben in
Wirklichkeit nur geruht habe: Mehrere der Beteiligten waren Mitglieder des alten
Vereines, die Turngeräte des alten Vereins wurden wieder zur Verfügung
gestellt, das alte Protokollbuch weitergeführt und in ihm wurde zum Ausdruck
gebracht, dass man den engeren Zusammenschluss lange entbehrt
habe.
Die Auffassung, eine Neugründung
liege vor, wurde im Verlauf der Jahre mehrmals erheblich angezweifelt, aber die
Gründer von 1886 bestanden auf ihrem Ehrenvorrecht. Unter Anerkennung ihrer
lobenswerten Tat beließ man es einstweilen bei ihrer Auffassung. Die
Mitglieder des heutigen Turnvereins Lobberich (die Gründer von 1886 leben
nicht mehr) sind übereinstimmend der Ansicht, dass der Turnverein und die
turnerische Idee seit 1861 in Lobberich besteht und dass der Verein in den Jahre
1877 bis 1886 nur geruht hat, dass also in Wirklichkeit das Gründungsjahr
des Vereins das Jahr 1861 ist.“ Dieser
Antrag wurde am 25. 3. 1936 durch den Gauführer Karl Paye wie
folgt genehmigt:
„Auf Ihren Antrag vom 12.3.1936 genehmige ich hiermit unter
Berücksichtigung der Stellungnahme des Kreisführers, dass der
Turnverein Lobberich als Gründungsjahr das Jahr 1861 bezeichnet. Die im
Jahre 1886 erfolgte Wiederbelebung des Vereins ist nicht als Neugründung zu
werten.“
Die Freude unter den Mitgliedern war verständlicherweise groß. Mit
Recht konnte man dann in diesem Jahre das 75jährige Bestehen des Vereins
feiern. Die Festlichkeiten wurden im September abgehalten. Dabei wurden die
Volksturnmeisterschaften des Kreises durchgeführt, die als
Pflichtveranstaltung für alle kreisangehörigen Vereine seitens des
Kreisvorstandes deklariert wurden. Lobberich erlebte wieder einmal ein wahres
Volksfest, an dem sich alle ortsansässigen und viele Nachbarvereine, aber
auch die gesamte Bevölkerung Lobberichs beteiligte.
Auf Beschluss des „Reichsbundes für Leibesübungen“
wurde der komplette Übungs- und Wettkampfbetrieb für Jugendliche von 10
– 14 Jahren am 1.12.1936 eingestellt. Die Jugendlichen sollten insgesamt
dem „Jungvolk“ bzw. dem „BDM“ (Bund
Deutscher Mädel) zugeführt werden. Überwacht wurde die ganze
Angelegenheit durch die zwischenzeitlich, wie es hieß „zur
besseren Kontaktpflege“ eingerichteten „Ortsgruppe des
Reichsbundes für Leibesübungen“. Zu Ostern 1937 trat der
Jahrgang 1926 als Erster pflichtgemäß in das
„Jungvolk“ ein.
Insbesondere die Jugendarbeit des Vereins litt zwangsläufig unter dieser
Entscheidung. Wenn es auch in späterer Zeit immer mehr Verbindungen zwischen
den „staatlichen Jugend-Sammel-Stellen“ und dem Verein gab,
war eine optimale Jugendarbeit nicht mehr möglich.
Im März 1937 fanden diverse Verhandlungen auf Veranlassung des
Ortsführers des Reichsbundes für Leibesübungen statt, die zur
Folge haben sollten, den Turnverein Lobberich und den Lobbericher Sportclub
aufzulösen und einen neuen Verein unter dem Namen „Verein für
Leibesübungen Lobberich 1937“ zu gründen. Der damalige
Vorstand beschloss mit der Zustimmung der Mitglieder:
„Vorstand und Ältestenrat des Turnvereins Lobberich sind nach
eingehender Aussprache der Ansicht, dass zur Zeit die Neugründung des
einheitlichen Vereins verfrüht ist, halten aber die Idee für sehr
begrüßens- und erstrebenswert. Wir schlagen deshalb vor, dass zu
diesem Zweck ein engeres Zusammenarbeiten zwischen den einzelnen Vereinen
versucht werden soll, damit auf diese Weise ein allmähliches,
organisatorisches Zusammenwachsen der einzelnen Vereine, insbesondere im
Interesse der Jugend, erreicht wird“ (Protokoll der Mitgliederversammlung
vom 13.3.1937).
Erstmals im Jahre 1937 wurde das „Prellballspiel“
erwähnt, das ebenfalls in der „Sport- und
Spielabteilung“ angesiedelt und gerne gespielt wurde. In
leichtathletischer Hinsicht trat Hermann Steinwegs (später auch ein
guter Handball-Schiedsrichter) mit sehr guten Leistungen im Speerwerfen,
Hochsprung und 100-Meter-Lauf (12,0 Sek.) hervor. Bei den Turnern waren dies
Heinz van Overbrüggen, Josef Zanders und Josef
Schäfer, die nicht nur bei den vereinsinternen Meisterschaften, sondern
auch bei örtlichen und überörtlichen Veranstaltungen siegreich
waren.
Immer eindringlicher versuchten die Dietwarte, bei den wöchentlichen
Dietabenden die Mitglieder auf die nationalsozialistischen Ideen
einzuschwören. So sprach beispielsweise der damalige Dietwart Rechtanwalt
Cornel Schmitz an einem Abend über das „Gesetz zur
Verhütung von Erbkrankheiten“ und dessen positive Auswirkungen
auf die Turnbewegung der Zukunft.
Zum Winterfest 1938 wurde das Mitglied der Deutschlandriege, gleichzeitig auch
Gau-Turnlehrer, Heinz Sandrock, mit einer Riege verpflichtet. Erstmals
in diesem Jahr stellte der Turnverein für den stattfindenden Karnevalszug
einen Wagen und eine Fußgruppe.
Sportliches Hauptereignis war im Jahre 1938 das vom 27. - 31. Juli
durchgeführte Deutsche Turnfest in Breslau, an dem 28 Vereinsmitglieder
teilnehmen konnten. Fünf Turner wurden seinerzeit als Wettkämpfer
gemeldet, von denen Josef Schäfer, Josef Wirtz und Karl
Koerfers als Sieger heimkehrten.
Da seit dem Jahre 1935 für die Vereinsmitglieder keine
Unfallversicherung mehr bestand, wurde, um größere Schäden
wenigstens teilweise ausgleichen zu können, eine „besondere
Unfallkasse“ eingerichtet, die aus freiwilligen Spenden bei
Vereinssammlungen und ähnlichen Anlässen gespeist wurde.
Im September 1938 verstarb Robert Schöny, ein Mann, der sich fast
50 Jahre lang ständig in führenden Vereinsämtern (Vorsitzender,
Schriftwart, Turnwart und Kassierer) um die Belange des Vereins mit großem
Erfolg eingesetzt hat. Auch über den Verein hinaus hat er im
„Niederrheinischen Grenzgau“ als Turnwart lange Jahre das
turnerische Leben mitgestaltet. Nicht nur bei den Turnern, auch in der ganzen
Bürgerschaft war Schöny beliebt und geschätzt. Er
gehörte darüber hinaus fast 47 Jahre der Lobbericher Feuerwehr an. Der
Turnverein verdankt ihm jedoch noch mehr: Hat er doch die Traditionsfahne des
Vereins aus dem Jahre 1861 „gerettet“, als er diese von
seinem Vater Karl übernahm und aufbewahrte, ehe er sie dem Verein zum
75jährigen Jubelfest zurückgab. Das Turnen hielt ihn bis zuletzt
geistig und körperlich jung. Insbesondere bei den Turnabenden der
Altersabteilung war er gerne gesehen.

Karl
Schöny
Am 21. Dezember 1938 erfolgte die Umbenennung des bisherigen Deutschen
Reichsbundes für Leibesübungen in die Bezeichnung
„Nationalsozialistischer Reichsbund für
Leibesübungen“. Dadurch wurde der Sport eindeutig
„politisiert“. Rudolf Hess Stellvertreter Adolf Hitlers
bekannte: „Die vom Reichssportführer geschaffene
Einheitsorganisation der deutschen Leibesübungen, der Deutsche Reichsbund
für Leibesübungen hat die Aufgabe, das deutsche Volk zu einem
„Volk in Leibesübungen“ zum machen. Diese wichtige politische
Zielsetzung, die besonders bei dem Deutschen Turn- und Sportfest in Breslau 1938
in Erscheinung trat, lässt es geboten erscheinen, dem Reichsbund
Führung und Schutz der NSDAP zuteil werden zu lassen. Damit ist zum Ausdruck
gebracht, daß der Einsatz der Millionen deutscher Turner und Sportler im
NSRL (Nationalsozialistischer Reichsbund für Leibesübungen)
und die Arbeit der Organe dieses Bundes politisches Wirken im Sinne und im Namen
der NSDAP ist.“
Bei der Jahreshauptversammlung am 31. 12. 1938 wurde beschlossen, aufgrund
eines Verbotes des „Reichssportführers“, jegliche
Verbindung zu ausländischen Vereinen zu beenden, den Turnverein
„Oranje Venlo“, mit dem man seit vielen Jahren in angenehmer
Beziehung stand, nicht zum Winterfest 1939 einzuladen.
Lobberich wird im Laufe des Jahres 1939 zum „Stützpunkt der
Turnerei“ im Kreis. Lehrgänge des bereits erwähnten
Gauturnlehrers Sandrock wurden in Lobberich abgehalten und die
Mitglieder der Nachbarortsvereine verpflichtet, an diesen Lehrgängen
teilzunehmen.
Die letzte Mitgliederversammlung vor dem Ausbruch des 2. Weltkrieges am
1. 9. 1939 fand am 2. Juli 1939 statt. Da zu Kriegsbeginn der
Vereinsführer Dr. Veith ebenfalls eingezogen wurde, viele Turner
auch zum Arbeitsdienst gerufen waren, ruhte zunächst die Verwaltungsarbeit
im Verein.
Dr. Veith, der im März 1940 wieder in seinen Zivilberuf
zurückbeordert wurde, rief dann am 9. 3. 1940 zu einer
Jahreshauptversammlung die noch verbliebenen Mitglieder zusammen, in der er die
geänderten Vereinsverhältnisse und die Aufgaben und Ziele des Vereins
in der Kriegszeit erläuterte. Dr. Veith führte weiter aus,
„dass die Aufrechterhaltung des Vereinslebens, die Pflege der
Kameradschaft und die ständige Hilfsbereitschaft für die Zukunft
Grundlage und Richtschnur für die Kriegsarbeit im Verein sein
sollten“. Dementsprechend wurden den im Wehrdienst stehenden
Mitgliedern zu verschiedensten Anlässen kleine Päckchen übersandt.
In der gleichen Versammlung wurde von Josef Wilms erwähnt, dass der
gesamte Turn- und Spielbetrieb wegen der besonderen Lage
„äußerst schlapp“ geworden sei.
Im Jahre 1940 wurden neue Einheitssatzungen des „
Nationalsozialistischen Reichsbundes für Leibesübungen“
beschlossen, die zum Inhalt hatten: „Anwendung des Führerprinzips,
Anerkennung der Gemeinnützigkeit und die grundsätzliche Einheitlichkeit
der Satzungen bei allen im Reichsbund für Leibesübungen
zusammengeschlossenen Turn- und
Sportvereinen“.
Die Vereine wurden immer wieder zu
„Metallspenden“ aufgerufen, die wegen der allgemeinen
Knappheit an Rohstoffen notwendig wurden. Der Verein opferte aus diesem Grunde
viele Pokale, Wanderpreise und Fahnenspitzen.
Durch die Ausweitung der Kriegshandlungen am 10. 5. 1940 (Einmarsch in
Holland) und die damit verbundenen erneuten zahlreichen Einberufungen fanden
zunächst bis zum Oktober 1945 keine Mitgliederversammlungen mehr statt.
Trotzdem war die Arbeit im Verein immer noch sehr rege. Auf Kameradschaftsabenden
wurden Probleme erörtert und erledigt. Erstes gefallenes Mitglied war
Josef Schotten.
Das Anwachsen der Kriegswirren führte zwangsläufig zu einem
Rückgang des Turn- und Spielbetriebes. 1941 verbleiben noch 122 Mitglieder.
Allein 41 junge Turner befanden sich bei der Wehrmacht oder im
Arbeitsdienst.
Trotz allem wurde am 10. 11. 1941 das 80jährige Bestehen des
Turnvereins gefeiert. Das Fest machte dem Turnverein auch weit über die
Grenzen Lobberichs hinaus alle Ehre. In Riesenartikeln würdigten die
erscheinenden Zeitungen das Fest, auf dem die Ehrenmitglieder Lambert
Birker und Wilhelm Riether für ihre 50jährige
Vereinsmitgliedschaft geehrt wurden. Der fortschreitende Krieg forderte immer
mehr Opfer. Mittlerweile war fast die Hälfte aller Mitglieder eingezogen.
Die Fahrverbindungen zu auswärtigen Veranstaltungen wurden immer
schlechter.
Speziell für die Jugendabteilung des Vereins wurde die Gründung einer
Rollschuh- und Schlittschuhabteilung beschlossen. Eine Kinderabteilung wurde ins
Leben gerufen, womit im November 1942 der Verein wieder 180 Mitglieder
zählt. Die Rollschuhabteilung hielt Übungsabende zunächst in der
Kulturhalle an der Breyeller Straße, nach deren Verkauf dann im
Spritzenhaus der Feuerwehr ab.
Die letzte Eintragung vor Kriegsende im Protokollbuch trägt als Datum den
18. 11. 1942. Ab diesem Zeitpunkt ruhte der gesamte Turn- und Spielbetrieb,
wie auch das übrige Vereinsleben.
Der TV Lobberich 1861 e.V.
Von 1945 – 1961
- die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg – ein Wiederaufbau
Die Zeit des Zusammenbruchs von 1944 – 1945 versetzte auch dem Turnverein
harte Schläge. Die im Jahre 1926 unter Bürgermeister Eger entstandene
Turnhalle war ausgeplündert und schwer beschädigt. Der Sportplatz glich
einem von Panzer- und Schützengräben durchzogenem Trümmerfeld, die
Geräte waren alle verloren.
Die erste Mitgliederversammlung nach dem Zweiten Weltkrieg fand am 26. 10.
1945 im Vereinsheim Dammer statt und war von 46 Turnerinnen und Turnern
besucht. Turnsenior Lambert Birker eröffnete sie und betonte dabei,
„dass es nun an der Zeit sei, die durch den Krieg unterbrochene Arbeit
wieder aufzunehmen, um die alte Stellung des Vereins in der Jugenderziehung und
Körperertüchtigung wieder zu erringen.“
Zum Zwecke der Wiederaufnahme des Turn- und Spielbetriebes wurde
überörtlich der Spiel- und Sportverband Grenzland gebildet, dessen
Leiter Jakob Pegels in Kempen wurde. Der Turnverein schloss sich diesem
Verbande, der in etwa dem früheren Niederrheinischen Grenzgau entsprach,
anund betätigte sich in den Facharten Turnen (einschließlich
Leichtathletik) und Handball.
Der neue Mitgliedsbeitrag wurde auf 1 RM und für Jugendliche unter 18 Jahren
auf 50 Pfg. festgesetzt. Die Übungsabende, von dem immer eifrigen
Oberturnwart Josef Wilms initiiert, fanden im Saale des alten
Vereinsheimes Kessels-Dammer (der Saal wurde beim ersten Neubau der Sparkasse
Lobberich an der von-Bocholtz-Straße abgerissen; die Gaststätte blieb
bestehen und ist heute das Hotel „Stadt Lobberich“) statt, da die
Turnhalle wegen schlimmer Verwüstungen nicht mehr benutzt werden konnte.
Auch die Platzanlage des Vereins war von Gräben und Granattrichtern
durchzogen und von Panzern aufgewühlt. Turngeräte waren bis auf ein
Reck, einen großen und einen kleinen Barren, die außerdem noch stark
reparaturbedürftig waren, nicht mehr vorhanden.
Von der Hoffnung auf den gesellschaftlichen und turnerischen Neubeginn beseelt,
wurde auch die Vereinsarbeit fortgesetzt. Die beliebte
„Götzwanderung“ am Christie-Himmelfahrts-Tag wurde
erstmals im Jahre 1946 wieder durchgeführt.
Auch Zusammenschlussbestrebungen mit dem Lobbericher Sportclub kamen im April
1946 wieder ins Rollen. Noch einmal wurde betont, dass bei gutem Willen einer
gemeinsamen Arbeit im Dienste der Jugendertüchtigung nichts im Wege stehe,
dass aber auch in einem Orte wie Lobberich sowohl der eine als auch der andere
Verein lebensfähig sei.
Die vom Kreisverband vorgelegten neuen Satzungen wurden vorerst nicht anerkannt,
da man es nicht für guthieß, eine Trennung von Turnen und Spielen
vorzunehmen. (Die Vereinigung von Turn- und Spielvereinen wurde seitens des
Verbandes nicht für gut befunden.)
Anfang Januar 1948 stellte der Turnverein den Antrag an die Gemeinde Lobberich,
ihm die frühere Jugendherberge, insbesondere aber den an die eigentliche
Turnhalle angrenzenden großen Raum der Jugendherberge auf die Dauer des
bestehenden Pachtvertrages über den Sportplatz zu einer angemessenen Miete
zu vermieten. Dr. Veith begründete dies damit, dass der Verein
mittlerweile 350 Mitglieder habee und darauf angewiesen sei, „getrennt
zu turnen“, hierzu jedoch die bisherige Turnhalle nicht ausreiche.
Außerdem wäre es zweckmäßig, so Dr. Veith, wenn
auch die beiden Räume, also praktisch die gesamte Jugendherberge dem Verein
vermietet werden könne, die man dann an jemanden vermieten könnte, der
als Platzwart des Turnvereins aber auch als Hallenwärter fungieren
könne. Am 15. April 1948 kam dann der entsprechende Mietvertrag
zustande. Nachdem der Turnverein die vertragliche Verpflichtung eingelöst
hatte, die sich im schlechten Zustand befindlichen Räumlichkeiten instand zu
setzen, konnte mit den Eheleuten Wilhelm und Luise Jennen geb.
Leßmann am 21. Mai 1948 ein Dienstvertrag (Anstellung als
Turnhallen- und Sportplatzwart) geschlossen werden.
Zum 87. Stiftungsfest des Vereins, am 27. Mai 1948, das im Saale Dammer
abgehalten wurde, trat wiederum die Rheinlandriege auf, in der auch zwei junge
Lobbericher Turner mitturnen durften: Heinz Fegers und Hans
Hegger. Einem Zeitungsbericht nach waren die Leistungen der beiden
Lobbericher im Vergleich zu den Turnkünsten der Turner der Rheinlandriege
zwar „noch nicht so ausgereift“, dennoch zeigten sie
„recht ansprechende Übungen“.
Das 19. Deutsche Turnfest vom 19. – 23. August 1948 in Frankfurt, zu
dem nur Teilnehmer aus den amerikanischen und britischen Besatzungszonen
offiziell reisen durften (die Turner aus dem französisch besetzten Bereich
kamen „heimlich“), besuchten trotz der ungewöhnlich
schweren Zeiten mehr als 30.000 Festteilnehmer; unter ihnen auch ein Lobbericher
Turner: Heinz Fegers. Er erreichte damals den 8. Platz in seiner Klasse.
Ein Erfolg nicht nur für den jungen Turner, auch für den Verein und
dessen immerwährendes Bemühen, gute Turner und Sportler aus eigenen
Reihen hervorzubringen.
Am 28. 8. 1946 wird ein Pachtvertrag zwischen der Gemeinde Lobberich und dem
Turnverein unterzeichnet, der dem Turnverein für 13 Jahre – beginnend
am 1. 9. 1946 endigend am 1. 11. 1959 – den bisherigen
Gemeindesportplatz zur Nutzung ermöglicht. Der Pachtzins betrug 80 DM pro
Jahr. Der Turnverein wurde darin verpflichtet, den Platz in den Sommermonaten an
zwei Abenden der Gemeinde für den von ihr gewünschten Zweck und der
Katholischen Kirchengemeinde für die katholische Pfarrjugend unentgeltlich
zur Verfügung zu stellen.
Der erste Bauabschnitt sah die Herrichtung des Spielfeldes und die Errichtung der bereits erwähnten 100-Meter-Bahn vor. Als 2. Bauabschnitt für 1948 wurde die Fertigstellung der Rundbahn und für 1949 der Tennisplatz (!) vorgesehen. Ja sogar eine Rollschuhbahn und ein Schwimmbad waren geplant.
Bausteine in Form von Karten wurden ausgegeben, die jedes Mitglied und jeder Gönner des Vereins käuflich erwerben konnten, damit die hohen Kosten nicht voll zulasten des Vereins gingen.
Anfang 1948 wurde zur Belebung der Turnstunden ein Turnlehrer (Funke)
eingestellt, dessen Aufbauarbeit gute Früchte trug.
Von den Vereinsmitgliedern wurde, unter der Leitung von Josef
Schäfer, die Instandsetzung in Angriff genommen. In mehr als 5.000
Arbeitsstunden wurde das ganze Spielfeld verlegt, mit Sprung- und
Kugelstoßgruben versehen und mit einer fünf Meter breiten Aschenbahn
sowie mit erhöhten Zuschauerplätzen umsäumt.
Von dem Gedanken ausgehend, dass „der Bestand des Vereins nur durch eine nach Idealen strebende Jugend gesichert sei“, wurde die Jugendarbeit besonders gefördert. Dank der unermüdlichen Arbeit des Jugendwartes Bernhard Ostermann und des Oberturnwartes Josef Wilms wurde die Jugend- und Schülerabteilung bis Ende 1950 zur stärksten Abteilung des Vereins und des Kreises mit einer eigenen Sing- und Spielschar.
Im September 1948 wurde auch die Frauenturnabteilung wieder aktiv.
Das Bedürfnis der vielen aktiv Tätigen, sich an einem Wettkampf
beteiligen zu können, der Aussicht auf Anerkennung ihrer Leistungen
brächte, war verständlich; hatten doch die Turnvereine durch ihre
erhebliche Breitenarbeit sehr viele – vor allem junge Menschen – zur
aktiven körperlichen Betätigung gebracht, Aktive, von denen
naturgemäß nur wenige zu Spitzenleistungen kamen. Diese
Überlegungen führender Funktionäre in der deutschen Turnbewegung
führten auf Antrag des Turnvereins Lobberich zu dem Beschluss des
Gauturntages, einmal im Jahr eine Mehrkampfveranstaltung auf breitester Grundlage
zu bieten. Dabei sollten Einzelkämpfe als Rahmenwettbewerbe mit einbezogen
werden. So entstand im September 1949 das
„Turner-Grenzland-Treffen“, mit dessen Durchführung der
Verein zehn Jahre lang beauftragt wurde. Der Erfolg dieser Veranstaltung war
über Erwarten groß. Im Durchschnitt wurde das Treffen von 14 Vereinen
des Turngaus beschickt. Allein der Turnverein stellte durchschnittlich 135 (!)
Wettkämpfer, von denen nahezu 100 Sieger wurden.
Das 1. Turner-Grenzland-Treffen wurde auf der im 1. Bauabschnitt fertiggestellten
Turnerkampfbahn durchgeführt und zählte zu den wohl größten
sportlichen Ereignissen dieses Jahres im Grenzland. Durch die unermüdliche
Arbeit der Mitglieder Kunnen, Körfers und Wilms war dieses
Treffen ein so großer Erfolg, dass es zu einer Dauereinrichtung des Kreises
wurde. Beim ersten Treffen fanden sich 728 Wettkämpfer ein. Der Turnverein
selbst stellte hiervon allein 72, wovon 58 als Sieger aus den Wettkämpfen
hervorgingen.
Die Handballabteilung nahm immer größeren Aufschwung. Ertrag der
hervorragenden Arbeit besonders von Josef Winkelmolen, Heinrich Lohmann,
Josef Schäfer, Ernst Ott, Willi Hochbruck und nicht zuletzt von
Bernhard Ostermann, der sich besonders für die Handballjugend
einsetzte.
Bernhard Ostermann war es auch, der eine Tischtennisabteilung
gründete, um den Schülern und Jugendlichen auch im Winter eine
Beschäftigung auf sportlicher Ebene zu geben.
Auf Anregung von Josef Wilms, seinerzeit Oberturnwart, wurde die Sing-
und Tanzgruppe im Verein zu neuem Leben erweckt. Speziell für 14jährige
wurde eine Volkstanzgruppe eingerichtet.
Erstmals in der Geschichte der beiden größten Lobbericher Sportvereine
LSC und TV kam es Anfang 1950 zu erheblichen Meinungsverschiedenheiten
untereinander, die hervorgerufen wurden durch gegenseitiges Abwerben von
Mitgliedern insbesondere aus den beiden Leichtathletikabteilungen. Immer wieder
war dies Anlass zu teilweise sehr emotional geführten Diskussionen zwischen
den Vorständen beider Vereine.
Zu den verheißungsvollsten Zeichen eines Neubeginns nach 1945 gehörte
zweifellos, dass am 10. Dezember 1950 der Deutsche Sportbund (DSB) in
Hannover gegründet wurde. Ein freiwilliger Zusammenschluss aller Turn- und
Sportverbände der Bundesrepublik Deutschland und Westberlins. Damit war,
nach den zurückliegenden Jahren erbitterter Agitation und Polemik, Einheit
und Frieden im Turnerlager wiederhergestellt. Der DTB (Deutscher Turnerbund)
wurde Dachverband der Turner, hervorgegangen aus der ehemaligen Deutschen
Turnerschaft und dem Arbeiter-Turn-Bund.
Herausragendes gesellschaftliches – aber auch sportliches – Ereignis
war im Jahre 1951 zweifellos das 90jährige Stiftungsfest des Turnvereins. An
dem Festzug nahmen mehr als 2.000 Turnerinnen und Tunern teil. Die ganze Gemeinde
nahm Anteil an dem großen Fest. Die Turnhalle, zwischenzeitlich völlig
renoviert und erneuert, erstrahlte im neuen Glanz. Von der Gemeindeverwaltung
wurden für 5.000 Mark neue Turngeräte angeschafft, die den Turnerinnen
und Turnern zugute kamen.
Der Vorstand im Jahr 1951:
1.
Vorsitzender
Dr. jur.
Joseph Veith
1. Stellv. Vorsitzender
Rechtsanwalt
Cornel Schmitz
2. Stellv. Vorsitzender
Karl
Körfers
Geschäftsführer
Anton
Kunnen
stellv.
Geschäftsführer
Egidius Birker
Schriftführer
Hermann
Steinwegs
Pressewart
Theo Peters
Oberturnwart
Josef Wilms
Jugendwart
Bernhard Ostermann
Spiel- und
Volksturnwart
Ernst Ott
Turnspielwart
Josef Schäfer
Altersturnwart
Karl Grundmann
Turnwart
Heinz Fegers
stellv.
Jugendwart
Willy Hochbruck
stellv. Spiel- und Volksturnwart Ernst Zitzen
stellv.
Altersturnwart
Jakob Sieben
Volkstanz und
Singen
Heinz Fritz
Gerätewart
Hans Meinel
Ehrenvorstandsmitglied
Wilhelm Riether
Im Jahre 1951 verstarben die Mitglieder Lambert Birker und Alex
Huenges.
Lambert Birker war einer der Turner der ersten Stunde, Mitbegründer des Grenzgaues und immerwährendes Vorbild für die Jugend des Vereines. Er hatte an der Breyeller Straße eine kleine Werkstatt, in der Kartonagen- und Buchbinderarbeiten hergestellt wurden. Schwer verwundet kam Lambert Birker im letzten Kriegsjahr des Ersten Weltkrieges 1918 in englische Gefangenschaft, aus der er erst 1919, gesundheitlich noch nicht hergestellt, nach Lobberich zurückkehrte. Mit 16 Jahren packte ihn das Turnen. Obwohl die Geräte damals noch primitiv waren, war ein gutes Turnen gewährleistet. Mit besonderem Nachdruck stellte Birker die schon dort vorherrschende Disziplin in der kleinen Turnerschar heraus. Sie allein schweißte das Häuflein zu einer schönen Kameradschaft zusammen, die Grundlage wurde zum fortschreitenden Aufstieg des TV Lobberich. Mit Zähigkeit und turnerischer Begabung stieg Birker 1895 zum ersten Turnwart auf.

Lambert Birker
Er nutzte in dieser Eigenschaft das fachliche und propagandistische Moment geschickt zu verbinden. „Man soll nie das Licht der Öffentlichkeit scheuen, wenn es sich um eine Sache zum Nutzen des Volkes handelt, auch dann nicht, wenn gewisse Kreise in der Turnerei eine ihnen nicht genehme Sache sahen“ – war sein Lebensmotto. Als seinerzeit an der Sassenfelder Straße das erste öffentliche Schauturnen im Freien startete, zu dem einige auswärtige Vereine herangezogen wurden, sagte Birker: „Ja, es muss doch etwas geboten werden!“ Das Schauturnen brachte den gewünschten Vereinszuwachs. Obwohl ihm in frühesten Jahren schon durch das Ableben seines Vaters die Sorge um die Familie übertragen war, wurde die Turnsache sein A und O. Ein Fehlen im Turnbetrieb gab es für ihn nicht. Er lebte seinen Turnkameraden die Treue vor. Die Gründung des Niederrheinischen Grenzturngaus 1896 in Lobberich basiert auf seiner Einflussnahme. Er gründete auch die Altersriege im Turnverein Lobberich. Seine turnerische Leistung wurde über Lobberichs Grenzen hin bekannt. Man holte ihn als Kampfrichter beim Kreisfest in Köln und in gleicher Eigenschaft bei den Gauturnfesten. „Mein Leib- und Magenfach war das Geräteturnen“ – so Originalton Lambert Birker.
Alex Huenges war jahrelang zweiter Vorsitzender des Vereins, der
insbesondere durch seine bemerkenswerte selbstlose Vereinsarbeit immer wieder
hervortrat.
Das Jahr 1952 war für den Turnverein von besonderer Bedeutung. Im Juli
dieses Jahres wurde unter der Führung von Dr. Veith und weiteren
sechs Vereinsmitgliedern der Verein „Turnerkampfbahn Lobberich
e. V.“ gegründet, der nach langen und äußerst
schwierigen Verhandlungen mit der Gemeinde und der kath. Kirchengemeinde den
Sportplatz von der kath. Kirchengemeinde erwerben konnte.
Erhebliche Zuschüsse von der Gemeinde, der
Regierung, dem Kreis, dem Landessportbund, aber auch nicht unerhebliche
Eigengelder des Vereins sowie Spenden und viele Tausende von freiwilligen
Arbeitsstunden der Vereinsmitglieder ließen in den kommenden Jahren eine
vorbildliche Platzanlage entstehen.
Auch für die Handballjugend wurde das Jahr 1952 zu einem besonders
erfolgreichen Jahr. Die mühevolle, uneigennützige Arbeit der
Männer um Bernhard Ostermann – Heinz Nopper,
Josef Hauertz und Hermann-Josef („Sepp“) Gerhards
– begann erste Früchte zu tragen. Beachtenswerte Erfolge wurden
erzielt. Erstmals wurde die A-Jugend ungeschlagen (!) Kreismeister.
Zum 20. Deutschen Turnfest nach Hamburg, an dem erstmals auch wieder die
Turnerjugend teilnehmen konnte, fuhren auch drei Aktive des Turnvereins:
Josef Wilm, Hermann Steinwegs und Heinz Fegers. Dieses Fest,
besonders jedoch die Ansprache von Bundespräsident Heuss bei der
Schlussveranstaltung setzte für die Turn- und Sportbewegung neue
Akzente.
Im Zuge einer verbandsseitig dem Lobberich Sportclub (LSC) auferlegten
Sportplatzvergrößerung, bei der die Umlaufbahn weichen musste, wurde
diesem im Jahre 1952 gestattet, die Anlage des Turnvereins zu Trainingszwecken zu
nutzen.
Im November 1953 übernahmen die Eheleute Ernst und Henny Zitzen den
Hallenwartposten für die Turnhalle.
Die Leichtathletikjugend bringt es im Jahre 1954 zu beachtenswerten Erfolgen.
Toni Pollen, Gerd van Sandten, Willi Wolters und Sepp Gerhards machten
erstmals auf sich aufmerksam; jedoch sollte hier die gesamte Abteilung mit
Franz Holterbosch an der Spitze wegen ihres unermüdlichen Einsatzes
bei vielen Sportveranstaltungen nicht unerwähnt bleiben. So nahmen Sepp
Gerhards und Willi Wolters als erste Sportler des Vereins an den
Deutschen Jugendmeisterschaften teil.
Im Dezember 1954 wurde die noch aus der Vorkriegszeit stammende Satzung des
Turnvereins den neuen Gegebenheiten angepasst – insbesondere auch wegen der
neuen Gemeinnützigkeitsverordnung, die dem Verein ermöglichte,
Spendengelder anzunehmen.
Nachdem das Tennisplatz- und Kleinspielfeld im Rohbau fertiggestellt waren, wurde
der Ausbau der Tennisanlage vom weiteren Plan gestrichen, da man der Meinung war
„Tennis sei zurzeit kein Volkssport“. (wie sehr sich
die Zeiten ändern werden!)
Auf Initiative von Ernst Ott wurde der
„Vereins-Besten-Pokal“ angeschafft:
Bestimmungen über die Zuerkennung des Wanderpreises an das jahresbeste
Mitglied:
1. Der Verein hat einen
Wanderpreis gestiftet zur alljährlichen Zuerkennung an das
jahresbeste Vereinsmitglied.
2. Jahresbester ist, wer sich
sowohl mit seiner turnerischen Leistung wie auch in seiner
ideologischen Einstellung zum deutschen Turnen und in seiner gesamten
persönlichen
charakterlichen Haltung zum Verein und seinen Mitgliedern am meisten hervorgetan
hat.
Maßgebend ist also die Gesamtleistung und Gesamthaltung für den Verein
und seine turnerische Arbeit und nicht allein die messbare sportliche
Leistung.
3. Die alljährliche Auswahl
des Jahresbesten erfolgt durch Beschluss des Vorstandes, die Verleihung erfolgt
auf der ordentlichen Jahresversammlung der Mitglieder für das betreffende
Jahr.
Erste Preisträger im Jahre 1955 sind Sepp Gerhards
für seine besonderen leichtathletischen Leistungen und Willi
Wolters, der in diesem Jahr Niederrhein-Meister im Zehnkampf wird.
Der besonders den alten Handballern heute noch bekannte Karl-Heinz
Gädtke stößt mit 46,92 Meter im Diskuswurf in die
Westdeutsche Spitzenklasse vor. Er starb leider schon in jungen Jahren an einer
heimtückischen Krankheit.
Neues Vereinsheim wurde im Jahre 1956 das Kolpinghaus (heute Seerosensaal), da
der alte Saal vom Dammer dem Sparkassenneubau weichen musste.
Im Februar 1957 übernahm Heinz Nopper für lange Jahre das Amt
des Jugendspielwartes. Seinen hervorragenden Leistungen, die weit über das
„Normale“ hinausgingen, ist es zu verdanken, dass eine ganze
Reihe von guten Handballspielern aus den Reihen der Jugendlichen
hervorging.
Anfang 1958 wurde die Schwimmabteilung mangels Beteiligung aufgelöst.
Ernst Brandt, jahrelanger Leiter dieser Abteilung, gründete den
Versehrtensportverein (heute: Behindertensportverein) Lobberich.
Hans Schatten wurde neuer Handball-Spielwart und löste Ernst
Ott ab. Ein neuer Aufschwung der Handballabteilung begann. Dank des guten
Nachwuchses aus der A-Jugend konnte im Jahre 1959 nach kurzer Zugehörigkeit
zur Bezirksliga der Aufstieg in die Landesliga geschafft werden.
Die Olympischen Sommerspiele in Rom im Jahre 1960 sahen auch eine Teilnehmerin
aus den Reihen des TV Lobberich: Anneliese Gerhards, die als
Speerwerferin an erster Stelle in der deutschen Bestenliste 1960 stand, hatte als
einzige deutsche Teilnehmerin im Speerwerfen das Finale erreicht. Am Fernsehen
konnten viele den Kampf mit Freude beobachten. Vereinsinterne, örtliche und
überörtliche Ehrungen wurden Frau Gerhards für ihre
erbrachten Leistungen zuteil.
Karl Loos übernahm im Jahre 1960 das Training der
Handball-Stamm-Abteilung. Unter seinem „eisenharten“
Training und mehr als vorbildlicher Leistung und nicht zuletzt durch eine
hervorragende Kameradschaft errang die 1. Mannschaft 1960 bereits die
Gruppenmeisterschaft in der Landesliga. Fast wurde auch der Aufstieg in die
Oberliga geschafft, der damaligen höchsten deutschen Spielklasse im
Feldhandball. Auch in der Halle erreichte wurden nennenswerte Erfolge erzielt: So
wurde die 1. Mannschaft erstmals Hallenhandballmeister des Kreises Grenzland.
Im Zuge einer Generalbereinigung von Grundstücksangelegenheiten erhielt der Turnverein von der Gemeinde Lobberich das an die Turnerkampfbahn angrenzende Doppelwohnhaus Wevelinghover Straße 151/153 zugesprochen. Damit war ein Grundstein gelegt, in späteren Jahren das heute bestehende Vereinsheim zu errichten.
Das Jahr 1961 wurde zu einem der erfolgreichsten Jahre des Turnvereins in sportlicher wie auch in gesellschaftlicher Hinsicht. Nicht nur das 100jährige Jubelfest wurde zu einem Ereignis besonderer Art, auch die Leichtathletik- und Handballabteilung erzielten beachtenswerte Erfolge.
Die 100-Jahr-Feier in der Zeit vom 8. bis 16. Juli 1961 wurde dank der vorbildlichen, unermüdlichen Arbeit der speziell für dieses Fest ins Leben gerufenen verschiedenen Arbeitsausschüsse zu einer werbewirksamen, auch von Außenstehenden viel beachteten Veranstaltung. Ausscheidungsspiele um den Aufstieg zur Handball-Oberliga, ein Festzug, eine leichtathletische Großveranstaltung auf der Turnerkampfbahn, ein wunderschöner Festabend unter der Beteiligung von Turnern der Deutschland- und Rheinlandriege, die Rheinischen Turnmeisterschaften in 31 Wettbewerben, der Deutsche Turnvereins-Gruppenwettstreit (Landesklasse), die Deutsche Turnvereins-Meisterschaft (Landesklasse) und besondere Einzelkämpfe und Staffeln sorgen für einen sportlichen und gesellschaftlichen Rahmen, der sich sehen lassen konnte. Im Rahmen der Veranstaltung überreichte Bürgermeister Hein Nicus dem Turnverein eine neue Fahne.
Die erste Handballmannschaft erreichte dank hervorragender Leistungen über
die Ausscheidungsspiele gegen Sterkrade, Mülheim und Hilden den Aufstieg in
die Oberliga und wurde bereits im ersten Jahr ihrer Zugehörigkeit
Tabellenvierter.
Die guten Leistungen der Handballer fanden auch überörtlichen Zuspruch;
so wurden Sepp Gerhards in die Westdeutsche Auswahl und Roland
Geratz, Lambert Birker und Hans Tüffers in die
Niederrhein-Auswahl berufen.
In fast allen Männer- und Jugenddisziplinen wurden im leichtathletischen
Bereich neue Vereinsrekorde aufgestellt. Die Deutschen Meisterschaften in der
Leichtathletik brachten dem Turnverein erstmals einen Deutschen-Meister-Titel:
Anneliese Gerhards kehrte als Deutsche Meisterin im Speerwerfen der
Frauen nach Hause zurück. Zuvor hatte sie auch die Westdeutsche- und die
Niederrhein-Meisterschaft erringen können. Mit 52,77 Metern belegte Frau
Gerhards im Jahr 1961 den 2. Platz in der Deutschen Bestenliste und den
9. Platz in der Weltrangliste. Hans Straver, ebenfalls ein vorbildlicher
Leichtathlet wurde an 40. Stelle über 400-Meter-Hürden in der deutschen
Bestenliste geführt.

Turnerriege 1961
Mit dem Jahr 1961 ging eine Epoche im Turnverein Lobberich zu Ende, die in der
Hauptsache durch den Neuaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg geprägt war.
Vorstand TV Lobberich
1961
Der TV Lobberich 1861 e.V.
Von 1962 – 1987
- der Turnverein auf dem Weg zum Breitensport -
Dieses Kapitel der Chronik des Vereinslebens beginnt mit einem Jahr, in dem die
Gemeinde Lobberich in sportlicher Hinsicht – auch dank des Turnvereins
Lobberich – wieder einmal sehr gut dasteht:
Die 1. Handballmannschaft spielt im zweiten Jahr in der höchsten
deutschen Spielklasse; der Handball-Oberliga Bezirk Niederrhein.

Sepp Gerhards im Spiel gegen den
Tus Lintfort
Anneliese Gerhards holt sich zum zweiten Male den Titel einer Deutschen
Meisterin im Speerwerfen der Damen.
Willi Moonen – Mitglied der Billardfreunde 1937 – gelingt
es, den Titel eines Deutschen Billardmeisters in der Disziplin
„Einband“ zu erobern.
Ein junger Reiter namens Karl-Heinz Giebmanns reitet von Erfolg zu
Erfolg.
Auf Initiative des Leichtathletikwartes des Turnvereins, Kurt Krummeich,
wurde dem Vorstand des Vereins ein Probeexemplar einer Vereinszeitung –
zunächst als „Nachrichtenblatt der Leichtathleten“ mit
dem Titel „Sporttelegramm“ – vorgestellt. Nach
mehreren Anläufen wurde die Herstellung jedoch zunächst „ad
acta“ gelegt, da die Produktionskosten nach Meinung der Mehrheit der
Vorstandsmitglieder nicht in einem rechten Verhältnis zum Nutzen dieser
Zeitung stehen würden.
Im September 1962 kam es zu ersten Differenzen im Vorstand des Turngaus Kempen,
die durch die im Jahre 1960 erfolgte Neugründung des Kempener Turnvereins
hervorgerufen wurden. Die Arbeit auf Gauebene ist dadurch erheblich behindert.
Dem persönlichen Einsatz des 1. Vorsitzenden des Turnverein Lobberich,
Dr. Josef Veith, ist es zu verdanken, dass die Meinungsverschiedenheiten
beigelegt werden konnten. Im neu gewählten Vorstand des Turngaus Kempen
waren auch folgende Mitglieder des Turnvereins Lobberich vertreten: Dr. Josef
Veith, Wilhelm Riether, Hans Straver, Josef Wilms, Heinz Fegers, Günter
Isenberg und Helmut Gütz.
Aufgrund eines Gutachtens, das den Zustand des über
einhundertjährigen – im Jahre 1960 von der Gemeinde dem Turnverein
Lobberich zugesprochen – Doppelwohnhauses Wevelinghover Straße
151/153 beschreibt, wurde erstmals erwogen, wegen der äußerst hohen
Instandsetzungs- und Reparaturkosten, die bestehenden Gebäulichkeiten
abzureißen und ein neues Vereinsheim mit Platzwartwohnung zu
errichten.
Ende des Jahres 1962 übersteigt die Mitgliederzahl des Turnvereins die
500er-Marke.
Auch das Jahr 1963 brachte dem Turnverein einen erneuten Erfolgsboom, an dem vor
allem die 1. Handballmannschaft großen Anteil hatte. Erstmals nahm sie an
der westdeutschen Meisterschaft teil. Die damaligen Spiele gegen so bekannte
Mannschaften wie TuS Lintfort (früherer Deutscher Feldhandball-Meister), VfL
Gummersbach, TG Witten, Bayer Leverkusen und Grün-Weiß Dankersen sind
vielen Vereinsmitgliedern und Handballfreunden noch in angenehmster Erinnerung.
Stetig steigende Zuschauerzahlen (teilweise bis zu 3.000!) verdeutlichen das
seinerzeit große Interesse, das man der jungen Mannschaft entgegenbrachte;
selbst der Rundfunk war teilweise bei den Spielen vertreten.
Ende November 1963 wurde zur Verbesserung der Trainingsmöglichkeiten
für die Handballer eine Flutlichtanlage auf der Turnerkampfbahn
fertiggestellt – allerdings nur für einen Torraum.
Wenn auch das Jahr 1963 für die Leichtathletikabteilung nicht ganz so
erfolgreich war wie die Jahre zuvor, so wurden trotzdem schöne und vor
allem auch beachtenswerte Leistungen erzielt. Anneliese Gerhards, Hildegard
Jalas, Herbert und Ingrid Halberkamp, Erhard Hahs, Hans Straver, Jürgen und
Heinz Nielebock und Manfred Sommerfeld hatten daran entscheidenden Anteil.
Die Männermannschaft Hans Straver, Jürgen Nielebock und Manfred
Sommerfeld errang im Fünfkampf bei den Niederrhein-Meisterschaften
einen hervorragenden fünften Platz.
Ein sportliches überregionales Ereignis darf auch in der Vereinschronik
eines Turnvereins nicht fehlen: Im August 1963 begann die
Profi-Fußball-Bundesliga mit ihren ersten Meisterschaftsserie.
Das Jahr 1964 dürfte insbesondere für die Gemeinde Lobberich von
größter Bedeutung sein: Innenminister Weyer von
Nordrhein-Westfalen überreichte Bürgermeister Hein Nicus und
Stadtdirektor Heinz-Willi Güßgen am 7. August
1964 die Urkunde zur Verleihung der Stadtrecht. Bereits im Sommer des Jahres 1881
hat es erste Anstrengungen in Lobberich gegeben, Stadtrechte zu erhalten. Die von
Bürgermeister Stankeit initiierten Bemühungen wurden jedoch
von den Bauern der Umgebung, die eine Bevorzugung der „Städter“
fürchteten, zu Fall gebracht. Auch Bürgermeister Marx scheiterte 1901
an diesem Bestreben.
Mit Ernst Ott verlor der Turnverein im Jahre 1964 seinen langjährigen 2. Vorsitzenden und damit einen Mann, dessen Verdienste gar nicht alle aufgezählt werden können. Die Ehrennadeln des DTB, des Turngaus Kempen und des Westdeutschen Handballverbandes sind nur einige der vielen Auszeichnungen von Ernst Ott. Klaus Nielebock und Hans Straver übten den vakanten Posten als Leichtathletikwart vorübergehend aus.
Vor allem den „Hausfrauen Lobberichs“ eröffnete das
Jahr 1964 ein neues Betätigungsfeld im Turnverein. Eine
„Hausfrauenabteilung“, in der vor allem Gymnastik betrieben
werden sollte, wurde von Edeltraud Krug gegründet. Die Abteilung,
die später dann liebevoll „Muttiriege“ genannt wurde,
ging dann in die „Senioren-Gymnastik-Gruppe“ über, in
der zeitweise bis zu 60 ältere Damen in zwei Gruppen sportliche
Betätigung suchten.
Bei den 18. Olympischen Spielen in Tokio, an denen letztmalig – bis zur
Wiedervereinigung – eine gesamtdeutsche Mannschaft aus Sportlern der
Bundesrepublik und der DDR vertreten war, belegte Anneliese Gerhards
einen beachtlichen 8. Rang beim Speerwerfen der Frauen. Ein Jahr nach ihrem
schönen Erfolg in Tokio wurde Anneliese Gerhards erneut Deutsche
Meisterin, während Herbert Halberkamp bei den Rheinischen
Turnmeisterschaften Sieger im Sechskampf wurde und bei den Westdeutschen
Meisterschaften über 200m-Hürden den dritten Platz belegen konnte.
Handball A-Jugend 1964 beim Besuch des
TV Schalksmühle
Im Oktober 1965 wurde für die Handballabteilung erstmals ein
„Spielausschuss“ gebildet, dem die Mitglieder Lothar
Niederländer, Rolf Finster und Helmuth Müller
angehören. Dieser Ausschuss sollte dem Trainer bei der
Mannschaftsaufstellung beratend zur Seite stehen.
Allerdings machten sich erste Anzeichen einer handballerischen Krise bemerkbar.
Man trennte sich von Erfolgstrainer Karl Loos, womit – für
viele vorhersehbar – unausweichlich ein Abwärtstrend der
Handball-Stammabteilung verbunden war. Nach einer Übergangsphase, in der
Hermann-Josef (Sepp) Gerhards als Spielertrainer fungierte, wurde der
Dülkener Sportlehrer Heythausen als neuer Trainer
verpflichtet.
Auf Anregung von Klaus Nielebock beteiligte sich der Turnverein erstmals
an dem vom Landessportbund durchgeführte
„Sportabzeichenwettbewerb“; leider machten nur wenige
Vereinsmitglieder von dieser Möglichkeit, ihre Fitness zu beweisen,
Gebrauch.
In der Jahreshauptversammlung 1966 trug Günter Isenberg als
„Skiwart“ vor, dass eine große Anzahl der
Vereinsmitglieder dem Skifahren „fröhnt“. Junge und
auch ältere Menschen würden den Versuch unternehmen, im Winter Urlaub
zu machen und sich zum ersten Mal auf Skier stellen. Günter Isenberg
vermutete „auch in den Reihen des Turnvereins eine relativ starke
Gruppe von Turnbrüdern und Turnschwestern, die entweder bereits auf den
Brettern gestanden haben oder aber die, die sich gerne damit vertraut machen
möchten“. Als Gau-Skiwart äußerte er den Wunsch, dass
der Turnverein im nächsten Jahr um eine Abteilung, nämlich die
Skiabteilung, „reicher“ würde. Leider ist in den
folgenden Protokollbüchern hiervon nie mehr die Rede.
Die negativen Vorzeichen im Handball hatten ihre Konsequenzen: Einer großen
Erfolgsphase, die auch in den späteren Jahren in diesem Sinne nie mehr
vorkam, folgte ein Niedergang, der sich zunächst darin widerspiegelte, dass
die 1. Herren-Mannschaft aus dem Handball-Oberligahaus in die Verbandsliga
abstieg. Die 2. Herrenmannschaft bewegte sich dem allgemeinen Trend entsprechend
auch nur noch im unteren Tabellendrittel. Nun wurde hektisch der Grund für
diesen Einbruch gesucht. Viele sahen ihn darin, dass nicht genügend
Nachwuchs aus der Jugendabteilung – speziell aus der A-Jugend –
herauskam, der den hohen Ansprüchen gerecht werden konnte.
Dennoch gab es in dieser schwierigen Phase der Handballabteilung des Vereins
einen Lichtblick: Leni Tophoven, Ehefrau von Otto Tophoven, Torwart der
1. Handballmannschaft, und ehemalige niederländische Nationalspielerin,
gründet im Juni 1967 eine Damen-Handball-Abteilung, an deren Aufbau und
Erfolgen sie in der nächsten Zeit erheblichen Anteil hatte.
Die Faustball-Abteilung, zwischenzeitlich in der Altersabteilung angesiedelt,
wurde nach Jahren der Mittelmäßigkeit erstmals wieder
Kreismeister.
Aus Dankbarkeit und in Erinnerung an die großartigen Verdienste des 1.
Vorsitzenden des Vereins wurde der von ihm gegründete Verein
„Turnerkampfbahn Lobberich e. V.“ in „Dr.
Joseph-Veith-Turnerkampfbahn Lobberich e. V.“ umbenannt.
In Sachen Vereinsheim-Neubau wurde im September 1967 ein weiterer Schritt nach
vorne getan: Das bereits erwähnte Doppelhaus an den Wevelinghover
Straße wurde von den Mietern geräumt. Im April 1968 wurden dann
endgültig der Abriss und ein Neubau beschlossene Sache. Der zunächst
vorgelegte Finanzierungsplan, der mit einer Gesamtbaukosten-Summe von 175.000 DM
abschloss, ließ jedoch einige verhaltene Stimmen laut werden, die aus
Kostengründen das Projekt infrage stellten.
Zur besseren Arbeitsteilung und Entlastung des geschäftsführenden
Vorstandes wurde nun ein Bauausschuss ins Leben gerufen, dem die Mitglieder
Hans Schatten, Heinz Grundmann, Ernst Ditges,
Josef Wilms, Karl Blasius, Walter Schmitz, Willi
Schmitz, Johannes Schmitz und Hans Christians
angehörten.
Speziell auf die Mitgliederentwicklung der Leichtathletikabteilung des
Turnvereins hatten im Jahre 1968 die 19. Olympischen Spiele in Mexiko des Jahres
1968 positive Auswirkungen. Allein 21 neue Mitglieder traten dieser Abteilung
bei. Bei den jugendlichen Leichtathleten traten Sieglinde Klinkertz und
Martina Gerhards im Speerwerfen besonders hervor. Karl-Heinz
Schmitz wurde Kreismeister im Zehnkampf.
Übrigens wurde bei den Spielen in Mexico für die Hochspringer eine neue
Ära eingeläutet: Der Amerikaner Fosbury kreierte einen neuen
Hochsprungstil. Mittlerweile haben alle Hochspringer ihre Technik darauf
umgestellt.
Das vom 28. Mai – 2. Juni 1968 in Berlin abgehaltene Deutsche
Turnfest wurde auch von sechs Aktiven des Turnvereins besucht.
Auch für die Handballabteilung brachte das Jahr 1968 einen leichten
Aufwärtstrend. Die erste Mannschaft schaffte wieder den Aufstieg in die
Oberliga, die zweite Mannschaft stieg in die Bezirksklasse auf. Die bereits
erwähnte gute Aufbauarbeit von Leni Tophoven trug erste
Früchte: Die erste Damenmannschaft wurde bereits Bezirksmeister. Im
Hallenhandball waren die Aktiven dann nicht so erfolgreich. Zwar schaffte die 1.
Herrenmannschaft noch die Qualifikationsrunde zur neu gegründeten
Hallenlandesliga, doch der erhoffte Aufstieg wurde knapp verpasst.
Das Jahr 1969 – das Jahr, in dem der erste Mensch den Mond betrat –
war für den Turnverein besonders in einer Hinsicht bedeutungsvoll: durch den
Neubau des Vereinsheims. Nachdem es Anfang April 1968 zu einem Brand in dem
abbruchreifen Doppelhaus kam, wurde am 19. 4. 1969 in Zusammenarbeit mit dem
Technischen Hilfswerk (THW) und unter tatkräftiger Mithilfe vieler
Vereinsmitglieder der Abbruch vorgenommen. Bereits Mitte Dezember 1969 stand der
Rohbau dank unermüdlicher ehrenamtlicher Arbeit – das Protokollbuch
erwähnt hier besonders die Mitglieder Heinz Grundmann, Hans
Schatten, Gebr. Schmitz und Johannes Schatten, den Vater
von Hans Schatten, der mit 78 Jahren immer so rüstig und fähig
war, die gesamten Arbeiten in seiner ihm eigenen Art mit größter
Umsicht und Sachkenntnis zu leiten. In mehr als 3.000 Arbeitsstunden wurde der
Rohbau fertiggestellt, so dass ein zünftiges Richtfest gefeiert werden
konnte.
Der Tod eines besonders verdienten Mitgliedes darf natürlich in einer
Chronik nicht unerwähnt bleiben: Ehrenvorstandsmitglied Wilhelm
Riether, * 12. 9. 1872, verstarb Karnevalsmontag im Februar 1969 mit 97
Jahren. Damit verlor der Turnverein Lobberich einen Mann, der die Geschicke des
Vereins jahrzehntelang mitgeprägt hatte. Er verkörperte einen Teil der
Geschichte des Turnvereins Lobberich. Folgende Ämter hatte er im Verein
inne: Kassierer, Turnwart, Oberturnwart, Frauenturnwart und 2. Vorsitzender.
Wilhelm Riether führte an der Breyeller Straße zusammen mit
seinem Bruder eine Bürstenmacherwerkstatt, die sich schon seit 1796 vom
Vater auf die Söhne vererbte. 1891 fing es mit der „Turnerei“ an
– wie Wilhelm Riether sich ausdrückte. Der Lobbericher
Turnverein hatte damals wohl 7 oder 8 aktive Mitglieder. Ein Jahr später
wurde der junge Handwerker Schriftführer und Chronist des Vereins. Gegen
Ende des Jahres 1894 nahm er für seinen Verein am Wettkampf in Viersen teil.
Bei diesem Gauturnfest holte er sich den zweiten Preis. Dann kam die Zeit, in der
es auf die „Wanderschaft“ ging. Nach Oedt, Krefeld und
Viersen wanderte der junge Handwerker und Turner auch nach Bocholt (Westfalen).
Hier und später in Unna zählte Riether zu den besten Turnern
und wurde beim Turnverein auch zweiter Turnwart. Die Turnerei ließ ihn nun
nicht mehr los. Er trat in Hannover in den hannoverschen Turnerbund ein. Hier
lernte er das Kunstturnen kennen, das er mit großer Begeisterung betreibt.
Schon am zweiten Abend steht er in der ersten Kunstturnriege. Dann trieb es ihn
wieder in seine Heimat. Sein erster Weg führte ihn wieder zu seinen
Lobbericher Turnkameraden.

Wilhelm Riether
Aber nicht nur im Vereinsleben, das er von den ersten Anfängen an begleitete
und förderte, sondern auch darüber hinaus war Wilhelm Riether
stets ein Turner, der sich mit Leib und Seele der Turnerei verschrieben hatte.
Von 1898 bis 1935 (37 Jahre lang!) sahen wir Wilhelm Riether als
Gauturnwart des Niederrheinischen Grenzturngaues, dessen Mitbegründer er
war. Als Mitgründer der Turnvereine Eintracht Dülken (1895), TV Amern
(1906), TV Schaag (1906), TV Bracht (1902), TV Hinsbeck (1902), TV Boisheim
(1905), von denen heute schon einige nicht mehr bestehen, hat er auch in den
Nachbarorten die Turnerei gehegt und gepflegt. Die Vorläufer des
Süchtelner Bergfestes waren die von Wilhelm Riether in Szene
gesetzten volkstümlichen Turnfeste in Hinsbeck (1906 – 1908). Die
damaligen Übungen setzten sich noch aus Laufen (um den Pfahl), Springen,
Stabhochsprung und Weithochsprung zusammen. Im Jahre 1911 lehnten es die
Hinsbecker ab, die Veranstaltung durchzuführen. Daraufhin bewarben sich die
Süchtelner Turner um die Ausrichtung, woraus schließlich das
Süchtelner Bergfest, das traditionsreichste Sportfest unserer näheren
Umgebung, entstand.
Zahlreiche Ehrungen wurden Wilhelm Riether zuteil: Die zahllosen
Ehrenbriefe und Urkunden, Diplome und Dankschreiben, die er erhalten hat, geben
ein Zeugnis von seinem unermüdlichen Einsatz für die Turnerei. Einige
wenige seien hier erwähnt: Preußische Staatsplakette (1932),
Ehrenbrief des Niederrheinischen Grenzgaues (1936), Ehrenbrief des Kreises VIII b
– Rheinland (1919), Urkunde der Gemeinde Lobberich in Anerkennung seiner
Verdienste um die Ertüchtigung der Jugend (1951) und so weiter und so
weiter. Die Ehrenmitgliedschaften in den Turnvereinen „Oranje
Venlo“, „TV Breyell“, „TV
Wachtendonk“ und „TV Oedt“, die
Ehrenmitgliedschaft im Turngau Kempen und die Ernennung zum Ehren-Oberturnwart im
Jahre 1950 machen deutlich, wie sehr Wilhelm Riether mit der Turnerei
verbunden war. Ihn und seine hervorragenden Leistungen zu würdigen ist dem
Chronisten ein besonderes Bedürfnis, ohne die Leistung anderer –
ebenfalls verdienter Mitglieder – schmälern zu wollen.
Mit der Eröffnung der neuen städtischen Sporthalle an der
Süchtelner Straße nahm besonders der Hallenhandball im Verein einen
neuen Aufschwung. Die umständlichen Fahrten zur kleinen Kaldenkirchener
Sporthalle hatten endlich ein Ende. Im Oktober 1969 übernahm der
frühere Erfolgstrainer Karl Loos wieder das Training der 1. und 2.
Männermannschaft. Die 1. Damenmannschaft setzt ihren Erfolgskurs fort und
stieg in die Landesliga auf. Nach schwachen Leistungen steigt die 1.
Herrenmannschaft im Feldhandball aus der Oberliga ab.
Im Oktober 1969 wird auf Anregung von Lothar Niederländer eine
„Volley-Ball-Abteilung“ gegründet, womit in sportlicher
Hinsicht im Verein an „Vakuum“ geschlossen wird.
In der Leichtathletikabteilung machten wiederum die Jugendlichen von sich reden.
Systematisches Leistungstraining und ein gesunder Ehrgeiz brachten viele
beachtlich Erfolge, die zwei LVN-Meistertitel von Hans-Josef Caelers im
Hochsprung (mit 1,96 m steht er an 18. Stelle der gesamtdeutschen
Bestenliste) und Martina Gerhards im Speerwurf seien stellvertretend
erwähnt.
Zu Beginn des Jahres 1970 wurde in der neuen Stadt Nettetal, die sich im Zuge der
kommunalen Neugliederung ab 1. 1. 1970 aus den früheren Orten
Lobberich, Kaldenkirchen, Breyell, Hinsbeck und Leuth ergab, unter der Leitung
von Lothar Niederländer eine „Turn-Spiel-Abteilung“
gegründet, die die Leistungsgruppen „Faustball“ und
„Volleyball“ aufnahm. Hier kam es hin und wieder zu
Problemen mit der „Altersabteilung“, in der ja, wie bereits
beschrieben, auch die Faustballgruppe untergebracht war. Dank der
verständnisvollen und lieben Art eines Willi Tack, der u. a.
auch die sehr beliebte „Wanderabteilung“ – ebenfalls in der
Altersabteilung angesiedelt – betreute, wurden auch diese Probleme zur
Zufriedenheit aller gelöst.
Am 29. 6. 1970 fand die erste eigenständige Jugendversammlung im
Turnverein Lobberich statt, die darauf abzielte, die Jugendlichen im Verein
stärker zusammenwachsen zu lassen, um später eine echte Mitbestimmung
und Mitgestaltung im Verein durch die Jugendlichen zu erreichen.
Im Feldhandball verpasste die 1. Männermannschaft nur knapp den
Wiederaufstieg in die Oberliga. Im Hallenhandball dagegen wurde sie –
infolge eines deutlich verbesserten Trainings in der neuen Sporthalle –
Kreismeister und schaffte den Aufstieg in die Landesliga. Die 1. Damenmannschaft
erreichte in der Halle bereits die Oberliga.
Am 18. 12. 1970 wurde das neue Vereinsjugendheim im Rahmen einer schlichten Feier seiner Bestimmung übergeben. Dr. Veith hob in seiner Festrede dabei hervor, dass der Neubau an sich, aber auch der dabei zutage getretene große Idealismus und Eifer vieler Vereinsmitglieder seitens der Stadt, vor allem aber auch von der Bevölkerung sehr lobend anerkannt wurde. Schon wenige Zahlen bezeugen, wie groß der Anteil der Mitglieder am Gelingen des Vorhabens war:
Gesamtbaukosten: ca. 214.000
DM
Eigenkapital:
ca. 30.000 DM
Eigenleistung
(!)
ca. 79.000 DM
Die Gesamtarbeitsstunden der Mitglieder: 5.500 (!)
Im April 1972 legte Dr. Veith aus Altersgründen das am 23. 2.
1935 (nach 37 Jahren!) übernommene Amt des 1. Vorsitzenden nieder. In der
Jahreshauptversammlung wurde er auf Vorschlag des Ältestenrates einstimmig
zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Die Mitglieder wählten den Zahnarzt
Walter Böken zum neuen 1. Vorsitzenden des Vereins.
Walter Böken
Das Olympiajahr 1972 brachte dem Verein in sportlicher Hinsicht keine
nennenswerten Erfolge. Auch der erhoffte Mitgliederzuwachs blieb aus.
Letztlich zählte der Verein Ende des Jahres 749 Mitglieder. In der
Turnspielabteilung wurde auf Initiative von Lothar Niederländer
eine „Er und Sie“-Gruppe, in der von Ehepaaren
hauptsächlich Gymnastik und Ballspiele betrieben werden konnten,
gegründet. Im Hinblick auf die Leistungen von Spitzensportlern, die
ausschließlich durch die Deutsche Sporthilfe unterstützt wurden,
wurden auch im Turnverein kritische Stimmen zum Leistungssport laut, zumal der
Breitensport, von allen Gruppen und Institutionen anerkannt, weitestgehend von
den Sportvereinen getragen wird.
Die 1. Damen-Handball-Mannschaft stieg nach einer überzeugenden Serie in die
höchste deutsche Spielklasse, die Regionalliga auf, musste diese jedoch nach
einem Jahr der Zugehörigkeit wieder verlassen. Das dort anzutreffende
Leistungsniveau war wohl doch zu hoch, um hier bestehen zu können.
Da im Turngau außer dem Turnverein Lobberich kein anderer Verein Faustball
wettkampfmäßig betrieb, schloss man sich 1972 – um Wettspiele
austragen zu können – mit dieser Abteilung dem Turngau
Mönchengladbach an. Auch mit der Volleyballabteilung, die seit den
Olympischen Spielen in München einen wahren Boom erlebte, schloss man sich
einem übergeordneten Verband, nämlich dem Westdeutschen
Volleyballverband, an. Den Bestrebungen, den Jugendlichen im Verein mehr
Mitbestimmung und Selbstverwaltung zu ermöglichen, wurde am 17. 3. 1972
mit dem Erlass einer Jugendordnung Rechnung getragen.
Das Jahr 1973 brachte für den Handballsport, aber auch bei vielen
Handballfreunden ein leicht wehmütiges Ereignis: Mangels Interesse der
Spieler und nicht zuletzt auch der Zuschauer, die vor allem dem wesentlich
schnelleren und abwechslungsreicheren Hallenhandballspiel ihre Gunst erwiesen,
sagte man auch verbandsseitig dem Feldhandball ade.
Mitte des Jahres 1973 kam es von verschiedenen Seiten aus zu Gründungen von
Schülersportgemeinschaften in Lobberich. Träger dieser SSG waren die
Lobbericher Schulen und die beiden Großvereine LSC (Lobbericher Sportclub)
und TV Lobberich. Insgesamt wurden 23 Sportgemeinschaften in Nettetal in sechs
Sportarten gegründet. In den Schulübungsgruppen waren 8
TV-Übungsleiter im Einsatz (Volleyball 2, Leichtathletik 4, Handball 1,
Turnen 1).
Auch für die Handballjugend gab es im Jahr 1973 erhebliche Neuerungen. Wurde
bisher mit der A- und B-Jugend auf dem Großfeld gespielt, einigten sich
nunmehr die Jugendbetreuer des Handballkreises Grenzland darauf, nur noch
Kleinfeldspiele durchzuführen. Man wollte hierdurch einen kontinuierlicheren
Aufbau und eine bessere Vorbereitung der Mannschaften auf die Hallenserie
erreichen. Allein sieben Jugendmannschaften wurden seitens des TV Lobberich
für die Serie 1973/74 gemeldet, eine bis dahin noch nie erreichte Zahl.
Wieder einmal zeigte sich auch in diesem Jahr die unermüdliche Jugendarbeit
von Heinz Nopper, der sich in selbstloser Weise dieser Tätigkeit
verschrieben hatte, ohne dabei die anderen Übungsleiter aus der
Stammabteilung zu vergessen. Allein zwei Kreismeistertitel (A- und E-Jugend), ein
zweiter Platz und ein vierter Platz zeugten von der guten Leistungsdichte in der
Handballjugend im Jahre 1973.
Im Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft am 20. Februar 1974 verstarb der
langjährige 1. Vorsitzende des Turnvereins, Notar D. Joseph Veith.
Mit ihm verlor der Turnverein Lobberich einen Mann, der jahrzehntelang die
Geschicke des Vereins an verantwortlicher Stelle geführt hatte. Der Ankauf
der Turnerkampfbahn, die Gründung des Vereines „Turnerkampfbahn
Lobberich e. V.“ und der Bau des Vereinsheimes, sind einige
wichtigen der überaus vielzähligen, hervorragenden Leistungen dieses
Mannes für den Verein. Der Turnverein Lobberich ist mit der Person Dr.
Joseph Veith sehr stark identifiziert. Ohne seine Kenntnisse und sein
Ansehen im öffentlichen Bereich wäre für den Verein sicherlich
vieles unmöglich geblieben und manche Türe hätte sich nicht
geöffnet.

Notar Dr. Joseph Veith
Im Juli 1974 wurde auf Antrag von Klaus Nielebock beschlossen, eine Bastketball-Abteilung zu gründen, die zunächst nur versuchsweise laufen sollte. Der Gymnasiallehrer M. Foudeh übernahm die Betreuung der Abteilung. Bald darauf wurde diese Abteilung Mitglied beim Bastketballverband. Nach nur drei Jahren seiner Amtstätigkeit verstirbt der 1. Vorsitzende Walter Böken im Jahr 1975.
Am 23. Mai 1975 wählen die Mitglieder auf der Jahreshauptversammlung
Günter Isenberg zum neuen 1. Vorsitzenden des Turnvereins.
Günter Isenberg
In der Leichtathletikabteilung machte ein junger Hammerwerfer auf sich
aufmerksam: Jürgen Steffen, der sich in der Schülerklasse zur
deutschen Meisterschaft in Bielefeld qualifizieren und dort einen hervorragenden
2. Platz belegen konnte.
Neben dem „Mutter- und Kindturnen“ innerhalb der
Gymnastikabteilung für ältere Frauen wurde im Januar 1976 eine
Gymnastikabteilung für Frauen von 18 – 30 gebildet, die von Helga
Heydhausen ins Leben gerufen und aufgebaut wurde. Im März 1976 wurde
eine Ballettgruppe eingerichtet, die durch Werner Heks, Claudia
Bergmann und Klaus Nielebock gegründet wurde unter
Ballettmeister Willi Heks.
Am 7. 5. 1976 wurde das 900. Mitglied in den Verein aufgenommen.
Viele Abteilungsleiter des Turnvereins hatten gehofft, durch die Olympischen
Sommerspiele in Montreal (17. Juli – 1. August 1976) käme es zu einem
Aufschwung in den einzelnen Bereichen. Es herrschte zwar nach wie vor reges
Treiben im Verein, besondere Leistungen wurden jedoch nicht erwähnt.
Da hatte es das Jahr 1977 – wenn auch nicht in sportlicher Hinsicht –
schon etwas mehr in sich: Erstmals wurde im August dieses Jahres über die
Nutzung der Turnerkampfbahn für Tennisplätze gesprochen, sieht man
einmal von dem geplanten Tennisplatz Ende 1949 ab. Dieses Vorhaben sollte in den
nächsten Wochen und Monaten Gegenstand vieler Diskussionen, Gespräche
und Presseartikel sein. Im Dezember 1977 erteilte der Eigentümer der
Platzanlage, der Verein „Dr.-Joseph-Veith-Turnerkampfbahn
e. V.“ dann endlich grünes Licht, auf der Anlage
zunächst drei Tennisplätze zu errichten. Als dann seitens der Stadt
neue Pläne aufgeworfen wurden (Verlagerung dieser neuen Plätze zwischen
Sportplatz und Stadion (Schulzenburg-Wäldchen)), kamen neue Diskussionen
auf. Fast noch ein ganzes Jahr verging, ehe man im November 1978 mit dem Bau der
Tennisplätze begann. Unter der Leitung von Heinz Hoelter
zählte die neu gegründete Tennisabteilung – obwohl man noch nicht
spielen konnte – am 31. 12. 1978 bereits 170 Mitglieder. Ein Beweis
dafür, dass die Entscheidung über den Bau der Tennisplätze –
zumindest unter Berücksichtigung der Sportangebotserweiterung –
richtig sein sollte. Tennis – in früheren Zeiten einmal der Sport des
„Gehobenen Mittelstandes“ – wurde immer mehr zum
Volkssport. Allein 40 Neuanmeldungen verzeichnete der Gesamtverein aufgrund der
Gründung der Tennisabteilung. Die Gründung der Abteilung solle jedoch
zunächst nicht als Konkurrenz zu den benachbarten Tennisvereinen gesehen
werden. Ohne dass zunächst Medenspiele (Meisterschaftsspiele) ausgetragen
wurden, sollte für die Förderung und Entwicklung der Breitensportarbeit
im Verein ein neues Zeichen gesetzt werden.
Im Jahr 1978 kam es erstmals zu Gesprächen über eine Selbstverwaltung der einzelnen Abteilungen innerhalb des Gesamtvereins. Diese Gespräche verliefen jedoch aus den unterschiedlichsten Gründen „im Sande“; vor allem aus finanzieller Hinsicht und aus organisatorischen Gründen war die Zeit wohl „noch nicht reif dazu“.
Für die weitere Entwicklung der Tennisabteilung war das Jahr 1979 von großer Bedeutung. Auf der Warteliste für die Aufnahme in diese Abteilung standen mittlerweile 90 Personen. Durch den regen Spielbetrieb erfuhr auch das Vereinsjugendheim einen erheblichen Aufschwung. Der Verein Turnerkampfbahn e. V. erwägte den Bau zweier weiterer Tennisplätze, stellte jedoch die endgültige Entscheidung zunächst zurück, um innerhalb des Turnvereins Diskussionen möglich zu machen.
Da viele Tennisspieler ihre Kinder mit auf den Platz brachten, beschloss der
Vorstand des Turnvereins, hinter dem Vereinsjugendheim einen Spielplatz anzulegen
und mit Spielgeräten zu bestücken, welches die Kinder dankend
annahmen.
Im leichtathletischen Bereich machte Hans-Theo Gotzes dadurch auf sich
aufmerksam, dass er die verlangte Qualifikationsnorm zur Teilnahme an den
Deutschen Marathonmeisterschaften erreichte.
In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Januar 1981, an der 158
Mitglieder (hauptsächlich aus der Leichtathletik- und der Tennisabteilung)
teilnahmen, wurde der Neubau der beiden weiteren Tennisplätze teilweise sehr
emotionsgeladen diskutiert. Die sich anschließende Abstimmung sah knapp
eine Mehrheit für den Bau der Tennisplätze. Der später erzielte
Kompromiss, bei dem es dann um die Lage der neuen Tennisplätze ging, sah
dann auch die Inaussichtstellung eines Kunststoff-Kleinspielfeldes mit Hoch- und
Weitsprunganlage vor.
Den Leichtathleten lag jedoch dieser Kompromiss „schwer im
Magen“. Mancher spielte mit dem Gedanken, dem Verein den Rücken
zu kehren; Klaus Nielebock äußerste sich u.a.: „Letztlich
dürfe man nicht verkennen, dass gerade aus dem leichtathletischen Bereich
heraus sehr viel für den Verein, darüber hinaus jedoch auch für
die Bevölkerung getan würde“ und verwies dabei auf den
Lobbericher Lauftreff, von den Eheleuten Joachim Schmeja ins Leben
gerufen, Trimm-dich-Aktionen und auf verschiedene Lauf- und
Sportabzeichenaktionen, um nur einige wenige zu nennen; „darüber
hinaus“ so Klaus Nielebock „müssten die Leichtathleten
auf die dringend benötigte Umlaufbahn verzichten“.
Im Jahre 1980 zeigen sich bei den Leichtathleten beachtliche Erfolge:
Angelika Bruckes ersprang sich im Hochsprung die Kreismeisterschaft,
Vizemeister im Zehnkampf wurde Klaus Wolters. An Landes-, Westdeutschen-
und Deutschen Meisterschaften beteiligten sich aufgrund der
Qualifikationsergebnisse Angelika Bruckes, Hans Straver,
Christoph Hühnerbein und Heinz-Theo Gotzes. Die
Langläufer, um die sich besonders die Gebrüder Manfred und
Helmut Sommerfeld kümmerten, errangen bei vielen Cross- und
Straßenläufen Siege und Platzierungen. Besonders der
Altersklassenläufer Walter Jansen machte hierbei von sich
reden.
Die Volleyballabteilung, mittlerweile bestehend aus einer Herren-, einer Damen-
und fünf Jugendmannschaften, hatte kein gutes Jahr. Die 1. Herrenmannschaft
stieg aus der Landesliga ab (in erster Linie dadurch bedingt, dass sich die
Mannschaft überwiegend aus A-Jugend-Spielern zusammensetzte). Die Er- und
Sie-Gruppe war auch im Jahre 1980 ein beliebter Treffpunkt. Hier stand nicht der
Wettkampf, sondern das gesellige Turnen im Vordergrund.
In der Tennisabteilung werden erstmals Klubmeisterschaften ausgetragen, um ein
„Kräftemessen“ untereinander zu ermöglichen.
Zusammen mit dem Hinsbecker Tennisklub wurden dann auch die Stadtmeisterschaften
im Tennis ausgetragen.
Die Basketballabteilung hatte 1980 ihre bisher größten Erfolge: Die 1.
Herren-Mannschaft schaffte den Aufstieg in die Bezirksliga. Im WBV-Pokal
erreichte man die Runde der letzten Acht. Die Damenmannschaft belegte einen
beachtlichen Mittelplatz, obwohl sich diese Mannschaft fast ausschließlich
aus B-Jugendlichen zusammensetzte.
In der Jahreshauptversammlung vom 3. 4. 1981 wurde Heinz Grundmann
besonders geehrt. Heinz Grundmann, seit 1931 Vereinsmitglied, seit 1951
ununterbrochen Vorstandsmitglied als Jugendwart, Sozialwart und
Geschäftsführer, erhielt aus der Hand des 1. Vorsitzenden die goldene
Vereinsnadel „in Gold“, eine Auszeichnung, die der Verein
bisher nur ein einziges Mal vergeben hatte, nämlich an den früheren 1.
Vorsitzenden Dr. Joseph Veith.
Im September 1981 waren endlich die beiden neuen Tennisplätze fertiggestellt
und bespielbar.
Das Jahr 1981 war für die Leichtathleten wieder ein sehr erfolgreiches Jahr.
Im Zehnkampf errang Klaus Wolters den Kreismeistertitel. Über 10.000 Meter
machte ihm dies Christoph Hühnerbein nach. Hühnerbein
verbesserte darüber hinaus die Vereinsbestenleistungen über 1.500,
3.000, 5.000 und 10.000 Meter. Insgesamt stellten die TVer im Jahre 1981 17
Vereinsbestenleistungen auf.
Ein Renner war nach wie vor der „Lobbericher Lauftreff“.
1.573 Sportlerinnen und Sportler nahmen im Jahre 1981 an ihm teil.
Erstmals wurde auch Sport für „Arbeitnehmer im
Schichtdienst“ angeboten, der jedoch nur schwach genutzt wurde.
Im November 1982 trat der Turnverein in der vom Radiosender RTL ausgestrahlten
Sendung „RTL-Unterwegs“ gegen den TSV Kaldenkirchen an. Der
mündliche Vergleichskampf, an dem auf Lobbericher Seite die Mitglieder
Detlev Hintzen, Michael Liedtke, Anja Sommerfeld, Nora
und Manfred Albersmann teilnahmen, sah die Lobbericher als Sieger. Der
von Radio Luxemburg gestiftete Preis wurde der Jugendabteilung des TV zur
Verfügung gestellt.
Das Jahr 1982 war insgesamt für alle Abteilungen des Vereins ein bewegtes
und erfolgreiches Jahr. Angefangen mit dem „Frauenturnen“,
bei dem unter Leitung von Helga Heydhausen die
„Aerobicgymnastik“ sehr gut ankam, über das Kleinkinder- und
Kinderturnen, bei dem sich Margret Tüffers und Elke Heider
besonders einsetzten. Ungezählte Stunden opferten sie Freizeit für die
Kinder opferten, Tennis, Leichtathletik, Basketball, Faustball, Handball,
Volleyball, Altersturnen bis hin zu den erholsamen und lehrreichen Wanderungen
der Wanderabteilung. Diese war lange Jahre von Willi Tack geführt
und geprägt und zwischenzeitlich von Herbert Tüffers
übernommen.
In allen Bereichen zeigte sich, dass die Mitglieder das
„Programm“ des Vereins wohlwollend annahmen und Trainings-
und Übungsstunden fleißig besuchten. Dabei war auch der gesellige Teil
innerhalb der einzelnen Abteilungen nicht mehr wegzudenken. Sommerfeste,
Spielfeste, Kaffeekränzchen, Weihnachts- und Nikolausfeiern wurden immer
wieder von fleißigen Helfern organisiert und mit viel Liebe
vorbereitet.
Beim Volleyball hatten die 1. Frauen- und 1. Herrenmannschaft einen mittleren
Tabellenplatz inne. Aufgrund dessen, dass nicht immer alle Stammspieler den
Mannschaften zur Verfügung standen (Aufnahme Studium, Ableistung von
Wehrdienst, berufliche Gründe o. ä.), konnte man dennoch mit den
gezeigten Leistungen zufrieden sein. Bei der Jugend hatten sich die erstaunlich
guten Leistungen der letzten beiden Jahre fortgesetzt. Insbesondere dank der
guten Aufbau- und Trainingsarbeit von Theo Tillmanns verfügte die
Volleyballabteilung insgesamt über eine gute Leistungsdichte.
Die Tennisspieler trugen erstmals Freundschaftsspiele gegen die benachbarten
Tennisvereine TC Hinsbeck, TSV Kaldenkirchen, TV Breyell aus, was prompt zu
Gegeneinladungen führte.
Im Jahre 1982 war man auch bei den Leichtathleten sehr aktiv. Insgesamt 17
Veranstaltungen wurden ausgerichtet, wobei diese auf der Turnerkampfbahn, der
Straße und in den Sporthallen ausgetragen wurden.
Straßenlaufveranstaltungen und Wettkämpfe in der näheren und
weiteren Umgebung wurden besucht. Der unter Breitensport angesiedelte Lauftreff
erfreute sich immer größerer Beliebtheit. 2.421 Laufinteressierte
nahmen an 104 Lauftreffs teil. Das angesprochene Sportangebot für
Arbeitnehmer im Schichtdienst wurde wegen „zu geringer
Beteiligung“ wieder eingestellt. Die freigewordenen Übungsstunden
in der Sporthalle wurden von der Frauenriege unter Leitung von Margret
Tüffers ausgefüllt, die nun „Frühsport“
betrieb. Auch die DLV-Mehrkampfabzeichen-Aktion war wiederum ein Erfolg: 17 x
Gold, 17 x Silber und 3 x Bronze waren das stolze Ergebnis. Stellvertretend
für viele soll hier Klaus Wolters genannt werden, der beste und
vielseitigste Mehrkämpfer des Turnvereins, Er erhielt in diesem Jahr die
goldene „DLV-Nadel 10“ für mehr als zehn Verleihungen
in ununterbrochener Reihenfolge.
Die Handballer freuten sich über den Wiederaufstieg der 1. Herrenmannschaft
in die Verbandsliga. Die 1. Frauenmannschaft belegte – ebenfalls in der
Verbandsliga spielend – einen guten Mittelplatz. Erstmals in der Geschichte
des Frauenhandballs im Turnverein Lobberich wurde zur Saisonvorbereitung ein
Trainingslager abgehalten, wobei das Spielverständnis und die Kameradschaft
gefördert werden sollten.
Die 1. Basketballherrenmannschaft belegte in der laufenden Serie einen
hervorragenden 2. Platz, während die im Wesentlichen aus Jugendlichen
bestehenden 1. Damenmannschaft den Aufstieg in die Bezirksklasse schaffte.
Im April 1983 wurde das 1.200. Mitglied in den Verein aufgenommen. Bei der
Jahreshauptversammlung kam noch einmal die Diskussion über die Auflage einer
Vereinszeitung – initiiert durch Klaus Nielebock – auf. Eine
Kommission wurde gebildet, die Einzelfragen klären sollte. Ein erstes Muster
wurde im August 1983 vorgelegt. Weitere Einzelheiten wurden nicht bekannt.
Im Jahr 1983 wird erstmals der Vereinsbestenpokal nicht verliehen.
Im ersten Halbjahr konnte die Herstellung eines Kunststoff-Kleinspielfeldes
abgeschlossen werden. Damit stand der Leichtathletikabteilung, aber auch allen
anderen Abteilungen ein Spielfeld zur Verfügung, das unabhängig von der
Witterung genutzt werden konnte. Die Terrasse vor dem Vereinsheim erhielt dank
des Einsatzes vor allem der Mitglieder der Tennisabteilung eine neue
Gestaltung.
Erstmals weilten in den Reihen des Turnvereins auch zwei Triathlonkämpfer:
Manfred Sommerfeld und Udo Benthaus.
Bei den Stadtmeisterschaften im Tennis kann Sepp Gerhards den
Stadtmeistertitel in der Seniorenklasse erringen.
Am 20. 2. 1984 wurde von Manfred Sommerfeld eine
„Radsportabteilung“ ins Leben gerufen, in die sofort 14
Mitglieder aufgenommen werden konnten. Erwartungsgemäß blieben im
ersten Jahr des Bestehens spektakuläre Erfolge aus. Letztlich wollten einige
Leichtathleten, insbesondere die Langläufer, ihr Ausdauertraining erweitern
und das Radtraining zur Vorbereitung auf ihre Triathlonwettbewerbe nutzen. Einige
Radsportler nahmen dennoch an einzelnen oder mehreren Radtouristikfahrten teil,
die nicht selten über 100 oder mehr Kilometern führten. Bei den
Triathleten ist besonders der aus Dülken zum TV Lobberich gestoßene
Rolf Donners zu erwähnen, der 1984 an 10 Triathlonveranstaltungen
teilnahm und in der erstmals durchgeführten Wertung um den Triathloncup der
DTV-Serie in seiner Altersklasse (M 40) bundesweit den ersten Platz belegen
konnte.
Am 27. September 1984 erfolgte der Eintritt in den Tennisverband
Niederrhein, um den Tennisspielern die Gelegenheit zu geben, erstmals für
die Saison 1985 Medenspiele (Meisterschaftsspiele) durchführen zu
können. Eine Damen-, zwei Herren- und eine
„Bambini-Mannschaft“ wurden gemeldet.
Die 1. Herrenmannschaft konnte dann ungeschlagen in die Bezirksklasse
„F“ aufsteigen. Die Bambini-Mädchenmannschaft belegte einen sehr
guten zweiten Platz und verpasste nur knapp den Aufstieg.
Für die Volleyballabteilung war die Saison 1985/86 eine besonders
Erfolgreiche: Endlich wurde der Aufstieg in die Oberliga (nach dreimaligem
Aufstieg in nur zwei Spieljahren) von der Bezirksklasse über die Landes- und
Verbandsliga geschafft. Dies war insbesondere das Verdienst von Theo
Tillmanns.
Auch die Leichtathleten waren im Jahre 1985 wieder sehr rege. In vielen Einzel-
und Mannschaftswettbewerben konnten 16 Kreistitel erkämpft werden. In den
DLV-Bestenlisten werden die Schülerinnen A im Mannschaftswettbewerb an 2.
Stelle aufgeführt, Frank Boukes steht über 3.000 Meter an 16.
Stelle. Die außersportlichen Leistungen der Leichtathletikabteilung sollten
ebenfalls nicht unerwähnt bleiben: Tagesausflüge der
Schülerabteilung, Saisonabschlussfeier und die Berlinfahrt (seit 1964 mit
jeweils 50 – 60 Mitgliedern aus allen Abteilungen des TV) waren einmal mehr
Höhepunkte eines intakten Abteilungslebens.
Auch die anderen Abteilungen des Vereins waren im Jahre 1985 immer bestrebt, das
sportliche und außersportliche Angebot an die Mitglieder attraktiv zu
gestalten, angefangen beim Kinder- und Erwachsenenturnen bis hin zur
Wanderabteilung. Die Wanderabteilung unter Leitung des sehr aktiven Herbert
Tüffers führte Wanderungen, Radtouren und eine Eifelfahrt
durch, an denen fast 700 Personen teilnahmen. Auch der von Klaus
Schriefers organisierte „Staffellauf rund um Nettetal“
fand im Jahre 1985 mit 94 teilnehmenden Mannschaften aus der näheren und
weiteren Umgebung regen Zuspruch.
Das 125jährige Jubiläum des Turnvereins wurde im Juli des Jahres 1986
gebührend gefeiert. Mit einem Empfang in der Werner-Jaeger-Halle erlebten
die Mitglieder des Turnvereins einen ersten gesellschaftlichen Höhepunkt der
Jubiläumswoche, die vom 5. bis 13. Juli 1986 stattfand. Der 1.
Vorsitzende, Günter Isenberg, war erfreut, eine große Schar
Ehrengäste begrüßen zu können. „125 Jahre
Turnverein Lobberich 1861 – das ist ein Jubiläum, das sich schon
allein der hohen Zahl wegen zu feiern lohnte. Es wäre sicherlich nicht
uninteressant, einmal zu untersuchen, was allein in den vergangenen Jahren in
Lobberich alles geplant, versucht und gegründet wurde – und von dem
heute keiner mehr spricht. So ist das Jubiläum als solches schon ein
Markenzeichen“ – sagte Bürgermeister Karl Reulen
als Festredner. Grußworte übermittelte auch Dagmar
Schröder als Frauenwartin des Rheinischen Turnerbundes und des
Deutschen Turnerbundes. Sie überreichte das Walter-Kolb-Schild für
125jährige Treue zum deutschen Turnen. Landrat Backes
überreichte die Sportplakette des Bundespräsidenten Richard von
Weizsäcker.
Dazu gab es die Hans-Momm-Plakette. Leithathletik-Kreisvorsitzender Gerd Schmitz machte in seiner Glückwunschrede deutlich, dass das Turnen ohne Leichtathletik nie ausgekommen sei. Er schenkte dem Turnverein die Verbandsplakette des Leichtathletikverbandes Nordrhein. Handballnostalgie war angebracht, und manchem Zuschauer sollen Tränen in den Augen gehabt haben, als es am Sonntagmorgen um 11:00 Uhr zum Feldhandballspiel-Klassiker TV Lobberich gegen TUS Lintfort im Stadion in der Schulzenburg kam. „Sepp warf Tore wie in alten Tagen, nur Janikulla hielt nicht mehr ganz so gut“ so war die Schlagzeile in den „Grenzland-Nachrichten“. Fast 600 Zuschauer ließen sich das Spektakel nicht entgehen, das letztlich die Lobberich mit 9:6 gewinnen konnten. Dass die „Alten“ (Otto Tophoven, Roland Geratz, Walter Schmitz, August Winkelmolen, Josef Hauertz, Johannes Schmitz, Hans Tüffers, Erich Wolters, Lambert Birker, Herbert Houben, Willi Schmitz und „Sepp“ Gerhards dabei von den „jungen Hüpfern“ Bernd Swyen, Hans Hubert Glock, Dieter Nagel, Dieter Hoffmann, Hans Moers und Manfred Albersmann „verstärkt wurden“, war sicherlich nicht ausschlaggebend für den verdienten Sieg über den ehemaligen Deutschen Feldhandball-Meister.
Den Pokal des Vereinsbesten für das Jahr 1986 erhielt Manfred
Albersmann für die Erstellung der Festschrift zum 125jährigen
Bestehen des Turnvereins.
Keine Strecke war zu lang für die Ultra-Langläufer Manfred
Bermges und Matthias Zimmermann. Im Sommer nahmen sie an einem
Deutschlandlauf von Flensburg nach Garmisch-Partenkirchen teil.

Tennisplatzanlage 1986

Vereinsheim 1986
Die Tennisabteilung war im Jubiläumsjahr sehr erfolgreich. So stieg die 1.
Herrenmannschaft in die Bezirksklasse E und die Jungseniorenmannschaft in die
Bezirksklasse C auf. 266 Mitglieder zählte die noch junge Tennisabteilung
Ende 1986. Der Tennisboom begann.
Von 1962 – 1987
Der Turnverein auf dem Weg zum
Breitensport
Dieses Kapitel der Chronik des Vereinslebens beginnt mit einem Jahr, in dem die Gemeinde Lobberich in sportlicher Hinsicht – auch dank des Turnvereins Lobberich – wieder einmal sehr gut dasteht:
- Die 1. Handball-Mannschaft spielt im zweiten Jahr in der höchsten deutschen klasse; der Handball-Oberliga Bezirk Niederrhein
- Anneliese Gerhards holt sich zum zweiten Male den Titel einer Deutschen
Meisterin im Speerwerfen der Damen
- Willi Moonen – Mitglied der Billardfreunde 1937 – gelingt es, den Titel eines DeutschenBillard-Meisters in der Disziplin „Einband“ zu erobern
- Ein junger Reiter namens Karl-Heinz Giebmanns reitet von Erfolg zu Erfolg
Auf Initiative des Leichtathletikwartes des Turnvereins, Kurt Krummeich, wird dem Vorstand des Vereins ein Probeexemplar einer Vereinszeitung – zunächst als „Nachrichtenblatt der Leichtathleten“ mit dem Titel „Sporttelegramm“ – vorgestellt. Nach mehreren Anläufen wird die Herstellung jedoch zunächst „ad acta“ gelegt, da die Produktionskosten nach Meinung der Mehrheit der Vorstandsmitglieder nicht in einem rechten Verhältnis zum Nutzen dieser Zeitung stehen.
Im September 1962 kommt es zu ersten Differenzen im Vorstand des Turngaus Kempen, die durch die im Jahre 1960 erfolgte Neugründung des Kempener Turnvereins hervorgerufen werden. Die Arbeit auf Gauebene ist dadurch erheblich behindert. Dem persönlichen Einsatz des 1. Vorsitzenden des Turnverein Lobberich, Dr. Josef Veith, ist es zu verdanken, dass die Meinungsverschiedenheiten beigelegt werden konnten. Im neu gewählten Vorstand des Turngaus Kempen sind auch folgende Mitglieder des Turnvereins Lobberich vertreten: Dr. Josef Veith, Wilhelm Riether, Hans Straver, Josef Wilms, Heinz Fegers, Günter Isenberg und Helmut Gütz.
Aufgrund eines Gutachtens, das den Zustand des über einhundertjährigen – im Jahre 1960 von der Gemeinde dem TV Lobberich zugesprochen – Doppelwohnhauses Wevelinghover Straße 151/153 beschreibt, wird erstmals erwogen, wegen der äußerst hohen Instandsetzungs- und Reparaturkosten, eventuell die bestehenden Gebäulichkeiten abzureißen und ein neues Vereinsheim mit Platzwartwohnung zu errichten.
Ende des Jahres 1962 übersteigt die Mitgliederzahl des Turnvereins die
500er-Marke.
Auch das Jahr 1963 bringt dem Turnverein einen erneuten Erfolgsboom, an dem vor
allem die 1. Handball-Mannschaft großen Anteil hat. Erstmals nimmt sie an
der Westdeutschen Meisterschaft teil. Die damaligen Spiele gegen so bekannte
Mannschaften swie TuS Lintfort (früherer Deutscher Feldhandball-Meister) VfL
Gummersbach, TG Witten, Bayer Leverkusen und Grün-Weiß Dankersen sind
vielen Vereinsmitgliedern und Handballfreunden noch in angenehmster Erinnerung.
Stetig steigende Zuschauerzahlen (teilweise bis zu 3.000!) verdeutlichen das
seinerzeit große Interesse, das man der jungen Mannschaft entgegenbrachte;
selbst der Rundfunk war teilweise bei den Spielen vertreten.
Ende November 1963 wird zur Verbesserung der Trainingsmöglichkeiten für
die Handballer eine Flutlichtanlage auf der Turnerkampfbahn fertiggestellt
– allerdings nur für einen Torraum.
Wenn auch das Jahr 1963 für die Leichtathletikabteilung nicht ganz so
erfolgreich war, wie die Jahre zuvor, so wurden trotzdem schöne und vor
allem auch beachtenswerte Leistungen erzielt. Anneliese Gerhards, Hildegard
Jalas, Herbert und Ingrid Halberkamp, Erhard Hahs, Hans Straver, Jürgen und
Heinz Nielebock und Manfred Sommerfeld hatten daran entscheidenden Anteil.
Die Männermannschaft Hans Straver, Jürgen Nielebock und Manfred
Sommerfeld errangen im Fünfkampf bei den Niederrhein-Meisterschaften
einen hervorragenden fünften Platz.
Ein sportliches überregionales Ereignis darf auch in der Vereins-Chronik
eines Turnvereins nicht fehlen: Im August 1963 begann die
Profi-Fußball-Bundesliga mit ihren ersten Meisterschafts-Serie.
Das Jahr 1964 dürfte insbesondere für die Gemeinde Lobberich von
größter Bedeutung sein: Innenminister Weyer von Nordrhein-Westfalen
überreichte Bürgermeister Hein Nicus und Stadtdirektor
Heinz-Willi Güßgen am 7. August 1964 die Urkunde mit den
Stadtrechten. Bereits im Sommer des Jahres 1881 gab es erste Anstrengungen in
Lobberich, Stadtrechte zu erhalten. Die von Bürgermeister Stankeit
initiierten Bemühungen wurden jedoch von den Bauern der Umgebung, die eine
Bevorzugung der „Städter“ fürchteten zu Fall gebracht. Auch
Bürgermeister Marx scheiterte 20 Jahre später an diesem
Bestreben.
Mit Ernst Ott verlor der Turnverein im Jahre 1964 seinen
langjährigen 2. Vorsitzenden und damit einen Mann, dessen Verdienste gar
nicht alle aufgezählt werden können. Die Ehrennadeln des DTB, des
Turngaus Kempen und des Westdeutschen Handballverbandes sind nur einige der
vielen Auszeichnungen von Ernst Ott. Klaus Nielebock und
Hans Straver üben den vakanten Posten als Leichtathletikwart
vorübergehend aus.
Vor allem den „Hausfrauen Lobberichs“ eröffnete das Jahr 1964
ein neues Betätigungsfeld im Turnverein. Eine
„Hausfrauen-Abteilung“, in der vor allem Gymnastik
betrieben werden sollte, wurde von Edeltraud Krug gegründet. Die Abteilung,
die später dann liebevoll „Muttiriege“ genannt wurde, ging dann
in die „Senioren-Gymnastik-Gruppe“ über, in der zeitweise bis zu
60 ältere Damen in zwei Gruppen sportliche Betätigung suchten.
Bei den 18. Olympischen Spielen in Tokio, an denen letztmalig – bis zur
Wiedervereinigung – eine gesamtdeutsche Mannschaft aus Sportlern der
Bundesrepublik und der DDR vertreten war, belegt Anneliese Gerhards
einen beachtlichen 8. Rang beim Speerwerfen der Frauen. Ein Jahr nach ihrem
schönen Erfolg in Tokio wurde Anneliese Gerhards erneut Deutsche
Meisterin, während Herbert Halberkamp bei den Rheinischen
Turnmeisterschaften Sieger im Sechskampf wurde und bei den Westdeutschen
Meisterschaften über 200m-Hürden den dritten Platz belegen
konnte.
Im Oktober 1965 wird für die Handballabteilung erstmals ein
„Spielausschuß“ gebildet, dem die Mitglieder Lothar
Niederländer, Rolf Finster und Helmut Müller
angehören. Dieser Ausschuß soll dem Trainer bei der
Mannschaftsaufstellung beratend zur Seite stehen.
Allerdings machten sich erste Anzeichen einer handballerischen Krise bemerkbar.
Man trennt sich von Erfolgstrainer Karl Loos, womit – für
viele vorhersehbar – unausweichlich ein Abwärtstrend der
Handball-Stammabteilung verbunden war. Nach einer Übergangsphase, in der
Hermann-Josef (Sepp) Gerhards als Spielertrainer fungierte, wurde der
Dülkener Sportlehrer Heythausen als neuer Trainer
verpflichtet.
Angeregt von Klaus Nielebock wird erstmals der vom Landessportbund
durchgeführte „Sportabzeichen-Wettbewerb“ mitgemacht; leider
machten nur wenige Vereinsmitglieder von dieser Möglichkeit, seine Fitness
unter Beweis zu stellen, keinen Gebrauch.
Die negativen Vorzeichen im Handball hatten ihre Konsequenzen: Einer großen
Erfolgsphase, die auch in den späteren Jahren in diesem Sinne nie mehr
vorkam, folgte ein Niedergang, der sich zunächst darin widerspiegelte, dass
die 1. Herren-Mannschaft aus dem Handball-Oberligahaus in die Verbandsliga
abstieg. Die 2. Herren-Mannschaft bewegte sich dem allgemeinen Trend entsprechend
auch nur noch im unteren Tabellendrittel. Nun wurde hektisch der Grund für
diesen Einbruch gesucht. Viele sahen ihn darin, dass nicht genügend
Nachwuchs aus der Jugendabteilung – speziell aus der A-Jugend –
herauskam, der den hohen Ansprüchen gerecht werden konnte.
Dennoch gibt es in dieser schwierigen Phase der Handball-Abteilung des Vereins
einen Lichtblick: Leni Tophoven und Ehefrau von Otto Tophoven,
Torwart der 1. Handball-Mannschaft, ehemalige niederländische
Nationalspielerin, gründet im Juni 1967 eine Damen-Handball-Abteilung, an
deren Aufbau und Erfolgen sie in der nächsten Zeit erheblichen Anteil
hatte.
Die Faustball-Abteilung, zwischenzeitlich in der Altersabteilung angesiedelt
wurde nach Jahren der Mittelmäßigkeit erstmals wieder
Kreismeister.
Aus Dankbarkeit und in Erinnerung an die großartigen Verdienste des 1.
Vorsitzenden des Vereins, wird der von ihm gegründete Verein
„Turnerkampfbahn Lobberich e.V.“ in „Dr.
Joseph-Veith-Turnerkampfbahn Lobberich e.V.“ umbenannt.
In Sachen Vereinsheim-Neubau wurde im September 1967 ein weiterer Schritt nach
vorne getan: Das bereits erwähnte Doppelhaus an den Wevelinghover
Straße wurde von den Mietern geräumt. Im April 1968 wurden dann
endgültig der Abriss und ein Neubau beschlossene Sache. Der zunächst
vorgelegte Finanzierungsplan, der mit einer Gesamtbaukosten-Summe von 175.000 DM
abschloss, ließ jedoch einige verhaltene Stimmen laut werden, die aus
Kostengründen das Projekt in Frage stellten.
Zur besseren Arbeitsteilung und Entlastung des geschäftsführenden
Vorstandes wird nun ein Bau-Ausschuss ins Leben gerufen, dem die Mitglieder
Hans Schatten, Heinz Grundmann, Ernst Ditges, Josef Wilms, Karl Blasius,
Walter Schmitz, Willi Schmitz, Johannes Schmitz und Hans Christians
angehörten.
Speziell auf die Mitglieder-Entwicklung der Leichtahtletik-Abteilung des
Turnvereins am die 19. Olympischen Spiele in Mexiko des Jahres 1968 positive
Auswirkungen. Allein 21 neue Mitglieder traten dieser Abteilung bei. Bei den
jugendlichen Leichtathleten traten Sieglinde Klinkertz und Martina
Gerhards im Speerwerfen besonders hervor. Karl-Heinz Schmitz wird
Kreismeister im Zehnkampf.
Übrigens wurde bei den Spielen in Mexico bei den Hochspringern eine neue
Ära eingeläutet: Der Amerikaner Fosbury kreierte neuen neuen
Hochsprungsstil. Mittlerweile haben alle Hochspringer ihre Technik darauf
umgestellt.
Das vom 28. Mai – 2. Juni 1968 in Berlin abgehaltende Deutsche Turnfest
wird auch von sechs Aktiven des Turnvereins besucht.
Auch für die Handballer brachte das Jahr 1968 einen leichten
Aufwärtstrend. Die erste Mannschaft schafft wieder den Aufstieg in die
Oberliga, Die zweite Mannschaft steigt in die Bezirksklasse auf. Die bereits
erwähnte gute Aufbauarbeit von Leni Tophoven bringt erste
Früchte: die erste Damen-Mannschaft wird bereits Bezirksmeister. Im
Hallenhandball waren die Aktiven dann nicht so erfolgreich. Zwar schafften die 1.
Herrn-Mannschaft noch die Qualifikationsrunde zur neu gegründeten
Hallen-Landesliga, doch der erhoffte Aufstieg wurde knapp verpasst.
Das Jahr 1969 – das Jahr, in dem der erste Mensch den Mond betrat –
war für den Turnverein besonders in einer Hinsicht bedeutungsvoll: Der
Vereinsheim-Neubau. Nachdem es Anfang April 1968 zu einem Brand in dem
abbruchreifen Doppelhaus kam, wurde am 19.4.1969 in Zusammenarbeit mit dem
Technischen Hilfswerk (THW) und unter tatkräftiger Mithilfe vieler
Vereinsmitglieder der Abbruch vorgenommen. Bereits Mitte Dezember 1969 ist der
Rohbau dank unermüdlicher Arbeit – das Protokollbuch erwähnt hier
besonders die Mitglieder Heinz Grundmann, Hans Schatten, Gebr. Schmitz
und Johannes Schatten, dem Vater von Hans Schatten, der mit 78
Jahren immer so rüstig und fähig war, die gesamten Arbeiten in seiner
ihm eigenen Art mit größter Umsicht und Sachkenntnis zu leiten. In
mehr als 3.000 Arbeitsstunden wurde der Rohbau fertiggestellt, so dass ein
zünftiges Richtfest gefeiert werden konnte.
Der Tod eines besonders verdienten Mitgliedes darf natürlich in einer
Chronik nicht unerwähnt bleiben: Ehrenvorstandsmitglied Wilhelm
Riether, * 12.9.1872, verstarb Karnevalsmontag im Februar 1969 mit 97
Jahren. Damit verlor der Turnverein Lobberich einen Mann, der die Geschicke des
Vereins jahrzehntelang mitgeprägt hatte. Er verkörperte einen Teil der
Geschichte des Turnvereins Lobberich. Folgende Ämter hatte er im Verein
inne: Kassierer, Turnwart, Oberturnwart, Frauenturnwart und 2. Vorsitzender. Aber
nicht nur im Vereinsleben, das er von den ersten Anfängen an begleitete und
förderte, sondern auch darüber hinaus war Wilhelm Riether stets ein
Turner, der sich mit Leib und Seele der Turnerei verschrieben hatte. Von 1898 bis
1935 (37 Jahre lang!) sahen wir Wilhelm Riether als Gauturnwart des
Niederrheinischen Grenzturngaues, dessen Mitbegründer er war. Als
Mitgründer der Turnvereine Eintracht Dülken (1895), TV Amern (1906), TV
Schaag (1906), TV Bracht (1902), TV Hinsbeck (1902), TV Boisheim (1905), von
denen heute schon einige nicht mehr bestehen, hat er auch in den Nachbarorten die
Turnerei gehegt und gepflegt. Die Vorläufer des Süchtelner Bergfestes
waren die von Wilhelm Riether in Szene gesetzten volkstümlichen Turnfeste in
Hinsbeck (1906 – 1908). Die damaligen Übungen setzten sich noch aus
Laufen (um den Pfahl), Springen, Stabhochsprung und Weit-Hochsprung zusammen. Im
Jahre 1911 lehnten es die Hinsbecker ab, die Veranstaltung durchzuführen.
Daraufhin bewarben sich die Süchtelner Turner um die Ausrichtung, woraus
schließlich das Süchtelner Bergfest, das tradionsreichste Sportfest
unserer näheren Umgebung.
Zahlreiche Ehrungen wurden Wilhelm Riether zuteil: Die zahllosen
Ehrenbriefe und Urkunden, Diplome und Dankschreiben, die er erhalten hat, geben
ein Zeugnis von seinem unermüdlich Einsatz für die Turnerei. Einige
wenige seien hier erwähnt: Preußische Staatsplakette (1932),
Ehrenbrief des Niederrheinischen Grenzgaues (1936), Ehrenbrief des Kreises VIII b
– Rheinland (1919), Urkunde der Gemeinde Lobberich in Anerkennung seiner
Verdienste um die Ertüchtigung der Jugend (1951) und so weiter und so
weiter. Die Ehrenmitgliedschaften in den Turnvereinen „Oranje Venlo“,
„TV Breyell“, „TV Wachtendonk“ und „TV Oedt“,
die Ehrenmitgliedschaft im Turngau Kempen und die Ernennung zum
Ehren-Oberturnwart im Jahre 1950 machen deutlich, wie sehr Wilhelm Riether mit
der Turnerei verbunden war.
Im und seine hervorragenden Leistungen zu würdigen ist dem Chronisten ein
besonderes Bedürfnis, ohne die Leistung anderer – ebenfalls verdienter
Mitglieder – schmälern zu wollen.
Mit der Eröffnung der neuen Städtischen Sporthalle an der
Süchtelner Straße nimmt besonders der Hallenhandball im Verein neuen
Aufschwung. Die umständlichen Fahrten zur kleinen Kaldenkirchener Sporthalle
hatten endlich ein Ende. Im Oktober 1969 übernahm der frühere
Erfolgstrainer Karl Loos wieder das Training der 1. und 2.
Männermannschaft. Die 1. Damen-Mannschaft setzt ihren Erfolgskurs fort und
stieg in die Landesliga auf. Nach schwachen Leistungen steigt die 1.
Herren-Mannschaft im Feldhandball aus der Oberliga ab.
Im Oktober 1969 wird auf Anregung von Lothar Niederländer eine
„Volley-Ball-Abteilung“ gegründet, womit in
sportlicher Hinsicht im Verein an „Vakuum“ geschlossen wird.
In der Leichtathletik-Abteilung machen wiederum die Jugendlichen von sich
reden:
Systematisches Leistungstraining und ein gesunder Ehrgeiz bringen viele
beachtlich Erfolge, die zwei LVN-Meistertitel von Hans-Josef Caelers im
Hochsprung und Marina Gerhards im Speerwurf seien stellvertretend
erwähnt.
Zu Beginn des Jahres 1970 wird in der neuen Stadt Nettetal, die sich im Zuge der
kommunalen Neugliederung ab 1.1.1970 aus den früheren Orten Lobberich,
Kaldenkirchen, Breyell, Hinsbeck und Leuth ergab, unter der Leitung von
Lothar Niederländer eine
„Turn-Spiel-Abteilung“ gegründet, die die
Leistungsgruppen „Faustball“ und „Volleyball“ aufnahm.
Hier kam es hin und wieder zu Problemen mit der „Altersabteilung“, in
der ja, wie bereits beschrieben, auch die Faustballgruppe untergebracht war. Dank
der verständnisvollen und lieben Art eines Willi Tack, der u.a.
auch die sehr beliebte „Wanderabteilung“ – ebenfalls in der
Altersabteilung angesiedelt – betreute, wurden auch diese Probleme zur
Zufriedenheit aller gelöst.
Am 29.6.1970 findet die erste eigenständige Jugendversammlung im Turnverein
Lobberich statt, die darauf abzielte, die Jugendlichen im Verein stärker
zusammenwachsen zu lassen, um später eine echte Mitbestimmung und
Mitgestaltung im Verein durch die Jugendlichen zu erreichen.
Im Feldhandball verpasst die 1. Männermannschaft nur knapp den
Wiederaufstieg in die Oberliga. Im Hallenhandball dagegen wird sie –
infolge eines deutlich verbesserten Trainings in der neuen Sporthalle –
Kreismeister und schafft den Aufstieg in die Landesliga. Die 1. Damen-Mannschaft
erreicht in der Halle bereits die Oberliga.
Am 18.12.1970 wird das neue Vereins-Jugendheim im Rahmen einer schlichten Feier
seiner Bestimmung übergeben. Dr. Veith hebt dabei hervor, dass der Bau und
seine Ausführungen einerseits, andererseits aber auch der dabei zutage
getretene große Idealismus und Eifer vieler Mitglieder von den
zuständigen Behörden und Institutionen, vor allem aber auch von der
Bevölkerung sehr lobend anerkannt wurde.
Gesamtbaukosten: ca. 214.000 DM
Eigenkapital:
ca. 30.000 DM
Eigenleistung
(!)
ca. 79.000 DM
Die Gesamtarbeitstunden der Mitglieder: 5.500 (!)
Im Juni 1971 legte Dr. Veith aus Altersgründen das am 23.2.1935
(nach 36 Jahren!) übernommene Amt des 1. Vorsitzenden nieder. Ein Grund
dafür, dass die im Herbst dieses Jahres geplante 110-Jahr-Feier nicht
stattfand.
Am 22. April 1972 wählten die Mitglieder den Zahnarzt Walter
Böken zum neuen 1. Vorsitzenden des Vereins.
Das Olympiajahr 1972 brachten dem Verein in sportlicher Hinsicht keine
nennenswerten Erfolge. Selbst der erhoffte Mitgliederzuwachs blieb aus. Ende 1972
zählte man 749 Mitglieder, davon hatte die Turnspielabteilung, in der
mittlerweile ebenfalls auf Initiative von Lothar Niederländer auch
eine „Er und Sie“-Gruppe, in der von Ehepaaren hauptsächlich
Gymnastik und Ballspiele betrieben werden konnten, gegründet werden. Im
Hinblick auf die Leistungen von Spitzensportlern, die ausschließlich durch
die Deutsche Sporthilfe unterstützt wurden, wurden auch im Turnverein
kritische Stimmen zum Leistungssport laut, zumal der Breitensport, von allen
Gruppen und Institutionen anerkannt, weitgehend von den Sportvereinen getragen
wird.
Die 1. Damen-Handball-Mannschaft stieg nach einer überzeugenden Serie in die
höchste deutsche Spielklasse, die Regional-Liga auf, muss diese jedoch nach
einem Jahr der Zugehörigkeit wieder verlassen. Das dort anzutreffende
Leistungsniveau war wohl doch zu hoch, um hier bestehen zu können.
Da im Turngau außer dem TV Lobberich kein anderer Verein Faustball
wettkampfmäßig betreibt, schloss man sich – um Wettspiele
austragen zu könnnen – mit dieser Abteilung dem Turngau
Mönchengladbach an.
Auch mit der Volleyball-Abteilung, die seit den olympischen Spielen in
München einen wahren Boom erlebte, schloss man sich einem
übergeordneten Verband, nämlich dem Westdeutschen Volleyball-Verband,
an.
Den Bestrebungen, den Jugendlichen im Verein mehr Mitbestimmung und
Selbstverwaltung zu ermöglichen, wird am 17.3.1972 mit dem Erlass einer
Jugendordnung Rechnung getragen.
Das Jahr 1973 bringt für den Handballsport aber auch bei vielen
Handballfreunden ein leicht wehmütiges Ereignis: Mangels Interesse der
Spieler und nicht zuletzt auch der Zuschauer, die vor allem dem wesentlich
schnelleren und abwechslungsreicheren Hallenhandballspiel ihre Gunst erwiesen,
sagte man auch verbandsseitig dem Feldhandball ade.
Mitte des Jahres 1973 kam es von verschiedenen Seiten aus zu Gründungen von
Schüler-Sportgemeinschaften in Lobberich. Träger dieser SSG sind die
Lobbericher Schulen und die beiden Großvereine LSC (Lobbericher Sportclub)
und TV Lobberich. Ingesamt wurden 23 Sportgemeinschaften in Nettetal in sechs
Sportarten gegründet. In den Schulübungsgruppen waren 8
TV-Übungsleiter im Einsatz (Volleyball 2, Leichtathletik 4, Handball 1,
Turnen 1).
Auch für die Handballjugend gibt es im Jahr 1973 erhebliche Neuerungen.
Wurde bisher mit der A- und B-Jugend auf dem Großfeld gespielt, einigten
sich die Jugendbetreuer des Handballkreises Grenzland darauf, nur noch
Kleinfeldspiele durchzuführen. Man wollte hierdurch einen kontinuierlicheren
Aufbau und eine bessere Vorbereitung der Mannschaften auf die Hallenserie
erreichen. Allein sieben Jugendmannschaften wurden seitens des TV Lobberich
für die Serie 1973/74 gemeldet, eine bis dahin noch nie erreichte Zahl.
Wieder einmal zeigte sich auch in diesem Jahr die unermüdliche Arbeit von
Heinz Nopper, der sich in selbstloser Weise dieser Tätigkeit
verschrieben hatte, ohne die anderen Übungsleiter aus der Stammabteilung zu
vergessen. Allein zwei Kreismeistertitel (A- und E-Jugend), ein zweiter Platz und
ein vierter Platz zeugten von einer guten Leistungsdichte in der Handballjugend
des Jahres 1973.
Im Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 verstirbt der langjährige
1. Vorsitzende des Turnvereins, Notar D. Joseph Veith (am 20. Februar).
Auch mit ihm verlor der Turnverein Lobberich einen Mann, der jahrzehntelang die
Geschicke des Vereins an verantwortlicher Stelle geführt hat. Der Ankauf der
Turnerkampfbahn, die Gründung des Vereines „Turnerkampfbahn Lobberich
e.V.“ und der Bau des Vereinsheimes sind einige wichtigen der überaus
vielzähligen hervorragenden Leistungen dieses Mannes für den
Verein.
Im Juli 1974 wurde auf Antrag von Klaus Nielebock beschlossen, eine
Bastketball-Abteilung zu gründen, die zunächst nur versuchsweise laufen
sollte. Der Gymnasial-Lehrer M. Foudeh übernahm die Betreuung der
Abteilung. Bald darauf wurde diese Abteilung Mitglied beim
Bastketballverband.
Am 23. Mai 1975 wählen die Mitglieder auf der Jahreshauptversammlung
Günter Isenberg zum 1. Vorsitzenden des Vereins.
In der Leichtathletikabteilung macht ein junger Hammerwerfer auf sich aufmerksam:
Jürgen Steffen, der sich in der Schülerklasse zur Deutschen
Meisterschaft in Bielefeld qualifizieren und dort einen hervorragenden 2. Platz
belegen konnte.
Neben dem „Mutter und Kind-Turnen“ innerhalb der
"Gymnastikabteilung" für ältere Frauen wird im Januar 1976 eine
"Gymnastikabteilung für Frauen von 18 – 30" gebildet, die von
Helga Heydhausen ins Leben gerufen und aufgebaut wurde.
Im März 1976 wurde eine Ballettgruppe eingerichtet, die durch Werner
Heks, Claudia Bergmann und Klaus Nielebock gegründet wurde unter
Ballettmeister Willi Heks.
Am 7.5.1976 wurde das 900. Mitglied in den Verein aufgenommen.
Vom 17. Juli bis zum 1. August 1976 finden in Montreal / Canada die 21.
Olympischen Sommerspiele statt. Trotz diesem Ereignis, in früheren Zeiten
immer ein willkommener Anlass im Turnverein für einen Aufschwung zu sorgen,
ist in den Abteilungen zwar nach wie vor reges Treiben zu verzeichnen, besondere
Leistungen sind jedoch nicht zu erwähnen.
Da hatte es das Jahr 1977 – wenn auch nicht in sportlicher Hinsicht –
schon etwas mehr in sich. Erstmals wurde im August dieses Jahres über die
Nutzung der Turnerkampfbahn für Tennisplätze gesprochen, sieht man
einmal von dem geplanten Tennisplatz Ende 1949 ab. Dieses Vorhaben sollte in den
nächsten Wochen und Monaten Gegenstand vieler Diskussionen, Gespräche
und Presseartikel sein. Im Dezember 1077 erteilte der Eigentümer der
Platzanlage, der Verein „Dr.-Joseph-Veith-Turnerkampfbahn e.V.“ dann
endlich grünes Licht, auf der Anlage zunächst drei Tennisplätze zu
errichten. Als dann von Seiten der Stadt neue Pläne aufgeworfen wurden
(Verlagerung dieser neuen Plätze zwischen Sportplatz und Stadion
(Schulzenburg-Wäldchen), kommen neue Diskussionen auf. Fast noch ein ganzes
Jahr verging, ehe man im November 1978 mit dem Bau der Tennisplätze begann.
Unter der Leitung von Heinz Hoelter zählte die neu gegründete
Tennisabteilung – obwohl man noch nicht spielen kann – am 31.12.1978
bereits 170 Mitglieder. Ein Beweis dafür, dass die Entscheidung über
den Bau der Tennisplätze – zumindest unter Berücksichtigung der
Sportangebotserweiterung – richtig war. Tennis – in früheren
Zeiten einmal der Sport des „Gehobenen Mittelstandes“ – wurde
immer mehr zum Volkssport. Allein 40 Neuanmeldungen verzeichnete der Gesamtverein
aufgrund der Gründung des Tennisabteilung. Die Gründung der Abteilung
solle jedoch zunächst nicht als Konkurrenz zu den benachbarten
Tennisvereinen gesehen werden. Ohne dass zunächst Medenspiele
(Meisterschaftsspiele) ausgetragen wurden, sollte für die Förderung und
Entwicklung der Breitensportarbeit im Verein ein neues Zeichen gesetzt
werden.
Im Jahr 1978 kam es erstmals zu Gesprächen über eine Selbstverwaltung
der einzelnen Abteilungen innerhalb des Gesamtvereins. Diese Gespräche
verliefen jedoch aus den unterschiedlichsten Gründen „im Sande“;
vor allem aus finanzieller Hinsicht und aus organisatorischen Gründen war
die Zeit wohl noch nicht reif dazu.
Für die weitere Entwicklung der Tennisabteilung ist das Jahr 1979 von
großer Bedeutung. Auf der Wartliste für die Aufnahme in diese
Abteilung standen mittlerweile 90 Personen. Durch den regen Spielbetrieb
erfährt auch das Vereins-Jugendheim einen erheblichen Aufschwung. Der Verein
Turnerkampfbahn e.V. erwägt den Bau zweier weiterer Tennisplätze,
stellte jedoch die endgültige Entscheidung zunächst zurück, um
innerhalb des Turnvereins Diskussionen möglich zu machen.
Da viele Tennisspieler ihre Kinder mit dem Platz bringen beschloss der Vorstand
des Turnvereins, hinter dem Vereinsjugendheim einen Spielplatz anzulegen und mit
Spielgeräten zu bestücken, welches die Kinder dankend annahmen.
Im leichtathletischen Bereich machte Hans-Theo Gotzes dadurch auf sich
aufmerksam, dass er die verlangte Qualifikationsnorm zur Teilnahme an den
Deutschen Marathon-Meisterschaften erreichte.
In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Januar 1981, an der 158
Mitglieder (hauptsächlich aus der Leichtathletik- und der Tennisabteilung)
teilnahmen, wurde der Neubau der beiden weiteren Tennisplätze teilweise sehr
emotionsgeladen diskutiert. Die sich anschließende Abstimmung sah dann
knapp die Mehrheit für den Bau der Tennisplätze. Der später dann
erzielte Kompromiss, bei dem es dann um die Lage der neuen Tennisplätze
ging, sah dann auch die Inaussichtstellung eines Kunststoff-Kleinspielfeldes mit
Hoch- und Weitsprunganlage vor.
Den Leichtathleten lag jedoch dieser Kompromiss „schwer im Magen“.
Man spielte schließlich mit dem Gedanken, dem Verein den Rücken zu
kehren; letztlich durfte man nicht verkennen, dass gerade aus dem
leichtathletischen Bereich heraus sehr viel für den Verein, darüber
hinaus jedoch auch für die Bevölkerung getan wird: der Lobbericher
Lauftreff, von den Eheleuten Joachim Schmeja ins Leben gerufen,
Trimm-Dich-Aktionen, Lauf- und Sportabzeichenaktionen, um nur einige wenige zu
nennen. Mussten doch die Leichtathleten auf die Nutzung des Platzes – bis
auf die Umlaufbahn – verzichten.
Im Jahre 1980 zeigen sich bei den Leichtathleten beachtliche Erfolge:
Angelika Bruckes ersprang sich im Hochsprung die Kreismeisterschaft,
Vizemeister im Zehnkampf wurde Klaus Wolters. An Landes-, Westdeutschen-
und Deutschen Meisterschaften beteiligten sich aufgrund der
Qualifikationsergebnisse Angelika Bruckes, Hans Straver, Christoph
Hühnerbein und Heinz-Theo Gotzes. Die Langläufer, um die sich
besonders die Gebrüder Manfred und Helmut Sommerfeld
kümmerten, errangen bei vielen Cross- und Straßenläufen Siege und
Platzierungen. Besonders der Altersklassenläufer Walter Jansen
machte hierbei von sich reden.
Die Volleyball-Abteilung, mittlerweile bestehend aus einer Herren-, einer Damen-
und fünf Jugendmannschaften hat kein gutes Jahr. Die 1. Herren-Mannschaft
stieg aus der Landesliga ab (in erster Linie dadurch bedingt, dass sich die
Mannschaft überwiegend aus A-Jugend-Spielern besteht).
Die Er- und Sie-Gruppe ist im Jahre 1980 ein beliebter Treffpunkt. Hier steht
nicht der Wettkampf, sondern das gesellige Turnen im Vordergrund.
In der Tennisabteilung werden erstmals Clubmeisterschaften ausgetragen, um ein
„Kräftemessen“ untereinander zu ermöglichen. Zusammen mit
dem Hinsbecker Tennisclub wurden dann auch die Stadtmeisterschaften im Tennis
ausgetragen.
Die Basketball-Abteilung hatte 1980 ihre bisher größten Erfolge: Die
1. Herren-Mannschaft schaffte den Aufstieg in die Bezirksliga. Im WBV-Pokal
erreichte man die Runde der letzten Acht. Die Damen-Mannschaft belegte einen
beachtlichen Mittelplatz, obwohl sich diese Mannschaft fast ausschließlich
aus B-Jugendlichen zusammensetzt.
In der Jahreshauptversammlung vom 3.4.1981 wird Heinz Grundmann
besonders geehrt. Heinz Grundmann, seit 1931 Vereinsmitglied, seit 1951
ununterbrochen Vorstandsmitglied als Jugendwart, Sozialwart und
Geschäftsführer, erhält aus der Hand des 1. Vorsitzenden die
Goldene Vereinsnadel „in Gold“, eine Auszeichnung, die der Verein
bisher nur ein einziges Mal vergeben hatte, nämlich an den früheren 1.
Vorsitzenden Dr. Joseph Veith.
Im September 1981 waren endlich die beiden neuen Tennisplätze fertiggestellt
und bespielbar.
Das Jahr 1981 war für die Leichtathleten wieder ein sehr erfolgreiches Jahr.
Im Zehnkampf errang Klaus Wolters den Kreismeistertitel. Über 10.000 Meter
machte ihm dies Christoph Hühnerbein nach. Hühnerbein
verbesserte darüber hinaus die Vereinsbestenleistungen über 1.500,
3.000, 5.000 und 10.000 Meter. Insgesamt stellten die TVer im jahr 1981 17
Vereinsbestenleistungen auf.
Ein Renner war nach wie vor der „Lobbericher Lauftreff“. 1.573
TeilnehmerInnen nahmen im Jahre 1981 an ihm teil.
Erstmals wird auch Sport für „Arbeitnehmer im Schichtdienst“
angeboten, der jedoch nur schwach genutzt wird.
Im November 1982 trat der TV Lobberich in der vom Radio-Sender RTL ausgestrahlten
Sendung „RTL-Unterwegs“ gegen den TSV Kaldenkirchen an. Der
mündliche Vergleichskampf, an dem auf Lobbericher Seite die Mitglieder
Detlev Hintzen, Michael Liedtke, Anja Sommerfeld, Nora und Manfred
Albersmann teilnahmen, sah die Lobbericher als Sieger. Der von Radio
Luxemburg gestiftete Preis wurde der Jugend-Abteilung des TV zur Verfügung
gestellt.
Das Jahr 1982 war insgesamt für alle Abteilungen des Vereins ein bewegtes
und erfolgreiches Jahr. Angefangen mit dem „Frauen-Turnen“, bei dem
unter Leitung von Frau Heydhausen die „Aerobic-Gymnastik“
sehr gut ankam, über das Kleinkinder- und Kinderturnen, bei dem sich
Margret Tüffers und Elke Heider besonders hervorheben indem sie
viele Stunden Freizeit für die Kinder opfern, Tennis, Leichtathletik,
Basketball, Faustball, Handball, Volleyball, Altersturnen bis hin zu den
erholsamen und lehrreichen Wanderungen der Wanderabteilung, die lange Jahre von
Willi Tack geführt und geprägt wurde, zwischenzeitlich von Herbert
Tüffers übernommen wurde.
In allen Bereichen zeigt sich, dass die Mitglieder das „Programm“ des
Vereins wohlwollend annehmen und Trainings- und Übungsstunden fleißig
besuchten, wobei aber auch der gesellige Teil innerhalb der einzelnen Abteilungen
nicht mehr wegzudenken war. Sommerfeste, Spielfeste, Kaffekränzchen,
Weihnachts- und Nikolausfeiern wurden immer wieder von fleißigen Helfern
organisiert und mit viel Liebe vorbereitet.
Beim Volleyball haben die 1. Frauen- und 1. Herren-Mannschaft einen mittleren
Tabellenplatz inne. Aufgrund dessen, dass nicht immer alle Stammspieler den
Mannschaften zur Verfügung standen (Aufnahme Studium, Ableistung von
Wehrdienst, berufliche Gründe o.ä.) konnte man dennoch mit den
gezeigten Leistungen zufrieden sein. Bei der Jugend hatten sich die erstaunlich
guten Leistungen der letzten beiden Jahre fortgesetzt. Insbesondere dank der
guten Aufbau- und Trainingsarbeit von Theo Tillmanns verfügte die
Volleyballabteilung insgesamt über eine gute Leistungsdichte.
Die Tennisspieler trugen erstmals Freundschaftsspiele gegen die benachbarten
Tennisvereine TC Hinsbeck, TSV Kaldenkirchen, TV Breyell aus, was prompt zu
Gegeneinladungen führte.
Im Jahre 1982 war man auch bei den Leichtathleten sehr aktiv. Insgesamt 17
Veranstaltungen wurden ausgerichtet, wobei diese auf der Turnerkampfbahn, der
Straße und in den Sporthallen ausgetragen wurden.
Straßenlaufveranstaltungen und Wettkämpfe in der näheren und
weiteren Umgebung wurden besucht. Der unter Breitensport angesiedelte Lauftreff
erfreute sich immer größerer Beliebtheit. 2.421 Laufinteressierte
nahmen an 104 Lauftreffs teil. Das angesprochene Sportangebot für
Arbeitnehmer im Schichtdienst wird wegen zu geringer Beteiligung wieder
eingestellt. Die freigewordenen Übungsstunden in der Sporthalle wurden von
der Frauen-Riege unter Leitung von Margret Tüffers ausgefüllt, die nun
„Frühsport“ betrieb. Auch die DLV-Mehrkampfabzeichen-Aktion war
wiederum ein Erfolg: 17 x Gold, 17 x Silber und 3 x Bronze waren das stolze
Ergebnis. Stellvertretend für viele soll hier Klaus Wolters genannt
werden, dem besten und vielseitigsten Mehrkämpfer des Turnvereins, der in
diesem Jahr die goldene „DLV-Nadel 10“ für mehr als zehn
Verleihungen in ununterbrochener Reihenfolge erhielt.
Die Handballer erfreuten sich über den Wiederaufstieg der 1.
Herren-Mannschaft in die Verbandsliga. Die 1. Frauenmannschaft belegte –
ebenfalls in der Verbandsliga spielend – einen guten Mittelplatz. Erstmals
in der Geschichte des Frauenhandballs im Turnverein Lobberich wird zur
Saisonvorbereitung ein Trainingslager abgehalten, wobei das Spielverständnis
und die Kameradschaft gefördert werden sollten.
Die 1. Basketball-Herrenmannschaft belegte in der laufenden Serie einen
hervorragenden 2. Platz, während die im Wesentlichen aus Jugendlichen
bestehenden 1. Damen-Mannschaft den Aufstieg in die Bezirksklasse schaffte.
Im April 1983 wurde das 1.200e Mitglied in den Verein aufgenommen. Bei der
Jahreshauptversammlung kommt noch einmal die Diskussion über die Auflage
einer Vereinszeitung – initiiert durch Klaus Nielebock –
auf. Eine Kommission wird gebildet, die Einzelfragen klären soll. Ein erstes
Muster wird im August 1983 vorgelegt. Weitere Einzelheiten wurden nicht
bekannt.
Im Jahr 1983 wird erstmals der Vereinsbesten-Pokal nicht verliehen.
Im ersten Halbjahr konnte die Herstellung eines Kunststoff-Kleinspiel-Feldes
abgeschlossen werden. Damit stand der Leichtathletikabteilung, aber auch allen
anderen Abteilungen, ein Spielfeld zur Verfügung, das unabhängig von
der Witterung genutzt werden konnte. Die Terrasse vor dem Vereinsheim
erhält, dank dem Einsatz vor allem der Mitglieder der Tennisabteilung, eine
neu Gestaltung.
Erstmals weilen in den Reihen des Turnvereins auch zwei Triathlonkämpfer:
Manfred Sommerfeld und Udo Benthaus.
Bei der Stadtmeisterschaften im Tennis kann Hermann-Josef Gerhards
(Sepp) den Stadtmeister-Titel in der Seniorenklasse erringen.
Am 20.2.1984 wird von Manfred Sommerfeld eine
„Radsportabteilung“ ins Leben gerufen, in die sofort 14 Mitglieder
aufgenommen werden konnten. Erwartungsgemäß blieben im ersten Jahr des
Bestehens spektakuläre Erfolge aus. Letztlich wollten einige Leichtathleten
(insbesondere die Langläufer), ihr Ausdauertraining erweitern und das
Rad-Training zur Vorbereitung auf ihre Triathlon-Wettbewerbe nutzen. Einige
Radsportler nahmen dennoch an einzelnen oder mehreren Rad-Touristikfahrten teil,
die nicht selten über 100 oder mehr Kilometern führten. Bei den
Triathleten ist besonders der aus Dülken zum TV Lobberich gestoßene
Rolf Donners zu erwähnen, der 1984 an 10 Triathlon-Veranstaltungen teilnahm
und in der erstmals durchgeführten Wertung um den Triathlon-Cup der
DTV-Serie in seiner Altersklasse (M 40) bundesweit den ersten Platz belegen
konnte.
Am 27. September 1984 erfolgte der Eintritt in den Tennisverband Niederrhein, um
den Tennisspielern die Gelegenheit zu geben, erstmals für die Saison 1985
Medenspiele (Meisterschaftsspiele) durchführen zu können. Eine Damen-,
zwei Herren- und eine „Bambini-Mannschaft“ wurden gemeldet. Die 1.
Herrenmannschaft konnte dann ungeschlagen in die Bezirksklasse „F“
aufsteigen. Die Bambini-Mädchen-Mannschaft belegte einen sehr guten zweiten
Platz und verpasste nur knapp den Aufstieg.
Für die Volleyball-Abteilung war die Saison 1985/86 eine besonders
erfolgreiche: Endlich wurde der Aufstieg in die Oberliga (nach dreimaligem
Aufstieg in nur zwei Spieljahren) von der Bezirklasse über die Landes- und
Verbandsliga geschafft. Dies war insbesondere das Verdienst von Theo
Tillmanns.
Auch die Leichtathleten waren im Jahre 1985 wieder sehr rege. In vielen Einzel-
und Mannschafts-Wettbewerben konnten 16 Kreistitel erkämpft werden. In den
DLV-Bestenlisten werden die Schülerinnen A im Mannschafts-Wettbewerb an 2.
Stelle aufgeführt, Frank Boukes steht über 3.000 Meter an 16. Stelle.
Die außersportlichen Leistungen der Leichtathletik-Abteilung sollten
ebenfalls nicht unerwähnt bleiben: Tagesausflüge der
Schülerabteilung, Saisonabschlussfeier und die Berlin-Fahrt (seit 1964 mit
jeweils 50 – 60 Mitgliedern aus allen Abteilungen des TV) waren einmal mehr
Höhepunkte eines intakten Abteilungslebens.
Auch die anderen Abteilungen des Vereins waren im Jahre 1985 immer bestrebt, das
sportliche und außersportliche Angebot an die Mitglieder attraktiv zu
gestalten, angefangen beim Kinder- und Erwachsenen-Turnen bis hin zur
Wanderabteilung. Allein die Wanderabteilung unter Leitung des sehr aktiven
Herbert Tüffers, führte Wanderungen, Radtouren und eine Eifelfahrt
durch, an denen fast 700 Personen teilnahmen. Auch der von Klaus
Schriefers organisierte „Staffellauf rund um
Nettetal“ fand im Jahre 1985 mit 94 teilnehmenden
Mannschaften aus der näheren und weiteren Umgebung regen Zuspruch.
Die Vorsitzenden des Turnvereins Lobberich
1861 Clemens Tillenberg
1863 Jakob Reiners
1864 Julius Hamm
1865 Johann Hoeren
1869 Wilhelm de Vos (bis 21.5.1869)
1869 Wilhelm Riether (ab 21.5.1869)
1870 Notar Doehmer
1876 Karl Hahnen (bis 21.4.1877)
1877 – 1886 nicht besetzt
1886 Karl Hahnen (ab 9.6.1886)
1887 Emil Heimendahl
1891 Wilhelm Schmelzeisen
1892 Arthur Hohnrot
1894 Wilhelm Schöny
1897 Hermann Wilhelm (bis 5.4.1897)
1897 Aloys Michels (ab 6.4.1897)
1902 Goswin Becker
1905 Norbert Gipkes
1909 Dietrich Olfenius
1922 Franz Eiselt
1930 Max Steeger
1933 Anton Kunnen
1935 Dr. jur. Joseph Veith
1972 Walter Boeken
1975 Günter Isenberg
1997 Hubert Glock